Nachbarn, Erzählungen
In der alten Sonne
Dieses Kapitel ist lang und deshalb in 3 Teile geteilt.
hineinzuschleichen. Denn er war jetzt keine Firma und kein Name mehr, sondern
lediglich ein mürber alter Mensch, vor dem der Abgrund des Unendlichen sich
grauenhaft geöffnet hatte und dem der dürre Rippenmann still und grinsend den
Rückzug versperrte. Und wenn der Fabrikant auf vielerlei Umstände und
Lebenslagen eingerichtet war und sich in sie zu finden wußte, so war er doch auf
diese nicht eingerichtet und wußte sich nicht in sie zu finden, sondern bald
schlug er ungebärdig abwehrend mit schwachen Greisenarmen um sich, bald
steckte er den Kopf in die Hände, machte die Augen zu und zitterte in Angst vor der unentrinnbaren Faust, die er beständig seinem Nacken nahe fühlte.
Der gute Finkenbein, da er allmählich ahnte, daß es bei dem Fabrikanten
erheblich spuke, gab ihm nicht selten ein ermunterndes Wort oder klopfte ihm
mit gutmütig tröstendem Lachen auf die Schulter.
„Du, Oberkommerzienrat, studier nicht so viel, du bist allweg gescheit genug,
hast so viel reiche und gescheite Leut seinerzeit eingeseift, oder nicht? — Nicht
brummen, Herr Millionär, ’s ist nicht bös gemeint. Ist das ein Spritzigtun —
Mann Gottes, denk’ doch an den heiligen Vers über deiner Bettlade.“
Und er breitete mit pastoraler Würde die Arme aus wie zum Segnen und
sprach mit Salbung: „Kindlein, liebet euch untereinander!“
„Oder paß auf, wir fangen jetzt eine Sparkasse an und wenn sie voll ist,
kaufen wir der Stadt ihren schäbigen Spittel ab und tun das Schild raus und
machen die alte Sonne wieder auf, daß Öl in die kranke Maschine kommt. Was
meinst?“
„Fünftausend Mark wenn wir hätten —“ fing Hürlin zu rechnen an, aber da
lachten die anderen; er brach ab, seufzte und fiel in sein Brüten und Stieren
zurück.
Während es vollends Winter wurde, sah man ihn stiller und ruheloser werden.
Er hatte die Gewohnheit angenommen, tagaus tagein in der Stube hin und wieder
zu traben, einmal grimmig, einmal angstvoll, ein andermal lauernd und tückisch.
Sonst aber störte er niemand. Der Holdria leistete ihm häufig Gesellschaft,
schloß sich in gleichem Tritt seinen Dauerläufen durchs Zimmer an und
beantwortete nach Kräften die Blicke, Gestikulationen und Seufzer des
unruhigen Wanderers, der beständig vor dem bösen Geiste auf der Flucht war,
den er doch in sich trug. Wenn er sein Leben lang schwindelhafte Rollen geliebt
und mit wechselndem Glücke gespielt hatte, so war er nun dazu verurteilt, ein
verzweifelt trauriges Ende mit seinen hanswurstmäßigen Manieren durchspielen
zu müssen. Er spielte denn auch miserabel und lächerlich genug, aber
wenigstens war die Rolle echt und der frühere Poseur trat nun zum ersten Mal
und nicht zu seinem Vorteil ohne Maske auf. Die Ahnung des Ewigen und der
Durst nach dem Unaussprechlichen, der auch dieser Seele eingeboren und ein
ganzes Leben lang vergessen und vernachlässigt worden war, fand nun, da er
überquoll, nach keiner Seite hin seinen Ausdruck und gebärdete sich in
Grimassen, Bewegungen und Tönen seltsamster Art absurd und lächerlich
genug. Aber er war doch eine echte Kraft, und dieses sich selber nicht
verstehende Sterbenwollen war gewiß seit Jahrzehnten die erste großartige und
im höheren Sinn vernünftige Regung dieser geringen Seele.
