Von der Macht des Gemüts, durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein

Inhalt.

 

Seite

Einleitung 7

 

Grundsatz der Diätetik 11

 

Von der Hypochondrie 14

 

Vom Schlafe 16

 

Vom Essen und Trinken 19

 

Von dem krankhaften Gefühl aus der Unzeit im Denken 21

 

Von der Hebung und Verhütung krankhafter Gefühle durch den

Vorsatz im Atemziehen 22

 

Von den Folgen dieser Angewohnheit des Atemziehens mit

geschlossenen Lippen 24

 

Denkgeschäft – Alter 25

 

Nachschrift. – Vorsorge für die Augen von seiten der Buchdrucker

und Verleger 27

Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig.

(1) Ich übersendete mein Buch Hrn. Prof. Kant, um ihm einen Beweis der

Verehrung zu geben, die gewiß jeder denkende Mensch diesem Weisen zollt,

zugleich aber um ihn vielleicht zu veranlassen, über einige darin enthaltene und

für das philosophische Tribunal gehörige Ideen nachzudenken, wodurch ich

unsrer Kunst zugleich einen Vorteil zu verschaffen hoffte. Ich freue mich

ungemein, meinen Wunsch erfüllt zu sehen und hier meinen Lesern mehrere

dadurch veranlaßte Ideen und Entwicklungen mitteilen zu können, die für jeden

denkenden Arzt höchst interessant sein müssen, und die zugleich über die

individuelle geistige und körperliche Diätetik dieses großen Mannes sehr

lehrreiche Notizen erteilen. – Was einige für mich zu schmeichelhafte Ausdrücke

darin betrifft, so bitte ich zu bedenken, daß sie in einem an mich geschriebenen

Briefe vorkommen, und ich hoffe dadurch jedem Vorwurf zu entgehen, der mir

darüber gemacht werden könnte, daß ich sie stehen ließ, welches ich um so

weniger verhindern konnte, da sonst der ganze Sinn hie und da verloren

gegangen wäre, auch ich überdies offenherzig gestehe, daß ich nicht ein Wort

auszustreichen wage, was ein Kant geschrieben hat.

H.

 

(2) Im dogmatisch-praktischen Vortrage, z. B. derjenigen Beobachtung seiner

selbst, die auf Pflichten abzweckt, die jedermann angehen, spricht der

Kanzelredner nicht durch Ich, sondern Wir. In dem erzählenden aber, der

Privatempfindung (der Beichte, welche der Patient seinem Arzte ablegt), oder

eigener Erfahrung an sich selbst, muß er durch Ich reden.

 

(3) Den Kopf warm zu halten, ist gewiß immer nachteilig, und die

medizinische Regel ist eigentlich: »den Kopf kühl und die Füße warm zu

halten«. Es bedarf daher diese Äußerung des würdigen Verfassers einige

Berichtigung. Es ist allerdings vollkommen wahr, daß, wenn wir unsere Füße

von Jugend auf ebenso bloß trügen, wie unsere Hände, Gesicht, und die Weiber

auch den Hals und die Brust, wir sie ebensogut gegen Kälte und Witterung würden abhärten können, wie diese, und Millionen von Menschen, welche

barfuß laufen, beweisen dieses. Da aber unser Klima und unsere

Lebensverhältnisse uns nicht erlauben, das Bloßtragen immer fortzusetzen,

sondern die Füße bekleidet zu tragen gebieten, so entsteht dadurch schon die

Möglichkeit einer Erkältung, durch Weglassung der gewohnten Bedeckung. Und

da es nun überdies gar nicht zu leugnen ist, daß die Füße, besonders der

Unterfuß, in einer ganz besondern antagonistischen Verbindung mit den oberen

Teilen stehen, so daß durch Erkältung, das heißt, Unterdrückung der

Hautthätigkeit, sehr leicht ein Krankheitsreiz auf Kopf, Brust und

Unterleibseingeweide reflektiert werden kann, so folgt allerdings daraus die

Notwendigkeit, dieselben nicht sowohl warm, sondern in einer gleichmäßigen

Temperatur zu halten.

H.

