
Der Mörder
Ein junger Mann, Doktor beider Rechte, ohne seinen Beruf auszuüben, elternlos, in behaglichen Umständen lebend, als liebenswürdiger Gesellschafter wohl gelitten, stand nun seit mehr als einem Jahre in Beziehungen zu einem Mädchen geringerer Abkunft, beginnt Schnitzlers Novelle: Alfred hatte die Geliebte gleich zu Beginn der Bekanntschaft veranlasst, ihre Stellung als Korrespondentin in einem ansehnlichen Wiener Warenhause aufzugeben, doch nachdem er sich längere Zeit im bequemsten Genusse gemeinsamer Freiheit wohler befunden hatte als in irgendeinem früheren Verhältnis, begann er allmählich jene ihm wohlbekannte verheißungsvolle Unruhe zu verspüren, wie sie ihm sonst das nahe Ende einer Liebesbeziehung ankündigte. Schon sah er sich im Geiste als Schicksalsgenossen eines Jugendfreundes, der vor Jahren in eine Verbindung ähnlicher Art verstrickt worden war und nun als verdrossener Familienvater ein zurückgezogenes und beschränktes Leben führen musste.



