
Das Märchen von dem Myrtenfräulein
Im sandigen Lande, wo nicht viel Grünes wächst, wohnten einige Meilen von der porzellanenen Hauptstadt, wo der Prinz Wetschwuth residierte, ein Töpfer und seine Frau mitten auf ihrem Tonfeld, beide ohne Kinder, einsam und allein, beginnt Brentanos Kunstmärchen: Täglich beteten die guten Leute zum Himmel, er möge ihnen doch ein Kind bescheren, damit sie eine Unterhaltung hätten, doch der Himmel erhörte ihre Wünsche lange nicht. Der Töpfer verzierte alle seine Gefäße mit schönen Engelsköpfen, und die Töpferin träumte alle Nacht von grünen Wiesen und anmutigen Gebüschen, bei welchen Kinder spielten. Einstens hatte der Töpfer seiner Frau zwei schöne Werke zum Geburtstag verfertigt, eine wunderschöne Wiege von weißestem Ton, ganz mit goldenen Engelsköpfen und Rosen verziert, und ein großes Gartengefäß von rotem Ton, rings mit bunten Schmetterlingen und Blumen bemalt, und so betete sie eines Abends von ganzer Seele um ein Kind, sei es Mägdlein oder Sohn.






