
Deutscher Mondschein
Erzählen wir ruhig und ohne alle Aufregung, beginnt der Ich-Erzähler in Raabes Erzählung: Ich bin ein selbst für Deutschland außergewöhnlich nüchterner Mensch und verstehe es, meine fünf Sinne zusammenzuhalten, versichert er, außerdem sei er Jurist, der Mann seiner Frau und der Vater seiner Söhne, und weder zur Zeit der Holunderblüte noch zur Zeit der Stockrosen pflege er sich sentimentalen oder romantischen Anwandlungen auszusetzen. Er teilt mit, dass er sich einst auf ärztlichen Rat, der Seeluft und des Meerwassers wegen, auf der Insel Sylt befand und dort eine ganz außerordentliche Bekanntschaft machte, wohnte auf der Grenze der beiden Dörfer Tinnum und Westerland und hatte, um zum Strande zu gelangen, einen Weg von mindestens einer halben Stunde zurückzulegen. Trotz seiner betonten Nüchternheit deutet der behäbige Erzähler damit gleich zu Beginn an, dass ihm auf dieser Reise etwas durchaus Ungewöhnliches widerfahren sollte.






