The Kill, 100% tot
Kapitel 5
Das Dark Death lag fast außerhalb von Braunschweig, gerade noch bei den letzten Häusern der Weststadt. Hier kam fast jeder Kriminelle her, in Verbrecherkreisen war der Pub unter der Erde legendär. Von aussen sah das DD aus, wie ein stinknormales Reihenhaus, etwas heruntergekommen vielleicht. Jerry stellte das Auto auf Lilia's Anweisung an den Rand der Sackgasse, an deren Ende das DD einsam lag, und an die offene Felder grenzten. Sie stiegen aus und verschlossen den Wagen, nur mit den Pistolen und Betäubungspfeilen bewaffnet. Den Plan hatten sie bereits besprochen, aber Jerry war nervös. Lilia merkte es.
„Ganz ruhig, und cool bleiben, du bist ebenfalls ein Verbrecher“, redete sie leise auf Jerry ein. Er nickte. „Und denk daran: Unter Verbrechern bin ich Lucy und du Andreas. Wir haben die Knopfkameras. Wir können uns hinterher alles nochmal ansehen.“ Er nickte wieder. Mehr brachte er nicht zustande. Dabei war er ein Agent, verdammt. Sie blickte ihn noch einige Sekunden an und ging dann auf das Haus zu. Durch eine Außentreppe seitlich am Haus gelangten sie in den Keller. Lilia ging auf den Barkeeper zu. „Hey, Dennis. Ist Poison da?“ Jerry hielt sich im Hintergrund und sah sich unauffällig um.
„Hallo Lucy! Lange nicht gesehen. Ja, Poison ist nebenan und verhandelt mit einem Kunden. Ich sage ihm Bescheid. Und heute in Begleitung, Lucy. Dass ich das noch erleben darf.“ Er ging aus dem kahlen Raum, in dem es gerammelt voll war, heraus, und Jerry folgte Lilia, die Dennis ohne zu zögern auf einen Flur folgte. Dennis klopfte an einer Tür. Es drangen gedämpfte Worte heraus, die Tür ging auf und eine zierliche Frau schlüpfte heraus.
,,Sind gerade fertig“, nuschelte sie und verschwand wieder im Barraum. Dennis bedeutete Jerry und Lilia einzutreten und schloss hinter ihnen die Tür. Jetzt waren sie alleine mit dem Mann in dem Zimmer. Er war vielleicht Mitte vierzig, seine kurzen hellen Haare lichteten sich bereits. Seine Augen waren wässerig blau und schienen alles zu durchdringen. Eigentlich wirkte er sehr sympathisch, aber Jerry versuchte hinter all das zu blicken und die Gefährlichkeit des Mannes zu erkennen. Lilia setzte sich ihm gegenüber und Jerry folgte ihr.
„Lucy. Lange her“, bemerkte Poison.
„Wohl wahr“, gab Lilia zurück. „Mein Partner und ich haben einen Auftrag. Wir brauchen ein ganz bestimmtes Mittelchen.“
Poison hatte schon mit vielen zusammengearbeitet und alle betrogen, außer seine zuverlässigen Kunden. Komplizen, die mit ihm Flugzeuge entführt hatten, waren mysteriös an Vergiftung gestorben, Leute die ihm Waffen beschafften, hatten sich scheinbar selbst umgebracht. Und so vermutete Poison, dass Lucy das gleiche mit ihrem Partner plante, wenn sie fertig war, mit was immer sie tun wollte. Selbstverständlich war Poison noch nicht mit allen seinen Leuten fertig, viele brauchte er noch für seine schmutzigen Vorhaben.
„Dein Partner. Soso. Was braucht ihr?“, wollte er wissen.
„Ein Schlafmittel. Schnell und zuverlässig, zum in-den-Kaffee-mischen“, warf Jerry ein.
„Und noch etwas, aber das würden wir lieber nicht hier besprechen. Dürfte ich Sie kurz hinaus bitten? Zum Auto?“, ergänzte Lilia.
„Tut mir Leid, aber ich erwarte jemanden“, lehnte Poison ab. „Hat es noch Zeit?“
„Ein wenig“, bestätigte Lilia. „Können wir uns morgen um sechs im Schloss bei Starbuck's treffen?“
„Ich werde da sein“, versprach Poison.
,,Toller Erfolg”, grinste Jerry. Sie saßen im Landrover und schalteten ihre Knopflochkameras ab.
,,Immerhin”, meinte Lilia.
,,Was jetzt?”, fragte er weiter.
,,Wir treffen ihn bei Starbuck's und er gibt uns das Mittel. Danach bitten wir ihn an irgendeinen anderen Ort. Dort betäuben wir ihn und packen ihn in den Kofferraum”, fasste Lilia zusammen.
,,Sehr schön. Nur fände ich es besser wenn einer ihn irgendwohin mitnimmt und der andere wartet dort mit einem Betäubungspfeil. Am besten holst du ihn und ich höre über Halsmikro mit, wohin ihr geht”, ergänzte Jerry.
,,Hm”, machte Lilia. ,,Kann Mr. Sasha uns noch mehr Leute schicken?”
,,Mit Sicherheit. Worauf willst du hinaus?”, wollte Jerry gerne wissen.
,,Poison wird schnell misstrauisch. Es wird ihm verdächtig vorkommen wenn ich dich als meinen Partner vorgestellt habe und wir das Mittel zusammen brauchen, aber nur einer bei Starbuck's auftaucht. Lieber wäre mir, wenn wir beide zu dem Treffen gehen und einige Schützen an dem Ort stationiert werden, wohin wir gehen. Was meinst du?”
Jerry nahm sein Diensthandy heraus. ,,Mal sehen, wen Mr. Sasha erübrigen kann.”