
Zur Psychologie der Frauen
Zur Psychologie der Frauen beginnt mit einer methodischen Warnung: Wer über die Frauen im Plural spreche, müsse sich bescheiden, im besten Falle eine bloße Mehrheit als Gesamtheit zu behandeln, denn eine strenge, allen Frauen gemeinsame und vom männlichen Wesen klar abweichende psychische Eigenart lasse sich nicht nachweisen. Dennoch sieht Simmel ein relatives Recht, Frauen als untereinander einheitlichere Wesen zu betrachten, in dem Umstand, dass sie selbst ein stärkeres Gefühl gegenseitiger Solidarität zeigten als Männer, wo bei diesen keine besonderen Gründe des Zusammenschlusses vorlägen. Von dieser vorsichtigen methodischen Grundlegung aus untersucht der Essay einzelne psychologische Phänomene, ohne sie vorschnell zu einem geschlossenen Wesensbild der Frau zu verallgemeinern, und zeigt Simmel als einen für seine Zeit ungewöhnlich methodenkritischen Denker.