 

(4) Hierwider möchte ich doch die Beobachtung anführen: daß

unverehelichte (oder jung verwitwete) alte Männer mehrenteils länger ein

jugendliches Aussehen erhalten, als verehelichte, welches doch auf eine längere

Lebensdauer zu deuten schein. – Sollten wohl die letztern an ihren härteren

Gesichtszügen den Zustand eines getragenen Jochs (davon conjugium), nämlich

das frühere Altwerden verraten, welches auf ein kürzeres Lebensziel hindeutet?

 

(5) Ich habe mich bei Aufstellung dieses Grundsatzes in meiner Makrobiotik

bloß durch die Erfahrung leiten lassen. Es stießen mir bei meinen

Nachforschungen über das höchste Alter so viele Verheiratete auf, daß ich

dadurch zuerst aufmerksam gemacht wurde. Ich fand nämlich bei allen Alten

einen sehr beträchtlichen Überschuß auf seiten der Verheirateten: von den

außerordentlich hohen Alten (d. h. 120–160jährigen) fand ich durchaus gar

keinen unverheiratet; ja sie hatten alle mehrmals und größtenteils noch in den

letzten Zeiten ihres Lebens geheiratet. Dies allein bewog mich zu den

Vermutungen von Einfluß der Zeugungskraft und des Ehestands aufs lange

Leben, für die ich dann erst die theoretischen Gründe aufsuchte.

H.

 

(6) Zum Unterschiede von der topischen (hypochondria abdominalis).

H.

 

(7) Selbst bei wirklichen Krankheiten müssen wir wohl unterscheiden, die

Krankheit und das Gefühl der Krankheit. – Das letztere übertrifft mehrenteils die erste bei weitem; ja man kann behaupten, man würde die eigentliche Krankheit,

die oft nur in einer örtlich gestörten Verrichtung eines oft unbedeutenden Teiles

besteht, gar nicht bemerken, wenn nicht die dadurch erregte allgemeine Unlust

und Unbehaglichkeit, oder unangenehmen Gefühle und Schmerzen, unsern

Zustand höchst peinlich machten. Die Gefühle aber, diese Einwirkung der

Krankheit auf das Ganze, stehen großenteils in unserer Gewalt. Eine schwache,

verweichlichte Seele, eine dadurch erhöhte Empfindlichkeit, wird dadurch völlig

übermannt, ein starker, abgehärteter Geist weiset sie zurück und unterdrückt sie.

– Jedermann gibt zu, daß es möglich ist, durch ein unerwartetes Ereignis, durch

eine angenehme Zerstreuung, genug durch etwas, was die Seele stark von sich

abzieht, sein körperliches Leiden zu vergessen. – Warum sollte dies nun nicht

der eigne feste Wille, die eigne Seelenkraft selbst bewirken können? –

Das größte Mittel gegen Hypochondrie und alle eingebildete Übel, ist in der

That das Objektivieren seiner selbst, so wie die Hauptursache der Hypochondrie

und ihr eigentliches Wesen nichts anders ist, als das Subjektivieren aller Dinge,

das heißt, daß das physische Ich die Herrschaft über alles erhalten hat, der

alleinige Gedanke, die fixe Idee wird, und alles andere unter diese Kategorie

bringt. – Ich habe daher immer gefunden, daß, je praktisch-thätiger das Leben

eines Menschen ist, das heißt, je mehr es ihn immer nach außen zieht, desto

sicherer ist er für Hypochondrie. Den besten Beweis geben uns die praktischen

Ärzte. Sie sind unaufhörlich mit Krankheiten beschäftigt, und Krankheit,

Übelbefinden wird zuletzt der herrschende Gegenstand ihres Denkens. Hier

sollte also sehr leicht dasselbe auch der herrschende Gegenstand ihres Ichs

werden, und es müßten folglich alle Ärzte endlich hypochondrisch werden. –

Und dennoch sehen wir, daß gerade praktische Ärzte fast nie an Hypochondrie

leiden. – Warum? Weil sie sich von Anfang an gewöhnen, alle Übel zu

objektivieren, wodurch sie am Ende dahin gelangen, sich selbst und ihre eignen

Übel zu objektivieren, sie von ihrem wahren Ich zu trennen und zum Gegenstand

der Außenwelt und der Kunst zu machen. – Denn das wahre Ich wird nie krank.

H.

