Kreuz und Quer: Erster Band

Friedrich Gerstäcker · Kapitel 8 von 19

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Kreuz und Quer: Erster Band

Achtes Kapitel. Das Wiedersehen.

Ernst schritt langsam nach der Stadt zurück, aber es litt ihn jetzt nicht zwischen den Häuserreihen. Er wollte hinaus in's Grüne, um dort noch ein paar Stunden zu verbringen. Diesen Abend spät ging noch ein Zug nach Bieberich, den konnte er benutzen, dann blieb er dort die Nacht im Rheinischen Hof, und fuhr am nächsten Morgen mit dem ersten oder zweiten Boot den schönen Strom hinab.

Allerdings dachte er wohl daran, gleich im Vorbeigehen den gefundenen Handschuh im Hotel abzugeben, und nur die Karte zum Andenken zu behalten, aber das hatte ja auch noch Zeit. Er mochte es sich freilich selber nicht eingestehen, doch zögerte er damit bis zur sechsten Stunde. Er war dabei fest entschlossen, Clemence nicht aufzusuchen, er hatte es ja auch dem Freunde versprochen, aber – er wollte doch einmal sehen, ob die sechsmal eingerissene Karte wirklich eine Bedeutung gehabt, oder nur durch einen harmlosen – wenn freilich wunderlichen Zufall, ihm in die Hand gespielt sei.

Es mußte und konnte ja auch nur ein Zufall gewesen sein. Je mehr er darüber nachdachte, desto mehr fühlte er sich davon überzeugt. Ein Zeichen? – Wie wäre die Frau nur im Stand gewesen so rasch einen Entschluß zu fassen, oder gar gleich danach zu handeln, denn das Ganze, von dem Augenblick an wo sie ihn erkannte, bis zu dem Moment wo der Handschuh auf die Treppe fiel, konnte kaum zwei Minuten Zeit in Anspruch genommen haben. Nein, so durchtrieben war Clemence nicht, und wäre er jetzt selber zu ihr gegangen, um ihr den Handschuh zurückzubringen, sie würde jedenfalls über ihn gelacht, oder sich auch vielleicht gar beleidigt gefühlt haben, daß er sie, einer solchen Kleinigkeit wegen, belästige; dem durfte er sich nicht aussetzen. Hätte er Frank auch das Versprechen nicht gegeben, war er doch jetzt fest entschlossen, die Rückgabe des Handschuhs durch einen Kellner zu erledigen.

Sonderbar nur, daß er sich auf dem ganzen Spaziergang immer und ausschließlich mit Clemence beschäftigte. Er passirte einige Punkte von denen man eine reizende Aussicht über die Stadt und das Thal hatte, aber er bemerkte sie gar nicht. Sein Auge blieb allein auf den Weg geheftet, und fast, ohne sich der Richtung die er nahm, klar bewußt zu sein, lenkte er doch immer wieder in einem größeren Bogen zu der Stadt zurück, um eben die sechste Stunde im Hotel nicht zu versäumen.

 

A c h t e s K a p i t e l .

Das Wiedersehen.

Er erreichte den Platz, an welchem das Hotel lag, wirklich pünktlich. Die Uhren schlugen gerade an, als er schräg über denselben hin, dem Hause zuschritt. Er beobachtete auch genau dabei die Fenster, ob er vielleicht irgend eine weibliche Gestalt an einem derselben entdecken könne – aber vergebens. Es zeigte sich Niemand und nur in der ersten Etage waren in einer Stube die Gardinen herunter gelassen, so daß er von unten natürlich nicht bemerken konnte, ob irgend Jemand dahinter stand. Doch was kümmerte das auch ihn – Frank hatte sein Wort, und er wollte nicht einmal im Hause nachfragen, in welcher Etage die Herrschaft wohne, um den gefundenen Handschuh abzugeben, – weiter Nichts, und das war ja in wenigen Secunden geschehen. Dann ginge er nach Hause, packte seinen Koffer und verließ Wiesbaden auf Nimmerwiedersehen.

