
Josefine, die Sängerin
Unsere Sängerin heißt Josefine, beginnt Kafkas späte Erzählung: Wer sie nicht gehört hat, kennt nicht die Macht des Gesanges, denn es gibt niemanden, den ihr Gesang nicht fortreißt, was umso höher zu bewerten ist, als unser Geschlecht im ganzen Musik nicht liebt und Stiller Frieden uns die liebste Musik ist. Nur Josefine macht eine Ausnahme, sie liebt die Musik und weiß sie auch zu vermitteln, sie ist die Einzige, und mit ihrem Hingang wird die Musik, wer weiß wie lange, aus unserem Leben verschwinden. Der Erzähler, der zum Volk der Mäuse gehört, fragt sich, wie es sich mit dieser Musik eigentlich verhält, und gestehen wir einander offen, daß Josefinens Gesang als Gesang nichts Außerordentliches darstellt: Ist es denn überhaupt Gesang? In den alten Zeiten unseres Volkes gab es Gesang, Sagen erzählen davon und sogar Lieder sind erhalten, die freilich niemand mehr singen kann.






