
Die drei Nüsse
Daniel Wilhelm Möller, Professor und Bibliothekar zu Altorf, lebte im Jahr 1665 in Kolmar als Hofmeister der drei Söhne des Bürgermeisters Maggi, beginnt Brentanos Erzählung: Im Oktober dieses Jahres hatte der Bürgermeister einen reisenden Alchimisten zum Gaste, und als bei dem Nachtische auch welsche Nüsse auf die Tafel gesetzt wurden, sprach die Gesellschaft von den Eigenschaften dieser Frucht. Da die drei Zöglinge Möllers unmäßig zu den Nüssen griffen, gab ihnen Möller den lateinischen Spruch zu verdeutschen auf: Unica nux prodest, nocet altera, tertia mors est, worauf sie übersetzten, eine Nuß nützt, die zweite schadet, der Tod ist die dritte. Möller erklärte, diese Übersetzung könne unmöglich die rechte sein, da sie die dritte Nuß längst genossen und doch noch frisch und gesund seien. Kaum waren diese Worte gesprochen, als der Alchimist mit Bestürzung plötzlich vom Tische aufsprang und sich in seiner Stube einschloss, und der jüngste Sohn des Bürgermeisters sah durch das Schlüsselloch, wie der Fremde auf den Knien lag und unter Tränen ausrief: Ah, mon Dieu, mon Dieu!