Wie er das Hôtel betrat, kam ein junges Mädchen die Treppe herunter, das in großer Eile zu sein schien. Ernst beachtete sie aber nicht. Er trug den leichten Handschuh zwischen den Fingern und wollte sich eben damit rechts gegen den Speisesaal wenden, als ihm das Mädchen den Weg dorthin abschnitt, oder vielmehr direct auf ihn zukam und freundlich mit etwas fremdartigem Dialect sagte:

»Haben Sie vielleicht den Handschuh, den Sie da tragen, hier im Haus gefunden, mein Herr?«

»Allerdings, mein Fräulein,« erwiederte Ernst, »ich war auch eben im Begriff ihn wieder abzuliefern. Kennen Sie ihn?«

»Ja gewiß,« antwortete das junge Mädchen, das ihn nahm und betrachtete, »er gehört meiner gnädigen Frau.«

»Dann bitte empfehlen Sie mich der Dame, und sagen Sie ihr, daß ich mich –«

»Aber wollen Sie ihn nicht selber hinauftragen? No. 5. in der ersten Etage. Sie brauchen nur anzuklopfen.«

»Ich darf nicht wagen die Dame, einer solchen Kleinigkeit wegen zu stören,« meinte Ernst und wollte sich abwenden.

»Aber sie hat mich ja selber heruntergeschickt,« erwiderte fast ärgerlich die junge und wie es schien ziemlich gewandte Person. »Wenn ich Ihnen sage, daß sie sich freuen wird Sie zu sehen, so können Sie doch getrost hinauf gehen. Sie sind ein echter Deutscher, Monsieur. Einer von meinen Landsleuten wäre schon lange die Treppe hinauf.«

Ernst war blutroth geworden, denn jetzt blieb ja kein Zweifel mehr, daß die Einrisse in der Karte ein absichtliches Zeichen gewesen. Aber konnte er eine directe Einladung ausschlagen? Er hatte Frank freilich sein Wort gegeben, Clemence nicht wieder aufzusuchen, aber that er denn das jetzt? nein, die Dame selber ließ ihn durch ihr Kammermädchen bitten, den Handschuh zu ihr hinauf zu bringen, und es wäre ungezogen gewesen, dem nicht Folge zu leisten. –

»No. 5?« fragte er.

»Ja! gleich links im Gang über der ersten Treppe – die dritte Thür. Sie können gar nicht fehlen.«

Er war mit wenigen Sätzen hinauf, und vor dem bezeichneten Zimmer. – Wie ihm das Herz schlug. Kaum aber hatte er angeklopft, als auch schon ein nicht lautes, aber deutliches »Herein« ertönte, und wie er die Thür öffnete, stand Clemence mitten im Zimmer, und streckte ihm zum Gruß die Hand entgegen.

»Das ist sehr lieb von Ihnen,« sagte sie freundlich, »daß Sie alte Freunde nicht vergessen haben.«

»Gnädige Frau,« stammelte Ernst verlegen, denn er wußte sich die Anrede nicht zu erklären, da er im Joulard'schen Hause wenigstens nie wie ein Freund, sondern immer nur wie ein fremder Künstler behandelt worden. Er nahm aber die dargereichte Hand, zog sie ehrfurchtsvoll an die Lippen und sagte dann befangen: »vor allen Dingen erlauben Sie mir Ihnen Ihr Eigenthum zurückzuerstatten, das ich heute Morgen hier im Haus zufällig fand. Ich hätte auch nicht gewagt selber –«

Clemence winkte ihm mit der Hand.

»Herr Trautenau,« sagte sie ernst, aber mit tiefem Gefühl – »lassen Sie alle Entschuldigungen; uns bleibt keine Zeit dazu, denn selbst die Minuten sind mir zugemessen. Nur mit zwei Worten will und muß ich auf eine frühere – glückliche Zeit zurückkommen – ich war Ihnen früher nicht gleichgültig.«

»Clemence!« rief Trautenau bewegt.

»Sagen Sie Nichts darüber,« wehrte Clemence ab – »ich fühlte es, aber es war zu spät und mein Schicksal schon besiegelt. Ich mußte Sie streng in die Grenzen kalter Gleichgültigkeit zurückweisen – mich selber darin halten. Aber ich habe es Ihnen nicht vergessen, daß Sie damals der einzige Freund waren, der es wagte mich zu warnen, – wenn ich auch der Warnung nicht mehr folgen konnte.«

»Ach wären Sie ihr gefolgt,« seufzte Trautenau.

