Die Liebe des Ulanen 2: Napoleons letzte Liebe

10. Kapitel

 

Oft treten im Laufe der Ereignisse Pausen ein, welche vermuten lassen, dass der Faden der Geschichte vollständig abgerissen sei. Aber das Leben gleicht dem Weltmeere. Die Wogen, welche es wirft, sind nicht die Folgen einer horizontalen Bewegung, sondern die Wasser steigen auf und nieder. Der Tropfen, welcher sich jetzt, hochaufspritzend, aus den Wellenkämmen erhebt, sinkt im nächsten Augenblicke vielleicht in die Tiefe des Grundes hinab und kommt erst lange Zeit später in seiner Auflösung oder Vereinigung mit anderen Tropfen auf der Oberfläche wieder zum Vorscheine. So verschwinden auch im Leben der Völker oder des einzelnen Menschen die Ereignisse zuweilen von der Oberfläche und kommen zu unserer Überraschung ganz plötzlich an einem Orte und zu einer Zeit wieder zum Vorscheine, wo und wann wir es am allerwenigsten erwartet haben.

Seit den letzt erzählten Ereignissen waren mehrere Jahrzehnte vergangen, als in einem Kaffeehause zu Biskara einige französische Offiziere rauchend, trinkend und plaudernd beisammen saßen.

Biskara oder Biskra, wie der Araber das Wort ausspricht, ist ein Städtchen der Provinz Constantine in Algerien, wichtig als an der großen Karawanenstraße gelegener Handelspunkt und damals zur Zeit seiner Märkte sehr besucht von den Berbern und Beduinen der Umgegend, welche herbei kamen, um zu tauschen oder ihre Einkäufe zu machen. Das Kaffeehaus, von welchem hier die Rede ist, hatte mehr ein europäisches als ein orientalisches Aussehen. An einem der Boulevards von Paris hätte es sich allerdings wohl ein wenig fremdartig ausgenommen, aber hier in Biskara war ganz dasselbe der Fall, freilich vom entgegengesetzten Standpunkte aus.

Das Gebäude war in maurischem Stile errichtet, doch hatte man einige Fensteröffnungen durch die vordere Mauer gebrochen und über dem Eingang ein mit einer französischen Firma versehenes Schild angebracht. Während der Muhammedaner in seinen Kaffeehäusern sich mit untergeschlagenen Beinen auf den Teppich niederlässt, welcher ganz einfach auf den bloßen Fußboden ausgebreitet wird, gab es hier einige allerdings ziemlich roh gezimmerte Tische und Stühle, an und auf denen die Offiziere saßen. Und was diese Herren tranken, war nicht Kaffee, sondern Wein, schwerer portugiesischer Wein, wie die Etiquetten besagten, welche an den zahlreich geleerten Flaschen zu lesen waren. Die Herren schienen ziemlich angeheitert zu sein; einige waren sogar von dem Geiste des Weines so sehr in Beschlag genommen, dass sie gar nicht viele Gläser mehr zu leeren brauchten, um vollständig betrunken zu sein. Der Wirt, welcher diese Gäste bediente, trug die Tracht eines Zuaven, war aber allem Anschein nach nicht ein Eingeborener, sondern ein Franzose, denn er sprach, wenn er gefragt wurde und Rede stehen musste, genau den Dialect, welchen man in der Gegend von Tours zu hören bekommt. Eben jetzt erst hatte man ihm eine Frage gestellt. Er schüttelte den Kopf und antwortete: »Wie kann ich wissen, ob dieser Mann bereits einmal in Biskara gewesen ist, Messieurs? Ich könnte günstigen Falls nur wissen, ob er mein Café einmal besucht hat.«

»Und das hat er wohl nicht?«

»Nein, obgleich ich die Möglichkeit zugebe, dass es einmal geschehen sein kann. Ich kenne ihn ja nicht.«

»Er ist also wirklich eine so rätselhafte Persönlichkeit?« »Ja. Niemand kennt ihn. Er sitzt vielleicht unter uns, ohne dass wir es wissen. General Cavaignac ist wohl der Einzige, der ihn kennt.« »Verkehrt er nur mit diesem?«

»Wer weiß das.«

»Und wie heißt er?«

»Auch das weiß Niemand. Er ist weder uns noch unsern Feinden, den Beduinen, bekannt. Sie geben ihm nach ihrer Weise einen Namen, welcher ganz genau sagt, wofür sie ihn halten.«

»Wie heißt dieser Name?«

»'ain el fransawi, das heißt, Auge der Franzosen, oder noch deutlicher, Spion oder Kundschafter der Franzosen. Man will ihn hier oder da gesehen haben; man beschreibt ihn bald als alt und bald als jung, aber man weiß nichts Genaues über ihn. Fragen Sie Cavaignac, den Generalgouverneur. Er kann und wird Ihnen Auskunft geben – wenn er will.« Im hintersten Winkel des Cafés saß in schlechter, beduinischer Tracht ein Mann, welcher gegen dreißig Jahre zählen mochte. Er hatte auf seinem Stuhle in einer Weise Platz genommen, dass man leicht merken konnte, er sei eher auf Kissen und Matten als auf Stühlen zu sitzen gewohnt. Sein Bart war dünn, wie es bei Arabern gewöhnlich zu sein pflegt, und er starrte mit jener Gleichgültigkeit gerade vor sich hin, welche dem fatalistischen Muselmann eigen zu sein pflegt. Er hatte ein Tässchen Kaffee vor sich stehen und hielt einen Tschibuk in der Hand, aus welchem er dann und wann einen Zug tat, um den Rauch zu verschlucken und dann durch die Nase wieder von sich zu geben. Der Araber nennt diese Art des Rauchens »Tabak trinken.«

»Wer ist dieser Kerl?«, fragte einer der Offiziere den Wirt. »Ich kenne ihn nicht.«

»Ein Beduine?«

»Jedenfalls, denn er verlangte Pfeife und Kaffee in arabischer Sprache.« »Vielleicht versteht er uns. Es ist unangenehm, fremde Lauscher in der Nähe zu haben.«

»Versuchen Sie, ob er Französisch spricht.«

Der Offizier tat dies. Er wandte sich an den Fremden und fragte französisch: »Wer bist Du?«

»Tugger – ein Kaufmann«, antwortete der Gefragte, indem er nur dieses einzige arabische Wort aussprach.