 

(8) Die naturgemäßeste Einteilung des Tages bleibt gewiß diese: Acht

Stunden der Arbeit, acht Stunden der Ruhe und acht Stunden der Nahrung,

körperlichen Bewegung, Gesellschaft und Aufheiterung.

H.

 

(9) Es ist ein ganz unrichtiges Vorgeben, daß, was die Stärke im Gebrauch seiner äußern Gliedmaßen betrifft, es bloß auf die Übung und wie man früh

gewöhnt worden, ankomme, welche von beiden Seiten des Körpers die stärkere

oder schwächere sein solle; ob im Gefechte mit dem rechten oder linken Arm

der Säbel geführt, ob sich der Reiter im Steigbügel stehend von der rechten zur

linken oder umgekehrt aufs Pferd schwinge &c. Die Erfahrung lehrt aber, daß,

wer sich am linken Fuße Maß für seine Schuhe nehmen läßt, wenn der Schuh

dem linken genau anpaßt, er für den rechten zu enge sei, ohne daß man die

Schuld davon den Eltern geben kann, die ihre Kinder nicht besser belehrt hätten;

so wie der Vorzug der rechten Seite vor der linken auch daran zu sehen ist, daß

der, welcher über einen tiefen Graben schreiten will, den linken Fuß ansetzt und

mit dem rechten überschreitet: widrigen Falls er in den Graben zu fallen Gefahr

läuft. Daß der preußische Infanterist geübt wird mit dem linken Fuße anzutreten,

widerlegt jenen Satz nicht, sondern bestätigt ihn vielmehr; denn er setzt diesen

voran, gleich als auf ein Hypomochlium, um mit der rechten Seite den Schwung

des Angriffs zu machen, welchen er mit der rechten gegen die linke verrichtet.

 

(10) Unglaublich ist es, was der Mensch vermag, auch im Physischen, durch

die Kraft des festen Willens; und so auch durch die Not, die oft allein einen

solchen festen Willen hervorzubringen vermag. Woher kömmt es, daß die

arbeitende, durch Not oder Pflicht zur Arbeit getriebene, Klasse viel weniger

kränkelt, als die müßiggehende? Hauptsächlich daher, daß jene keine Zeit hat

krank zu sein und also eine Menge Anwandelungen von Krankheiten übergeht,

das heißt, in der Arbeit sie vergißt und dadurch wirklich überwindet und aufhebt,

statt daß der Müßige, den Gefühlen nachgebend und sie pflegend, dadurch oft

den Keim erst zu Krankheiten ausbildet.

Wie oft habe ich diese Erfahrung in meinem Berufsleben an mir selbst

gemacht, und welcher Pflicht- und Berufsmensch hat sie nicht gemacht! – Wie

oft glaubte ich früh nicht im stande zu sein, wegen körperlicher Beschwerden

das Zimmer zu verlassen – die Pflicht rief zum Krankenbett oder aufs Katheder,

und so sauer es anfangs wurde, nach einiger Zeit der Anstrengung war das Übel

vergessen, der Geist siegte über den Leib, und die Gesundheit war

wiederhergestellt.

Ja am auffallendsten zeigte sich die Kraft des Geistigen bei ansteckenden

und epidemischen Krankheiten. Es ist eine ausgemachte Erfahrungssache, daß

die, welche guten Mut haben, sich nicht fürchten und ekeln, am wenigsten

angesteckt werden. Aber daß eine schon wirklich geschehene Ansteckung noch

durch freudige Exaltation des Geistes wieder aufgehoben werden könne, davon bin ich selbst ein Beispiel. – Ich hatte in dem Kriegsjahre 1807, wo in Preußen

ein pestartiges Faulfieber herrschte, viele solche Kranke zu behandeln und fühlte

eines Morgens bei dem Erwachen alle Zeichen der Ansteckung, Schwindel,

Kopfbetäubung, Zerschlagenheit der Glieder, genug alle Vorboten, die

bekanntlich mehrere Tage dauern können, ehe die Krankheit wirklich ausbricht.

