Inshalla

Angelika Avauge · Kapitel 1 von 1 · Teil 9/34

PDF-Seiten

Inshalla

Inshalla

Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 34 Teile geteilt.

"Roland? Offene Fragen? Glaub ich ja jetzt weniger... der hat gesagt, dass er froh ist, wenn ich nie wieder seinen Weg kreuze... zu Gabi. Damit ich das auch ja erfahre... wenn er das wirklich alles von Anfang an wusste, dann hat er alles in der Absicht zu ihr gesagt, dass ich das erfahre...das war unmissverständlich. Klarer kann man sich echt nicht ausdrücken... pathologischer Fall!" "Du kennst ihn doch... Worte sind das eine... Gabi stellt eine Brücke zu dir dar, die er zulassen kann... wenn ihr jetzt etwas sensibel mit ihm umgeht... wer weiß, wie sich das noch entwickelt..." und ich hab sofort bei Gabi angerufen... tja, aber war bereits besetzt. Länger sogar... aber dann rief sie mich gleich an, um mir zu sagen, dass Roland doch angerufen hätte und meinen Brief gar nicht erwähnte. Sie sprach ihn dann gleich drauf an und er bestritt, von irgendeinem Brief zu wissen. "Na komm Roland, du weißt genau, wovon ich spreche..." und er zu ihr, hat sie mir zumindest erzählt und Gabi log mich eigentlich nie an... "das wusste ich doch von Anfang an! Denkt ihr, ich bin dämlich? Das war mir doch von Anfang an klar... wann hast du denn Zeit? Dass wir uns mal treffen..." "Gar nicht! Ich suche keinen Typen, ich bin verheiratet! Ich will mich gar nicht mit dir treffen und ich würd auch jetzt echt lieber das Gespräch beenden..."

"Er war sehr enttäuscht, das war nicht zu überhören, meinte sie noch zu mir. Ich erzählte ihr von meinem Erlebnis, dass bei ihr aber besetzt war... und sie meinte überrascht zu mir. "Auf die Idee hätten wir echt schon vorher kommen können... ich hab mich ja schon gewundert, dass er überhaupt anrief und dass er partout diesen Brief bestritt, der bestritt ja sogar, dich überhaupt zu kennen... das kam mir ja auch komisch vor, aber dann hab ich ziemlich verärgert zu ihm gesagt "Na komm Roland, du weißt genau...." und da hat er es dann zugegeben... wollte aber weiter reden... das hat mich ja auch gewundert... ist doch klar... Brücke... das hätte mir doch wirklich einfallen können... tja, aber... kann doch den nicht wieder anrufen... die Chance haben wir verpasst... aber ich bin mir sicher, dass du vor dem beschützt wirst... der und Traum aller Schwiegerväter! Alptraum trifft`s bestimmt eher... das ist doch wirklich ein Alptraum von Mann... überleg doch mal" und dann ging es halt wieder los. Seine vielen widerlichen Eigenschaften, die sie an ihm wahrgenommen hatte und er rief natürlich nicht mehr bei ihr an... sollte halt nicht sein. Was Besseres wie ich würde auf jeden Fall in seinem Leben noch auftauchen... er war ja noch jung... Anfang dreißig... hatte allerdings schon so einiges hinter sich... und sehnte sich halt wirklich nach Ruhe. Ein bisschen Ruhe... keinen Ärger mehr und ich roch ja geradezu nach Ärger. Wenn ich auftauchte, war das immer mit Ärger für ihn verbunden.. meistens jedenfalls... aber natürlich... da war irgendwas... das bekam sogar er mit... Rohland verfügte ja auch über verschiedene Wahrnehmungsebenen... aber das erfuhr ich halt auch über ihn, Jahrzehnte später allerdings, dass er von sehr dunklen Schatten begleitet wurde... der Schamane, ein Schamane in ihm... sein innerer Führer ist ein Schamane... ein sehr starker sogar... und diese dunklen Schatten, denen er hätte begegnen müssen, was er natürlich mied wie die Pest... um sie wirklich loswerden zu können... hatten einen starken Anteil an dem ganzen Geschehen. Die hassten mich! Sein innerer Führer nicht. Der hatte mich richtig gern... aber der hat`s echt schwer mit ihm.... Rohland hört zu gern auf seinen Kopf. Da trifft er immer die richtigen Entscheidungen... nach seiner Erfahrung verhält es sich nun mal so. Also damals, damals.... vielleicht ist er ja inzwischen alt und weise geworden... geht ja auch flott auf die sechzig zu... ich wünsch es ihm so sehr... so sehr... boa! Frischgepresster Orangensaft! Hat Peterlein mir grad hingestellt... frisch gepressten! Das macht er mit der Hand... nicht elektrisch. Ich weiß meine Leute echt zu würdigen! Ich tu schon auch genug für sie... so ist es nicht. Dieses Buch hier schreib ich ja auch für sie. Und die können sich über mich bestimmt auch nicht beschweren... Dirk ist endlich auf dem Weg der Heilung! Das ist ein halbes Kunststück... und hätte auch nicht jeder geschafft... da brauchste schon einige besondere Fähigkeiten... als Partnerin! Wir haben da ja eh... ne sehr eigenwillige Beziehung am Laufen... naja, dient halt alles dem Heilungsprozess. Und wenn es dann mal geschafft ist... dann schauen wir mal weiter... so seh ich das. Für ihn ist das ja in Stein gemeißelt... von wegen... er und ich for ever... ja klar... der sieht unverschämt gut aus für seine dreiundfünfzig... also er sah natürlich immer gut aus, auch so ein Typ, der seit der... achten Klasse angehimmelt wurde... und er könnte echt glatt Model für jungenhafte Fünfziger werden.... der würde vom Fleck weg engagiert werden... aber da müsste er ja mal ein bisschen Disziplin an den Tag legen... und Termine hat er ja nicht so gerne... braucht er ja auch nicht... kommt ja auch so gut über die Runden... Dirk ist auch so ein Hansi-Hinterseer-Typ... scharf geschnittenes, männlich-markantes Gesicht, diese Skilehrer-Typen... schöne Gesichter halt.. die durchaus die heile Welt widerspiegeln, in der sie aufwuchsen... Dirk hat schon diesen Habitus an sich... Super-Figur, kann mehrere Sprachen, war schon in der halben Welt, ist sehr belesen, sehr intelligent, hat ne sehr eigene Art von einem absolut trockenen Humor an sich... und in gewisser Weise hat er natürlich recht, wenn er von sich behauptet ...Komplexe jedenfalls hat er auch keine. Ja, ist ja auch schön.... für ihn... ach klasse! Katia Ebstein! "Was hat sie, was ich nicht habe..."Na, wenn die dein neues Leben ist... viel Spaß" Ein genialer Text! Das waren noch Lieder... mit Hirn! Toller Song! Leider viel zu kurz, würd ich gern noch länger hören... sie hat ja auch eine total eigene Stimme. So ein bisschen rauchig. Auf so eine melodische Art rauchig. Hat natürlich total was. Auf jeden Fall schon mal sehr Eigenes. Die Stimme erkenn ich auch sofort. Na logisch! Die ist absolut unverwechselbar. Ich betrachte mich da durchaus eher als so eine Art Lebensabschnittsgefährte... das mit dem for ever seh ich jedenfalls nicht so selbstverständlich, wie er, gegeben... na, schau`n wir mal... aber er und ich sind ja nun mal auch zusammen geführt worden... das steht nun mal wirklich fest. Das kann man auch wirklich in Stein meißeln, dass er und ich zusammen geführt wurden. Daran hab ich nicht den leisesten Zweifel... denn... das ist es ja! Krieg ja immer Zeichen und bekam ich ja auch in seinem Fall... das war entweder an meinem ersten oder an meinem zweiten Tag bei Idefix... jedenfalls nahm ich am