»Wär' ich –« flüsterte leise Clemence, »doch jetzt ist es zu spät,« fuhr sie lebendiger fort, – »zu spät wenigstens, um das Geschehene wieder gut zu machen, wenn auch nicht zu spät um weiterem Unheil – um dem Schlimmsten vorzubeugen, und Sie sind der einzige Freund, den ich hier habe. Wollen Sie mir helfen?«

»Oh wenn es in meinen Kräften steht, wie gern,« rief der junge Mann, der in dem Augenblick Frank's sämmtliche Warnungen und Ermahnungen vergessen hatte. »Sagen Sie mir nur wie – was ich thun soll.«

»Reuhenfels, mein Gemahl, der mich wie eine Sclavin behandelt,« fuhr Clemence fort, »hat die Absicht mich nach England und von da nach Amerika zu schleppen. Dort wäre ich ganz verloren und in seinen Händen, denn ich habe da keinen Freund mehr, der mich selbst vor seinen rohen Mißhandlungen schützen könnte.«

»Aber er wagt es doch nicht?« rief Ernst entsetzt.

»Er hat es gewagt,« sagte Clemence düster, »und nur eine Rettung giebt es für mich – Flucht!«

»Aber wohin? – zu wem?« rief Trautenau erschreckt, denn in dem Augenblick wäre er in der größten Verlegenheit gewesen, wenn er hätte sagen sollen wohin er selbst die Geliebte entführen könnte, obgleich ihm schon der Gedanke das Herz mit Seligkeit füllte.

»Sorgen Sie sich nicht,« beruhigte sie ihn aber – »ich habe Mittel genug zu unserer Flucht und auch ein Ziel – ich will zu meinem Vater zurück, der in Paris wohnt. Er allein kann und wird mich schützen, aber ich darf nicht allein in die Welt hinaus – ein armes schwaches Weib; ich brauche die Stütze eines starken Armes, und wenn Sie je der armen Clemence nur ein klein wenig gut gewesen sind,« setzte sie weich hinzu »oh so helfen Sie ihr zur Rettung aus diesem furchtbaren Elend –«

»Sagen Sie mir was ich thun soll,« rief der junge Maler, seiner Sinne kaum mehr mächtig bei den verführerischen Tönen, »was es auch ist – ich stehe Ihnen mit Leib und Seele zu Diensten.«

»Ich wußte es,« erwiederte Clemence, indem sie seine Hand wieder ergriff und ihn mit einer Thräne im Auge ansah, »und Dank – tausend Dank dafür, lieber, theurer Freund. Aber nun auch rasch zur That,« setzte sie lebendiger hinzu – »denn alles Weitere besprechen wir unterwegs. Sind Sie zur Abreise gerüstet?«

»Jeden Augenblick.«

»Gut – heute Abend ist es nicht mehr möglich. Ich muß jetzt in das Kurhaus oder Reuhenfels würde mich vermissen und augenblicklich nach mir suchen. – Morgen früh um sechs Uhr geht ein Zug nach Bieberich ab – Reuhenfels steht nie vor sieben Uhr auf und weiß mich dann jedesmal beim Brunnentrinken. Er wird vor acht Uhr, wo ich gewöhnlich zum Frühstück zurück bin, keinen Verdacht schöpfen.«

»Und wohin wenden wir uns von Bieberich?«

»Das bespreche ich mit Ihnen morgen unterwegs – jetzt fort, daß um Gotteswillen Niemand Verdacht schöpft oder Alles ist verloren. Sie begleiten mich nur bis zur französischen Grenze, oder wenn Sie sich mir soweit opfern wollen, bis nach Paris in die Arme meines Vaters. – Und noch eins – besuchen Sie heute Abend das Kurhaus nicht – mein Mann hat Sie erkannt. – Nicht gleich als wir Ihnen begegneten, wenn ihm auch Ihr Gesicht bekannt vorkam, aber er besann sich oben im Zimmer darauf, und er schwur, daß er Sie das Bild wollte entgelten lassen.«

»Er weiß jetzt, wer es sein soll?« lächelte Trautenau.