– Aber die Pflicht gebot; andere waren kränker als ich. Ich beschloß, meine

Geschäfte wie gewöhnlich zu verrichten und mittags einem frohen Mahle

beizuwohnen, wozu ich eingeladen war. Hier überließ ich mich einige Stunden

ganz der Freude und dem lauten Frohsinn, der mich umgab, trank absichtlich

mehr Wein wie gewöhnlich, ging mit einem künstlich erregten Fieber nach

Hause, legte mich zu Bett, schwitzte die Nacht hindurch reichlich und war am

andern Morgen völlig hergestellt.

H.

 

(11) Studierende können es schwerlich unterlassen, in einsamen

Spaziergängen sich mit Nachdenken selbst und allein zu unterhalten. Ich habe es

aber an mir gefunden und auch von andern, die ich darum befrug, gehört: daß

das angestrengte Denken im Gehen geschwinde matt macht; dagegen, wenn man

sich dem freien Spiel der Einbildungskraft überläßt, die Motion restaurierend ist.

Noch mehr geschieht dieses, wenn bei dieser mit Nachdenken verbundenen

Bewegung zugleich Unterredung mit einem andern gehalten wird, so, daß man

sich bald genötigt sieht das Spiel seiner Gedanken sitzend fortzusetzen. – Das

Spazieren im Freien hat gerade die Absicht durch den Wechsel der Gegenstände

seine Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen abzuspannen.

 

(12) Sollte auch nicht die atmosphärische Luft, wenn sie durch die

Eustachische Röhre (also bei geschlossenen Lippen) zirkuliert, dadurch, daß sie

auf diesem dem Gehirn naheliegenden Umwege Sauerstoff absetzt, das

erquickende Gefühl gestärkter Lebensorgane bewirken, welches dem ähnlich ist,

als ob man Luft trinke; wobei diese, ob sie zwar keinen Geruch hat, doch die

Geruchsnerven und die denselben naheliegende einsaugende Gefäße stärkt? Bei

manchem Wetter findet sich dieses Erquickliche des Genusses der Luft nicht; bei

andern ist es eine wahre Annehmlichkeit sie auf seiner Wanderung mit langen

Zügen zu trinken: welches das Einatmen mit offenem Munde nicht bewährt. – –

Das ist aber von der größten diätetischen Wichtigkeit, den Atemzug durch die

Nase bei geschlossenen Lippen sich so zur Gewohnheit zu machen, daß er selbst

im tiefsten Schlaf nicht anders verrichtet wird und man sogleich aufwacht, sobald er mit offenem Munde geschieht, und dadurch gleichsam aufgeschreckt

wird; wie ich das anfänglich, ehe es mir zur Gewohnheit wurde auf solche Weise

zu atmen, bisweilen erfuhr. – Wenn man genötigt ist stark oder bergan zu

schreiten, so gehört größere Stärke des Vorsatzes dazu, von jener Regel nicht

abzuweichen und eher seine Schritte zu mäßigen, als von ihr eine Ausnahme zu

machen; ingleichen, wenn es um starke Motion zu thun ist, die etwa ein Erzieher

seinen Zöglingen geben will, daß dieser sie ihre Bewegung lieber stumm als mit

öfterer Einatmung durch den Mund machen lasse. Meine jungen Freunde

(ehemalige Zuhörer) haben diese diätetische Maxime als probat und heilsam

gepriesen und sie nicht unter die Kleinigkeiten gezählt, weil sie bloßes

Hausmittel ist, das den Arzt entbehrlich macht. – Merkwürdig ist noch: daß, da

es scheint, beim lange fortgesetzten Sprechen geschehe das Einatmen auch durch

den so oft geöffneten Mund, mithin jene Regel werde da doch ohne Schaden

überschritten, es sich wirklich nicht so verhält. Denn es geschieht doch auch

durch die Nase. Denn wäre diese zu der Zeit verstopft, so würde man von dem

Redner sagen, er spreche durch die Nase (ein sehr widriger Laut), indem er

wirklich nicht durch die Nase spräche, und umgekehrt, er spreche nicht durch die

Nase, indem er wirklich durch die Nase spricht: wie es Hr. Hofrat Lichtenberg

launicht und richtig bemerkt – das ist auch der Grund, warum der, welcher lange

und laut spricht (Vorleser oder Prediger), es ohne Rauhigkeit der Kehle eine

Stunde lang wohl aushalten kann; weil nämlich sein Atemziehen eigentlich

durch die Nase, nicht durch den Mund, geschieht, als durch welchen nur das

Ausatmen verrichtet wird. – Ein Nebenvorteil dieser Angewohnheit des

Atemzuges mit beständig geschlossenen Lippen, wenn man für sich allein

wenigstens nicht im Diskurs begriffen ist, ist der: daß die sich immer

absondernde und den Schlund befeuchtende Saliva hiebei zugleich als

Verdauungsmittel (stomachale), vielleicht auch (verschluckt) als

Abführungsmittel wirkt; wenn man fest genug entschlossen ist sie nicht durch

üble Angewohnheit zu verschwenden.