Zu den Sprüngen und Kapriolen des aus dem Geleise Gekommenen gehörte
es, daß er neuerdings mehrmals am Tage unter seine Bettstatt kroch, das alte
Sonnenschild hervorholte und einen sehnsüchtig närrischen Kultus damit trieb,
indem er es bald feierlich vor sich hertrug wie ein heiliges Schaustück, bald vor
sich aufpflanzte und mit verzückten Augen betrachtete, bald wütend mit Fäusten
schlug, um es dann sogleich wieder sorglich zu wiegen, zu liebkosen und endlich
an seinen verborgenen Ort zurück zu bringen. Als er diese symbolischen Possen
anfing, verlor er seinen Rest von Kredit bei den Sonnenbrüdern und wurde
gleich seinem Freunde Holdria als völliger Narr behandelt und besprochen.
Namentlich der Seiler sah ihn mit unverhohlener Verachtung an, hänselte und
demütigte ihn wo er konnte und ärgerte sich, daß Hürlin das kaum zu merken
schien.
Einmal nahm er ihm sein Sonnenschild und versteckte es in einer anderen
Stube. Als Hürlin es holen wollte und nicht fand, irrte er eine Zeit im Haus
umher, dann suchte er wiederholt am alten Orte danach, dann bedrohte er der
Reihe nach alle Hausgenossen, den Stricker nicht ausgenommen, mit machtlos
wütenden Reden und Lufthieben, und als alles das nichts half, setzte er sich an
den Tisch, legte den Kopf in die Hände und brach in ein jammervolles Heulen
aus, das eine halbe Stunde dauerte. Das war dem mitleidigen Finkenbein zu viel.
Er gab dem zu Tod erschreckenden Seiler einen mächtigen Fausthieb und zwang
ihn, das versteckte Kleinod sogleich herbeizubringen.
Der zähe Fabrikant hätte trotz seiner fast weiß gewordenen Haare noch
manche Jahre leben können. Aber der Wille zum Sterben, der wenn auch
unverstanden in ihm arbeitete, fand bald einen Ausweg und machte der
unschönen tragischen Komödie ein erwünschtes Ende. In einer Dezembernacht
konnte der alte Mann zufällig nicht schlafen. Im Bett aufsitzend gab er sich
seinen öden Gedanken hin, stierte über die dunklen Wände hin und kam sich
verlassener vor als je. In Langeweile, Angst und Trostlosigkeit stand er
schließlich auf, ohne recht zu wissen was er tue, nestelte seinen hanfenen
Hosenträger los und hängte sich damit geräuschlos an der Türangel auf. So fand
ihn am Morgen der Holdria und der auf des Narren ängstliches Geschrei
herübergekommene Hausvater. Das Gesicht war ein wenig bläulicher geworden,
sonst war wenig daran zu entstellen gewesen.
Schrecken und Überraschung waren nicht klein, aber von sehr kurzer Dauer.
Nur der Schwachsinnige flennte leise in seinen Kaffeetopf hinein, alle anderen
wußten oder fühlten, daß dieses Ende des Fabrikanten nicht zur unrechten Zeit
gekommen war, und daß es weder zur Klage noch zur Entrüstung hinreichende
Veranlassung biete. Auch hatte ihn ja niemand lieb gehabt.
Natürlich stürzten sich auch ein paar Winkelredakteure auf den interessanten Fall und teilten in ihren Schundblättlein den Lesern nebst den nötigen
moralischen Posthaltern die Tatsache mit, daß der einst nicht unbekannte
Bankrotteur Karl Hürlin nunmehr verdientermaßen im Armenhaus als
Selbstmörder geendet habe.
