
Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen
Die verschiedenen Empfindungen des Vergnügens oder des Verdrusses beruhen nicht so sehr auf der Beschaffenheit der äußeren Dinge, die sie erregen, als auf dem jedem Menschen eigenen Gefühl, dadurch mit Lust oder Unlust gerührt zu werden, beginnt Kant, und nennt als Beispiel die Freuden einiger Menschen, woran andere einen Ekel haben, oder die verliebte Leidenschaft, die oft jedermann ein Rätsel ist. Weil ein Mensch sich nur insofern glücklich findet, als er eine Neigung befriedigt, sei das Gefühl, das ihn fähig macht, große Vergnügen ohne ausnehmende Talente zu genießen, gewiss keine Kleinigkeit: Wohlbeleibte Personen, deren geistreichster Autor ihr Koch ist und deren Werke von feinem Geschmack sich in ihrem Keller befinden, geraten bei gemeinen Zoten und einem plumpen Scherz in ebenso lebhafte Freude wie jene, die sich auf ihre edlere Empfindung so viel einbilden. Ebenso nennt er den bequemen Mann, der beim Vorlesen von Büchern gut einschlafen kann, den Kaufmann, dem alle Vergnügen läppisch scheinen außer dem Handlungsvorteil, und den Liebhaber der Jagd, der Fliegen oder wilde Tiere jagt.