H.

 

(13) Ich halte sie für eine Gicht, die sich zum Teil aufs Gehirn geworfen hat.

 

(14) Dies Resultat, so wenig tröstlich es ist, ist vollkommen richtig, sobald

wir an das, was der Mensch im vollkommenen Sinn ist und sein soll, denken.

Aber selbst das Beispiel des würdigen Herrn Verfassers gibt ja einen

sprechenden Beweis, was der Mensch auch im Alter noch für andere sein kann, wenn die Vernunft immer, wie hier, seine oberste Gesetzgeberin war. – Und

gesetzt auch, es fehlte ganz an dieser objektiven und bürgerlichen Existenz, sind

uns nicht auch die Ruinen eines schönen und großen Gebäudes heilig und

schätzbar? dienen sie uns nicht als Denkzeichen des Vergangenen, als Winke der

Zukunft, als Lehre und Beispiel?

H.

 

(15) Ich stimme in diese Klage des verehrten Verfassers (mit Ausnahme des

grauen Papiers, woran es unsere Herren Verleger so schon nicht fehlen lassen)

ganz mit ein, und bin überzeugt, daß der größte Teil der jetzt so auffallend

läufiger werdenden Augenschwächen schon an und für sich in dem weit

häufigern Lesen – besonders dem geschwind Lesen, was jetzt wegen der weit

häufigern Zeitungen, Journale, und Flugschriften weit gewöhnlicher ist und die

Augen unglaublich angreift – zu suchen sei und dadurch auch unbeschreiblich

vermehrt wird, daß man beim Druck die Rücksicht auf die Augen immer mehr

vernachlässigt, da sie vielmehr, weil nun einmal das Lesen zum allgemeinen

Bedürfnis geworden ist, vermehrt werden sollte.

Auch ich glaube, daß dabei die den Augen nachteiligsten Fehler dadurch

begangen werden, wenn man auf nicht weißes Papier, mit grauer Schwärze, mit

zu kleinen, oder mit zu zarten, zu wenig Körper habenden, Lettern druckt; und

ich mache es daher jedem Autor, Verleger und Drucker zur heiligen Pflicht, das

Augenwohl ihrer Leser künftig besser zu bedenken. Besonders ist die blasse

Farbe der Buchstaben äußerst nachteilig, und es ist unverzeihlich, daß es

Drucker so häufig aus elender Gewinnsucht oder Bequemlichkeit darinnen

fehlen lassen.

Je größer der Abstand der Buchstabenfarbe von der Farbe des Papiers ist,

desto leichter faßt das Auge das Bild, und desto weniger greift dieses Auffassen,

das Lesen, die Augen an. – Also recht weißes Papier und recht schwarze

Buchstaben sind es, worum ich die deutschen Herrn Buchhändler und

Buchdrucker im Namen des lesenden Publikums recht angelegentlich bitte. –

Mögen sie es zur Ehre der deutschen Nation thun, denn wie schön zeichnen sich

darin die ausländischen Drucke gegen die meisten deutschen aus! Mögen sie es

zu Bewahrung ihres Gewissens thun, denn sie versündigen sich in der That,

indem sie unbewußt Ursache der überhandnehmenden Augenschwäche und

Blindheit werden!

Was aber die lateinischen Lettern als Augenverderber betrifft, so bitte ich um

Erlaubnis, darin andrer Meinung zu sein, und zwar aus folgenden Gründen:

1) Daß diese Lettern an und für sich den Augen nicht nachteiliger sind, als

unsre deutschen, erhellt daraus, weil sonst in England, Frankreich und andern

Ländern, wo man sich ihrer bedient, die Augenfehler häufiger sein müßten, als

bei uns, welches aber nicht der Fall ist.

