
Der blinde Geronimo und sein Bruder
Der blinde Geronimo stand von der Bank auf und nahm die Gitarre zur Hand, die auf dem Tisch neben dem Weinglase bereit gelegen war, beginnt Schnitzlers Novelle: Er hatte das ferne Rollen der ersten Wagen vernommen. Nun tastete er sich den wohlbekannten Weg bis zur offenen Türe hin, und dann ging er die schmalen Holzstufen hinab, die frei in den gedeckten Hofraum hinunterliefen. Sein Bruder Carlo folgte ihm, und beide stellten sich gleich neben der Treppe auf, den Rücken zur Wand gekehrt, um gegen den nasskalten Wind geschützt zu sein, der über den feuchtschmutzigen Boden durch die offenen Tore strich. Unter dem düsteren Bogen des alten Wirtshauses mussten alle Wagen passieren, die den Weg über das Stilfserjoch nahmen, und für die Reisenden von Italien nach Tirol war es die letzte Rast vor der Höhe, wo der blinde Italiener und sein Bruder in den Sommermonaten so gut wie zu Hause waren.



