
Waldwinkel
Über dem Dache des Rathauses, das zugleich die Wohnung des städtischen Bürgermeisters bildete, kreuzten die ersten Schwalben in der Frühjahrssonne, beginnt Storms Novelle von 1874: Drinnen aber in seinem Geschäfts- und Arbeitszimmer saß der Gestrenge selbst, vertieft in ein dickes Aktenfaszikel, als draußen an die Tür gepocht wurde und ein brauner, stattlicher Mann über die Schwelle trat. Bist du jetzt immer so fleißig, Fritz?, fragt der Fremde, du littest ehemals nicht an dieser Krankheit, worauf der Bürgermeister emporfährt, die Brille von der Nase hakt und ruft: Richard, du bist es! Mein Gott, wie gut du mich noch kennst! Und doch, mein Scheitel ist kahl und der Rest des Haares grau geworden! Ja, ja, ein solches Bürgermeisteramt! Voll Erstaunen blickt der kleine, beleibte Bürgermeister in das Antlitz seines ihn fast um Kopfeshöhe überragenden alten Freundes, den er nach vielen Jahren wiedertrifft.






