Der Tor

Bernhard Kellermann · Kapitel 23 von 42

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Der Tor

Sechstes Kapitel

 

Eisenhut lief so schnell ihn die Füße trugen über den Marktplatz, und sein gelbes chinesisches Kostüm flatterte die Straße hinunter, die zum Flusse führte.

Es schneite fein; kleine Flocken, einzelne Kristalle gleichsam, fielen langsam

und flimmernd herab und bedeckten den Boden mit einer sanften dünnen Schicht

weißen Schnees.

Eisenhut überschritt mit großen flüchtigen Schritten die Steinbrücke und wo

die Felder anfingen, begann er wieder zu laufen. Hier außen war die Nacht kalt

und schwarz und der Wind hauchte über die Ebene. Eisenhuts dunkle Gestalt

erschien auf einer Anhöhe, verschwand wieder, tauchte als Schatten auf dem

nächsten Hügel auf und wurde kleiner und kleiner mit jeder Bodenwelle. Er lief

wahnsinnig rasch und bald erschien es als ob ein Hund oder ein Fuchs sich rasch

über die öde nächtige Ebene bewege und endlich im Düster verschwände. Seine

Spuren schrieben eine ungeheure Kurve in den beschneiten Grund. Endlich

wurden sie schnurgerade, sie liefen wie mit dem Lineal gezogen ferner und

ferner in die Ebene hinein.

Eisenhut lief und lief, bis er erschöpft in den Schnee fiel und sich nicht wieder

erhob.

Der Wind blies dicht über die Erde und feiner Schneestaub bereifte seine

Kleider, seine Haare, seinen Bart. Er füllte die Falten seiner Kleider, die

Vertiefungen zwischen Armen und Körper und errichtete einen kleinen Wall auf

der einen Seite, der Wind blies und drehte sich im Kreise und begann die Arbeit

auf der andern Seite. Bald lag er halb zugeweht in der öden lautlosen Ebene . . .

Als Eisenhut wieder die Augen öffnete, wußte er nicht sofort, was vorgefallen

war. Er zwinkerte und der Schnee fiel von seinen Lidern, er schüttelte den Kopf

und der Schnee fiel aus seinen Haaren. Ein Mann kniete bei ihm, schüttelte ihn,

rieb, klopfte.

Eisenhut starrte ihn mit blöden Augen an. Er erkannte Grau.