Wie seinerzeit der Finkenbein als vierter Gast in den Spittel gekommen war,
hatte man in der Stadt einige Klagen darüber vernommen, daß das kaum
gegründete Asyl sich so ungehörig rasch bevölkere. Nun war schon einer von
den Überzähligen verschwunden. Und wenn es wahr ist, daß die Armenhäusler
meistens merkwürdig gedeihen und zu hohen Jahren kommen, so ist es doch
ebenso wahr, daß selten ein Loch bleibt wie es ist, sondern um sich fressen muß.
So ging es auch hier; in der kaum erblühten Lumpenkolonie war nun einmal der
Schwund ausgebrochen und wirkte weiter.
Zunächst schien freilich der Fabrikant vergessen und sonst alles beim alten zu
sein. Lukas Heller führte, soweit Finkenbein es zuließ, das große Wort, machte
dem Stricker das Leben sauer und wußte von seinem bißchen Arbeit noch die
Hälfte dem willigen Holdria aufzuhalsen. So fühlte er sich sehr wohl und heiter,
begann sich im Neste warm zu sitzen und beschloß, unter so behaglichen
Umständen sich keine Sorgen zu machen und jedenfalls noch reichliche Jahre in
diesem Wohlleben zu verweilen, der Gemeinde zum Ärger und sich zum Pläsier.
Er war nun, nach Hürlins Tode, der älteste von den Sonnenbrüdern, fühlte sich
ganz heimisch und hatte nie in seinem Leben sich so im Einklang mit seiner
Umgebung und Lebensstellung befunden, deren ob auch ärmliche, doch
sturmsichere Ruhe und Trägheit ihm Zeit ließ, sich zu dehnen und zu fühlen und
sich als ein achtungswerter und nicht unwesentlicher Teil der Gesellschaft, der
Stadt und des Weltganzen vorzukommen. Ihm war es seelenwohl dabei, den
Umtrieb hinter sich und vor sich die Aussicht in träge, sorgenlose Jahre zu
haben.
Anders erging es dem Finkenbein. Das ideale Bild, das seine lebhafte
Phantasie sich einst vom Leben eines Sonnenbruders erdacht und herrlich
ausgemalt hatte, war ganz anders gewesen als was er in Wirklichkeit hier
gefunden und gesehen hatte. Zwar blieb er dem Ansehen nach ganz der alte
Leichtfuß und Spaßmacher, genoß freudig das gute Bett, den warmen Ofen und
die solide, reichliche Kost und schien keinen Mangel zu empfinden. Er brachte
auch immer wieder von geheimnisvollen Ausflügen in die Stadt ein paar Nickel
für Schnaps und Tabak mit, an welchen Gütern er den Seiler ohne Geiz teilhaben
ließ. Auch fehlte es ihm selten an einem Zeitvertreib, da er gaßauf gaßab jedes Gesicht kannte und wohlgelitten war, so daß er in jedem Torgang und vor jeder
Ladentüre, auf Brücke und Steg, neben Lastfuhren und Schiebkarren her, sowie
im Sternen, im Leuen und im scharfen Eck jederzeit mit jedermann sich des
Plauderns erfreuen konnte.
Trotzdem aber war ihm nicht recht wohl in seiner Haut. Denn einmal waren
Heller und Holdria als tägliche Kameraden von geringem Wert für ihn, der mit
flotteren und ergiebigeren Leuten umgehen konnte, und dann drückte ihn je
länger je mehr die Regelmäßigkeit dieses Lebens, das für Aufstehen, Essen,
Arbeiten und Zubettgehen feste Stunden vorschrieb. Schließlich, und das war die
Hauptsache, war dies Leben zu gut und zu bequem für ihn. Er war gewohnt,
Hungertage mit Schlemmertagen zu wechseln, bald auf Linnen und bald auf
Stroh zu schlafen, bald bewundert und bald angeschnauzt zu werden. Er war
gewohnt, nach Belieben umherzustreifen, die Polizei zu fürchten, kleine
Geschäfte und Streiche an der Kunkel zu haben und von jedem lieben Tag etwas
Neues zu erwarten. Diese Freiheit, Armut, Beweglichkeit und beständige
Spannung fehlte ihm hier vollkommen und bald sah er ein, daß der mit vielen
Listen und Schikanen ermöglichte Eintritt in den Spittel nicht, wie er gemeint
hatte, sein Meisterstück, sondern ein dummer Streich mit betrüblichen und
lebenslangen Folgen gewesen war.
