Stay

Anna Liana · Kapitel 8 von 9

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Stay

Kapitel 8

 

In der Nacht, nachdem ich Tom kennengelernt hatte, träumte ich von ihm.

Ich träumte, dass wir auf einer Wiese lagen und in den strahlend blauen Himmel sahen, der keine einzige Wolke zeigte. Die vielen Gänseblümchen kitzelten meine nackten Arme und Beine. Ich hörte nur das leise Grillenzirpen und Toms Atem und die Luft roch nach süßem Honig. Ich trug ein weißes Kleid, das bis zu meinen Knien reichte und mit wunderschönen Verzierungen bestickt war. Es war warm, ich spürte die leichte Hitze auf meiner Haut, die die Sonne mir schenkte. Rundherum war kein Ende der Wiese zu sehen, nur das viele Grün und die roten, gelben und blauen Farben der Blumen, auf denen die Bienen ruhten.

Es wäre ein perfekter Traum gewesen. Er fühlte sich perfekt an.

Doch Tom lag neben mir. Und wir berührten uns nicht, kein einziges Mal. Zuerst dachte ich, nein, ich hoffte, er würde näher kommen und ich könnte meine Arme um ihn schlingen und ihn küssen, seinen Duft riechen und ihn nie wieder loslassen. Aber er machte keine Anzeichen, er redete nicht, er bewegte sich nicht, er starrte nur in den Himmel.

Dann wollte ich mich überwinden und näher zu ihm rücken. Aber… ich konnte nicht. Ich wollte, aber mein Arm schreckte jedes Mal zurück. Ich stand auf und ging auf der Wiese problemlos herum, aber immer, wenn ich auf ihn zuging, wurden meine Beine schwerer und wenn ich versuchte mich neben ihn hinzusetzen um ihn zu berühren, musste ich sofort weggehen, weil es unerträglich für meinen Körper schien, in seiner Nähe zu sein.

Als wären wir zwei negativ geladene Magnete, die sich voneinander abstoßen. Die nicht gut füreinander wären, die keine Chance hätten, zusammenzuhalten.

Dieser Traum machte mir unglaublich Angst. Um ehrlich zu sein, tut er das immer noch.

Ich versuchte die ganze Woche nicht an ihn zu denken. Ich lenkte mich mit Büchern, Filmen und langen Spaziergängen durch Savannah ab. Aber ich konnte mein Gehirn, pardon, mein Herz, nicht unter Kontrolle halten. Einerseits wollte ich ihn sehen, andererseits musste ich die ganze Zeit an diesen Traum denken und diesen beschissenen Aberglauben, den ich von meiner Großmutter geerbt hatte.

Am Freitag erfuhr ich von Katie, dass Jackson Samstag eine Homeparty schmiss, und es war klar, dass auch Tom kommen würde. Ich war mir nicht sicher, ob ich gehen sollte, bis ich Freitag abends, als ich im Bett lag und den letzten Teil von Harry Potter las, eine SMS bekam.

‚Hey. Ich bin‘s Tom. Kommst du morgen zu Jacksons Party? ‘

Ich wäre fast vom Bett gefallen. Stattdessen rutschte mir dieses fette riesige Buch aus der Hand und fiel auf meine Brust. Mir fiel es schwer zu atmen, ob es jetzt wegen dem Buch oder Tom war, wusste ich nicht. Naja eigentlich schon, es war wegen Tom, aber wie auch immer, meine Brust schmerzte trotzdem wie die Hölle.

Obwohl ich Tom vergessen wollte, war natürlich schon längst klar, dass ich zu dieser Party gehen würde. Traum hin oder her, ich konnte meine Gefühle vor ihm nicht leugnen.

Ich glaube, ich war schon zu diesem Zeitpunkt in ihn verliebt.

Ich war schon die ganze Woche in ihn verliebt gewesen.

Ich war auch nach dem Traum aufgewacht und wusste, dass ich ihn in verliebt war.

Ich wäre immer noch ihn in verliebt.

‚Ja und du?‘

Er brauchte zwei Minuten und 13 Sekunden um zu antworten, das weiß ich noch ganz genau.

‚Klar. Dann bis morgen.‘

Natürlich kam ich in dieser Nacht zu nur 2 Stunden Schlaf, weil tausende Gedanken in meinem Kopf herumschwirrten. Und dann, um ungefähr 3 Uhr früh rief ich Katie an, die beim vierten Mal verschlafen ran ging. Im Hintergrund konnte ich Jacksons Schnarchen hören.