»Womit handelst Du?«

»Fewakih – mit Früchten.«

»Woher bist Du?«

»Wadi Dscheddi.«

Wadi heißt im Arabischen sowohl Fluss als auch das Tal eines Flusses. Der Mann war also aus dem Tale des Flusses Dscheddi, welcher seine wenigen Wasser im Süden von Biskra in den Schott Melrir laufen lässt. »Verstehst Du Französisch? Ja, wie es scheint?« »Kalil – wenig.«

»Wo hast Du es gelernt?«

»Algier.«

»Ah, Du warst in Algier?«

»Na'm – ja.«

»Lange Zeit?«

»La – nein.«

Der Mann hatte seine Antworten mehr durch Gesticulationen als durch die kurzen Worte gegeben, welche er aussprach. Dennoch fragte der Franzose weiter: »Hast Du von dem Manne gehört, welchen Ihr 'ain el Fransawi nennt?«

»Lissa ma – noch nicht.«

»Bist Du reich?«

»Ma li scheh – ich habe nichts.«

»Armer Teufel. Hier trinke ein Glas Wein.«

Dieses Bedauern war nur ein scheinbares. Der Offizier wusste recht gut, dass der Beduine als Muselmann keinen Wein trinken durfte. Dieser machte auch sofort eine zurückwelsende Handbewegung und sagte: »Kullu muskürün haram – Alles, was trunken macht, ist verboten.« Es war dies die wörtliche Anführung von dem Verbote Muhameds. »So lass es bleiben, und gehe nicht an Orte, wo man Wein trinkt! Weißt Du nicht, dass Deine Weigerung eine Beleidigung für mich ist?« »La – nein.«

»So packe Dich zum Teufel, oder trinke mit. Wir brauchen keinen Maulaffen, welcher nur zuhört, aber nicht mittut.« Es wäre wohl zu einer unangenehmen Scene gekommen, wenn nicht die Aufmerksamkeit der Franzosen von dem Beduinen abgezogen worden wäre. Der Gehilfe des Kaffeewirtes trat nämlich ein und legte die neuesten Zeitungen auf den Tisch, welche soeben angekommen waren. Hier auf den Höhen des Atlasgebirges waren die Neuigkeiten aus Paris wichtiger als das Anrempeln eines nichtsbedeutenden Arabers, der doch dagegen nichts Anderes tun als sich nur schweigend entfernen konnte. Die Gazetten waren im Nu auseinander genommen und verteilt, so dass ein jeder mehrere Blätter in den Händen hielt. Man wartete nicht, bis jeder Einzelne seine Seiten herabgelesen hatte, sondern sobald etwas Wichtiges entdeckt wurde, gelangte es zur sofortigen Vorlesung. Einer der Herren meinte: »Ich bin es jedenfalls, der das Interessanteste erwischt hat. Da sind nämlich die Nachrichten über Algerien.«

»Ah! Was schreibt man über diese Kolonie?«, fragte ein Anderer. »Mehr, als wir selbst über sie wissen. Da ist zum Beispiel auch der Marabut Hadschi Omanah erwähnt.«

Ein Marabut ist ein moslemitischer Einsiedler, welcher von der Bevölkerung für heilig gehalten wird. Hadschi aber wird ein jeder Moslem genannt, welcher eine Pilgerreise nach Mekka oder Medina mitgemacht hat. »Was schreibt man über ihn?«

»Hier steht: Die Haltung des berühmten Marabut Hadschi Omanah ist noch immer eine unerforschliche. Er übt einen ungeheueren Einfluss auf die am Auresgebirge wohnenden Stämme aus, weshalb es von großem Vorteile sein würde, zu wissen, ob man ihn gegebenen Falles als Feind zu betrachten hat. Man spricht davon, dass das Generalgouvernement bedacht gewesen ist, durch Abgesandte seine Stimmung erforschen zu lassen; aber er hat sich stets als unnahbar gezeigt. Auch seine Abstammung liegt im Dunkeln. Er trägt den grünen Turban, ein Recht, welches nur den direkten Abkömmlingen Muhameds zusteht. Seine Verehrer sagen, dass er aus den heiligen Gegenden Arabiens nach dem Auresgebirge gekommen sei. Dabei ist zu verwundern, dass seine Gesichtszüge auf das Abendland hindeuten, wie ja auch die Sage geht, dass ein französischer Reisender, welcher ihn einst in der Nähe zu sehen bekam, in ihm einen Bekannten aus der Gegend von Metz oder Sedan wiedergefunden zu haben meint. Eine gewisse Ähnlichkeit wird der Grund dieser Behauptung sein, welche sicherlich auf einer Täuschung beruht.«

»Da sind wir gerade so klug wie vorher«, meinte einer der Zuhörer. »Was da gesagt wird, das wussten wir bereits längst. Hat man nicht bisher gemeint, dass diese Marabuts unverheiratet seien und in tiefster Einsamkeit leben?«

»Allerdings.«

»Nun, so ist es jedenfalls auffallend, dass dieser Marabut verheiratet gewesen sein muss.«

»Das ist kein Verstoß. Er kann ja trotzdem einsam leben.« »Das tut er aber nicht.«

»Wieso?«

»Er hat einen Sohn bei sich. Ist das Einsamkeit?« »Nicht ganz. Aber wenn in unseren Klöstern Mönche in tiefer Abgeschlossenheit bei einander leben, ist das keine Einsamkeit?« »Eine vollständige jedenfalls nicht. Übrigens soll der Sohn beinahe ganz in demselben Geruche der Heiligkeit stehen wie der Vater. Was liest man weiter über Algerien?«

»Hier steht weiter unter der Bezeichnung ›Timbuktu‹: Die Expedition, welche vor zwei Jahren von der deutschen wissenschaftlichen Gesellschaft ausgerüstet und abgeschickt wurde, um den Sudan zu erforschen, scheint bessere Erfolge zu verzeichnen haben als verschiedene vorhergehende. Es verlautet, dass das militärische Mitglied dieser Expedition, Oberleutnant von Königsau, sich von Timbuktu aus bereits auf dem Heimwege befindet. Er soll außer den rein wissenschaftlichen Errungenschaften auch bedeutende materielle Reichtümer mit sich führen und seinen Weg über Insalah, el Golea und Tuggurt nehmen.«

»Donnerwetter!«, rief einer der Franzosen. »So wird dieser Deutsche auch hierher nach Biskra kommen. Man kennt diese unangenehmen Menschen, welche sich seit den Jahren vierzehn und fünfzehn einbilden, auf uns herabsehen zu müssen. Königsau? Ist Ihnen dieser Name nicht bekannt, Messieurs?«

»Nein«, antwortete es im Kreise.

»Mir scheint, dass ich ihn bereits einmal gehört habe.« Er machte die Miene des Nachdenkens, nickte dann und sagte: »Ah, ich habe es! Königsau hieß ja jener Liebling des alten Grobian Blücher, welcher mit dem Gardekapitän Richemonte so verschiedene Rencontres hatte. Sie haben doch jedenfalls von Richemonte gehört?« »Derselbe, welcher nach der Schlacht bei Belle Alliance infam kassiert wurde?«

»Ja, derselbe. Ich erinnere mich, verschiedene Niederträchtigkeiten über ihn gehört zu haben. Mein Oheim hatte mit ihm gedient und kannte ihn genau.« »Man hat niemals wieder Etwas über ihn gehört. Er scheint untergegangen zu sein.«

»Dies könnte ein Irrtum sein. Richemonte war zwar gezwungen, Frankreich zu verlassen, aber verschollen ist er doch noch nicht. Sie wissen, welch eine Begebenheit der Grund war, dass Frankreich im Jahre 1827 Algier blockierte?«

»Ja. Der Bey von Algier hatte dem französischen Consul Deval mit dem Fliegenwedel in das Gesicht geschlagen.«

»Nun, Deval behauptete später, Richemonte in der unmittelbaren Umgebung des Beys gesehen zu haben.«

»Hat er ihn denn gekannt?«

»Ja. Deval hatte mit ihm in Paris verkehrt, und zwar so viel und oft, dass an ein Verkennen gar nicht zu denken ist.«

