Aphorismen zur Lebensweisheit
Kapitel V. Paränesen und Maximen.
Kapitel V.
Paränesen und Maximen.
Weniger noch, als irgendwo, bezwecke ich hier Vollständigkeit; da ich sonst die
vielen, von Denkern aller Zeiten aufgestellten, zum Teil vortrefflichen
Lebensregeln zu wiederholen haben würde, vom Theognis und Pseudo-Salomo
an, bis auf den Rochefoucauld herab; wobei ich dann auch viele, schon breit
getretene Gemeinplätze nicht würde vermeiden können. Mit der Vollständigkeit
fällt aber auch die systematische Anordnung größtenteils weg. Über beide tröste
man sich damit, daß sie, in Dingen dieser Art, fast unausbleiblich die
Langeweile in ihrem Gefolge haben. Ich habe bloß gegeben, was mir eben
eingefallen ist, der Mitteilung wert schien und, so viel mir erinnerlich, noch
nicht, wenigstens nicht ganz und eben so, gesagt worden ist, also eben nur eine
Nachlese zu dem auf diesem unabsehbaren Felde bereits von andern Geleisteten.
Um jedoch in die große Mannigfaltigkeit der hierher gehörigen Ansichten und
Ratschläge einige Ordnung zu bringen, will ich sie einteilen in allgemeine, in
solche, welche unser Verhalten gegen uns selbst, dann gegen andere, und endlich
gegen den Weltlauf und das Schicksal betreffen.