Englisch-Unterricht teil. Dirk saß ein Stück weiter weg von mir... rechts... hatte, wie anscheinend üblich bei ihm... ne Zeitung in der Hand und er bewegte dann die Zeitung etwas weiter nach unten und ich kuck so hin, was er da liest... und seh oben rechts, auf der Seite vor ihm, ein Foto. Die junge Frau auf dem Foto sah aus wie ich. Verdammt, das hätte ich mit zwanzig sein können... die sah aus, wie ich... und... hatte das etwa was zu bedeuten? Verstohlen musterte ich ihn etwas eingehender... hm, nicht schlecht, nicht schlecht... schon... aber diese ungepflegten Haare, auch noch viel zu lang... nee, das konnte nichts zu bedeuten haben... frappierend diese Ähnlichkeit... aber mit diesem Mann konnte es nichts zu tun haben. Drei Monate später war ich schlauer. Und sehr schnell verstand ich. Tatsächlich... als ich Anfang zwanzig rum war... begann sowohl bei ihm seine, als auch bei mir meine Sucht.. da machten wir uns also auf den Weg zueinander... sagt er. Und stimmt ja auch in gewisser Weise.... aber das war ein ultrabrutales hartes Stück Arbeit, ihn an den Punkt zu bringen, an dem er sich jetzt endlich bewegt... jetzt kann ich endlich wirkliche Fortschritte bei ihm erkennen... Bernd Clüver! Oh super... oder? Mit siebzehn Jahren fragt man nicht... nur wer an Wunder glauben kann... nein, ist nicht Bernd Clüver. Aber sehr ähnlich diese beiden Stimmen. Sehr schön. "Nur wer an Wunder glauben kann, für den gescheh`n sie irgendwann". Das stimmt. Ist tatsächlich nicht nur ein hohler Spruch. Doch Bernd Clüver. Sag ich doch und jetzt kommt "Jugendliebe"... oh, hab ich ja schon zu DDR-Zeiten geliebt! "denn sie ist traumhaft schön... ", die Jugendliebe... ja, ja, die Liebe. Ich liebe sie! Und dieses neue Lied von ihr, Ute Freudenberg, das sie im Duett mit nem Partner singt... Leiss... na! Stefan? Leiss... find ich ja auch wunder- wunder- wunderschön. Ach, im Fernsehen laufen meistens total interessante Reportagen, Dokus, Krimi-Fälle... aber im Radio spielen sie immer so wahnsinnig schöne Musik... möcht da nie abschalten. Jetzt kommt grad Himbeereis zum Frühstück... von Hoffmann und Hoffmann. Kenn ich in- und auswendig. Muss ich jetzt auch erst mal mitträllern. "Rücksicht... keiner hat das Wort gekannt..." find ich allerdings noch schöner. Ist mein Lieblingslied von ihnen. "Tu alles, was gut tut, tut gut" hör ich grad wieder... innerlich... hör ich das. Oh, singen tut unglaublich gut. Das ist Balsam für die Seele. Als wenn dann geheiligte Luft durch unsere Lungen fließt... keine Ahnung... auf jeden Fall ist es Balsam für die Seele oder sie freut sich immer, meine jedenfalls schon, wenn ich singe... muss jeder für sich selber ausprobieren. Kostet jedenfalls kein Geld und ist mit Sicherheit sehr heilsam. Für was auch immer. Au, au, au, au... das singt sie wirklich grad für mich. "Nur ein Hauch im Wind, bis wir eines Tages Sternenträumer sind..."... das singt sie wirklich grad für mich. Passt jedenfalls total. "Nein, für mich bist du lebendig....wo auch immer du jetzt bist..." klar, sie singt da natürlich von einem Fortgegangenen... es passt aber nun mal auch auf den "Mann im Mond"... ach danke Karel. Gott. "Wenn ich dich nicht hätte..." und man müsste dich ganz schnell erfinden, wenn`s dich nicht schon gäb..." ach, so süß der Text... und diese einmalige Gesangsstimme... fällt mir immer wieder auf. Oh, und jetzt Uwe Busse... "nur für einen Moment bleibt die Erde stehen...jeder Verlierer kommt einmal an`s Ziel..." "unter Brücken zu schlafen, hat noch keinem Spaß gemacht"... ist ja auch von ihm und seit diesem Lied... horch ich immer auf, wenn ich seine Stimme hör. Der hat tolle Songs. Dieses Jahr kauf ich mir auf jeden Fall noch ne CD von ihm. Und von Michael Morgan. Der hat so viele wunderschöne Lieder... das will ich schon so lange. Dieses Jahr mach ich das endlich mal. Tu alles, was gut tut... genau! Udo Jürgens wusste schon, was er da sang... die zwei Wünsche erfüll ich mir auf jeden Fall bis zum Sommer. Erstmal brauch ich aber nen guten CD-Spieler... naja, wird mir schon bald einer in die Hände fallen quasi. In nem An- und Verkauf zum Beispiel... oder privat erfahr ich demnächst was... oder ich kuck halt mal bei Ebay rein... das wird schon... meine kleinen Wünsche erfüllen sich ja meistens sehr schnell... die großen brauchen immer ihre Zeit. Mitunter Jahre... und unerfüllte hab ich auch. Aber nicht viele. Dirk`s Mutter sag ich ja immer, dass ich wunschlos glücklich bin... naja, was soll ich denn bitte schön einer Frau sagen, die meint, dass Dirk und ich schließlich nie was im Leben geleistet haben und so betrachtet, geht`s uns ja eigentlich viel zu gut... sie gibt ja gerne, so ist es ja nicht, aber doch nicht solchen Loosern wie uns... naja, so sagt sie das natürlich nicht, aber im Endeffekt läuft`s schon darauf hinaus... ihr wurde nichts geschenkt. Alles verdient. Das ist ja nun ihr Standard-Spruch. Alles verdient. Sicher, ist ja auch was dran. Sie haben sich ihren materiellen Wohlstand tatsächlich erarbeitet. Das ist wahr. Ja, natürlich nicht als Arbeiter... wirste ja kein Millionär in der Regel, also nicht als Arbeiter... sondern schon durch ne eigene Firma. Aber sie haben Tag und Nacht gearbeitet... das glaub ich unbesehen. Damals... Ende der Sechziger war das in unserem Land ja auch noch möglich... wenn du ne gute Idee hattest, fleißig warst, ein bisschen eisern zusammen gespartes Kapital hattest... konnte das mit ein bisschen Glück schon was werden... und sie hatten halt Glück. Großes sogar... aber... natürlich... alles verdient! Und wir halt nicht... naja, das ist echt auch ein bisschen bitter... mir schwirren hier die Ohren, weil ich nicht weiß, wie ich die Forderung von Otto begleichen soll und kann mir von jemand anhören, der `nen Porsche bei sich zu stehen hat..."dann hättet ihr das nicht bestellen dürfen...", aber immerhin hat sie damals meinen Kredit bei dieser einen Bank übernommen. Auf Darlehen. Logisch. Also Zinsen brauchte ich an sie keine zahlen. Naja, sie ist halt wahnsinnig enttäuscht von ihrem Sohn. Ihm standen schließlich alle Türen offen... in der Politik hätte er Karriere machen können... wenigstens im Vorstand bei Daimler landen... und stattdessen verjunkt er sein Leben... au, das wird sie ihm nie verzeihen. Kann sie nicht. Erlauben ihre Wahrnehmungsebenen nun mal nicht. Alle Türen standen ihm offen... ja, das kann ich mir auch öfters anhören. Und sagt er ja auch selber. Bereut er allerdings auch nicht so wirklich, dass er nicht im Vorstand bei Daimler ist... "hab doch alles... hab doch dich" sagt er dann immer zu mir. Diese ausgeprägt charmante Ader muss ihm echt in die Wiege gelegt worden sein... so was sagt er ja mit einer... mit einer Selbstverständlichkeit... das liegt ihm echt im Blut. Wie man so schön sagt... naja, ich weiß ja, was ich von dem Schmus zu halten hab... auch, wenn er es sogar ernst meint. Naja, wir schau`n mal... später... mal sehen, was in