
Erstes Leid
Ein Trapezkünstler, bekanntlich ist diese hoch in den Kuppeln der großen Varietébühnen ausgeübte Kunst eine der schwierigsten unter allen, Menschen erreichbaren, hatte sein Leben derart eingerichtet, dass er, solange er im gleichen Unternehmen arbeitete, Tag und Nacht auf dem Trapeze blieb, beginnt Kafkas Erzählung. Allen seinen, übrigens sehr geringen Bedürfnissen wurde durch einander ablösende Diener entsprochen, welche unten wachten und alles Benötigte in eigens konstruierten Gefäßen hinauf und hinab zogen, und da er ein außerordentlicher, unersetzlicher Künstler war, verziehen ihm die Direktionen diese Lebensweise. Nur manchmal kletterte auf der Strickleiter ein Turnerkollege zu ihm hinauf, dann saßen sie beide auf dem Trapez und plauderten, oder es verbesserten Bauarbeiter das Dich und wechselten einige Worte mit ihm durch ein offenes Fenster. So hätte der Trapezkünstler ungestört leben können, wären nicht die unvermeidlichen Reisen von Ort zu Ort gewesen, die ihm jede Fahrt zur Qual machten.