Freilich, wenn es in dieser Hinsicht dem Finkenbein wenig anders erging als
vorher dem Fabrikanten, so war er in allem übrigen dessen fertiges Gegenteil.
Vor allem ließ er den Kopf nicht hängen wie jener und ließ die Gedanken nicht
ewig auf demselben leeren Felde der Trauer und Ungenüge grasen, sondern hielt
sich munter, ließ die Zukunft möglichst außer Augen und tändelte sich
leichtfüßig von einem Tag in den andern. Er gewann dem Stricker, dem Simpel,
dem Seiler Heller, dem fetten Sperling und der ganzen Sachlage nach
Möglichkeit die fidele Seite ab und hatte aus seinem früheren Leben die
bequeme Virtuosengewohnheit herübergebracht, niemals über die gegenwärtige
Lage hinaus Pläne zu machen und Wünsche und Hoffnungen zu verankern.
Damit gelang es ihm auch jetzt noch, da er doch für allezeit versorgt und
versichert war, das Leben der Vöglein und Fliegen zu führen, und das tat nicht
ihm allein, sondern dem ganzen Hause gut, dessen tägliches Leben durch ihn
einen Hauch von Freisinn und zierlicher Heiterkeit bekam. Den konnte es
freilich nötig brauchen, denn zur Erheiterung und Verschönerung der
gleichförmigen Tage hatten Sauberle und Heller aus eigenen Mitteln ungefähr so
wenig wie der gute Wasserkopf Holdria beizusteuern.
Es liefen also die Tage und Wochen so leidlich hin, und wenn es nicht immer
fröhlich herging, gab es doch auch keine Händel und Ärgernisse. Der Hausvater
schaffte und sorgte sich müd und mager, der Seiler genoß eifersüchtig sein billiges Wohlsein, der Finkenbein drückte ein Auge zu und hielt sich an der
Oberfläche, der Holdria blühte in ewigem Seelenfrieden und nahm an
Liebenswürdigkeit, gutem Appetit und Beleibtheit täglich zu. Das Idyll wäre
fertig gewesen. Allein es ging inmitten dieses nahrhaften Friedens der hagere
Geist des toten Fabrikanten um. Das Loch mußte um sich fressen.
Und so geschah es an einem Mittwoch im Februar, daß Lukas Heller morgens
eine Arbeit im Holzstall zu tun hatte, und da er noch immer nicht anders als
ruckweise und mit langen Pausen fleißig sein konnte, kam er in Schweiß, ruhte
unter der Türe aus und bekam Husten und Kopfweh. Zu Mittag aß er kaum die
Hälfte wie sonst, nachmittags blieb er beim Ofen und zankte, hustete und fluchte
gewaltig, und abends legte er sich schon um acht ins Bett. Am andern Morgen
holte man den Doktor. Diesmal aß Heller um Mittag gar nichts, etwas später
ging das Fieber los, in der Nacht mußten der Finkenbein und der Hausvater
abwechselnd bei ihm wachen. Tags darauf starb der Seiler, widerwillig, neidisch
und keineswegs geduldig und lärmlos, und die Stadt war wieder einen
Kostgänger los geworden, was niemand zu Verdruß gereichte.
Sie sollte es aber bald noch besser bekommen. Es brach nämlich im März ein
ungewöhnlich frühes Sommerwetter und Wachstum an. Die großen Berge und
die kleinen Straßengräben wurden grün und jung, die Straße war von plötzlich
aufgetauchten Hühnern, Enten und Handwerksburschen fröhlich bevölkert und
durch die Lüfte stürzten sich mit freudigem Schwunge große und kleine Vögel.