„Was zum Teufel willst du, Arizona?!“, zischte sie.

„KATIE WAS SOLL ICH MORGEN ANZIEHEN?“ Ich merke erst jetzt, wie idiotisch diese Frage klang.

„WAS?“

„Morgen zu der Party. Tom wird da sein.“

„Ach, was für eine Überraschung.“, meinte sie sarkastisch.

„Können wir morgen einkaufen gehen? Bitte.“

„Du meinst wohl heute. Es ist 3 Uhr, du Kuh.“

„Ja, tut mir leid.“

„Okay. Ich ruf dich morgen an.“

„Danke. Du bist die Beste.“, sagte ich.

Sie legte auf, aber ich wusste, dass sie lächelte.

Ich wachte erst mittags auf. Als ich ins Esszimmer ging und den leeren Tisch vorfand, fiel mir ein, dass meine Eltern in New York waren. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern wieso, irgendwas Geschäftliches.

Vor der Abfahrt meiner Eltern, bat ich das gesamte Küchenteam einschließlich Selma, kein verdammtes Riesenfrühstück für mich vorzubereiten, es sollte lediglich Toast und Orangensaft in der Küche stehen. Ich schickte die Angestellten nachhause, sie sollten erst wieder nächsten Mittwoch kommen, da planten meine Eltern ihre Rückkehr, wie sie mir mitgeteilt hatten. Allerdings kamen sie meist nie geplant zurück, erst ein oder zwei Tage später.

Ich machte mir mein Frühstück und aß gleich in der Küche. Als ich wieder in mein Zimmer ging, läutete mein Handy. Es war Katie, wie versprochen.

„Also Süße. Du musst heute Abend sexy aussehen.“, meinte sie sofort.

„Katie, ich will ja nicht mit ihm schlafen! Ich will einfach nur…“ Ich stutzte. Was wollte ich überhaupt?

„Seine Aufmerksamkeit.“, beendete Katie meinen Satz. „Deshalb musste du sexy aussehen. Ich bin in 15 Minuten bei dir, dann bist du fertig, klar?“

Ich rannte ins Bad, sprang schnell unter die Dusche, putzte mir die Zähne und schminkte mich etwas. Ich zog mir ein graues, lockeres T-Shirt, ein Paar Jeans und Chucks an und band meine Haare zu einem Zopf. Gerade als ich Zeug in meine Tasche räumte, welches ich wahrscheinlich sowieso nicht brauchen würde, hörte ich Autohupen.

Ich eilte die Treppe hinunter, schnappte mir meine Jacke und ging aus dem Haus.

Katie stand mir ihrem schwarzen Porsche vor der Einfahrt und winkte mir zu.

Ich stieg in das blitzblanke, glänzende Auto, das Katie vor einem Monat von ihre Eltern geschenkt bekommen hatte. Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Willst du vorher noch was essen gehen?“, fragte ich sie, obwohl ich keinen Hunger hatte, ich hatte gerade erst zwei ScheibenToast verdrückt.

„Nein, danke.“, sagte sie.

„Hast du schon gegessen?“

„Nein.“ Sie blickte starr geradeaus.

Ich hätte sie überreden können. Ich hätte sie zu jedem x-beliebigen Restaurant schleppen sollen, um alles Mögliche zu bestellen und es ihr vor die Nase zu halten, bis sie endlich etwas gegessen hätte. Ich hätte ihr jeden Tag sagen sollen, wie schön sie ist, wie perfekt. Denn das war Katharina, das war keine Lüge. Ich verstehe bis heute nicht, wie sie das nicht sehen konnte. Ihre knochigen Finger umklammerten das Lenkrad. Ich wusste schon da, dass sie krank war. Und ich könnte mich selbst schlagen, wenn ich daran denke, dass ich nichts unternommen habe, um ihr zu helfen.

„Hast du deine Kreditkarte dabei?“, fragte sie.

„Ja, wieso?“

„Gut. Zuerst Chanel oder Burberry?“

Ich lachte. „Katie, fahr zu Forever 21 und halt die Klappe.“

„Bist du bescheuert? Reiche Mädchen wie wir…“

„Ich bin nicht reich!“, unterbrach ich sie. „Meine Eltern sind reich. Und da ich rein gar nichts mit meinen Eltern gemeinsam habe, werde ich auch nicht, sowie wie sie, unnötig Geld aus dem Fenster werfen.“

„Du wirfst das Geld nicht aus dem Fenster, du wirfst es in den Himmel, in die Arme von Coco Chanel.“

Wieder einmal hatte sie es geschafft mich zu überreden.

