
Viola Tricolor
Es war sehr still in dem großen Haus, doch selbst auf dem Flur spürte man den Duft frischer Blumensträuße. Aus einer Flügeltür tritt eine alte, sauber gekleidete Dienerin, drückt mit feierlicher Selbstzufriedenheit die Tür hinter sich ins Schloss und lässt ihre grauen Augen an den Wänden entlangstreifen, als wolle sie noch jedes Stäubchen einer letzten Musterung unterziehen, bevor sie einen Blick auf die alte englische Hausuhr wirft: Schon halb, murmelt sie, und um acht wollten die Herrschaften da sein, wie der Herr Professor geschrieben hatte. Dann kommen von oben kleine, leichte Schritte, und ein etwa zehnjähriges Mädchen im rot-weiß gestreiften Kleid erscheint auf dem Treppenabsatz, gleitet mit dem Kopf auf dem Arm langsam am Geländer hinab, während ihre dunklen Augen träumerisch auf die gegenüberliegende Zimmertür gerichtet sind, bevor sie leise die Tür öffnet und durch die schweren Vorhänge in das schon dämmerige Zimmer schlüpft, wo seitwärts über dem Sofa ein venezianischer Spiegel auf dunkelgrüner Sammettapete silbern aufleuchtet.