»Trug Richemonte in Algier maurische Kleidung?« »Ja.«

»Mit einem Turban?«

»Ja, wie Deval berichtete.«

»So ist es sicher, dass er Muhamedaner geworden ist.« »Diesem ehrlosen Menschen ist dies recht gut zuzutrauen. Gibt es noch etwas, was über Algier zu lesen ist?«

»Ja, hier wird berichtet, dass der Generalgouverneur sich auf einer Inspectionsreise durch die Colonie befindet. Das ist es, was uns am Meisten interessiert.«

»Cavaignac wird uns ganz sicher überraschen. Er gehört zu denjenigen Generälen, welche es lieben, die Truppen stets auf dem Qui vive zu erhalten. Man erwartet ihn binnen einer Woche hier, aber ich wette, dass er früher –«

Er wurde unterbrochen. Die Tür wurde aufgerissen, und ein jüngerer Offizier trat ein. Man sah es ihm an, dass er sehr schnell gelaufen war. »Was ist's? Was gibt's? Was bringen Sie?«, tönte es ihm entgegen. Der Gefragte holte tief Atem und ergriff eines der vollen, auf dem Tische stehenden Gläser. Als er es hineingestürzt hatte, antwortete er: »Eine Neuigkeit, Messieurs.«

»Gut oder schlimm?«

»Wie man es nimmt. Cavaignac, der Generalgouverneur, wird sogleich ankommen.«

»Alle Teufel!«, rief der vorige Sprecher. »So habe ich ganz recht geweissagt. Also er ist noch nicht da?«

»Nein, aber soeben traf einer seiner Adjutanten ein. Der General befindet sich noch auf der Straße von Busada her, wird aber in einer halben Stunde eintreffen.«

»Dann bleibt uns noch Zeit, die Geister des Weines in Wasser zu ersäufen.« Er ergriff ein Wasserglas und leerte es in einem Zuge. Die Andern folgten diesem Beispiele und stürmten dann zum Hause hinaus. Außer dem Wirte befand sich nur noch der Beduine im Zimmer. Er hatte die Worte des Gespräches scheinbar gar nicht beachtet, aber doch Alles deutlich vernommen. Er erhob sich jetzt von seinem Stuhle, legte die Pfeife hin und griff in die Tasche. Nachdem er ein kleines Silberstück neben die Tasse gelegt hatte, verließ er das Kaffeehaus und trat hinaus auf den freien Platz vor demselben.

Im Schatten der Häuser hielten die Verkäufer ihre Waren feil. Er schritt auf einen Mann zu, welcher hinter einem Haufen von getrockneten Datteln saß. Dieser Mann war lang und hager und trug die Tracht der Eingeborenen. Er schien nicht wohlhabend zu sein, denn sein Turban war aus einem alten, zerfetzten Shawl gewickelt, und sein schmutziger Burnus wurde von einem kamelhärenen Strick zusammengehalten. »Sie sind fort«, sagte er leise zu dem Kommenden. »Ich sah sie gehen. Hast Du Etwas erlauscht?« Diese Worte waren in fließendem Französisch gesprochen. Der Gefragte antwortete ganz geläufig in derselben Sprache: »Ja.« »Von wem sprachen sie?«

»Von Dir.«

»Von mir? Alle Teufel! Wie kommen sie auf mich?« »Sie kamen auf Dich, weil sie vorher von einem Oberleutnant von Königsau redeten.«

Der Sitzende schien nahe am sechzigsten Jahre zu sein, konnte aber auch noch mehr zählen. Sein Haupthaar wurde vom Turban vollständig verdeckt. Sein Gesicht zeichnete sich durch einen großen, dichten, fast weißen Schnurrbart aus.

Als er den letzt ausgesprochenen Namen hörte, zog sich sein Schnurrbart in die Höhe, so dass man zwei Reihen großer, gelber Zähne sehen konnte. Es war, als ob ein Raubtier gegen einen Angreifer die Zähne fletsche. »Königsau? Leutnant?«, fragte er. »Ein Deutscher?« »Ja.«

Die Augen des Alten glühten unheimlich auf, doch nach einem kurzen Nachdenken ließ er den erhobenen Kopf sinken und sagte: »Er ist es nicht. Es muss ein Anderer sein.«

»Warum?«

»Der, welchen ich meine, kann jetzt längst nicht mehr Oberleutnant sein. Es sind über dreißig Jahre vergangen. Was ist der Königsau, von dem sie sprachen?«

»Er ist Mitglied einer afrikanischen Expedition, welche von Deutschland ausgerüstet wurde.«

»Woher stammt er?«

»Ich weiß es nicht.«

»Wo befindet er sich?«

»Auf dem Heimwege von Timbuktu.«

»Ah! Das ist interessant.«

»Höchst interessant, Cousin. Er führt nämlich große Schätze bei sich.«

»Alle Teufel! Weißt Du das genau?«

»Die Offiziere sagten es. Es steht in der Zeitung.« Die Augen des Alten glänzten und funkelten wie diejenigen eines Raubtieres. »Ah! Vortrefflich. Welchen Weg schlägt er ein?« »Er kommt über Insalah und el Golea nach Tuggurt.« Da wäre der Alte vor Freude beinahe von seinem Sitze aufgefahren. »Nach Tuggurt?«, sagte er. »So ist es jedenfalls der Europäer, den Dir unsere Späher angemeldet haben.«

Der Andere nickte zustimmend mit dem Kopfe. Er hatte jetzt nicht mehr das gleichgültige Gesicht von vorhin, sondern dasselbe hatte einen höchst verschmitzten Ausdruck angenommen. Er antwortete: »Ich zweifle nicht daran.«

»Wann wird er nach Tuggurt kommen?«

»Das konnte noch nicht gesagt werden.«

»Welche Begleitung hatte er?«

»Außer den Kameltreibern dreißig Krieger vom Stamme der Ibn Batta.« »Die werden zu überwältigen sein. Also die Offiziere sprachen von mir?« »Ja.«

»Was?«

»Dass Du nach der Schlacht bei Belle Alliance infam kassiert worden seist.«

»Der Teufel soll sie holen! Was noch?«

»Dass man Dich in der Umgebung des Bey erkannt hat.« »Ich wollte, dieser Consul wäre blind gewesen.« »Sie sprachen ferner von Dir, ohne zu wissen, dass Du es bist.« »Wie soll ich das verstehen?«

»Ich meine, dass sie von 'ain el fransawi redeten.« »Was sagten sie da?«

»Dass dieser Mann ihnen ein Rätsel sei.«

»Hoffentlich werde ich es auch bleiben.«

»Ferner erwähnten sie den Marabut Hadschi Omanah.« »Jedenfalls war auch dieser ihnen ein Rätsel?« »Ja.«

»Daran sind sie selbst schuld. Sie mögen nur gescheite Kerls zu ihm schicken, welche es verstehen, ihn auszuhorchen. Aber warum liefen sie so schnell davon?«

»Weil sie die Nachricht erhielten, dass Cavaignac komme.« »Ah! Ich dachte es. Wann kommt er?«

»In einer halben Stunde. Und diese Zeit ist fast vorüber.« »So spute Dich. Eile ihm entgegen, damit er erfährt, dass ich hier bin.« Der Andere entfernte sich augenblicklich, ohne ein weiteres Wort zu sagen. Er schritt dem Orte zu, wo sich draußen vor dem Städtchen die französischen Truppen versammelten, um den Generalgouverneur zu empfangen.