2) Wenn sie also einen Deutschen, der gewohnt ist deutsch zu lesen, etwas

mehr anzugreifen scheinen, so liegt die Ursache bloß darin, weil er sie nicht

gewohnt ist, und das Angreifende verliert sich, sobald er sich daran gewöhnt hat,

und fällt ganz weg, wenn wir gleich von Jugend auf an diese Lettern gewöhnt

werden.

3) Daß diese Lettern, wenn sie klein oder zu mager sind, die Augen

angreifen, ist wahr, aber dasselbe gilt auch von den deutschen, und ich halte es

daher für äußerst nötig, bei der lateinischen Schrift größere oder fettere Typen zu

nehmen; welches auch der einzige Grund war, warum ich sie bei der

Makrobiotik von dieser Beschaffenheit wählete, ohnerachtet man hie und da

darin einen Grund zum Tadel gefunden hat, – ein Beweis, daß man gerade dann,

wenn man fürs Publikum sorgt, oft am meisten verkannt werden kann.

Ich finde also keinen medizinischen Gegengrund, der mich von ihrem

Gebrauch abhalten sollte; vieles aber, was mir ihren Gebrauch anriet und mich

dahin gebracht hat, sie häufig zu wählen. Zuerst nämlich glaube ich, daß unsere

Litteratur und Sprache dann ungleich mehr Eingang in andre Länder finden wird,

wenn wir lateinisch drucken, denn viele Ausländer schreckt schon das Fremde

und Unverständliche der Typen ab, und man wird sich gewiß schwerer zu

Erlernung einer Sprache entschließen, wenn man selbst erst die Form der Lettern

studieren muß. Ich glaube daher, es würde ungemein viel zur litterarischen

Verbindung Europens und zur Beförderung der allgemeinen Gelehrtenrepublik

beitragen, wenn wir uns endlich eben der Typen bedienten, die die

aufgeklärtesten Nationen angenommen haben, und ich glaube, es muß am Ende

dahin kommen. England, selbst Italien, bedienten sich ja noch bis zu Anfang

dieses Jahrhunderts unserer Mönchsschrift und haben sie dennoch ganz

verlassen, welches zugleich beweist, daß wir nicht einmal deutsche Originalität

daran finden können. – Dazu kommt nun noch der Grund, daß bei scientifischen,

besonders medizinischen, Büchern, wo viel lateinische Termini technici

vorkommen, ein großer Übelstand fürs Auge entsteht, wenn die deutsche Schrift

alle Augenblicke durch lateinische unterbrochen wird, oder dadurch ein noch

schlimmeres Übel bewirkt wird, daß man diese Termini technici ins Deutsche

übersetzt, wodurch sie nun vollends den Ausländern ganz, und selbst den

Deutschen aus einer andern Provinz zum Teil, unverständlich werden, und sie wirklich den Vorzug verlieren, Termini technici zu sein.

Ich gebe zu, daß manche ungeübte Leser für jetzt lateinische Lettern ungern,

ja wohl gar nicht lesen; dies gilt aber nicht von scientifischen Schriften. Man

mag also bei Schriften für die niedern Klassen noch deutsche Lettern

gebrauchen, bei allen gebildeten Ständen beiderlei Geschlechts ist das aber

schon jetzt nicht mehr nötig.

H.

 

(16) Unter den krankhaften Zufällen der Augen (nicht eigentlichen

Augenkrankheiten) habe ich die Erfahrung von einem, der mir zuerst in meinen

vierziger Jahren einmal, späterhin, mit Zwischenräumen von einigen Jahren,

dann und wann, jetzt aber in einem Jahre etlichemal begegnet ist, gemacht; wo

das Phänomen darin besteht: daß auf dem Blatt, welches ich lese, auf einmal alle

Buchstaben verwirrt und durch eine gewisse über dasselbe verbreitete Helligkeit

vermischt und ganz unleserlich werden: ein Zustand, der nicht über 6 Minuten

dauert, der einem Prediger, welcher seine Predigt vom Blatte zu lesen gewohnt

ist, sehr gefährlich sein dürfte, von mir aber in meinem Auditorium der Logik

oder Metaphysik, wo nach gehöriger Vorbereitung im freien Vortrage (aus dem

Kopfe) geredet werden kann, nichts als die Besorgnis entsprang, es möchte

dieser Zufall der Vorbote vom Erblinden sein; worüber ich gleichwohl jetzt

beruhigt bin: da ich bei diesem jetzt öfterer als sonst sich ereignenden Zufalle an

