Liebesgedichte

Ricarda Huch · Kapitel 47 von 51

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Liebesgedichte

Wie sich die Erde scheidend von der Sonne

W IE sich die Erde scheidend von der Sonne

Mit hastgem Flug in stürmsche Nacht entfernt,

Den nackten Leib mit kaltem Schnee besternt,

Verstummt, beraubt der sommerlichen Wonne,

 

Und tiefer sinkend in des Winters Schatten

Sich plötzlich nähert dem, wovor sie flieht,

Mit Rosenlicht sich warm umschlungen sieht,

Entgegenstürzend dem verlornen Gatten,

 

So ging ich, leidend der Verbannung Strafe,

Von deinem Antlitz fort ins Ungemach,

Dem öden Norden schutzlos zugewendet,

 

Stets tiefer neigend mich dem Todesschlafe,

Und wurde so an deinem Herzen wach,

Von morgenroter Herrlichkeit geblendet.