Dort standen auch bereits viele Einheimische, welche gehört hatten, dass Cavaignac komme, der sich durch seine Siege berühmt gemacht hatte, aber gerade deshalb bei ihnen nichts weniger als beliebt war. Als der Maure dort ankam, sah man bereits die Cavalcade vom Westen her herbeigesprengt kommen, geführt von einigen Turkos, welche den Weg kannten und begleitet von einer hinreichenden Schaar von Chasseurs d'Afrique, um ihnen Sicherheit zu bieten.

Als General Cavaignac in der Nähe der Truppenaufstellung angekommen, zogen sich die Führer zurück, so dass der General nun an der Spitze ritt. Die Trommeln wirbelten, die Musik fiel ein, und die Truppen präsentierten. Der General salutierte, ritt an der Front vorüber und wendete sich dann dem Eingange des Ortes zu, nachdem der Befehlshaber der Truppen ihm eine kurze Meldung gemacht hatte. Er winkte den Letzteren an seine linke Seite und fragte im Reiten: »Sind Sie mit der Bevölkerung zufrieden?« »Bis jetzt kann ich nicht klagen, mein General.« »Sie werden auch in Zukunft nicht zu klagen haben, so lange Sie meine Grundsätze befolgen. Der Beduine hält jede Milde für Schwachheit. Man muss ihn streng und gerecht behandeln; das imponiert ihm. Wie steht es mit den Stämmen im Gebirge?«

»Sie halten sich von der Stadt fern.«

»Haben ihre Scheiks die Burnusse angenommen?« Frankreich schenkte nämlich einem jeden Scheik einen kostbaren Burnus. Die Beduinen sollten das für einen von Frankreich geleisteten Tribut ausgeben; doch wussten sie gar wohl, dass sie sich durch die Annahme dieses Geschenkes in Abhängigkeit zu Frankreich stellten. »Nein«, antwortete der Commandant.

»Das ist ein schlimmes Zeichen. Haben Sie ihnen die Burnusse nicht angeboten?«

»O doch.«

»Und man hat die Annahme geradezu verweigert?« »Nein. Dazu sind diese Leute zu schlau.«

»Was sonst?«

»Wenn meine Boten an die Orte kamen, wo die Lager gestanden hatten, waren dieselben allemal abgebrochen.«

»Das ist noch schlimmer. Das ist gerade als wenn eine Kugel in weiche, nachgiebige Erde fährt. Ein solcher Schuss ist nutzlos, während eine Kugel den festesten Stein zerbricht und zermalmt. Ich möchte Ihnen raten –« Er hielt inne. Sein Auge war auf den Mauren gefallen, welcher gerade an dem Wege stand, wo sie vorüberkamen. Er hielt sein Pferd an, und sein sonst so strenges Gesicht zeigte den Ausdruck der Zufriedenheit. »Ah! Da bist Du!«, sagte er.

Der Maure kreuzte die Arme über die Brust, verbeugte sich tief und antwortete: »Allah jikun ma'ak!«

Diese Worte heißen zu Deutsch: »Gott sei mit Dir.« »Bist Du allein?«

»La – nein.«

»Dein Verwandter ist mit da!«

»Na'm – ja.«

»Wo ist er?«

»Hunik, fil suk - dort auf dem Markte.« »Er handelt mit Früchten?«

»Ja.«

»Sind sie gut?«

Diese Frage musste irgendeine Nebenbedeutung haben, denn der Maure lächelte Verständnisvoll und antwortete: »S'lon daiman – wie immer.« »So mag er mir welche bringen. Er wird erfahren, wo ich mein Quartier nehme.«

Er nickte dem Manne wohlwollend zu und ritt weiter. Der Commandant wunderte sich nicht wenig, dass der General einen Mann kannte, welcher hier in Biskra war. Er fragte: »Sie kennen diesen Menschen, mein General?«

»Ja«, antwortete Cavaignac kurz.

»Ich habe ihn noch nie gesehen.«

»Ich sehr oft. Er ist ein Fruchthändler, welchen ich in Bildah kennen lernte. Wo werde ich wohnen?«

»Ich gebe mir die Ehre, Ihnen mein Quartier anzubieten.« »Ich nehme es an. Wenn der Verwandte dieses Mannes kommt, mag er sofort zu mir gelassen werden. Ich interessiere mich für ihn.« »Woran wird man ihn kennen?«

»An seinem großen, grauen Schnurrbarte und an seinem Namen. Es ist der Fakihadschi Malek Omar.« Fakihadschi heißt Fruchthändler. Während der General nach seinem Quartiere ritt, begab der Maure sich nach dem Markte zurück, wo der Alte auf ihn wartete. »Nun?«, fragte ihn dieser erwartungsvoll.

»Ich habe mit ihm gesprochen.«

»Was?«

»Er musste sehr kurz sein. Er fragte mich, ob Du anwesend seist.« »Das konnte er sich denken. Weiter.«

»Ich beantwortete diese Frage, und darauf sagte er, dass Du zu ihm kommen sollst.«

»Wo wohnt er?«

»Das weiß ich nicht. Wir werden es erfahren.« »So gehe und erkundige Dich!«

Der Andere ging, während der Alte bei den Früchten zurückblieb. Der geneigte Leser hat in diesem ganz sicher den einstigen Kapitän Richemonte wiedererkannt.

Sein Gehilfe, der sich »Cousin« mit ihm nannte, kehrte nach einer Weile zurück und nannte ihm das Haus, in welchem der General abgestiegen war. Nun füllte Richemonte ein aus Dattelfaser geflochtenes Körbchen mit Früchten und begab sich mit den gravitätischen Schritten eines freien Arabers nach dem angegebenen Orte, an dessen Eingange zwei Posten standen.

»Wohin?«, fragte der Eine.

»Fil seri' asker«, antwortete der Gefragte. »Was heißt das? Rede französisch, Bursche!«

»Ge-ne-ral!«, buchstabierte der Andere, scheinbar mit großer Mühe. »Zu General Cavaignac?«

Der Gefragte nickte.

»Wer bist Du?«

»Fakthadschi Malek Omar.«

»Das ist wieder Arabisch; aber ich denke, so klang der Name, welcher uns genannt wurde. Du kannst passieren!«

Richemonte trat ein, schritt durch den dunklen, engen Hausgang und gelangte nach einem Hofe, welcher rundum von einer Säulenhalle umgeben war. Dort stand eine Ordonnanz, welche die Fragen wiederholte und ihn dann nach einem großen Gemache geleitete, in welchem der General vom langen Ritte ausruhte. Als er den Eintretenden erkannte, erhob er sich aus seiner bequemen Stellung und sagte: »Pünktlich wie immer! Sie wussten, dass ich nach Biskra kommen werde?«

»Ja, mein General.«

»So hat mein Bote Sie getroffen?«

»Vor vier Tagen. Ich befand mich im Wadi Hobla und bin sofort hierhergeritten, um Ihre Befehle entgegen zu nehmen.« Er sprach jetzt sein fließendes Französisch.

