Liebesgedichte

Ricarda Huch · Kapitel 12 von 51

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Liebesgedichte

Gestern weint ich in den Schoß des Glückes

G ESTERN weint ich in den Schoß des Glückes:

Ach, mir fehlt die Sonne deines Blickes!

 

Laß mich, laß mich deine stolzen süßen

Goldnen Augen einmal noch genießen,

 

Daß ich froh die Blicke wieder wende

Auf den Tanz der Weltallsgegenstände,

 

Und das Glöckchen wieder höre klingen

Lieblich in den bunten Erdendingen.

 

Da erblickt ich in der großen Ferne

Eine Wiese voller Blumensterne,

 

Überrieselt von der Sonne Röte,

Bienenübersummt wie Hauch der Flöte,

 

Und das Glück sprach: Sieh, so wirst du liegen

Und dich an zwei traute Lippen schmiegen.

 

Aber einst, nach langen Sommertagen – – –

Und da schwieg es, wollte nichts mehr sagen.