
Der Schuß von der Kanzel
Zween geistliche Männer stiegen in der zweiten Abendstunde eines Oktobertages von dem hochgelegenen Ütikon nach dem Landungsplatze Obermeilen hinunter, beginnt Meyers Novelle: Der kürzeste Weg vom Pfarrhause führte sie durch leere Weinberge, wo die Lese beendigt war und der Weinstock nur noch gelbe oder zerrissene Blätter zeigte. Die beiden schritten, wie von einem Herbstgefühle gedrückt, ohne Worte einer hinter dem andern, während ein heftiger Querwind blies und die Hochgebirge in schroffer, fast barocker Erscheinung dem Auge viel zu nahe traten. Pfannenstiel, dein Vorhaben entbehrt der Vernunft!, sagt plötzlich der Vorangehende, ein kurzer, stämmiger, trotz seiner Jugend fast etwas beleibter Mann, zu seinem Begleiter, und mit diesem barschen Vorwurf beginnt die eigentliche Handlung der Erzählung.