»Haben Sie mir Ungewöhnliches zu melden?« »Nicht viel. Der Stamm der Beni Hassan rüstet sich zum Widerstande.« »Ah! Wo wohnt der Stamm?«

»Im Süden von Biskra.«

»Wie viele Krieger zählt er?«

»Wenn alle Unterabteilungen sich beteiligen, so können einige tausend zusammen kommen.«

»Ah! Das ist beträchtlich und also gefährlich. Wer regt sie auf?« »Der Marabut Hadschi Omanah, wie ich glaube.« »So nimmt dieser Mann jetzt gegen uns eine feindliche Stellung ein?« »Wie es scheint. Doch glaube ich nicht, dass eine Macht wie die angegebene zusammenkommt, da sich einige Unterabteilungen weit nach Süden und einige andere auf tunesisches Gebiet hinübergezogen haben.« »Das beruhigt mich einigermaßen. Wir haben jetzt im Norden und Westen des Landes so viel zu tun, dass es uns unmöglich ist, größere Truppenmassen nach Süden zu geben. Sind Ihre Berichterstatter noch treu?«

Richemonte zuckte die Achseln. »So lange ich gut bezahle, ja«, antwortete er.

Der General lächelte.

»Sie wollen sagen, dass Sie sich ausgegeben haben?«, fragte er.

»Nichts Anderes, mein General.«

»Nun, ich werde Ihre Kasse wieder füllen, da ich den Wert eines guten Kundschafters zu schätzen weiß. Übrigens bin ich in der Lage, Sie in den Stand zu setzen, sich eine beträchtliche Extragratifikation zu verdienen.« »Ich stelle mich zur Verfügung.«

»Es handelt sich nämlich um den Marabut.«

»Ich ahnte es.«

»So hat Ihr Scharfsinn Sie nicht getäuscht. Es gilt, endlich einmal zu erfahren, was man von ihm zu halten hat.«

»Sie wussten das bis jetzt noch nicht?«, fragte der Spion lächelnd. »Leider nein. Ich hatte meine Aufträge unfähigen Leuten übergeben, wie es scheint, und werde mich nun an Sie wenden. Getrauen Sie sich, den Mann aufzusuchen und auszuhorchen?«

Der Gefragte machte ein sehr bedenkliches Gesicht. »Das ist schwer!«, sagte er.

»Ich weiß es.«

»Und gefährlich für mich.«

»Gefährlich? Ah, Sie wollen Ihr Verdienst steigern, damit ich die Gratifikation entsprechend vergrößere. Sie sind ein Schlaukopf!« »Ich spreche nur die Wahrheit«, meinte Richemonte im Tone der Kränkung. »Wie könnte ein Besuch bei dem Marabut gerade Ihnen gefährlich sein? Sie gelten für einen guten Moslem, und tausende von Muselmännern besuchen den Heiligen, ohne dass ihnen dabei eine Gefahr droht.« »Das mag sein. Aber bedenken Sie, mein General, dass ich ›das Auge der Franzosen‹ genannt werde. Grad so, wie ich darauf brenne, den Marabut zu durchschauen, glüht er darauf, das ›Auge der Franzosen‹ in seine Hand zu bekommen. Der kleinste Umstand genügt, mich ihm zu verraten, und dann bin ich verloren.«

»So haben Sie nichts zu tun als vorsichtig zu sein!« »Das sieht leichter aus, als es ist.«

»Das heißt, Sie wollen diesen Auftrag nicht übernehmen.« »O doch, wenn ich mit der Belohnung zufrieden bin.« »Ah, da kommt es! Wie viel verlangen Sie für eine sichere Nachricht über die Stimmung und Haltung des Marabut uns gegenüber?« »Außer den gewöhnlichen Spesen fünftausend Franken.«

Cavaignac erhob sich und schritt einige Male im Raume hin und her. Endlich blieb er vor dem Spione stehen und sagte: »Das ist bedeutend, aber ich bin dennoch bereit, Ihnen diese Summe zu zahlen, falls Sie Ihre Aufgabe gründlich lösen. Sie kennen den Aufenthalt des Marabut?« »Ja.«

»Sie waren bereits einmal dort?«

»Nein.«

»So haben Sie ihn noch gar nicht gesehen?«

»Nein. Sie wissen, dass ich seit langen Jahren im westlichen Algerien und Marokko beschäftigt gewesen bin.«

»Allerdings. Sie haben uns da sehr gute Dienste geleistet, so dass ich hoffe, Sie werden auch Ihre jetzige Aufgabe lösen. Sind Sie vollständig ausgerüstet dazu?«

»Ich habe Alles; nur das Metall fehlt.«

»Ich erwartete Sie und habe bereits das Nötige zu mir gesteckt. Hier haben Sie. Die Extragratifikation werden Sie sich allerdings erst verdienen müssen.« Er zog eine sehr umfangreiche Börse aus der Tasche und hielt sie ihm entgegen. Als er sie schüttelte, gab ihr Inhalt einen goldenen Klang. Richemonte nahm sie und steckte sie ein und sagte: »Ich bin überzeugt, dass ich mir diese Gratifikation verdienen werde.« »Wann werden Sie Ihre Reise antreten?«

»Bereits heute, mein General.«

»Gut! Und wann kann ich nach Constantin Nachricht erhalten?« »Das ist unbestimmt, doch hoffe ich, in nicht viel über zwei Wochen dort eintreffen zu können.«

»Das ist sehr lange. Ich glaube nicht, Sie so lange entbehren zu können.« »So haben Sie noch weitere Aufträge für mich?« »Allerdings. Sie sprachen ja davon, dass die Beni Hassan im Begriff stehen, sich gegen uns zu erheben. Haben Sie sichere Anzeichen beobachtet?« »Ja. Ich habe mit einigen Scheiks darüber gesprochen.« »Sie sind Freund mit ihnen?«

»Noch mehr als Freund; ich bin Gast bei ihnen.« »Als was kennt man Sie dort?«

»Ich bin aus einer östlichen Oase und durchsuche die westliche Sahara nach einem Manne, gegen den ich eine Blutrache habe. Anders konnte ich meine unstäte Lebensweise bei diesen Leuten nicht erklären.«

»Und man glaubt es Ihnen?«

»Ja. Nichts legitimiert bei diesen Leuten mehr, als eine Blutrache.« »Das ist gut. Darum wäre es mir eigentlich lieb, wenn Sie jetzt bei diesem gefährlichen Stamme bleiben könnten. Ich wäre dann sicher, durch Ihre Beobachtungen immer auf dem Laufenden erhalten zu bleiben.« »Keine Sorge, mein General! Zur Erhebung eines Stammes gehört Zeit. Die Vorbereitungen, die Verhandlungen und Beratungen nehmen da Monate in Anspruch. Ich bin überzeugt, dass ich vom Marabut zurück sein werde, ehe ein fester Entschluss gefasst worden ist.«

»Das heißt, dass innerhalb zweier Wochen nichts geschehen wird?« »Innerhalb eines Monats sogar.«

»Das beruhigt mich. So treten Sie denn Ihre Reise an, und lassen Sie sich möglichst bald in Constantin sehen! Haben Sie mir sonst noch Etwas zu sagen?«

»Nein.«

»Nun, so bin ich es, der noch einen Punkt mit ihnen besprechen möchte.« »Ich bin bereit dazu.«