»Mehr als das,« erwiderte Clemence, »er behauptete sogar, daß Sie nur in eifersüchtigem Neid eine solche unwürdige Rache an ihm genommen, und bedauerte, die Bosheit nicht früher entdeckt zu haben, um Sie dafür zur Rechenschaft zu ziehen.«

»Bah, was kann er thun?«

»Er hat Sie heute schon im Kurhaus gesucht und wollte sogar nach Ihrer Wohnung gehen, nach der er sich auf der Polizei erkundigte – aber glücklicher Weise kam etwas dazwischen und seine Spielzeit versäumt er nie. Morgen früh würde er aber jedenfalls hartnäckig die Verfolgung wieder aufnehmen, und er ist furchtbar in seiner Rache.«

»Ich fürchte ihn nicht, Clemence,« sagte Trautenau ruhig, »und wenn es nicht Ihretwegen wäre, möchte ich ihn wirklich lieber erwarten.«

»Und mich wollten Sie dadurch elend machen und zu Grunde richten?«

»Nein, Clemence – nein!« rief Trautenau rasch, »Sie haben mein Wort, und beim ewigen Gott, ich halte treu zu Ihnen, so lange Sie meiner bedürfen.«

»Sie sind ein edler, braver Mann,« sagte das junge schöne Weib gerührt und weich, – »ich vertraue Ihnen ganz – Sie werden mich nicht verlassen. Aber nun auch fort – ich habe schon zu lange gezögert, denn wenn Reuhenfels nur im Geringsten mißtrauisch werden sollte, ist jede Hoffnung verloren. Gehen Sie, lieber Freund, gehen Sie und halten Sie morgen früh, ehe der Zug abgeht, drei Billette nach Bieberich bereit – ich nehme meine Kammerfrau mit mir. Lassen Sie uns bis dort erster Classe fahren, wir sind darin weniger der Gefahr ausgesetzt, Gesellschaft zu finden.«

Nochmals reichte sie ihm die Hand zum Abschied, die er rasch an seine Lippen drückte – dann drängte sie ihn selber freundlich der Thür zu und Ernst fühlte, als er das Hôtel verließ, kaum den Boden unter seinen Füßen.

In seiner Wohnung angekommen, machte aber doch dies erste Gefühl der Aufregung und des Entzückens einem etwas ruhigeren Ueberlegen Platz, und er konnte sich nicht gut verhehlen, daß er im Begriff sei, einen nicht allein außergewöhnlichen, sondern auch ziemlich tollen Streich zu begehen. Er wollte eine Frau ihrem eigenen Manne entführen, und wenn er auch Muth genug besaß, die Rache des Betrogenen nicht zu fürchten, so konnte er doch auch nicht gut umhin, die möglichen Folgen eines solchen Schrittes zu überdenken.

Daß er Clemence noch immer mit derselben Gluth als früher liebe, das fühlte er jetzt klar und deutlich. Er glaubte jene Leidenschaft in den letzten Jahren bekämpft zu haben, aber sie hatte nur geschlummert, und heute, wie er dem holden Wesen auf's Neue gegenüber stand und ihre Blicke so lieb und gut auf ihm hafteten, wie sie es nie gethan, loderte die alte Leidenschaft frisch und gewaltig auf's Neue in seinem Herzen empor. – Aber sie war nicht mehr frei – sie war vermählt, und ließ es sich denken, daß der Major, durch die Flucht der Gattin auf das Schwerste gekränkt und beleidigt, je selber und freiwillig das Band lösen würde, das sie an ihn fesselte – und was dann?

Daß er sich selber einen Hausstand gründen und eine Frau ernähren könne, wußte er; daß er an Clemence's Seite den Himmel auf Erden finden würde, davon fühlte er sich fest und innig überzeugt, und wenn sie auch in Glanz erzogen und dabei verwöhnt sein mochte, die Liebe zu ihm würde sie alles leicht überwinden lassen. – Und Clemences Vater? – Nur der Gedanke an diesen blieb ihm peinlich, denn sein Bankerott damals war, nach Allem, was er darüber von vorurtheilsfreien Männern gehört, eine zu offenkundige und freche Schwindelei gewesen, um sich darüber auch nur noch im Entferntesten einer Täuschung hinzugeben, und mit dem sollte er jetzt in nähere Verwandschaft treten? – Aber was konnte Clemence dafür? Trug sie die Schuld des Verbrechens? wahrlich nicht, und von dem gestohlenen Gelde wollte und brauchte er Nichts, wenn er die Kraft in sich fühlte, frei und unabhängig von irgend Jemandem sich seinen Lebensunterhalt auch selber zu erwerben.

