Zum ewigen Frieden: Ein philosophischer Entwurf
Zum ewigen Frieden.
Zum
ewigen Frieden.
Ein philosophischer Entwurf
von
Immanuel Kant.
Königsberg,
bey Friedrich Nicolovius.
1795.
Zum ewigen Frieden.
Ob diese satyrische Ueberschrift auf dem Schilde jenes holländischen
Gastwirths, worauf ein Kirchhof gemahlt war, die M e n s c h e n überhaupt, oder
besonders die Staatsoberhäupter, die des Krieges nie satt werden können, oder
wohl gar nur die Philosophen gelte, die jenen süßen Traum träumen, mag dahin
gestellt seyn. Das bedingt sich aber der Verfasser des Gegenwärtigen aus, daß,
da der praktische Politiker mit dem theoretischen auf dem Fuß steht, mit großer
Selbstgefälligkeit auf ihn als einen Schulweisen herabzusehen, der dem Staat,
welcher von Erfahrungsgrundsätzen ausgehen müsse, mit seinen sachleeren
Ideen keine Gefahr bringe, und den man immer seine eilf Kegel auf einmal
werfen lassen kann, ohne, daß sich der w e l t k u n d i g e Staatsmann daran
kehren darf, dieser auch, im Fall eines Streits mit jenem sofern consequent
verfahren müsse, hinter seinen auf gut Glück gewagten, und öffentlich
geäusserten Meynungen nicht Gefahr für den Staat zu wittern; — durch welche
C l a u s u l a s a l v a t o r i a der Verfasser dieses sich dann hiemit in der besten
Form wider alle bösliche Auslegung ausdrücklich verwahrt wissen will.