
Professor Unrat, oder, Das Ende eines Tyrannen
Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat, und mit diesem Satz ist der Roman erklärt. Der Spitzname hängt dem alten Ordinarius seit vielen Generationen an, die Kollegen benutzen ihn außerhalb des Gymnasiums und auch drinnen, sobald er den Rücken dreht. Man braucht auf dem Schulhof nur zu rufen, ob es hier nicht nach Unrat rieche, und schon zuckt der Alte heftig mit der rechten Schulter und sendet schief aus seinen Brillengläsern einen grünen Blick: den Blick eines Tyrannen mit schlechtem Gewissen, der in den Falten der Mäntel nach Dolchen späht. Im Spätherbst, an einem Vormittag um elf, vor dem Klassenaufsatz über die Jungfrau von Orleans, reißt der Landjunker von Ertzum das Fenster auf und brüllt das Wort in den Nebel hinaus. Diesmal, denkt Unrat frohlockend, kann ich es ihm beweisen.