drei Jahren los ist. Falls ich überhaupt so lange lebe... bin ja Realist! Dann hättet ihr das halt nicht bestellen dürfen... hey, da ist von einem Schlafsofa bei ihm und einem bei mir die Rede. Und halt der PC... da sind auch noch ein paar Raten offen... das hat ja nichts mit Luxus zu tun... war halt notwendig... Alex brauchte halt einen...und a pro po sein PC... da muss ich wirklich noch mal die Frage in den Raum werfen, ob`s nicht im Zuge der angeblichen Chancengleichheit, die wir hier ja angeblich haben, möglich sein sollte, dass Kinder, auch bei Arbeitslosigkeit ihrer Eltern, einen gesetzlichen Anspruch auf einen Computer haben sollten? Ich mein, bitte, das ist doch wohl echt logisch, dass ein Kind, das auf`s Gymnasium geht, einen Computer zu Hause haben muss... das ist doch sogar zwingend. Ich sag ja, diesbezüglich sollte wirklich mal nachgebessert werden.... na, er hat ja ... oh schön! Roy Black... mein Gott, hatte der einen Samt in der Stimme... dafür, dass er seine Schmalzlieder angeblich selber ja nicht so gerne gesungen hat... dafür singt er sie aber immer unheimlich gut... naja, bei der Stimme. Er konnte, schätz ich mal, so ziemlich alles singen... schon lange seine Schule beendet. Mit Ach und Krach... haarscharf grad noch sein Abi gemacht... ist ja heutzutage eh nicht viel wert. Gut, kannste halt studieren Aber was? Wenn du da nicht so richtig Lust drauf hast... aber zwei Jahre Urlaub sind dann auch mal gut... naja, nun macht er ja wenigstens mal was, allerdings nicht studieren. Wees er noch nich... welche Richtung... ehrlich, mir ist doch völlig wurscht, was er macht.... Hauptsache, er fühlt sich wohl damit. Er lebt sein Leben, nicht ich... ist ein richtig aufgeweckter Bursche, schlagfertig, echt helle im Kopf... benutzt bislang seinen durchaus gesegneten Verstand allerdings nur für solche wichtigen Herausforderungen, wie sie ihm seine Spiele bieten... die sind ja alle miteinander voll infiziert mit diesen merkwürdigen Spielen... und wenn sie nicht zusammen hängen können, geht`s über so ne Sprechanlage... mit der Jugend kannste echt die Welt nicht mehr erobern. Nicht jedenfalls die reale... aber die soll ja auch gar nicht erobert werden. Auf ihr sollen endlich die richtigen Pflanzen wachsen... der Garten Eden soll hier erblühen... ich träum jetzt mal ein bisschen von ihm... von dem Garten Eden hier auf Erden... und hab dann hoffentlich einen schönen Traum. Euch auch. Einen schönen Traum.

Könnt ihr euch das wirklich vorstellen, dass ich ein komplett rational veranlagter Mensch bin? Das ist kein Witz. Komplett rationell. Eine Seite in mir... die andere... zu David sagte ich öfters was von tausendjähriger Seele... wird schon nicht von ungefähr kommen... aber ich hab nun mal eine ausgeprägt rationelle Seite in mir und die grübelt durchaus immer wieder... ob es vielleicht ja doch eine andere Erklärung für alles gibt, die ich jedoch nicht kenne, oder auf die ich einfach nicht komme... die Hieroglyphen damals... diese Situation zum Beispiel... könnte es nicht sein... dass halt durch meine Angst, durch meine Panik... Stoffe in meinem Körper, oder besser gesagt im Kopf ausgelöst wurden.. und deswegen... die lösten halt aus, dass unbewusst wahrgenommenes, im Klassenzimmer, nach oben gespült wurde... tja, und so konnte ich dann die Buchstaben vor mir erkennen... könnte doch sein, oder? Ja, die Lehrer... warum die ihr damals beim Elternabend weder was von meinen Fehlzeiten, noch von meinen schlechten Leistungen erzählten... mhm, Glück gehabt, oder? Riesen-Glück gehabt.. vielleicht haben sie mich verwechselt? Und so kam das... also auch dafür kann auch ich noch eine rationale Erklärung finden... bei der Klingelanlage... wo sie mich fast erwischt hätte, beim Knasturlaub... wieso die nicht funktionierte... ausgerechnet.. wo die in der Nähe waren... und wenn ich mich da noch länger aufhalte, ist es unvermeidbar, dass sie mich sehen werden... die sind ja sozusagen direkt auf mich zu gesteuert... wieso funktionierte diese Anlage nicht? Ich hatte x—mal geklingelt... und wieso funktionierte sie aber reibungslos, als Erika später selber runter fuhr... dafür finde ich einfach keine rationelle Erklärung, was ja nicht heißt, dass es keine geben würde... kann ja sein... nur... ich komm halt leider nicht drauf. Das Erlebnis mit den Hunden... damals hörte ich das allererste Mal in meinem Leben Hunde in der menschlichen Sprache miteinander reden... ich war ja selber völlig ungläubig... weil die wie Menschen miteinander redeten "Los, die back mer jetzt..." den Sinn verstand ich ja zuerst gar nicht... weil ich das wirklich erst mal packen musste... ich war vierzehn!... dass die in meiner Sprache redeten Zwar Dialekt, aber trotzdem... so was musste erst mal verkraften... und erst, als sie weiter sprachen... begriff ich... dass die mich töten wollten. Töten! Mich! Keine zwei Minuten vorher waren wir noch die besten Freunde gewesen... ohne Grund... waren die plötzlich meine Todfeinde, wollten mich töten... und ich hatte keine Chance. Mit dem Kleineren wär ich schon fertig geworden, aber doch nicht mit dem Großen! Und schon gar nicht mit zwei... und dann sagt der Große, hatte eine sehr tiefe Stimme, furchtbar bedrohlich, auf das Zögern des Kleineren "Hier is kaner weid und breid... und kimmt a kaner... los, die..." und ich hab die nur noch angestarrt... und Gott um Hilfe angeschrien... denn da war ja wirklich kein Mensch... wir waren nicht einem einzigen Menschen bei unserem Spaziergang begegnet gewesen... und ich hatte nicht die geringste Chance gegen die zwei... ich war damals ungefähr einsfünfzig groß und echt spargeldürr... wenn ich viel wog, dann... keine Ahnung... Mitte vierzig Kilo... da hast du keine Chance gegen einen quasi ausgewachsenen Schäferhund. War ja ein Mischling... aber hatte schon was von einem Schäferhund.. Collie...noch was... eben ein voller Mischlungs-Hund. Die Größe jedenfalls war die eines Schäferhundes. Da hast du keine Chance als kleines Mädchen... das ist, als wenn ein Löwe einen erwachsenen Menschen angreift, einen erwachsenen Mann mein ich, Durchschnittsgröße einsachtzig. Sagen wir mal. Tja, da hat der Mann auch keine Chance. Und so war das bei mir auch. Das wusste ich gleich "keine Chance..." und kein anderer da, der dir helfen wird.... selbst Atheisten würden in solch einer Situation Gott um Hilfe anschreien... kann dir ja kein anderer mehr helfen.... und ich hab ihn wirklich in Todesangst angefleht..."jetzt kannst nur du mir helfen... hilf mir doch... hilf mir doch...." das hab ich geschrien... innerlich... denn in München hatte ich auch immer nur auf diese Weise mit ihm geredet... und das hat er ja dann auch gehört... ich hab ihn in Gedanken angeschrien, um Hilfe geschrien... und dann setzt der Hund zum Sprung an, auf mich zum Sprung an, ist in der Luft und für den Bruchteil einer Sekunde befindet er sich in der Luft... und eine halbe Sekunde später