The Kill, 100% tot
Kapitel 3
Der Vertrag beinhaltete Unterkunft und Verköstigung für die Dauer des Auftrags und Garden bedeutete ihr, ihm zu folgen. Das Türschloss war doppelt gesichert, stellte Lilia fest, und Jerry brauchte eine Weile, bis er die Tür öffnen konnte. Innerlich schnaubte Lilia. Sicherheitsfreaks. Selbst wenn, auch solche Hindernisse hatte sie in ihrem Job schon überwunden, wenn auch von draußen nach drinnen, nicht andersherum, wie sie es in diesem Fall hätte tun müssen.
Der Wachmann vor der Tür brachte die beiden zum Aufzug und schließlich durch die Gänge. Jerry war genauso verwirrt wie Lilia, als sie schließlich anhielten.
„Bitte, Frau Flake. Zimmer 1084. Frühstück ist um halb acht, jemand holt sie um viertel nach sieben ab. Herr Garden, sie sind im Zimmer nebenan, 1083.“ Schon verschwand die Wache wieder.
Jerry zwinkerte Lilia zu: „Gute Nacht.“ Er betrat sein Zimmer und sie ihres.
In seinem Zimmer ging er als erstes duschen. Es ging auf zwei Uhr morgens zu und er wollte noch etwas schlafen. Er war Lilia Flake seit Wochen auf der Spur, heute ein wenig den bösen Cop zu spielen war eine wunderbare Abwechslung gewesen, aber trotzdem anstrengend. Nachdem er sich abgetrocknet hatte fiel er nur in Shorts ins Bett und schlief sofort ein.
Obwohl er nur wenige Stunden geschlafen hatte war er am nächsten Morgen sofort hellwach, als der Wecker klingelte. Heute war der zweite Teil des Auftrags dran, das gab ihm einen Kick. Er war gespannt auf ihre Techniken, Theorien und Kenntnisse, wollte mehr über die Verbrecher unter sich erfahren. Jerry war im Grunde ein guter Mensch mit einem starken Gerechtigkeitssinn, der sich mit ganzem Herzen der Verbrecherjagd und Sonderfällen der Kriminalgeschichte widmete. Er lernte gerne von Menschen aller Art – und wenn sie im Knast saßen. Es gehörte zu seinen wöchentlichen Beschäftigungen, die Menschen der örtlichen Justizvollzugsanstalten zu besuchen, mit den Insassen und Wachmeistern zu reden und sich neues Wissen anzueignen. So war er schon weit gekommen, er bekam Insider-Informationen, Hinweise und manchmal auch Geistesblitze während der Gespräche. Einige der Gefangenen fürchteten den Ermittler, sie hatten Angst, er könnte ihnen noch mehr anhängen, andere waren fast mit ihm befreundet. Niemals würde Jerry irgendetwas, was er von ihnen erfuhr, gegen sie verwenden.
Er machte sich frisch und öffnete den Schrank. Wie erwartet hatte der Boss ihm zu dem Auftrag passende Kleidung bereitlegen lassen. Er schlüpfte in die Jeans und das weiße kurzärmelige Hemd. Zehn nach sieben. Er schlüpfte in seine Schuhe und trat vor die Tür.
Lilia wartete bereits. Sie trug dunkle Jeans und ein rotes Top, ihre Haare hingen ihr über die Schultern und glänzten im Sonnenlicht, das durch die Fenster hereinfiel.
„Guten Morgen“, begrüßte er sie.
„Hallo.“
„Gut geschlafen?“, wollte er wissen.
„Nicht wirklich“, antwortete sie.
Er lachte. „Gewissen oder Unwissen was los ist?“
„Ich habe kein Gewissen. Nicht in solchen Dingen. Kombiniere, Agent …“, entgegnete sie spitz. Er grinste nur.
Ein junger Wachmann zeigte ihnen den Weg über drei Flure und eine Treppe hinunter, zu einem großen Raum.
„Bitteschön“, sagte er und lief wieder zurück. Jerry legte die Hand auf die Türklinke und wollte die Tür öffnen, aber Lilia fragte:
„Herr Garden, warum ich?“
Garden zögerte. „Weil sie gut in der Szene sind, aber unauffällig und geschickt. Und, bitte nennen Sie mich Jerry. Wir sind jetzt sozusagen Kollegen.“ Sie lächelte und er lächelte zurück, ein echtes warmes Lächeln, die Kälte aus der Nacht zuvor war daraus verschwunden. „Ok. Ab zum Boss. Mr. Sasha nennen wir ihn.“ Und er öffnete die Tür.