Allerdings mussten wir Coco Chanel enttäuschen, ihre Designs waren nicht so mein Ding. Auch bei Burberry fand ich nichts, aber Katie kaufte sich einen neuen Mantel für ihre Sammlung. Sie trug fast ausschließlich Mäntel. Heute war es ein marineblauer Trenchcoat, der knapp bis zu den Knien ging und ihre Taille eng umschnürte. Ihr blondes, schulterlanges Haar roch nach Kirschen und Jackson. Sie trug dasselbe Parfüm, seit sie anfing Parfüm zu tragen, und das war Chanel N°5. Es passte perfekt zu ihr. Katie benahm sich selten wie eine 17-Jährige und so sah sie auch nicht aus. Für manche scheint das bewundernswert zu sein, für mich war das eher traurig. Ich finde, sie hat ihre Jugend nie genossen. Das hatte sie von ihren Eltern. Susanna Walton und John Walton gingen auf dasselbe College wie meine Eltern und aus ihnen ist das gleiche geworden, wie aus meinen. Ein reiches, mächtiges und unsympathisches Ehepaar. Ich erinnere mich nicht daran, die beiden jemals lächeln gesehen zu haben. Die beiden erzogen Katie ziemlich streng, und hätten meine Eltern nicht ewig auf sie eingeredet, wäre Katie niemals auf unsere Schule gegangen, sondern in ein Mädcheninternat. Dann hätte sie Jackson nie kennengelernt, was vielleicht gar nicht so schlecht für sie gewesen wäre.

Obwohl es ziemlich witzig war, Katie und Jackson zusammen zu sehen. Sie, mit Burberry Mantel, Hermes Tasche und Hilfiger Stiefeletten, und er mit Lederjacke, einfachem weißen T-Shirt, Jeans und seinen alten grauen Stiefel. Sie waren so unterschiedlich und passten doch so perfekt zusammen. Aber sie trennten sich.

Wegen Elle, wie man vielleicht schon denken konnte. Ich will darüber jetzt noch nicht reden.

Ich kaufte mir schließlich ein goldenes Top von Gucci und schwarze Jeans von DKNY. Beides war teuer, aber es sah wirklich gut aus. Katie wollte noch zu Christian Louboutin für ein Paar Schuhe mit roter Sohle, aber ich redete solange auf sie ein, bis sie zu einem Laden fuhr, bei dem ich manchmal einkaufte und der auf jedem Kleidungsstück Preisschilder hatte, im Gegensatz zu all den teuren Markengeschäften, wo man nach dem Preis fragen musste. Und, wie Katie sagte, wenn du fragst, musst du’s auch kaufen.

Nach unserer Shoppingausbeute fuhren wir zu mir. Es war schon später Nachmittag, weshalb ich mich schnell unter die Dusche warf, während Katie nachhause fuhr und ihre Kleidung für die Party holte.

Als Katie wiederkam, brachte sie Elle mit ihr und wir machten uns zu dritt in meinem Zimmer fertig, während im ganzen Haus Stille herrschte. Wie angenehm es war, niemanden sonst im Haus zu haben.

Am Ende sahen wir wirklich klasse aus, aber ich fühlte mich schon vor der Party unwohl in den teuren Sachen. Ich trug schwarze High-Heels und meine Augen waren zu stark geschminkt. Ich mochte zwar schön sein, aber das war nicht ich, die ich da im Spiegel sah.

Wir fuhren um 22 Uhr in Katies Porsche zu Jacksons Haus. Katie erzählte uns, dass Jacksons Eltern auf Urlaub waren, was auch immer das bedeuten sollte. Als wir dort ankamen, schien die Party bereits im vollen Gange zu sein, man hörte die laute Musik und aus den Fenstern tanzten bunter Lichter und Schatten waren zu erkennen.

„Ich will da nicht rein.“, stellte ich in dem Moment fest, als das Auto zum Stillstand kam und aufhörte zu „schnurren“, wie Katie es nannte.

„Zu spät, Kleine.“, meinte sie und stieg aus. Sie war noch nie wirklich mitfühlend gewesen oder sowas.

„Was ist denn los?“, fragte Elle von hinten.

„Schau mich an!“

„Du siehst umwerfend aus.“ Sie lächelte mich an, allerdings half das nichts.