landet er auf dem Boden. Schaut total verblüfft, nicht mich an, aber ich hab ihn ja nicht aus den Augen gelassen und deswegen sah ich das ganz genau. Schaut völlig verblüfft vor sich hin... aber wirklich nur eine Sekunde... keine Sekunde länger.. und sofort kehrt diese Mordlust wieder in seine Augen zurück. Der reagiert prompt darauf, wie so aufgezogen und nimmt augenblicklich wieder eine Sprunghaltung an und will... er will, aber er ist wie am Boden festgeklebt... und dieses Mal lässt er sich aber nicht abbringen, keine Verblüffung, nichts... er will nur seine Mordlust stillen. Nichts anderes. Mit wirklich nicht mehr normaler Kraft versucht er, vom Boden... seinen Sprung zu vollbringen, aber stattdessen wird er cm für cm von mir weggeschoben und er kämpft mit solch einer Kraftanstrengung dagegen an, von mir weggeschoben zu werden.. dass ihm regelrecht die Augäpfel aus den Höhlen quollen und sein Fell war... es stand alles kerzengrad ab... mit solch einer unnormalen, abartigen Kraft hat der dagegen angekämpft... und er ist zwei, drei Meter von mir weggeschoben... da ist ein echter Sicherheitsabstand zwischen uns...und das ist das letzte, was ich von dieser Begebenheit sehe. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Passiert ist mir auf jeden Fall nichts. Ach ja, das irdische Geschehen um mich herum....konnte zwei Stunden lang jetzt nicht schreiben und hab noch immer nicht so richtig Ruhe... sie haben alle um mich herum nicht die geringste Ahnung, was für ein Buch hier geschr.... hätte ich doch fast geschrieben... was für ein Buch ich hier schreibe... das könnte sich niemand bei mir vorstellen. Auch meine Kids nicht. Niemand. Eben, weil ich so normal bin. Völlig normal. Auch mit ausgeprägten Schwächen... nicht allein für schöne Männer. Ich bin komplett irdisch.. wenn ich nicht diese Erlebnisse gehabt hätte... wenn... wenn... all meine Erlebnisse... nicht gewesen... aber darüber zu spekulieren ist ja Quatsch. Meine Erinnerung, ab diesem Erlebnis.. setzt an einem Punkt wieder ein... nee, gar keinen Punkt... bin halt wieder im Mädchenheim... tagsüber... ganz normal alles... mir fehlt nichts. Ich weiss ja von gar nichts. Ich weiß auch nicht, dass mir ne Erinnerung fehlt... es ist halt alles ganz normal. Ich glaub aber, rückblickend... dass ich damals dieses Erlebnis nicht verkraftet hätte... und dann hätte mir natürlich auch niemand geglaubt, natürlich nicht!, und ich wär womöglich in der Psychiatrie gelandet... Daddy hat schon gut auf mich aufgepasst! Das war das Beste, was mir passieren konnte... dass ich von nichts was wusste. In Berlin dann, alles soweit normal.. außer vielleicht meine erste Laika... wie es zu dem Namen kam "oh Mustafa, lass doch Suleika.. lass sie lieber geh`n..." und sieben Jahre später läuft er mir über den Weg, in seinem Rollstuhl, der Mann, von dem ich vorher drei Mal geträumt hatte und jedes mal hatte er mich im Traum wahnsinnig lieb angelächelt gehabt.. ein wunderschönes Gesicht... und soviel Liebe in den Augen... ich hab mich wirklich in ihn verliebt, ohne dass er mir in der Realität begegnet war... aber ich wusste, dass er existiert. Das sagte ich auch Elke damals. Und dann sah ich dieses Gesicht... in der Realität... ach Gott, hatte ich da Herzklopfen... ja, und vier Wochen später war Laika tot. Vier Wochen später... der Schmerz um sie zerriss mich förmlich. Der war so stark, dass mich selbst ihre wirklich herzallerliebsten Babys nicht trösten konnten... ich konnte nur noch weinen... das wundervollste Geschöpf, das mir jemals in meinem Leben begegnet war, war fort....ich wollte ohne sie nicht mehr leben... aber die Kleinen brauchten mich natürlich... und sie sollten schließlich in gute Hände kommen. Und Mustafa war ja auch noch da. Ich liebte ihn, eigentlich, aber in der Situation... sie war ein wirklich einzigartiger Hund gewesen! Beherrschte die menschliche Sprache, bereits zu Lebzeiten, allerdings in der Form, dass sie alles verstand, was man sagte.. Jedes Wort! Das zeigte sie durch ihre Reaktionen und sie konnte wirklich Menschen in`s Herz sehen. Ich hätte auf sie hören müssen! Sie konnte ihn vom ersten Moment an nicht riechen... um ihn machte sie immer einen weiten Bogen, aber ich dachte halt... sie mochte halt keine Türken. Aus gutem Grund. Weil sie als kleiner Welpe ein paar nicht so schöne Erfahrungen mit türkischen Kindern machte.... hat sie das halt verallgemeinert... seitdem mochte sie keine türkischen Menschen mehr. Laika hat sich manchmal in der U-Bahn neben einen wildfremden Mann gesetzt... und die waren auch Tatsache immer gleich hin und weg von ihrer bekundeten Zuneigung und genossen es, sie zu streicheln... ausgeprägte Hundeliebhaber erkannte sie gleich beim Einsteigen, und einmal hat sie das auch gemacht, weil sie mich eifersüchtig machen wollte... aber da bin ich ja überhaupt nicht drauf eingestiegen... da hatte mir irgendwas vorher nicht gepasst gehabt... und es war ein bisschen kühle Luft zwischen uns.. und da hat sie sich dann extra neben so einen Hundeliebhaber gesetzt, aber schon auch immer so etwas zu mir rüber geschielt...da dachte ich schon so bei mir...du mich auch... und würdigte sie keines Blickes. Auch nicht, als ich aufstand und sie machte überhaupt keine Anstalten, schmiegte sich da immer noch an den Typen... und ich dachte "na warte...."... U-Bahn fährt ein, die Türen gehen auf, sie hockt immer noch bei dem Typen, ich steig aus... und zack, da war sie aber da, sozusagen in letzter Sekunde, bevor die Tür wieder zuging und ich sah zu dem Typen hin, war ein junger Mann, und der schaute mich fast ein bisschen perplext an, wahrscheinlich träumte er schon davon, Halter dieser einmaligen Hündin zu werden... dass sie was Besonderes war, bekam der natürlich schon mit und sie war ja auch noch wunderschön anzusehn. Naja klar träumte der... bis sie ganz plötzlich von der Bank runter sprang und zack, war sie bei mir. Wäre sie sitzen geblieben... ach, absurd, völlig absurd die Vorstellung. Das wusste ich auch... Laika verlässt mich nie... auch deswegen, weil er nie auf die Idee gekommen wär, dass sie mein Hund sein könnte... wir hatten ja nichts miteinander zu tun gehabt während der ganzen Fahrt. Waren schon ein paar Stationen.. und danach waren wir dann natürlich wieder ein Herz und ein Seele. Waren wir wirklich. Tja, bis Mustafa diese Idylle trübte... in ihrer Wahrnehmung... klar, sie konnte ihm nun mal in`s Herz sehen... sah den Hass in ihm... ich war hin und weg von ihm.... seine lebensfrohe Art, trotz seiner Behinderung beeindruckte mich wahnsinnig... der traute sich anscheinend alles zu... das beeindruckte mich schwer, aber als Laika starb... die wirklich schlimmste Situation meines Lebens... als ich feststellte... dass sie wirklich tot war... das war der furchtbarste Schmerz meines Lebens gewesen. Und ist er geblieben. So einen tiefen Schmerz, der dich wirklich innerlich zerreißt... in dieser Intensität