Handbuch Strafvollzugsarchitektur, Parameter zeitgemäßer Gefängnisplanung

Tiere

301 Kynologie im Strafvollzug

301 Tierhaltung in einer Justizanstalt

302 Schädlinge, Ratten, Küchenschaben, Läuse

 

300 handbuch strafvollzugsarchitektur die Federn ab. Das Fangen von Tauben, ihre Tötung und ihr Verzehr sind ein nicht unübliches Phänomen. [abb·232] Doch die Verstümmelung ist ein deutliches Zeichen einer sadistischen Persönlichkeitsstörung. Solche Menschen begehen Straftaten, für die sie im Gefängnis landen. Dies sollte man bei jeglicher Planung berücksichtigen. Die Unterschiedlichkeit der diversen Bedürfnisse und Anforderungen macht die Planung einer Justizanstalt zu einer großen Herausforderung. Nur eine Differenzie-rung der Insassen kann etwas Gerechtigkeit in das Strafvollzugssystem bringen.

Tiere

 

Kynologie im Strafvollzug

Vorwiegend in den Ländern des ehemaligen Ostblocks verfügen die Strafvollzugs-anstalten über eigene Hundestaffeln sowie ausgebildete Hundeführer aus den Reihen des Justizwachepersonals. Diese Hunde, meist deutsche Schäferhunde, werden unterstützend zur Sicherheit und Sicherung der Anstalt eingesetzt. Sie finden ihre Verwendung bei der Durchsuchung der Hafträume nach Drogen (erhebliche Zeitersparnis), der Verfolgung entlaufener Häftlinge und bei der Begleitung größerer Insassengruppen. Sie werden auch freilaufend in den Korridoren (Anstaltsgebäude, Sicherheitszaun, Umfriedung) zur Bewachung eingesetzt. Die Wachhunde werden in Zwingern gehalten, bei Platzmangel auch auf Flachdächern von Nebengebäuden.

Bei einer Anstaltsbesichtigung: Schon beim Eintreten in die Anstalt fallen die gut gepflegten Tiere mit ihrem glänzenden Fell auf. Sie wirken entspannt, bis eine Gruppe von fünf Häftlingen den Hof betritt. Ein Hund richtet sich auf, wird unruhig. Die Häftlinge kommen näher, der Hund bellt. »Wieso hat er das bei mir nicht getan?«, frage ich den Hundeführer. »Weil Sie kein Häftling sind.« – »Und woran erkennt das der Hund?« – »An dem Geruch der Insassen.« Die Insassen hätten einen spezifischen Schweißgeruch, der durch die erhöhte Stressbelastung in der Haftsituation bedingt sei.

Tierhaltung in einer Justizanstalt

In verschiedenen Anstalten (Schulen, Psychiatrien, Therapiezentren etc.) werden erfolgreich Tiere zu therapeutischen Zwecken eingesetzt. Je nach Einstellung des Anstaltsleiters trifft man in den Anstalten auf Fische, Vögel und Katzen. Die Erfahrun-gen der Tierhaltung in den Anstalten sind sehr unterschiedlich. Vielerorts werden die Tiere als persönlichste Weggefährten in der schwierigen und einsamen Zeit des Strafvollzuges sehr gut behandelt. Doch gibt es auch Gegenbeispiele.

Unlängst bei der Besichtigung eines Anstaltsspitals ging ich über große Anstalts-höfe an den vergitterten Fensterfronten entlang. In einer Nische am Boden saßen tie

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zahlreiche Tauben mit blutig abgeschnittenen Schwanzfedern. Sie konnten nicht mehr fliegen und torkelten verstört durch die Gegend. Wie ist das passiert? Die Insassen locken die Vögel an die Haftraumfenster, fangen sie und schneiden ihnen

 

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Es gibt auch Anstalten, vorwiegend Außenstellen von größeren Anstalten, die für wirtschaftliche Zwecke Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen züchten. Wie wirtschaftlich diese Zucht ausfällt, hängt von vielen allgemein gültigen landwirt-schaftlichen Faktoren ab.

Ein Anstaltsleiter besorgte auf Wunsch der Insassen für seine, in der Stadt gelegene Anstalt zwei junge Katzen. Sie sollten von den Insassen verpflegt werden. Das heißt die Insassen mussten für das Katzenfutter selbst aufkommen. Nach einigen Tagen fand man die Katzen erschlagen im Innenhof der Anstalt.

Schädlinge, Ratten, Küchenschaben, Läuse

Strafvollzugsanstalten sind anfällig für alle möglichen Schädlinge und Ungeziefer, dies ist vor allem durch folgende Faktoren bedingt:

• Unterbringung einer großen Menschenmenge auf kleinem Raum • viele Nahrungsmittellager (Anstaltsküche sowie Hafträume) und • Abfallbehälter (auf allen Abteilungen) • mangelhafte Hygienegewohnheiten der Insassen (besonders in

Untersuchungsgefängnissen bei Insassen, die vorher auf der Straße lebten) • erhöhte Luftfeuchtigkeit, vor allem in alten, umgebauten Anstalten • meist wenig direkte Sonneneinstrahlung • Hygienemängel

 

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