Dem Finkenbein war es in der zunehmenden Vereinsamung und Stille des
Hauses immer enger und bänglicher ums Herz geworden. Die beiden Sterbefälle
schienen ihm bedenklich und er kam sich immer mehr wie einer vor, der auf
einem untersinkenden Schiffe als Letzter am Leben blieb. Nun roch und lugte er
stündlich zum Fenster hinaus in die Wärme und milde Frühjahrsbläue hinein. Es
gärte ihm in allen Gliedern und sein jung gebliebenes Herz, da es den lieben
Frühling witterte, gedachte alter Zeiten und begann zu überlegen, ob nicht auch
ihm bei diesem allgemeinen Quellen, Sprossen und Wohlergehen vielleicht ein
Lenz beschieden sei.
Eines Tages brachte er aus der Stadt nicht nur ein Päcklein Tabak und einige
neueste Neuigkeiten, sondern auch in einem schäbig alten Wachstüchlein zwei
neue Papiere mit, welche zwar schöne Schnörkel und feierliche blaue
Amtsstempel trugen, aber nicht vom Rathaus geholt waren. Wie sollte auch ein
so alter und kühner Landfahrer und Türklinkenputzer die zarte und
geheimnisvolle Kunst nicht verstehen, auf sauber geschriebene Papiere beliebige
alte oder neue Stempel zu übertragen. Nicht jeder kann und weiß es, und es
gehören feine Finger und eine gute Übung dazu, von einem frischen Ei die
dünne innere Haut zu lösen und makellos auszubreiten, die Stempel eines alten Heimatscheins und Wanderpasses darauf abzudrücken und reinlich von der
feuchten Haut aufs neue Papier zu übertragen.
Und wieder eines Tages war Stefan Finkenbein ohne Sang und Klang aus
Stadt und Gegend verschwunden. Er hatte auf die Reise seinen hohen, steifen
Straubingerhut mitgenommen und seine in völliger Auflösung begriffene alte
Wollenkappe als einziges Andenken zurückgelassen. Die Behörde stellte eine
kleine vorsichtige Untersuchung an. Da man aber bald gerüchtweise vernahm, er
sei in einem benachbarten Oberamt lebendig und vergnügt in einer beliebten
Kundenherberge erblickt worden, und da man kein Interesse daran hatte, ihn
ohne Not zurückzuholen, seinem etwaigen Glücke im Weg zu stehen und ihn auf
Stadtkosten weiter zu füttern, wurde auf fernere Nachforschungen klug
verzichtet und man ließ den losen Vogel mit den besten Wünschen fliegen wohin
er mochte. Es kam auch nach sechs Wochen eine Postkarte von ihm aus dem
Bayrischen, worin er dem Stricker schrieb: „Geehrter Herr Sauberle, ich bin in
Bayern. Es ist hier ziemlich kälter. Wissen Sie was? Nehmen Sie den Holdria
und seinen Spatz und lassen sie für Geld sehen. Wir können dann mitnander
drauf reisen. Wir hängen dann dem Hürlin selig sein Schild raus. Ihr getreuer
Stefan Finkenbein, Turmspitzenvergolder.“
Vielleicht hätte in dem fast geleerten Neste das Verhängnis noch weiter
gewütet, aber der dermalige letzte Sonnenbruder Holdria war allzu schuldlos und
allzu seßhaft. Es sind seit Hellers Tode und Finkenbeins Auszug fünfzehn Jahre
vergangen und der Blöde haust noch immer feist und rotbackig in der
ehemaligen Sonne. Er ist zuerst eine Zeitlang allein geblieben. Die zahlreichen
Aspiranten hielten sich eine gute Weile bescheiden und ängstlich zurück, denn
der schauervolle Tod des Fabrikanten, das schnelle Wegsterben des zähen Seilers
und die Flucht Finkenbeins hatten sich zur allbekannten Moritat gestaltet und
umgaben etwa ein halbes Jahr lang den Wohnsitz des Blödsinnigen mit
blutrünstigen Sagen und Schreckensgeschichten. Allein nach dieser Zeit trieb die
Not und die Trägheit wieder manche Gäste in die alte Sonne hinauf und der
Holdria ist von da an nie mehr allein dort gesessen. Kuriose und langweilige
Brüder hat er kommen, mitessen und sterben sehen und ist zurzeit der Senior
einer Hausgenossenschaft von sieben Kumpanen, den Hausvater nicht
mitgerechnet. An warmen, angenehmen Tagen sieht man sie häufig vollzählig
am Rain des Bergsträßleins hocken, kleine Stummelpfeifen rauchen und mit
verwitterten Gesichtern und verschiedenartigen Gefühlen auf die inzwischen
talauf und talabwärts etwas größer gewordene Stadt hinunterblicken.