habe ich das nie wieder erlebt. Das ist wahrscheinlich auch etwas Einzigartiges. Nicht einmal die goldigen Welpen konnten mich trösten, vier Wochen alt... ein paar Tage bekamen sie die Flasche, aber dann gab ich ihnen Welpen-Brei, den sie begeistert weg schlabberten. Die Schüsseln brauchten danach nicht mehr abgewaschen werden... boa, und dann kriegen die alle die Katzenseuche... gegen die ich sie doch aber hatte impfen lassen... au man... nur Wuffel, Mustafa`s Hund, den er sich ausgesucht hatte, überlebte. Er war der Einzige von dem Wurf. Alle anderen starben...und ich hab die eine kleine süße Maus doch schon so in`s Herz geschlossen gehabt. Sie sah aus wie Wuffel, wie halt seine Zwillingsschwester. Die beiden sollten bei uns bleiben... und dann starb die kleine Maus... und dann Teddy... nur Wuffel überlebte. Er hatte gar nichts. Wenigstens blieb mir ein Sohn von ihr... wenigstens. Trotzdem musste ich immer weinen... wenn ich zu gewissen Plätzen hinkam und Mustafa war mal dabei und wollte wissen, warum ich weine und ich erklärte ihm, dass ich so einen tiefen Schmerz in mir fühle, wie eine Mutter ihn fühlt, die ihr Kind verloren hat... und er darauf... das werd ich auch nie wieder vergessen können, was er darauf zu mir sagte. "Du weißt doch gar nicht, wie eine Mutter fühlt... du hast doch noch nie ein Kind gehabt" und da hab ich`s aufgegeben, ihm irgendwas erklären zu wollen. Wegen diesem tiefen Schmerz... deswegen kam sie doch zu mir in diesem Traum. Der war eben auch nicht nur ein Traum. Das war schon alles real... was wir beide auf dem Anhänger erlebten. Unser Gespräch... das war real, auch, wenn wir es in einem Traum hatten. "Angelika, dein Schmerz erreicht mich. Aber du hast dazu keinen Grund..." "Oh Laika, du bist hier... wie geht denn das? Und du sprichst mit mir in meiner Sprache...wie geht denn das bloß?" "Oh, das musste ich erst noch erlernen, deswegen hat es ein bisschen gedauert, bis ich gekommen bin... und ich weiß um deinen Schmerz... er hält mich zurück...ich weiß auch, dass du immer willst, dass ich als Geist erscheine und ich hätte es getan, aber du hättest diesen Anblick nicht verkraftet. Du brauchst dieses Gespräch und deswegen durfte ich zu dir kommen...Angelika, ich danke dir für unsere Freundschaft und wir werden uns eines Tages wiedersehen, das verspreche ich dir, aber jetzt bitte ich dich, dass du mich loslässt. Dort, wo ich jetzt bin, wo ich sein sollte, ist es wunderschön...lass mich bitte los. Ich möchte dort wieder hin..." "Oh Laika, tu mir das bitte nicht an... bitte geh nicht gleich wieder fort..."

"Nein, nein... wir werden jetzt ein letztes Mal zusammen spazieren gehen...aber dann musst du mich gehen lassen... und wir werden uns ja wiedersehen...". Der Anhänger stoppte, Laika sprang runter, ich hinterher... und dann liefen wir an so einer Art Strand. Aber da war kein Meer... oder war da ein Meer? Das weiß ich gar nicht mehr, denn ich hatte ja für die Landschaft überhaupt keine Augen, weil ich meine Laika echt nicht aus den Augen ließ. Jede Sekunde mit ihr war für mich so unendlich kostbar... und sie lief vor mir... neben mir... so wie sie es auch zu Lebzeiten immer gemacht hatte... und wir waren so fünf Minuten gelaufen gewesen... gefühlt, im Traum, und da lief sie grade wieder vor mir... war so... nicht weit von mir entfernt und plötzlich löst sich ihr Körper vor meinen Augen... verformt sich vor meinen Augen wie in so ein Rauchgebilde, wird zu einem Strudel und dieser Strudel ist dann mit enormer Geschwindigkeit Richtung Himmel abgedüst. Sie hatte es ganz schön eilig, meine Kleine... aber bereits im Traum hatte ich das Gefühl, dass es in Ordnung war... und als ich wach wurde, spürte ich sofort, dass dieser brennende Schmerz in mir nicht mehr existierte... Schmerz war schon noch da, aber nicht mehr in dieser Intensität und außerdem wusste ich ja jetzt, dass Laika glücklich war, dort wo sie jetzt war, wo immer das sein würde... und dass wir uns wiedersehen würden... das tröstete mich alles ungemein... sie fehlte mir natürlich trotzdem... ja na klar, fehlte sie mir trotzdem.. aber ich bemühte mich schon, meinen Frieden mit der Situation zu machen... zumal mich eine Schwangerschaft dazu zwang regelrecht, mich wieder etwas mehr dem Leben zuzuwenden...und da war Laika ungefähr ein Jahr fort... da traf ich hier im Kiez einen Bekannten und er wundert sich, schon beim Entgegenkommen... sah ich ihm ja auch an... seinen fragenden Blick und dann stand er auch schon vor mir "Hallo A.... wo ist denn..." und ich zeigte nur mit dem Finger hoch Richtung Himmel, sah ihn in dem Moment natürlich nicht gerade fröhlich an und da sagt dieser Lutz zu mir... das werd ich auch nie wieder vergessen... ""A. so eine schöne Beziehung wie zwischen dir und deiner Laika... das war etwas wirklich Einmaliges. Ich habe so etwas noch nie zwischen Hund und Mensch erlebt... Du und deine Laika... das war etwas ganz Besonderes"! Und ich hab nur mit dem Kopf genickt und natürlich mit den Tränen gekämpft. Ist doch klar bei solchen Worten. Aber er sagte das aus einem ehrlichen Mitgefühl und weil er das Tatsache so empfunden hatte. Da war er nicht der Einzige... der das mitbekam, dass Laika und ich... wir waren einfach vom ersten Moment an ein Herz und eine Seele. So war`s nun mal. Von dem Moment an, schon als sie angewatschelt kam, sieben Wochen alt! Bei Karstadt. Je jünger, umso niedlicher!, da flog ihr ja schon mein Herz zu, aber als sie dann auch noch an die Scheibe kratzte... da war es komplett um mich geschehen gewesen. Und von dem Moment an... ach, als wir mit der U-Bahn nach Hause fuhren.... Ich überglücklich mit ihr auf dem Arm, ich hatte sie so an mich gedrückt, also sanft natürlich, ganz sanft und sie schmiegte sich mit einer Hingebung an mich... das war echt damals Liebe, gegenseitige Liebe auf den ersten Blick gewesen... und sie war ja sooo klug. Auch schon mit acht Wochen. Ich zeige ihr Zeitungspapier "Gassi, Gassi" und leg ihr also zwei, drei Seiten hin... mal kucken, vielleicht hat sie`s ja verstanden...auf dem Boden lagen halt auch noch Foto-Poster, die ich selber gestaltet hatte, von James Dean herum. Zwei glaub ich. Na, jedenfalls sah ich ja gleich am nächsten Morgen das Mallheur... da hatte sie mir ein hübsches Häufchen auf eines dieser Poster gemacht. Ein Heiligtum für mich... unantastbar für jedermann... aber als ich das Häufchen sah... musste ich dann doch lachen. Laika hatte, aus ihrer Sicht, alles richtig gemacht... da durfte ich doch gar nicht mit ihr schimpfen und hab sie stattdessen sogar gelobt. Weil sie ein Häufchen auf ein James-Dean-Poster gemacht hatte... so sehr hab ich sie schon mit acht Wochen geliebt! Als sie vier, fünf Monate alt war und wir in einer Szene-Kneipe am Oranienplatz waren, sagte dort ein junger Kerl zu mir, der sich ne ganze Weile lang mit ihr beschäftigt hatte und es lag ihm wirklich was daran.... das hab ich deutlich gehört, hab