
Der Ketzer von Soana
Reisende können den Weg zum Gipfel des Monte Generoso in Mendrisio antreten oder in Capolago mit der Zahnradbahn, oder von Melide aus über Soana, wo er am beschwerlichsten ist, beginnt Hauptmanns 1918 erschienene Novelle: In großer Höhe trafen Bergsteiger nicht selten auf die Gestalt eines brilletragenden Ziegenhirten, dessen Äußeres auffällig war, dessen Gesicht trotz seiner gebräunten Haut den Mann von Bildung erkennen ließ, und der dem Bronzebildnis Johannes des Täufers von Donatello im Dom zu Siena nicht unähnlich sah. Wenn ein Trupp Fremder ihm nahe kam, brachen die Touristen oft in ein ungezogenes Gebrüll aus, doch der Hirte achtete ihrer nicht und pflegte nicht einmal den Kopf zu wenden. Alle Bergführer schienen mit ihm auf gutem Fuße zu stehen und ließen sich in vertrauliche Unterredungen mit ihm ein, doch wenn Fremde nach diesem seltsamen Heiligen fragten, erfuhren sie nur, dass der Mann eine dunkle Geschichte habe und vom Volksmund als der Ketzer von Soana bezeichnet werde.