Ende
Buchdruckerei Roitzsch, Albert Schulze, Roitzsch.
Werke von Hermann Hesse
(S. Fischer, Verlag, Berlin)
Peter Camenzind
Roman. 50. Auflage. Geh. 3 Mark, geb. 4 Mark.
Es ist ein köstliches lebensstarkes Buch, eines von den Büchern, die, nachdem wir sie gelesen, eine stille Gewalt über unsere Seele üben. Diese Schöpfung von Hesse ist so reich und meist auch von so reifer Kunst, daß sie dem Besten, was seine Landsleute Keller und Meyer geschaffen haben, an die Seite gestellt werden
darf.
(Der Tag, Berlin)
Ein Buch für die Verträumten im Lande. Von allerlei Liebe und Freundschaft, von sonderbaren Menschen, von schneeweißen Wolken, die am kornblauen Himmel stehen, und von den Schatten der Bäume wird erzählt. Die Beichte einer Jugend, böser Bangigkeiten voll und arm an schmalen Freuden, durchaus nicht
immer gewandt, aber immer in Worten, die von einer köstlichen Innigkeit und Innerlichkeit überleuchtet sind: Abendröte der Seele, duftende Keuschheiten.
(Tagesbote aus Mähren und Schlesien, Brünn)
Unterm Rad
Roman. 18. Auflage. Geh. M. 3.50, geb. M. 4.50
Hier ist etwas Freies, Unkünstliches, Naturgewachsenes. Immer wenn ich ein Buch von Hesse lese, habe ich die Empfindung, daß sich über mir der blaue Himmel wölbt, daß Bäume ringsum grünen und frische Luft
weht.
(Die Zeit, Wien)
Es ist dieser Roman ein gutes, tiefes, starkes Buch, geläuterter noch als der „Camenzind“, von einer tüchtigen Männlichkeit durchweht, eine Wohltat für den, der ihn liest, treuherzig, überzeugend, von lebhaftem, heißem Natursinn kündend, frei von ästhetischer Kränkelei — ein klares Schwabenbuch, ein
durch und durch deutscher Roman.
(Münchener Neueste Nachrichten)
Es ist die einfache Geschichte von einem Jungen, der stolz und mit der Anwartschaft auf Ruhm und Glück ins Leben eintritt und unters Rad kommt und überfahren wird; ein Buch voll Schwermut und heimlicher leiser Klage und auch ein Buch voll Anklage. Schwer und gewichtig in seiner Einfachheit, die um so tiefer
wirkt, als sie das Resultat einer unnachahmlichen sprachlichen Meisterschaft und stilistischen Adels ist.