ich auch nie wieder vergessen "Versprich mir... dass du dafür sorgen wirst... dass sie immer diesen Blick hat..." und ich hab ihn angelächelt und ihm gesagt "da kannst du dir ganz sicher sein... das werde ich!" Ich wusste gleich, was er meinte. Meine Laika hatte sogar meinen Kajalstrich unter ihren Augen... unübersehbar... das gab ihr diesen wunderschönen Rehblick... Bei ihr war das ja von Natur aus... und ihre untere Gesichtshälfte war weiß, sonst war sie durchgehend hellbraun, vorne war sie auch etwas aufgehellt und weil ihre Proportionen vollendet zusammen passten, wirkte sie halt auch sehr edel, wenn sie mit erhobenen Kopf zum Beispiel da stand... Meine Laika... ich freu mich wie wahnsinnig darauf, sie wieder zu sehen. Sie fehlt mir einfach immer noch und sie wird mir immer fehlen. Ich glaub, sie war mir von Gott gesandt gewesen... sie konnte Menschen in`s Herz sehen... und natürlich ist sie zu ihm zurück gekehrt... natürlich ist es dort wunderschön... aber sie hat mir trotzdem immer gefehlt. Ich hatte auch damals das ganz starke Gefühl, dass ein Stern untergegangen war, für mich... und ohne diesen Stern... war ich nur noch zur Hälfte lebensfähig... dieses Gefühl hatte ich wirklich und dann musste ich mich ja wieder dem Leben zuwenden. Wegen der Schwangerschaft... und malte mir lieber aus, dass ich meiner wunderschönen Tochter, die wie Schneewittchen aussehen würde, eine eben so schöne Kindheit bescheren würde. Sie sollte das glücklichste Kind sein... nun, an Mustafa`s Seite wäre sie das mit Sicherheit nicht gewesen, denn den hätte sie vermutlich schon mit vier Jahren bedienen dürfen... und als sie mit zwei Jahren aus ihrem Mittagsschlaf erwachte, etwas über zwei war sie.. und auf mich zu drippelte und mich mit großen Augen ansah, weil sie Tränen in meinem Gesicht entdeckte und sie hatte mich wirklich noch nie weinen sehen. In ihrer Gegenwart weinte ich nie. Sie sah mir richtig forschend in`s Gesicht, sagte aber nichts und drippelte dann wieder weg. Da dachte ich noch "das darf nie wieder passieren... darf sie nie wieder sehen" und zwanzig Minuten später standen wir am Aufzug und sie kuckt zu mir hoch und kräht fröhlich "bit du wida die ate Ageka...?" und da schoss mir regelrecht durch den Kopf, in dem Moment "du musst weg und zwar für immer... sie kriegt ja schon alles mit..." bist du wieder die alte Angelika? Das fragte sie mich... weil ich keine Tränen mehr im Gesicht hatte.. und ein Kind, das Tränen bei der Mutter sehen muss, kann nicht glücklich sein. Ich musste weg und zwar ganz schnell. Natürlich mit ihr. Ich hätte mich nie von meiner Tochter trennen können....das wär völlig undenkbar für mich gewesen. Bei der nächsten Gelegenheit waren wir weg... wenn du ein Kleinkind hast, kannste ja nicht einfach weg... sondern da musste ja schon erst mal was organisieren und als ich sich eine günstige Fluchtmöglichkeit bot, war Wuffel leider nicht bei mir. Auch ihn wollte ich natürlich nicht auf Dauer bei diesem furchtbaren Menschen lassen und als ich dann endlich in meine Wohnung kam, nachdem ich seine Schwestern dazu brachte, meine Wohnung auch ohne Polizei freizugeben ... und am nächsten Morgen wach wurde... glaubte ich, zuerst zu träumen... denn mein Wuffel strahlte mich an. Er war Tatsache einer dieser lachenden Hunde gewesen... und an diesem Morgen strahlte er mich überglücklich an... Peter erzählte mir, dass er nachts ein Kratzen an der Tür gehört hätte und als er öffnete, lief Wuffel schwanzwedelnd in die Wohnung... legte sich dann neben mich ab... und ich war ganz gerührt über seine Treue. Klein-Angie war auch ganz selig, als ihr Kuschel-Teddy wieder da war... bei ihr musste ich echt aufpassen... dass sie ihn nicht zu doll an den Ohren zog oder irgendeinen anderen Blödsinn mit ihm anstellte... und günstigerweise befand sich bei uns, angrenzend am Hinterhof ein Kinderladen... perfekt! Und ein Platz war eh grad frei... spottbillig war er auch noch. Und tolle Erzieherinnen. Alle total locker drauf... superlieb zu den Kiddi`s... einfach perfekt. An Angie`s erstem Tag in diesem Kinderladen... hing ich die ganze Zeit auf`m Balkon, damit sie mich auch schön sehen konnte... Winke-winke... und Klein-Angie tobte fröhlich da unten rum... ich glaub, sie dachte, oder zumindest vom Gefühl her, gehörte dieser Platz da unten, der Kinderladen und alles dazu... gehörte sozusagen zu unserer Wohnung dazu... kein Jahr später ging sie schon alleine in den Laden... die Tür war meistens offen... war sie es nicht, konnte ich sie natürlich auch nach zwei Minuten nicht sehen.. und bin dann selber runter... aber meistens brauchte ich das ja nicht und sah mir stattdessen oben vom Balkon an, wie Wuffel sie zur Kinderladentür brachte und dann hüpfte er über ein Gartentor und besuchte das angrenzende Gelände...im Laufe der Zeit weitete er seinen Bewegungsradius aus... aber sein Vater war ja auch so eine selbstständige Persönlichkeit gewesen. Ging auch immer alleine spazieren, kam aber auch immer nach Hause. War auch ein superkluger Hund gewesen... er fuhr sogar alleine U-Bahn. Hat mir sein Frauchen erzählt damals. Ich dachte halt, dass er das wohl von seinem Vater geerbt hatte... zumindest... man oh man, hatte ich damals ein Gottvertrauen... nahm ich natürlich drei, vier kleine Welpen so im Alter von zehn Wochen dann öfters mit in die Spielhalle... zu Mustafa... und die mussten natürlich öfters raus. Das war ja kein Problem... brauchte man ja nur die Tür aufmachen...und nachdem sie das also kannten... sind sie schon nach kurzer Zeit alleine, ohne menschliche Begleitung, dieses Trio oder auch Quartett... sind die einfach alleine in nen Park gegangen... der da in der Nähe war. Kamen allerdings auch immer nach spätestens einer Stunde wieder zurück. Dass das immer gut ausging... dass die immer vollständig zurück kamen... drei, vier herzallerliebste Welpen... einer goldiger wie der andere... und nicht einer wurde geklaut! Nicht einer! Das währte ja schon so zwei Monate... bis sie halt krank wurden... vielmehr starben! Laika hat sie nicht nur abgeholt, sondern zu Lebzeiten gut auf die Kleinen aufgepasst... das hat sie nämlich auch auf Wuffel. Deswegen kam nie einer abhanden! Bei ihren Spaziergängen... die hatten das ja alle im Blut, selbstständig sich bewegen zu wollen und auch zu können... das hatten sie echt von ihrem Vater... sein Name liegt mir ja auf der Zunge...hat sie gut auf sie aufgepasst.... denn auch auf Wuffel passte sie auf. Kein Scherz, nein, nein... sie passte wirklich auf ihn auf. Als er sechs Monate alt war, und obwohl er Welpenschutz genoss, wurde er von ausgewachsenen Rüden angegriffen... ziemlich bös sogar... jedenfalls sah es bös aus, und ich wär normalerweise gleich mit ihm zum Tierarzt gegangen, aber ich hatte in der Nacht zuvor einen ganz merkwürdigen Traum gehabt. Jemand, ich konnte nur die Stimme wie auf so einer Leinwand sehen, ganz komisch, oder dass Einzigste, das ich