„Ich bin viel zu aufgetakelt, Tom wird mich nicht mal widererkennen!“

„Oh bitte, er wird sprachlos sein, wenn er dich sieht! Und dann werde ich zu ihm gehen und sagen ‚Oh ja, Baby, das hast du nur mir zu verdanken! ‘“ Katie grinste verträumt.

Ich wusste, dass sie das nicht tun würde, aber ich drohte ihr trotzdem, sie sollte das ja nicht machen. Sie lachte nur, drückte auf ihren Autoschlüssel und weil der Porsche daraufhin so ein komisches Geräusch von sich gab, schien es so, als würde er mit ihr lachen.

Die Tür zu Jacksons kleinem Häuschen war offen und darin befand sich eine laute, stinkende Masse an Menschen, die tanzten und rote Pappbecher in die Luft hielten, als wäre es das Letzte was sie in ihrem Leben tun würden. Amerikanische Teenager eben.

Katie schrie uns irgendwas zu und verschwand dann in der Menge, sie suchte wohl Jackson. Elle und ich gingen in die andere Richtung, drängten uns bei Leuten vorbei und versuchten die musternden Blicke, die sie uns zuwarfen, zu ignorieren. Wir fanden das Badezimmer, das wie durch ein Wunder nicht besetzt war und quetschten uns hinein. Elle schloss die Tür und drückte gleichzeitig dagegen, als würde sie gleich einbrechen und eine Horde Höllenmenschen/amerikanischer Teenager würde auf sie fallen.

Elle sah mich an und wir prusteten los. Ich denke, wir hatten genau denselben Gedanken.

„Wieso sind wir nochmal hergekommen?“, fragte ich, klappte den Klodeckel runter und setzte mich darauf.

„Um der Liebe deines Lebens heiße Blicke zuzuwerfen!“, sagte Elle theatralisch und versuchte Katie nachzuahmen, woraufhin wir wieder loslachten.

Wenn ich damals gewusst hätte… Wenn ich gewusst hätte, dass er für mich wirklich die Liebe meines Lebens werden würde…

Elle lehnte sich an den Badewannenrand und sah mich an. „Magst du ihn?“

Ich tat so als würde ich überlegen, sah zu Boden, dann wieder zu ihr, dabei wusste ich es genau. „Ich denke schon.“

Sie lächelte. „Na dann.“

„Was heißt ‚Na dann‘?“

„Es heißt, dass euch nichts mehr im Weg steht. Es heißt, dass du jetzt in diesem Moment sofort zu ihm gehen könntest, falls du ihn hier überhaupt jemals findest“ - sie hielt kurz inne, beugte sich vor und strich mir meine Haare hinters Ohr – „und du könntest ihn küssen und er würde deinen Kuss leidenschaftlich erwidern, weil er zu 110% genau dasselbe für dich empfindet, wer würde das schließlich nicht tun?“

Deshalb liebe ich Elle. Sie war immer für mich da. Sie fand immer die richtigen Worte.

Plötzlich hämmerte jemand gegen die Tür, ich denke schon länger, aber durch die laute Musik hatten wir es nicht richtig mitbekommen.

„Hey, kannst du mal die beschissene Tür aufmachen?!“, hörte ich jemanden brüllen.

Ich drehte das Schloss und da fiel mir auf, dass ich die Stimme kannte.

„Oh mein Gott, es ist…“ Ich wurde von einem großen Stück Holz unterbrochen, das gegen mein Gesicht schlug und mich zu Boden warf. Die Tür stand sperrangelweit offen, nach dem sie mich so wundervoll begrüßt hatte und kein anderer als Tom stand dahinter.

Er starrte mich eine Weile an, bevor sich sein Gesichtsausdruck veränderte und sich sein Mund öffnete. „Arizona?“

„Oh mein Gott Arizona!“ Das war Elles Stimme, sie kniete neben mir nieder, woraufhin mir auffiel, dass ich am Boden lag, und nahm meine Hand. „Alles in Ordnung?“

„Oh Scheiße, ich wusste nicht…“, hörte ich Tom fluchen, aber Elle unterbrach ihn.

„Bist du vollkommen bescheuert?! Machst du jede Tür so auf? Einfach mal draufschlagen, der was dahinter steht, hat nun mal Pech gehabt, was?!“, schrie sie ihn an. Wenn ich daran denke, muss ich zugegebenermaßen leicht schmunzeln. Wie schnell Elle ihre Stimmung wechseln konnte!