meinem einen gesunden Auge (denn das linke hat das Sehen seit etwa 5 Jahren

verloren) nicht den mindesten Abgang an Klarheit verspüre. – Zufälligerweise

kam ich darauf, wenn sich jenes Phänomen ereignete, meine Augen zu

schließen, ja um noch besser das äußere Licht abzuhalten, meine Hand darüber

zu legen, und dann sahe ich eine hellweiße wie mit Phosphor im Finstern auf

einem Blatt verzeichnete Figur, ähnlich der, wie das letzte Viertel im Kalender

vorgestellt wird, doch mit einem auf der konvexen Seite ausgezackten Rande,

welche allmählich an Helligkeit verlor und in obbenannter Zeit verschwand. –

Ich möchte wohl wissen: ob diese Beobachtung auch von andern gemacht und

wie diese Erscheinung, die wohl eigentlich nicht in den Augen, – als bei deren

Bewegung dies Bild nicht zugleich mit bewegt, sondern immer an derselben

Stelle gesehn wird – sondern im Sensorium commune ihren Sitz haben dürfte, zu

erklären sei(17). Zugleich ist es seltsam, daß man ein Auge (innerhalb einer Zeit,

die ich etwa auf 3 Jahre schätze) einbüßen kann, ohne es zu vermissen.

 

(17) Dieser Fehler des Sehens kommt allerdings mehr vor, und gehört unter die allgemeine Rubrik: Visus confusus s. perversus, weil er noch eben keinen

Mangel der Sehkraft, sondern nur eine Abalienation derselben beweist. Ich selbst

habe es zuweilen periodisch gehabt, und der vom Hrn. Hofr. Herz im Journal d.

pr. Heilk. beschriebne falsche Schwindel hat viel Ähnliches. Mehrenteils ist eine

vorübergehende Reizung die Ursache, z. B. Blutreiz, Gichtreiz, gastrische Reize,

oder auch Schwäche.

H.

Anmerkungen zur Transkription:

Im folgenden werden alle geänderten Textstellen angeführt, wobei jeweils

zuerst die Stelle wie im Original, danach die geänderte Stelle steht.

 

Seite 14:

ohne eine bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen – mithin

ohne ein bestimmtes Objekt, mutlos zu überlassen – mithin

 

Seite 15:

ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie ihm nichts anginge) und

ist) an ihrer Stelle liegen (als ob sie ihn nichts anginge) und

 

Seite 19:

Im gesunden Zustande und des Jugend ist es das Geratenste

Im gesunden Zustande und der Jugend ist es das Geratenste

 

Fußnote 1:

H

H.

 

Fußnote 8:

H

H.

 

Fußnote 10:

Gesundheit war wiederhergestellt

Gesundheit war wiederhergestellt.

 

Fußnote 10:

Mahle beizuwohnen, wozu ich eingeladen war Hier überließ ich mich

einige

Mahle beizuwohnen, wozu ich eingeladen war. Hier überließ ich mich

einige

 

Fußnote 15:

schwarze Buchstaben sind es, warum ich die deutschen Herrn Buchhändler

und

schwarze Buchstaben sind es, worum ich die deutschen Herrn Buchhändler

und

 

Fußnote 15:

Form der Lettern studieren muß Ich glaube daher, es würde ungemein

Form der Lettern studieren muß. Ich glaube daher, es würde ungemein

 

Fußnote 17:

Schwindel hat viel Ähnliches Mehrenteils ist eine vorübergehende

Schwindel hat viel Ähnliches. Mehrenteils ist eine vorübergehende

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1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided that

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License. You must require such a user to return or

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Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of electronic works in formats readable by the widest variety of computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.

 

Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at http://pglaf.org

For additional contact information:

Dr. Gregory B. Newby

Chief Executive and Director

gbnewby@pglaf.org

 

Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide spread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including checks, online payments and credit card donations. To donate, please visit: http://pglaf.org/donate

 

Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

 

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

 

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

http://www.gutenberg.org

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, including how to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.