vernahm, war diese Stimme... keine menschliche Stimme.... sie war so tonlos, so wie von weit entfernt... aber sie war trotzdem gut zu verstehen und sie sagte "Wuffel passiert ETWAS... es sieht zwar schlimm aus, aber du brauchst nicht zum Tierarzt gehen..." Dieser Kurztraum hatte tatsächlich etwas eindringliches. Duldete irgendwie keinen Widerspruch... ich wollte mal sehen, wie es ihm am nächsten Tag gehen würde... und siehe da... was soll ich sagen? Er stand schon wieder schwanzwedelnd neben mir, als er mitkriegte... dass es gleich raus geht. Und zwei, drei Monate später, nachdem er nachts hier an die Tür gekratzt hatte... hatte ich wieder den gleichen Kurztraum. Die gleiche Stimme sagte wieder zu mir "Es sieht zwar schlimm aus, aber du brauchst nicht zum Arzt mit ihm gehen..." Nachmittags überquerten wir eine Straße, Wuffel war natürlich dabei, oh, und ich seh nur noch, wie er ganz knapp mit einem Auto kollidiert, aufjault, liegt auf der Seite und ich denk schon "oh nein", aber da rappelt er sich auch schon wieder auf und läuft leicht humpelnd weiter. Normalerweise.... wieder am nächsten Tag: alles o.k. bei ihm, aber seine Rute hatte was abgekriegt gehabt. Die konnte er ne Woche oder zwei kaum mehr bewegen, aber dann heilte auch das und er wedelte wieder fröhlich... Wuffel war einfach ein wirklich glücklicher Hund. Jahrelang hatte ich keinen Traum mehr, also von dieser.... dieser Stimme. Bin ja überzeugt davon, dass sich seine Mutter dahinter verbarg. Und als er zehn Jahre alt war, ungefähr, meldete sie sich aber wieder bei mir , aber dieses Mal sagte sie zu mir... und die Stimme klang noch eindringlicher, als zuvor...."Es sieht zwar harmlos aus, aber du musst sofort mit ihm zum Arzt". Auf dem Rückweg vom Einkauf kommt uns ein Pitbull-Rüde entgegen... die beiden beschnüffeln sich... ist ja auch o.k.... ich bin in solchen Situationen einfach weiter gelaufen und hab dann kurz nach ihm gepfiffen... das genügte in der Regel... jeder ließ dann den anderen seiner Wege ziehen... aber der Pitbull hatte vielleicht schlechte Laune, keine Ahnung, jedenfalls greift der Wuffel völlig unvermittelt an... er hatte sehr dichtes Fell, auch am Hals, das hat ihn immer geschützt in Kampf-Situationen, aber der Pitbull wollte ihn oben in seinen Kopf beißen... hätte er fast auch geschafft, aber da hat ihn sein Besitzer zum Glück noch von Wuffel weg reißen können... die sind dann weg und Wuffel war natürlich sauer... der wär dem am liebsten hinterher... er wirkte richtig fit.... aber ich hatte ja nun mal diesen Traum gehabt... und davor ja nun mal die beiden erzählten Erlebnisse ... also bin ich sofort mit ihm zum Tierarzt und was sagt der zu mir... weil ich ja noch zu ihm meinte "eigentlich wirkt er ja ganz fit,aber mein Gefühl hat mir gesagt...lass mal besser den Tierarzt einen Blick drauf werfen..." und da sagt der Tierarzt zu mir "Gut, dass Sie auf Ihr Gefühl gehört haben... andernfalls hätte er die Nacht nicht überlebt". "Waaas? Nicht überlebt... aber da war doch gar nichts". "Doch, doch. Nämlich Bakterienübertragung beim Kontakt des Biss-Versuches und jene Bakterien hätten sich ausgebreitet in seinem Schädel, der Kopf wär immer stärker angeschwollen... bis er wie eine Melone...immer weiter angeschwollen wär und dann wäre sie geplatzt..." und wenn das erst mal angefangen hätte, dann hätte man kaum mehr was machen können und ich wollte dann gleich von ihm wissen, ob jetzt aber jede Gefahr gebannt sei... und er nickte zufrieden mit dem Kopf. "Ich hab ihm ja ein... Antiseptum...so was in der Art, sagte er... gespritzt, den Bereich desinfiziert... Verband..."jedenfalls bestand keinerlei Gefahr mehr. Sollte nur in drei Tagen noch mal wieder kommen, wegen Kontrolle..... und da war dann alles wieder bestens. Ein Jahr später ging er trotzdem... für immer... und auch da hatte ich so ein merkwürdiges Erlebnis vor seinem Tod. Drei Monate vorher ungefähr... das musste ich mir genauer besehen! Tatsächlich! Auf einem Foto von Laika hatte sich rechts, am Rand ein Totenschädel abgebildet... wie so ein Wasserzeichen. Eindeutig... ein Totenschädel... da ist mir ja schon ein bißchen mulmig geworden...und ein paar Tage später hab ich einfach die Stelle weggeschnitten... naja, was ich nicht seh...aber als Wuffel drei Monate später ging...und irgendwie hatte ich gleich das Gefühl, dass es Laika gewesen war, die mir diesen Totenschädel sandte... damit ich dieses Mal etwas besser auf seinen Tod vorbereitet sein würde... aber als der Tierarzt ihm die Spritze setzte... bereue ich nur, dass ich nicht wusste, dass der Tierarzt auch nach Hause gekommen wär... das wäre natürlich friedlicher, wärmer für Wuffel gewesen... aber zumindest starb er ja in meinem Arm... ist ja wohl das Mindeste gewesen für meinen treuen, vierbeinigen Engel. War er wirklich! Er hat die Menschen wirklich geliebt... war zu jedermann freundlich... und superfeinfühlig. Bestimmt konnte er auch in das Herz von Menschen sehen... viele Hunde können das. Sie sind wirklich mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet, wenn es von den Menschen nicht kaputt gemacht wird, und damit mein ich nicht ihre Sinnes-Organe. Die dienen der Beutejagd. Der Wolf benötigt nun mal... aber während der Domestizierung übertrugen sie natürlich darüber hinaus Informationsmaterial an die nächste Generation, ihren Lebensraum betreffend und der Mensch war in diesem Lebensraum nun mal dominant in ihrem Dasein. Folglich hat sich auch das Info-Material dominant, also großflächig... da sind sehr viele Informationen über den Menschen zusammen getragen bis in die Jetzt-Zeit. Sie haben zwischenzeitlich sogar telepathische Fähigkeiten erworben... die menschliche Sprache ist ihnen komplett vertraut... das muss man echt mal erleben, wie sogar noch blinde Welpen auf die menschliche Stimme reagieren.... die überschlagen sich vor Freude beim Schwänzchen-wedeln... ach Gott, war das süß... und als sie dann ein bisschen älter wurden und bei mir im Zimmer rum tobten... zu gern natürlich auch auf meiner großen Schlafmatratze, die ich mir mit Laika teilte. Und Peter. Laika immer in der Mitte. Immer. Der hätte nicht mal mit seinem Fuß... is ihm mal – angeblich – im Schlaf passiert... "passiert dir das noch mal... Schlaf hin, Schlaf her... pennst du hier nie wieder..." und das war ernst gemeint. Hat er auch kapiert. Laika lag natürlich auch gern am Tag drauf. War ja schön bequem... auf der Decke... und fanden ihre Kleinen, da sprech ich vom ersten Wurf, zwei Jahre vor Wuffel, auch. Die tobten zu gerne da drauf... bis es oft sogar Laika zu bunt wurde. Sie gab dann so einen strengen, kurzen Laut von sich, warf den Kopf unwillig zur Seite und dann sind die Kleinen auch schnell runter und ich hab mir dann immer einen geschnappt. Waren vier Jungs und zwei Mädels. Und eine Tochter sah aus wie sie... nur in Miniaturausgabe.. ach Gott, als die Kollegin von dem Anwalt sie für ihre Eltern "Vor einem Jahr verloren sie ihren über alles geliebten Hund und seitdem trauern sie... in die Kleine würden sie sich sofort verlieben.. sie haben Haus, Garten, alles...