Aber was zerbrach er sich jetzt über alle diese Dinge den Kopf, wo es ja vor Allem galt, die Geliebte aus den Händen eines rohen und tyrannischen Gatten zu befreien. Alles Andere fand sich später von selber. Lieber Gott, er wollte sie ja nur glücklich wissen, und wenn er dann auch noch Jahrelang auf ihren Besitz harren, oder wenn es nicht anders möglich war, selbst die Heimath verlassen mußte, um in einem fernen Welttheil das Glück zu suchen, das ihm hier starre Formen und Gesetze verweigerten.

Während er sich so in Gedanken um das Wohl der Geliebten absorgte, schritt Clemence zu dem Kurhaus hinüber, aber nicht auf dem direkten Weg, sondern auf einer etwas weiteren Bahn. Sie war, von ihrer Kammerfrau begleitet, in voller Toilette, aber sie schien eilig, denn es dunkelte schon, und sie hatte nicht viel Zeit mehr zu versäumen. Eben schlugen drinnen in der Stadt die Uhren die für das Rendezvous bestimmte Stunde.

Armand war eben so pünktlich gewesen als sie. Um jedoch auf der noch immer sehr belebten Promenade keinen Verdacht zu erregen, grüßte er sehr förmlich und achtungsvoll, und schritt dann, während sich die Kammerfrau tactvoll einige Schritte zurückzog, neben ihr her.

»Glückliche Nachricht,« flüsterte er ihr, wie das unbeachtet geschehen konnte, zu, »eben habe ich einen Brief bekommen, daß übermorgen, vielleicht schon morgen Abend mein Schwager eintrifft, und nun, da die Zwischenzeit so kurz ist, haben wir auch keine Gefahr weiter zu fürchten. Benutze jetzt die erste Gelegenheit, Geliebte, und erwarte mich dann in St. Goarshausen im goldenen Roß. Hinterlaß' für Reuhenfels aber einen Brief, worin Du ihn auf eine falsche Fährte schickst, und überlaß mir das Weitere. Natürlich folgt er Dir augenblicklich, aber er muß durch die Nachforschungen, die er genöthigt ist anzustellen, aufgehalten werden und ich bin dann vielleicht schon den nächsten Tag bei Dir. Nie im Leben wird er auch daran denken, in einem so kleinen abgelegenen Nest nach Dir zu suchen und es bleibt uns dort Zeit und Muße genug, unsere weiteren Pläne zu besprechen.«

»Ich habe einen Begleiter gefunden,« sagte Clemence rasch.

»Wen?« frug der junge Mann erstaunt.

»Einen alten Bekannten aus M–, einen braven jungen Künstler, der früher einmal für mich geschwärmt hat,« fuhr sie lächelnd fort. »Er ist treu und ehrlich und fühlt sich glücklich mir einen Dienst erweisen zu können.«

»Aber es ist jetzt kaum mehr nöthig,« meinte Armand, dem der Gedanke, einen früheren Anbeter mit seiner Geliebten reisen zu lassen, vielleicht nicht so ganz angenehm war.

»Aber auch unmöglich, es jetzt noch zu ändern,« erwiderte sie. »Er erwartet mich morgen früh um sechs Uhr am Bahnhof.«

»So früh willst Du fort?«

»Es ist die höchste Zeit, denn Reuhenfels hat mich heute Nachmittag aufgefordert, meine Koffer zu packen und jeden Augenblick zur Abreise bereit zu sein.«

»Dann kann es freilich Nichts mehr helfen. Dein Begleiter ist ein Deutscher?«

»Gewiß!«

»Und heißt?«

»Trautenau – ein Maler.«

»Derselbe, der Dein Bild gemalt, mit dem Major als Teufel auf dem Ofenschirm.«

»Derselbe.«

»Gut!« rief Armand lachend. »Wenn man das nur Deinem Gatten beibringen könnte –«

»Ich werde es ihm in dem Brief, den ich ihm zurücklasse, schreiben. Er hat Trautenau gestern selber gesehen und war schon früher eifersüchtig auf ihn.«