
Der niegeküßte Mund
Der niegeküßte Mund versammelt bei S. Fischer in Berlin drei Erzählungen Wassermanns: die Titelgeschichte, Treunitz und Aurora sowie Hilperich. Die erste, titelgebende Erzählung spielt in einer kleinen Stadt, deren gelber, fünfeckiger Turm mit seinem dunklen Ziegeldach eine stille, von der Wirtschaft zum lustigen Pfeifer und dem Haus des Doktor Maspero gesäumte Straße abschließt. In der Nähe der jüdischen Synagoge liegt das baufällige Schulhaus, in dem Herr Philipp Unruh sechsundsechzig Kinder in die Geheimnisse des Alphabets und der Arithmetik einführt. Wassermann entfaltet aus dieser genau gezeichneten Kleinstadtwelt eine Geschichte um Sehnsucht, Scham und ein Begehren, das sich nie erfüllt. Die drei Erzählungen der Sammlung zeigen Wassermanns Gabe, aus knappen, atmosphärisch dichten Milieuschilderungen psychologisch komplexe Figuren zu entwickeln.






