
Elf Söhne
Ich habe elf Söhne, beginnt Kafkas Erzählung, in der ein Vater nacheinander jeden seiner Söhne knapp und schonungslos porträtiert: Der erste ist äußerlich sehr unansehnlich, aber ernsthaft und klug, doch sein Denken scheint mir zu einfach, er sieht nicht rechts noch links und läuft in seinem kleinen Gedankenkreis immerfort rundum. Der zweite ist schön, schlank, wohlgebaut und, auch er ist klug, aber überdies welterfahren, doch sein linkes Auge ist ein wenig kleiner als das rechte und zwinkert viel, ein kleiner Fehler, den niemand außer dem Vater bemerke, der darin eine ihm irgendwie entsprechende kleine Unregelmäßigkeit seines Geistes sehe, die diesen Sohn gerade zu meinem wahren Sohn mache, weil dieser Fehler der ganzen Familie gemein sei. Der dritte Sohn ist gleichfalls schön, doch es ist nicht die Schönheit, die mir gefällt, sondern die Schönheit des Sängers, mit dem geschwungenen Mund und dem träumerischen Auge.






