Zum ewigen Frieden: Ein philosophischer Entwurf
6. »Es soll sich kein Staat im Kriege mit einem andern solche Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im künftigen Frieden unmöglich machen müssen: als da sind, Anstellung der Meuchelmörder (percussores), Giftmischer (venefici), Brechung der Capitulation, Anstiftung des Verrath
Krankheit ringenden, von keinem andern abhängigen Volks, selbst also ein
gegebenes Skandal seyn, und die Autonomie aller Staaten unsicher machen.
6. »Es soll sich kein Staat im Kriege mit einem andern solche
Feindseligkeiten erlauben, welche das wechselseitige Zutrauen im
künftigen Frieden unmöglich machen müssen: als da sind, Anstellung
der M e u c h e l m ö r d e r (percussores), G i f t m i s c h e r (venefici),
B r e c h u n g d e r C a p i t u l a t i o n, A n s t i f t u n g d e s
Ve r r a t h s (perduellio), in dem bekriegten Staat &c.«
Das sind ehrlose Stratagemen. Denn irgend ein Vertrauen auf die Denkungsart
des Feindes muß mitten im Kriege noch übrig bleiben, weil sonst auch kein
Friede abgeschlossen werden könnte, und die Feindseligkeit in einen
Ausrottungskrieg (bellum internecinum) ausschlagen würde; da der Krieg doch
nur das traurige Nothmittel im Naturzustande ist, (wo kein Gerichtshof
vorhanden ist, der rechtskräftig urtheilen könnte) durch Gewalt sein Recht zu
behaupten; wo keiner von beyden Theilen für einen ungerechten Feind erklärt
werden kann (weil das schon einen Richterausspruch voraussetzt), sondern der
A u s s c h l a g desselben (gleich als vor einem so genannten Gottesgerichte)
entscheidet, auf wessen Seite das Recht ist; zwischen Staaten aber sich kein
Bestrafungskrieg (bellum punitiuum) denken läßt (weil zwischen ihnen kein
Verhältniß eines Obern zu einem Untergebenen statt findet). — Woraus denn
folgt: daß ein Ausrottungskrieg, wo die Vertilgung beyde Theile zugleich, und
mit dieser auch alles Rechts treffen kann, den ewigen Frieden nur auf dem
großen Kirchhofe der Menschengattung statt finden lassen würde. Ein solcher
Krieg also, mithin auch der Gebrauch der Mittel, die dahin führen, muß
schlechterdings unerlaubt seyn. — Daß aber die genannte Mittel unvermeidlich
dahin führen, erhellet daraus: daß jene höllische Künste, da sie an sich selbst
niederträchtig sind, wenn sie in Gebrauch gekommen, sich nicht lange innerhalb
der Grenze des Krieges halten, wie etwa der Gebrauch der Spione (vti
exploratoribus), wo nur die Ehrlosigkeit A n d e r e r (die nun einmal nicht
ausgerottet werden kann) benutzt wird, sondern auch in den Friedenszustand
übergehen, und so die Absicht desselben gänzlich vernichten würden.
Obgleich die angeführte Gesetze objectiv, d. i. in der Intention der
Machthabenden, lauter Ve r b o t g e s e t z e (leges prohibitiuae) sind, so sind
doch einige derselben von der s t r e n g e n, ohne Unterschied der Umstände
geltenden Art (leges strictae), die s o f o r t auf Abschaffung dringen (wie Nr. 1,
5, 6), andere aber (wie Nr. 2, 3, 4), die zwar nicht als Ausnahmen von der
Rechtsregel, aber doch in Rücksicht auf die A u s ü b u n g derselben, durch die
Umstände, s u b j e k t i v für die Befugniß erweiternd (leges latae), und
Erlaubnisse enthalten, die Vollführung a u f z u s c h i e b e n, ohne doch den
Zweck aus den Augen zu verlieren, der diesen Aufschub, z. B. der
W i e d e r e r s t a t t u n g der gewissen Staaten, nach Nr. 2, entzogenen Freyheit,
nicht auf den Nimmertag (wie August zu versprechen pflegte, ad calendas
graecas) auszusetzen, mithin die Nichterstattung, sondern nur, damit sie nicht
übereilt und so der Absicht selbst zuwider geschehe, die Verzögerung erlaubt.
Denn das Verbot betrifft hier nur die E r w e r b u n g s a r t, die fernerhin nicht
gelten soll, aber nicht den B e s i t z s t a n d, der, ob er zwar nicht den
erforderlichen Rechtstitel hat, doch zu seiner Zeit (der putativen Erwerbung),
nach der damaligen öffentlichen Meynung, von allen Staaten für rechtmäßig
gehalten wurde[2].