Yester und Li, Die Geschichte einer Sehnsucht

Bernhard Kellermann · Kapitel 21 von 27

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Yester und Li, Die Geschichte einer Sehnsucht

Kapitel XX

 

Am Tage darauf erhielt Ginstermann folgenden seltsamen Brief:

 

Werter Herr Ginstermann!

 

Sie werden gewiß verwundert sein über die Zeilen, aber es läßt mir keine Ruhe.

Ich habe gestern deutlich empfunden, daß sie eine andere lieben.

Ich werde Ihnen nie zürnen, denn diese andere ist tausendmal besser und

klüger denn ich, ich werde Sie bis zum Tode lieben.

Verzeihen Sie mir dies. Nun heirate ich den ersten Besten. Ihre X. X.

PS. Antworten Sie mir, bitte, nichts darauf. Sprechen Sie mich auf der Straße

nicht mehr an, ich bitte Sie. D. O.

Da fiel ihm dies ein: Einer kommt zu einem Weibe und sagt: Siehe, du

Herrlichste, was du verlangst, ist geschehen. Ich habe mir die linke Hand

abgeschlagen. Das Weib lacht: Es war ja nur Scherz, mein Freund. — Ein andrer

kommt und spricht: Du bist häßlich wie eine Unke. Nun werde ich dich

schlagen! Ja, schlagen werde ich dich! Das Weib lächelt: Schlage mich, schlage

mich doch, Liebster!

Dies fiel ihm ein. Er wußte nicht mal, ob er die Geschichte erfunden oder

gelesen habe.