Liebesgedichte

Ricarda Huch · Kapitel 40 von 51

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Liebesgedichte

Dem Bettlerkinde gleich, das vor den Türen

D EM Bettlerkinde gleich, das vor den Türen

Mit scheuem Mund der Armut Bitte raunt

Und andachtsvoll auf fremde Schätze staunt,

Die seinem kargen Lose nicht gebühren,

 

Kam ich zu dir, der meine leeren Hände

Mir überhäufte, reichgeboren mild,

Mich schmückte wie ein wundertätig Bild,

Daß ich nun selbst besitze und verschwende.

 

Der Herrschaft Zeichen strahlt aus Diademen

Von meinem Haupte Demant und Rubin.

Doch es erlischt die prahlerische Helle

 

Vor dir, denn was du gabest, kannst du nehmen,

Und immer steht wie einst die Bettlerin

Mit nacktem Fuß auf deiner goldnen Schwelle.