»Zu jeder Auskunft?«

»Zu jeder.«

Der General sah ihn scharf und forschend an und fragte im Tone des Nachdrucks: »Wirklich zu jeder?«

Die Miene des Spions wurde weniger zuversichtlich. Er antwortete: »Zu jeder, welche sich mit meinen Verhältnissen verträgt, natürlich.« »So machen Sie also doch eine Bedingung! Welche Verhältnisse meinen Sie?«

»Meine persönlichen.«

»Und auf diese bezog ich mich ebenfalls. Seit wann haben Sie Frankreich hier in Algerien gedient?«

»Seit dem Jahre achtzehnhundertunddreißig.«

»Stets in Ihrer gegenwärthigen Eigenschaft?«

»Meist.«

»Hat keiner Ihrer Vorgesetzten und Auftraggeber gewusst, wer Sie eigentlich sind?«

»Keiner.«

»Warum beobachten Sie eine so strenge Verschwiegenheit?« »Weil es teils in meinem Charakter, teils auch in meinem Interesse liegt.« »Würden Sie sich nicht entschließen, Vertrauen zu mir zu haben?« »Ich vertraue Ihnen, mein General, sonst würde ich Ihnen nicht dienen; aber in diesem Punkte zwingt mich eine Pflicht, welche ich unmöglich verletzen darf, zur Verschwiegenheit.«

»So werde ich diese Pflicht gelten lassen müssen, obgleich es mir natürlich lieb und erwünscht sein muss, nur mit Männern zu tun zu haben, deren Verhältnisse offen vor mir liegen. Doch wenigstens fragen darf ich wohl, ob Sie ein geborener Franzose sind?«

»Das bin ich allerdings.«

»Welches war Ihr früherer Stand?«

»Ich bitte um die Erlaubnis, diese Frage übergehen zu dürfen.« Die Miene des Generals verfinsterte sich. »Ich glaube, dass Sie mit Ihrer Schweigsamkeit zu weit gehen«, sagte er. »Es scheint, Sie waren gezwungen, Frankreich zu verlassen?«

»Nein. Ich ging freiwillig von zu Hause fort.«

»Ihr Ton ist der Ton der Wahrheit; ich will Ihnen glauben. Ich möchte gern, dass ich Etwas für Sie tun könnte. Haben Sie Verwandte in der Heimat?« »Nein, wenigstens keine näheren.«

»Und soll es auch fernerhin verborgen bleiben, dass der Fruchthändler Malek Omar derjenige ist, welchen man das Auge der Franzosen nennt?« »Ja. Es liegt ganz in Ihrem eigenen Interesse. Erführe man die Wahrheit, so könnte ich unmöglich weiter tätig für Sie sein.« »Nun gut! Sie hüllen sich in ein undurchdringliches Geheimnis und zwingen mich, es zu achten. Darum dürfen Sie aber nicht erwarten, dass ich mich Ihnen unbedingt übergebe. Nur Vertrauen verdient Vertrauen. Sie spielen gegen die Beduinen gerade so den geheimnisvollen Freund wie gegen mich und uns überhaupt. Gegen wen sind Sie nun wahr und ehrlich?« »Natürlich gegen Sie und meine Landsleute, General!« Diese Worte waren im Tone der aufrichtigsten Beteuerung gesprochen; aber die Spur von Misstrauen, welche in den Worten des Generals lag, machte doch, dass sich der graue Schnurrbart in die Höhe zog, so dass die Zähne sich fletschend sehen ließen. Cavaignac bemerkte dies und sagte: »Ich hoffe das um Ihretwillen. Das Gegenteil würde ja nur zu Ihrem eigenen Verderben führen. Nehmen Sie sich dies zu Herzen.« Die sonnverbrannten Wangen des früheren Gardekapitäns röteten sich. Aus seinem Auge schoss ein unbewachter Blitz auf Cavaignac. Er fragte: »Wie kommen Sie zu diesem plötzlichen Misstrauen, mein General? Haben Sie mich vielleicht einmal unzuverlässig gefunden?« »O, dazu sind Sie zu vorsichtig. Aber ich will gegen Sie aufrichtiger sein, als Sie gegen mich, und Ihnen sagen, dass es mir bisweilen geschienen hat, als wenn Sie nur unter einer gewissen Reserve Frankreich Ihre Dienste zur Verfügung stellten. Auch der klügste, der geriebenste Mensch exponiert sich einmal, wenn er es nicht durch und durch ehrlich meint. Es will mir scheinen, als ob Sie dem Herrn dienten von dem Sie den größten Lohn erwarteten. Frankreich ist reicher als so ein Beduinenscheik. Wäre es umgekehrt der Fall, was würden Sie tun?«

»Ich würde dennoch Frankreich dienen!«, antwortete Richemonte mit Emphase.

»Ah! Wirklich?«

»Ich bin sogar bereit, für Frankreich zu sterben!« »Nun, warten Sie damit noch einige Zeit! Es ist zwar sehr rühmlich, für sein Vaterland zu sterben, vorteilhafter aber ist es doch, für sein Vaterland zu leben. Ich will hoffen, dass ich mich in jeder Beziehung auf Sie verlassen kann! Aber noch Eins: Wie nennt sich Ihr Gefährte?« »Ben Ali.«

»Also der Sohn Alis. Er ist also nicht Ihr Sohn?« »Nein.«

»Ein Verwandter von Ihnen?«

»Ein Cousin von mir.«

»Also auch ein Franzose?«

»Ja.«

»Hat er über seine Verhältnisse dasselbe Stillschweigen zu beobachten wie Sie?«

»Ganz dasselbe.«

»Eigentümlich! Nun, ich will nicht in Sie dringen. Dienen Sie mir gut, so finden Sie Ihren Vorteil dabei. Ertappe ich Sie aber bei einer Untreue, so hoffe ich, dass Ihnen meine Strenge und Gerechtigkeit bekannt ist. Ich erwarte, Sie baldigst in Constantin zu sehen. Adieu.« Richemonte machte eine sehr devote Verbeugung und ging. Cavaignac blickte ihm nach, bis er hinter der Tür verschwunden war. Dann fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht und murmelte: »Und dennoch habe ich dieses Gesicht gesehen! Es sind keine guten, ehrlichen, Vertrauen erweckenden Züge. Als ich noch als Knabe in Paris lebte, wohnte den Eltern gegenüber in der Rue d'ange ein Offizier, an welchem ich dasselbe Zähnefletschen bemerkte, wenn er zuweilen aus dem Fenster sah. Er bewohnte die Hälfte der ersten Etage, während seine Mutter mit der Schwester die andere Hälfte inne hatte. Leider kann ich mich nicht mehr auf den Namen besinnen. Ich weiß nur noch, dass einst ein preußischer Husarenleutnant diese Etage vor der Plünderung rettete. Ich traue diesem Spion nicht ganz und werde vorsichtig sein.«

Seine Erinnerung hatte ihn ganz richtig geleitet. Richemonte verließ das Local keineswegs in guter Stimmung. Er suchte sein Gesicht zu beherrschen; aber als er zu seinem Gefährten zurückkehrte und hinter den Datteln neben ihm Platz nahm, machte er seiner Stimmung Luft.

»Dein Gesicht glänzt nicht wie Sonnenschein«, sagte der Cousin, welcher sich also Ben Ali nannte.