(Münchener Zeitung)
Diesseits
Erzählungen. 16. Aufl. Geh. M. 3.50, geb. M. 4.50
Wie man etwa Eduard Mörikes Gedichte lesen sollte, an einem stillen, schönen Sommertage im Grase liegend, der Zeit und jeder Alltäglichkeit weit entrückt, ruhevoll nur sich und dem Weben der leise schaffenden Natur lauschend, in solcher Sonntagsstimmung sollte man Hermann Hesses neuen
Novellenband „Diesseits“ lesen.
(Neue Zürcher Zeitung)
Wie lange habe ich mich darauf gefreut, dieses Buch anzuzeigen! Eine erlesene Schar der Novellen Hesses, die verstreut in Zeitschriften lagen, in einem Bande gesammelt in Händen zu halten, zu eigen zu haben wie
Hausschwalben, die ihr Nest an unserem Dache sich bauen. Es ist ein stilles, vornehmes und unsäglich schönes Buch geworden, das man ehrfürchtig in die Hand nimmt, ehrfürchtig aus der Hand legt, still, ergriffen, nachdenklich, voll einer Liebe zu dem Menschen, der ein so starkes, reines Herz hat und es so
lauter schenkt. Hermann Hesse bedeutet einen Gipfelpunkt deutscher Erzählerkunst.
(Münchener Zeitung)
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
... machte er einen der Mitsinger diese seine künftige ...
... machte er einem der Mitsinger diese seine künftige ...
... merkwürdige erste Verliebheit. Eines Tages erzählte ...
... merkwürdige erste Verliebtheit. Eines Tages erzählte ...
... fest überzeugt wur, daß jener ein ganz andrer Kerl ...
... fest überzeugt war, daß jener ein ganz andrer Kerl ...
... Gefühl ihm bei Rechnungsbuch uud Ladenkasse ...
... Gefühl ihm bei Rechnungsbuch und Ladenkasse ...
... zuweilen melancholiche Gänge durch die ...
... zuweilen melancholische Gänge durch die ...
... und hätte auch nur so viel Herz uud Gerechtigkeit ...
... und hätte auch nur so viel Herz und Gerechtigkeit ...
... Versicherungen eben keine Genie war und nur das ...
... Versicherungen eben kein Genie war und nur das ...
... auf Grund deren er aber doch noch immer ...
... auf Grund derer er aber doch noch immer ...
... und rasselnd aufs Plaster. ...
... und rasselnd aufs Pflaster. ...
... könnte. Die schrille Blechgehämmer einer Spenglerwerkstatt, ...
... könnte. Das schrille Blechgehämmer einer Spenglerwerkstatt, ...
... würde. Wütend seuzte er auf, so oft er aus ...
... würde. Wütend seufzte er auf, so oft er aus ...
... dem ersten Blatte war irgend eine phantastisch gegekleidete ...
... dem ersten Blatte war irgend eine phantastisch gekleidete ...
... Psychologie der Weiber, bei Hürlein hingegen ...
... Psychologie der Weiber, bei Hürlin hingegen ...
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Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of electronic works in formats readable by the widest variety of computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks of life.
Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will remain freely available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information can be found at the Foundation's web site and official page at http://pglaf.org
For additional contact information:
Dr. Gregory B. Newby
Chief Executive and Director
gbnewby@pglaf.org
Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide spread public support and donations to carry out its mission of increasing the number of public domain and licensed works that can be freely distributed in machine readable form accessible by the widest array of equipment including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt status with the IRS.
The Foundation is committed to complying with the laws regulating charities and charitable donations in all 50 states of the United States. Compliance requirements are not uniform and it takes a considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up with these requirements. We do not solicit donations in locations where we have not received written confirmation of compliance. To SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state visit http://pglaf.org
While we cannot and do not solicit contributions from states where we have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition against accepting unsolicited donations from donors in such states who approach us with offers to donate.
International donations are gratefully accepted, but we cannot make any statements concerning tax treatment of donations received from outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and addresses. Donations are accepted in a number of other ways including checks, online payments and credit card donations. To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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