Von der Macht des Gemüts, durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein

Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken.

 

Einem Gelehrten ist das Denken ein Nahrungsmittel, ohne welches, wenn er

wach und allein ist, er nicht leben kann; jenes mag nun im Lernen (Bücherlesen)

oder im Ausdenken (Nachsinnen und Erfinden) bestehen. Aber beim Essen oder

Gehen sich zugleich angestrengt mit einem bestimmten Gedanken beschäftigen,

Kopf und Magen oder Kopf und Füße mit zwei Arbeiten zugleich belästigen,

davon bringt das eine Hypochondrie, das andere Schwindel hervor. Um also

dieses krankhaften Zustandes durch Diätetik Meister zu sein, wird nichts weiter

erfordert, als die mechanische Beschäftigung des Magens, oder der Füße, mit der

geistigen des Denkens wechseln zu lassen und während dieser (der Restauration

gewidmeten) Zeit das absichtliche Denken zu hemmen und dem (dem

mechanischen ähnlichen) freien Spiele der Einbildungskraft den Lauf zu lassen;

wozu aber bei einem Studierenden ein allgemein gefaßter und fester Vorsatz der

Diät im Denken erfordert wird.

Es finden sich krankhafte Gefühle ein, wenn man in einer Mahlzeit ohne

Gesellschaft sich zugleich mit Bücherlesen oder Nachdenken beschäftigt, weil

die Lebenskraft durch Kopfarbeit von dem Magen, den man belästigt, abgeleitet

wird. Ebenso, wenn dieses Nachdenken mit der krafterschöpfenden Arbeit der

Füße (im Promenieren(11)) verbunden wird. Man kann das Lukubrieren noch

hinzufügen, wenn es ungewöhnlich ist. Indessen sind die krankhaften Gefühle

aus diesen unzeitig (invita Minerva) vorgenommenen Geistesarbeiten doch nicht

von der Art, daß sie sich unmittelbar durch den bloßen Vorsatz augenblicklich,

sondern allein durch Entwöhnung, vermöge eines entgegengesetzten Prinzips,

nach und nach heben lassen, und von den ersteren soll hier nur geredet werden.