»Ich habe auch Veranlassung dazu«, antwortete er, indem er die wieder mitgebrachten Datteln aus dem Körbchen auf den Haufen schüttete. »Welche Unvorsichtigkeit!«, meinte der Cousin. »Was?«

»Dass der General diese Datteln nicht behalten hat. Man wird nun ahnen, dass er Dich aus einem anderen Grunde kommen ließ.« »O, wir hatten keine Zeit, an die Datteln zu denken!« »Gab es so viel Wichtiges?«

»Gewiss. Vor allen Dingen aber sage ich Dir, dass ich diesen Generalgouverneur von heute an glühend hasse.« »Das ist mir etwas ganz Neues. Warum gerade von heute an?« »Weil er mich tödlich beleidigt hat.«

Er ließ seine gelben Zähne auf eine wirklich drohende Weise sehen. »Womit?«, fragte Ben Ali neugierig.

»Er traut mir nicht.«

»Ah! Warum nicht?«

»Er sagt, dass er denke, ich werde dem Herrn dienen, welcher mir das Meiste bietet.«

Der Cousin ließ ein leises Kichern hören. »Hat er da Unrecht?«, fragte er. »Nein! Aber denken soll er es nicht und sagen noch weniger.«

»Nun, dieser General scheint kein dummer Kerl zu sein. Das ist Alles! Willst Du Dich darüber ereifern und wohl gar auf unsern Vorteil verzichten?«

»Das fällt mir gar nicht ein!«, brummte der Alte. Er stützte den Kopf in die Hände und blickte einige Zeit lang sinnend vor sich nieder. Dann sagte er: »Ich habe Unglück gehabt, so lange ich mich kenne –«

»Das ist also, so lange Du lebst!«

»Schweig! Ich hatte Ruhm und Carriée vor mir. Da kam jener verfluchte Königsau. Es lag ein Reichtum vor mir, Millionen groß – abermals kam dieser Königsau. Meine Ehre war hin, und ich musste das Land verlassen. Jetzt gab es nur einen Gedanken. Reich wollte ich werden; reich wollte ich zurückkehren, denn der Reichtum bringt Ehre. Ich diente dem Bey; ich diente den Engländern, den Franzosen, den Beduinen. Was habe ich erworben? Nichts, gar nichts! Ich ließ Dich aus der Heimat kommen, um Unterstützung meiner Pläne zu finden. Ich fand sie, aber dennoch blieb der Reichtum aus. Nichts, nichts will mir mehr glücken. Jetzt sind mir lumpige fünftausend Franken geboten. Was helfen sie mir?« »Fünftausend Franken? Wofür?«

»Ich soll den Marabut Hadschi Omanah ausforschen.« »Wirst Du es tun?«

»Was bleibt mir anderes übrig? Kann ich diese Summe etwa bei den Beduinen verdienen?«

»Warum nicht?«, fragte Ben Ali langsam und mit Nachdruck. Der Alte blickte ihn zweifelnd an.

»Was fällt Dir ein? Woher nimmt der Kabyle so viel bares Geld? Und welchen Dienst könnte ich ihm leisten, um es zu bekommen?« »O, das scheint mir sehr leicht zu erklären!«

»Willst Du klüger sein als ich?«

»Nein; aber vielleicht bin ich es doch!«

»So rede!«

»Du fragst, woher ein Beduine Geld nehmen soll? Nun, so verschaffe es ihm doch; dann wird er Dir Deinen Teil gern auszahlen.« »Ich glaube, Du sprichst am hellen Tage im Traume!« »Ich werde Dir beweisen, dass ich sehr wach bin. Sprachst Du nicht soeben von diesem Königsau, von dem Du mir bereits so oft erzählt hast?«

»Du hörtest es ja deutlich genug.«

»Wird es in Deutschland Viele geben, welche diesen Namen tragen?« »Ich glaube nicht.«

»Nun, so sind er und Derjenige, welcher jetzt mit so großen Schätzen aus Timbuktu kommt, jedenfalls Verwandte.«

»Möglich! Ah, jetzt errate ich!«

»Was errätst Du, Cousin?«

»Du meinst, ich soll mich an dem einen Königsau rächen, indem ich dem anderen seinen Reichtum abnehme.«

»Natürlich.«

»Der Gedanke ist gut, außerordentlich gut. Er tut meinem Herzen wohl und würde mich zum reichen Manne machen, wenn er ausführbar wäre.« »Warum soll er nicht ausführbar sein?«

»Dieser Königsau hat dreißig Krieger der Ibn Batta bei sich; wir aber sind nur zwei Personen!«

Da legte der junge dem Alten die Hand auf die Schulter und sagte: »Cousin, Du verleugnest Dich ganz! Wir waren so lange Zeit bei den Beni Hassan, und Du hast doch gehört, dass sie in Blutsfehde mit den Ibn Batta leben.« Da sprang Richemonte dieses Mal wirklich von seinem Sitze auf. »Mensch!«, sagte er. »Daran dachte ich wirklich nicht. Jetzt bemerke ich, dass Du bei mir in einer ausgezeichneten Schule gewesen bist. Lass uns jetzt kein Wort, keinen Augenblick verlieren. Wir brechen augenblicklich auf.«

»Wohin?«

»Zu unsern Gastfreunden, den Beni Hassan.«

»Ich denke, Du musst zu dem Marabut?«

»Das hat Zeit.«

»Aber unsere Datteln hier?«

»Die verkaufen wir im Ganzen. Dort unter jenem alten Dache haust ein Tagir (Händler), welcher mir Alles abkaufen wird, wenn ich einen billigen Preis fordere. Wir haben die Früchte ja nur zum Scheine. Ich werde ihn holen.«

Er schritt mit einer Eile über den Platz hinüber, welche sich mit der muselmännischen Gravität nicht sehr in Einklang bringen ließ, und brachte wirklich bereits nach einigen Minuten den Händler herbei, welcher nach kurzem Feilschen die Datteln kaufte und bezahlte.

Jetzt wollte Richemonte sofort aufbrechen, aber der Cousin fragte: »Hast Du von dem General Geld erhalten?«

»Ja.«

»Wie viel?«

»Ich habe es wirklich noch nicht gezählt.«

»So zähle es sofort!«

»Warum?«

»Weil ich meinen Anteil brauche.«

»Das hat Zeit, bis wir zum Teilen Muse haben.« »Nein, das hat keine Zeit. Ich will mir Verschiedenes hier kaufen.« »Kaufen? Hast Du nicht Alles, was Du brauchst?« »Ja, das habe ich; aber ich habe keine Kassabe (Pfeife), keine Bawaby (Pantoffel), keine Halkar (Ringe) und keinen Semsije (Sonnenschirm).« »Bist Du des Teufels! Wozu willst Du das Alles?« »Da fragst Du noch? Die Pfeife will ich für Scheik Menalek, und die Ringe, Pantoffel und den Sonnenschirm soll seine Tochter Liama erhalten.« »Also bist Du wirklich so verliebt in dieses Mädchen?« »Sie muss mein werden.«

Er sagte dies in einem Tone, der jede Gegenrede abschnitt. Richemonte zog den Beutel heraus und zählte das Geld. »Hier«, sagte er. »Zwei Drittel für mich und ein Drittel für Dich.«

»Gut. Gehst Du mit?«

»Ja. Ich müsste sonst zu lange warten.«

Sie gingen in einige Bazars, und bald waren die erwähnten Gegenstände gekauft, eine prächtige Pfeife für den Scheik der Beni Hassan und für seine Tochter silberne Arm- und Knöchelringe, ein Paar Pantoffel aus blauem Sammet, mit Stickerei verziert und ein seidener Sonnenschirm. Mit diesen Sachen wanderten die Beiden zur Stadt hinaus. Diese liegt am Wadi Biskra. Am rechten Ufer desselben zog sich ein Terebinthengebüsch hin, in welches sie eindrangen, bis ihnen das Schnauben von Pferden entgegentönte. Sie gelangten an eine Stelle, an welcher zwei Reitpferde versteckt waren.