Ich versuchte die ganze Zeit, etwas zu sagen, aber meine Kehle war unglaublich trocken und ich sah Elle nur ganz verschwommen. Mein Schädel tat höllisch weh. Ich spürte den widerlichen, metallischen Geschmack von Blut in meinem Mund.

„Mist, Arizona, deine Lippe ist aufgeplatzt! Du blutest!“

Danke für den Hinweis, Elle.

„Bring ihr ein Handtuch und mach es nass!“, fauchte sie Tom an und keine Sekunde später drückte mir Elle ein kaltes Tuch auf die Lippe.

„Soll ich Eis holen?“, hörte ich Tom fragen.

Dann nahm ich andere Stimmen wahr. Was ist los? Gab es eine Schlägerei? Wer war das?

Aber die Stimmen wurden leiser, die Musik auch und ich spürte das Kalte auf meinen Lippen nicht mehr. Alles wurde wieder schwarz, sowie kurz nachdem mir die Tür ins Gesicht schlug und ich auf den kalten, harten Boden fiel.

Als ich wieder aufwachte, lag ich in einem Bett. Als erstes nahm ich wahr, dass ich meine hohen Schuhe nicht mehr trug und mein Füße sich deshalb wieder entspannt hatten. Ich trug aber noch Gucci und DKNY, war allerdings mit einer Decke zugedeckt worden.

„Hey.“

Ich zuckte zusammen.

„Oh, tut mir leid, ich wollte dich nicht schrecken.“ Es war er. Ich wusste es.

Ich versuchte meinen Kopf zu drehen, ich wollte ihn sehen, aber bei der kleinsten Bewegung spürte ich tausend kleine Stiche, die sich in meinen Schädel bohrten.

Schon wieder wollte ich etwas sagen, aber meine Stimme erstarb, meine Kehle war immer noch staubtrocken. Ich ächzte nach Luft und da tauchte er vor mir auf, sein Gesichtsausdruck war besorgt, und obwohl ich kaum Luft bekam, unglaublich Durst hatte und meine Kopf dermaßen weh tat, musste ich nur daran denken, wie süß er war.

„Willst du was trinken? Ich bringe dir Wasser, okay?“

Ich brachte ein kleines Nicken zustande und er verschwand wieder. Mir fiel auf, dass ich keine Musik mehr hörte und auch keine Stimmen von Leuten. Es war vollkommen still. Wie angenehm.

Tom kam wieder mit einem Glas Wasser. Er stellte es auf das Nachtkästchen neben mir.

Er sah mich etwas verunsichert an. „Kann ich dir helfen?“

Ich nickte wieder. Er schob sanft seine Hand zwischen meinen Kopf und das Kissen und hob meinen Nacken leicht an. Seine Berührung brannte auf meiner Haut, ich wollte, dass er nie wieder damit aufhörte. Mit der anderen Hand nahm er das Glas und brachte es zu meinem Mund. Ich trank gierig davon, bis es leer war, seine Hand wurde lockerer, bis ich wieder auf dem Kissen lag und er sie wegzog.

„Besser?“

„Ja.“ Endlich konnte ich wieder reden. „Danke.“

Er blieb kurz still, fuhr sich durch die zerzausten, dunklen Haare. Ich konnte ihn kaum erkennen, weil es so dunkel im Zimmer war.

„Es tut mir unglaublich leid, Arizona. Ich wusste nicht, dass du in dem Badezimmer bist, was es natürlich nicht entschuldigt. Ich wollte dich nicht verletzen und ich kann verstehen, wenn du jetzt nie wieder mit mir reden willst.“

Ich weiß nicht, ich denke nicht, dass er es gesehen hat, aber ich lächelte. „Tom, es ist okay. Es war nicht deine Absicht.“

„Trotzdem. Welcher Idiot schlägt so gegen eine Tür?!“ Er schien wirklich ein schlechtes Gewissen zu haben, was meine Schmerzen wieder wett machte, weil er sich um mich sorgte.

„Es ist okay.“, sagte ich wieder. „Aber Tom?“

Er sah mich an. „Ja?“

Ich lauschte kurz seinem Atem, sah seine dunkle Statur an, ich konnte es in vollen Zügen genießen, ihn anzuschauen, weil er es sowieso nicht merkte. „Ich will nicht aufhören mit dir zu reden.“

„Wirklich?“

„Ja. Im Gegenteil. Ich will…“ – ich hörte kurz auf zu reden, weil er sich an den Rand des Bettes setzte und ich seine Hand an meiner spüren konnte – „ich will dich kennenlernen, Tom.“