The Kill, 100% tot

Annisoli Drægon · Kapitel 1 von 9

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The Kill, 100% tot

Kapitel 1

Kurz darauf störte sie eine tiefe Stimme: „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“

Sie blinzelte überrascht und sah den jungen Mann an. „Bitte.“

Der Mann hatte dichtes dunkles Haar, war sehr sportlich, mit blauen Augen und einem freundlichen Lächeln. Er stellte sich als Jerry Garden vor, Polizist mit englischen Wurzeln.

„Miriam Neuer. Ich arbeite in einer Kinderarztpraxis.“ Er war Polizist, sie musste vorsichtig sein. Natürlich hieß sie nicht wirklich so, aber das war ihre Deckidentität. Ihre heutige Deckidentität, eine von rund zwanzig weiteren. Ihr echter Name war Lilia Flake und sie war aus Tennessee eingewandert, sprach jedoch akzentfrei Deutsch. Ihre Mutter war Deutsche gewesen. Diesen Namen verriet sie niemandem, kein Killerkommando stellt sich vor, bevor sie losschießen, und ihre Chefin, die Auftragsmörderin Lilia schon gar nicht. Für ihre Untergebenen war sie einfach Essee Tenn. Essee Tenn, Tennessee. Und für die anderen Verbrecher war sie nur Lucy.

Sie plauderte ein wenig mit Garden, nur harmloser Smalltalk, bis ihr Opfer in seinem Büro den Computer herunterfuhr, seine Aktentasche packte und Anstalten machte zu gehen. Lilia bezahlte, entschuldigte sich bei Garden und folgte dem gewünschten Ziel des Auftraggebers. Gott, sie liebte ihren Job!

Ernst Fass stieg in seinen Firmenwagen und fuhr aus Hamburg hinaus. In ihrem Landrover folgte sie ihm einige Kilometer auf der Landstraße. Als er auf einen Waldweg abbog, um dem Stau auf der Autobahn zu entgehen, stellte sie ihren Wagen ab und lief in den Wald. Der Waldweg beschrieb einen großen Bogen, sie kürzte einfach durchs Unterholz zu dem Ende des Weges, wo er wieder auf eine neue Landstraße mündete, ab. Sie stellte sich hinter einen Baum, lud ihre Waffe und wartete.

Nach einer Weile kam das Auto in Sicht.

„Ernst, jetzt wird’s ernst“, dachte sie. Ihre SIG Sauer lag gut in der Hand, sie war nicht zu sehen, konnte in Ruhe zielen. Als das Auto nur noch wenige Meter von ihr entfernt war, gab sie einen Schuss ab. Die Kugel traf ein kleines Gasbehältnis, welches sie in der Nacht zuvor unter dem Scheinwerfer befestigt hatte. Das unauffällige Glasfläschchen explodierte und fing Feuer, als der Motor Funken sprühte. Fass verlor die Kontrolle über den Wagen. Es würde aussehen wie ein Unfall.

Lilia verschwand im Wald. Auftrag erledigt.

Sie konnte solche Aufträge problemlos ausführen, Gewissensbisse hatte sie nicht, keine unruhigen Nächte. Alles im grünen Bereich. Auch wenn sie sich so manche Nacht mit einem Auftrag um die Ohren schlug. Es war genug um davon zu leben, und es gab überraschend viele Menschen, die jemanden los werden wollten. Lästige Geschwister, die die Erbschaft anfochten, Schwiegermütter, Lehrer, Professoren oder Strafrichter, Polizisten oder Geschäftskonkurrenten. Nicht immer sollte sie töten. War der Auftraggeber zu rücksichtsvoll arrangierte sie einen leinen Unfall à la Axt im Arm oder rutschige Treppe, wodurch die Zielperson ein paar Tage bis Wochen oder Monate außer Gefecht oder eingeschränkt waren. Eigentlich fand sie diese Aufträge fast noch schlimmer. Nicht nur wegen den Schmerzen, die einige erleiden mussten, die interessierten sie kaum, nein, sie musste mehr zurücklassen, es gab mehr Indizien, manchmal bekam das Opfer etwas mit. Die Auftraggeber waren natürlich immer ein weiterer Schwachpunkt. Grund genug für ständig wechselnde Identitäten und Wohnorte. Keiner würde sie aufspüren können. Nicht das FBI, weder CIA noch Militär, Polizei und Interpol nicht.

Doch diese Regel hatte sich ein gewisser Jeremiah wohl nicht gemerkt. Denn er konnte es sehr gut.