»Da sind sie noch. Welch ein Glück!«, sagte der Cousin. »Wer sollte sie uns genommen haben?«, fragte Richemonte. »Diebische Beduinen.«

»Die ahnen nicht, dass sich hier Pferde befinden.«

»Oder Raubtiere.«

»Löwen und Panther gibt es hier nicht, und wenn es welche gäbe, so gehen diese Tiere erst des Nachts auf Raub aus. Ziehen wir uns rasch um.« An jedem der beiden Lehnsattel war ein Bündel gehängt. Sie wurden geöffnet, und da zeigte es sich, dass sie Alles enthielten, was zu einer reichen Kleidung und Bewaffnung gehört. Das Habit, welches ein Jeder der Beiden in der Stadt getragen hatte, war nur eine Verkleidung gewesen. Die Anzüge wurden gewechselt, und bald hatten die zwei Spione das Aussehen von wohlhabenden Beduinen. Die alten Sachen wurden in Bündel geschnürt und hinter die Sättel befestigt. Dann führten sie die Pferde in das Freie, stiegen auf und ritten, nicht das Wadi entlang, sondern nach Süden auf dem Wege nach Uinasch davon. Das war allerdings nicht die Richtung nach dem Marabut.

Während des Rittes nun hatten sie Zeit, die vorhin unterbrochene Unterhaltung wieder aufzunehmen. »Glaubst Du, dass wir die Beni Hassan dazu bringen werden, den Deutschen zu überfallen?«, fragte der Junge. »Ganz gewiss«, antwortete der Alte. »Wir müssen nur sagen, dass er ein Franzose sei; sie sind ja den Franzosen feindlich gesinnt. Und übrigens wird er von Leuten des Stammes Ibn Batta begleitet, mit denen sie sich in Blutrache befinden. Es bedarf also nur eines Wortes.« »Aber werden sie uns die Schätze lassen?«

»Ich hoffe es. Es kommt darauf an, es klug anzufangen. Gehen sie nicht mit darauf ein, so zwingen wir sie.«

»Zwingen? Wie wäre das möglich?«

»Siehe, jetzt bin ich Dir überlegen«, lachte der Alte. »Ich würde sie ganz einfach durch die Franzosen zwingen.«

»Wieso?«

»Ich hole die Franzosen und überfalle sie. Die Schätze reclamiere ich dann als mein Eigentum.«

»Werden die Franzosen auf diesen Überfall eingehen?« »Unbedingt. Ich habe bereits heute dem General die Mitteilung gemacht, dass die Beni Hassan im Begriff stehen, sich aufzulehnen.« »Das ist gut. Aber –«

»Was aber?«

»Liama.«

»Mensch, ich begreife Dich nicht! Dieses Mädchen hat Dich wirklich um Deinen ganzen Verstand gebracht.«

»Ist es ein Wunder? Sie ist schön wie ein Engel.« »Pah! Es ist zwar wahr, dass sie sehr schön ist; aber in Frankreich kommt zu der Schönheit noch die Bildung.«

»Welche schöne und gebildete Französin würde einen Spion heiraten?« »Du gebrauchst da ein nicht sehr schönes Wort. Weiß es übrigens die Französin, dass Du hier Spion warst?«

»Sie kann es erfahren.«

»Wir bringen Reichtümer mit. Das gleicht Alles aus.« »Dieses Mädchen ist mir lieber als aller Reichtum.« Der Alte zog den Schnurrbart in die Höhe.

»Du bist unverbesserlich! Liebt sie Dich denn wieder?« »Ich weiß es nicht.«

»Du hast noch nicht mit ihr gesprochen?«

»Nein.«

»Ah, Du bist ein guter Rechner. Du rechnest mit Seifenblasen.« »Warum sollte eine Beduinin nicht einen Franzosen lieben?« »Richtig!«, lachte der Alte. »Du brauchst ja nur zu kommen und die Hand auszustrecken. Und der Scheik? Was wird er dazu sagen?« »Er wird ja sagen, sobald er sieht, dass sie mich liebt.« »Aber ein Fremder erhält die Tochter eines Scheiks nie anders, als dass er Mitglied des Stammes wird.«

»Gut, so werde ich Beduine.«

»Mensch, ich fange wirklich an, zu glauben, dass diese sogenannte Liebe auch ein sonst verständiges Individuum von Sinnen bringen kann.« »So hast Du nie geliebt?«

»O, doch.«

»Ah! Du sprachst doch noch nie davon.«

»Das war auch nicht notwendig. Ich habe geliebt und liebe noch.« »Wen?«

»Mich. Jetzt weißt Du es. Dies ist die einzige und vernünftige Liebe, welche ich kenne. Übrigens würde ich Dir Deine Überspanntheit strengstens untersagen, wenn ich nicht dächte, auch meine Rechnung dabei zu finden.«

»Das glaube ich Dir. Ein Egoist, wie Du bist, tut nichts, wobei er nicht irgendeinen Vorteil im Auge hat. Welche Rechnung meinst Du da?« »Du weißt, dass ich bei den Beni Hassan für Deinen Vater gelte. Wenn mein Sohn der Eidam des Scheiks wird, gewinne ich bedeutend an Einfluss. Der Stamm, wenn er alle Abteilungen zusammenzieht, stellt über dreitausend Gewehre ins Feld. Du siehst ein, dass man damit einen bedeutenden Druck ausüben kann.«

»Ich gebe Dir Recht. Übrigens denke ich dabei auch an diesen Königsau.« »Inwiefern?«

»Wenn der Scheik mein Schwiegervater ist, so wird er nichts dagegen haben, dass wir die Schätze, welche dieser Deutsche mit sich führt, unter uns Zweien teilen.«

»Teilen? Hm!«, brummte der Alte. »Unserm bisherigen Abkommen gemäß erhalte ich stets zwei Drittel.«

»Das ist hier eine ganz andere Sache. Es war bisher nur von dem die Rede, was wir uns durch unsere Kundschafterei verdienten.« »Und Du denkst, dass Du von Königsaus Sachen die Hälfte erhältst?« »Ich denke es nicht bloß, sondern ich verlange es.« »Gut! So ist aber die Kriegskasse da drüben in den Ardennen auch eine andere Sache. Ich werde sie selbst heben, ohne Dich zu brauchen.« »Du weißt nicht, wo sie liegt.«

»Ich werde den Ort finden.«

»Du wirst Dich wohl kaum wieder nach Frankreich begeben.« »Warum nicht? Sobald ich als reicher Mann auftreten kann, gehe ich hinüber.« –

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