“ und ich konnte keine zwei Hunde mit zum Anwalt nehmen... denn seine Hündin war eh schon so zickig und zwei Hunde konnte man ihr nicht zumuten. Fand halt ihr Herrchen... der Anwalt... da war ich ja eh schon am Verzweifeln, weil ich mich ja von der Kleinen echt nicht trennen wollte... und wenn, dann musste es der beste Besitzer der Welt sein... und dann kam ja seine Kollegin, von wegen Eltern, zeigte mir Fotos von dem Grundstück... war schon ein Paradies für einen Hund... ja, und ganz, ganz schweren Herzens... da war sie zwölf Wochen alt... kannte kein Halsband... das war ja nie nötig... aber mit der fremden Frau wollte sie natürlich nicht mitgehen... sie hat sich so , genauso so gefühlt, wie ich mich damals, als die BE (biol. Erzeugerin) mich aus meinem ersten Heim abholte. Ich hab mich ja auch mit Händen und Füßen gewehrt... und die Kleine tat das auch. Sie hat sich so dagegen gewehrt, mitgenommen zu werden... aber haste ja keine Chance als kleines Hundekind... sah ich ja vom Fenster aus...und drei Monate später erzählte mir die Anwältin, dass die Süße sich supertoll dort eingelebt hätte und sich pudelwohl fühlt. Das konnte ich auch auf den Fotos erkennen, die sie mir ein halbes Jahr später gab. Laika zwei ist total glücklich.. sieht man. Für "Reh", sie war so scheu in ihrem Wesen...fand ich auch ein schönes Zuhause, für alle. Was anderes... wenn ich mich schon von ihnen trennen muss.. kam ja gar nicht in Frage. Nur Filou, der letzte vom Wurf, und nicht der Kleinste, sondern im Gegenteil, der sichtbar Größte und schneeweiß, nachdem sie ihn abgeleckt hatte... ja, er kam, elf Wochen alt, damals zu einem Edel-Punkie mit eigener Wohnung, wohlhabenden Eltern, war immer supernett zu mir gewesen, wollte mir auch Autofahren beibringen, egal, jedenfalls dachte ich echt, dass Filou in guten Händen bei ihm wäre... und zwei Wochen später erfahre ich, dass dieser Eddie ihm ein Stachelhalsband angelegt hätte und zwar auch noch mit den Stacheln nach innen, damit er parrieren lernt! Fünfzehn Minuten später stand ich vor dem seiner Tür und hab gebrüllt, dass es besser ist, wenn er endlich die Tür aufmacht... als der durch seinen Spion sah und mich erblickte, wusste er, was los war... die Tür ging auf und ich war eine Minute später mit dem Kleinen wieder draußen. Hab ihm noch gesagt, dass ich nie wieder ne Haarsträhne von ihm sehen will... und den sah ich auch echt nie wieder. Und Filou war überglücklich, wieder zu Hause zu sein... na logisch. Blühte auch ganz schnell wieder auf.. naja, war ja immer noch das Problem mit zwei Hunde... und mein Anwalt quatschte auf mich ein, dass ich den Hund einem Freund von ihm geben sollte... sie wohnten im gleichen Haus, Eigentum selbstverständlich!... und der wär supertoll mit Hunden usw... aber der würde halt nicht wollen, dass sein Hund dann Kontakt mit mir haben könnte... zu Deutsch: ich seh ihn dann nicht mehr... aber immerhin: ein schönes Zuhause. Der Anwalt erzählte mir natürlich schon öfters von Filou... ihm ging`s gut, das war die Hauptsache und ein Jahr später, ein Jahr war vergangen, kommt dieser Freund mit seinem Hund in die Kanzlei und ich geh freudestrahlend auf Filou zu... und der knurrt mich an. Bin stehen geblieben, in die Hocke gegangen, halt ihm meine Hand hin "ich bin`s doch Filou" und er knurrt bloß weiter, richtig bös... das war ernst gemeint. Klaus meinte dann noch zu mir "Fremde dürfen ihn nicht anfassen... nur wenn ich die Hand nehme und zu ihm hinführe..dann weiß er, dass er denjenigen akzeptieren muss" Als er dann meine Hand zu ihm hin dirigierte, schnüffelte Filou an der Hand... vielleicht so drei Sekunden lang, ich war noch immer in der Hocke, und von einer Sekunde auf die andere, gab er einen regelrechten Freudenschrei von sich und warf mich erst mal vor Freude um und begrüßte mich ausgiebig. Klar, wir hatten uns ewig lang nicht mehr gesehen gehabt... aber sein Besitzer freute sich nicht so wirklich... er sah ein bisschen traurig aus... hatte er doch gar keinen Grund dazu! Ich habe ihn nie wieder gesehen... aber Hauptsache, es ging ihm gut. Und dem war so. Danke. Sein trauriger Gesichtsausdruck hat mir gezeigt, dass er Filou liebte... und er ihn sicher auch. Das hatte ja gar nichts mit ihm und mir zu tun. Ja, mein Gott, ich gehörte nun mal für ihn zu seinem Rudel, ich war nun mal von Anfang an da gewesen.. meine Stimme kannte er schon, als er noch im Bauch seiner Mutter war... und er vertraute mir daher blind. Der allererste Halter eines Hundes hat wirklich die besten Karten, dass der Hund ihm blind vertrauen wird, sofern er ein gutes Verhältnis, eine schöne Beziehung mit dem Hund eingeht. Dieser Hund wird ihm dann blind vertrauen. Mit seinem allerersten menschlichen Kontakt geht er nun mal die engste Bindung ein... das ist ganz normal. Aber einen zweiten Halter verkraftet ein Hund genauso gut wie ein Kind ein zweites Zuhause verkraften kann, wenn es denn dann ein Zuhause ist. Bei einem dritten Halter wird es dann schon kritischer, weil der Hund aus gutem Grund sein Vertrauen in seine Existenz verliert und sein Vertrauen in die echte Zuneigung der Zweibeiner, weil sie sich schließlich immer von ihm trennen. Dann tut er sich richtig schwer, trotzdem noch einmal Vertrauen aufzubauen... wenn die Menschen doch bloß wüssten, dass die Hunde genau wie wir fühlen... wenn sie es doch bloß wüssten... dann würde kein Hund mehr an einer Kette gehalten werden. Der Hund ist, von seiner Bewusstseinsebene her, dem Menschen durchaus ebenbürtig. Da er so komplett vom Menschen abhängig ist, muss er immer genau wissen, wie der Mensch tickt... er spürt genau, was im Inneren des Menschen vorgeht... er spürt es nicht nur... sondern er übernimmt diese Lebensform auch für sich. Ein gastunfreundlicher Mensch wird in der Regel einen gastunfreundlichen Hund haben... der Besucher unfreundlich ankläfft...der Alpha-Hund gibt nun mal den Takt an. Das liegt ihm, dem Hund, in den Genen. Der Mensch ist der Alpha-Hund... schließlich füllen wir den Napf... es kann also nicht falsch sein, wie dieser Alpha-Hund fühlt... das wird also alles in dem Bewusstsein übernommen, dass es richtig ist. Der Hund wird genauso sozialisiert bei seinem Besitzer wie ein Kind bei seinen Eltern... die Bewusstseinsebenen der Hunde sollten wirklich nicht unterschätzt werden. Sie können nicht nur unseren Astral-Leib wahrnehmen, sie können auch die verschiedenen Farben in ihre Bedeutung umsetzen. Hunde beherrschen, Mimik des Menschen unterscheiden zu können... sie wissen genau, welche Miene wie, wo, was ausdrückt. Hunde werden komplett unterschätzt. Delphine auch. Delphine haben ebenfalls ein dem Menschen ebenbürtiges Bewusstsein. Sie sind die Hunde des Meeres... hab ich früher immer gesagt.

Weiter: Teil 10 von 34