
Amyntas
Nikias, trefflicher Mann, du Arzt des Leibs und der Seele, so beginnt Amyntas seine Klage: Krank sei er fürwahr, doch das verordnete Mittel sei hart, und die Kräfte schwänden ihm dahin, dem Rat zu folgen. Wie das Wasser der Steile des Felsens entstürze und der Sturm unaufhaltsam rase, so spreche rings die Natur zu ihm: Auch Amyntas sei unter das strenge Gesetz ehrner Gewalten gebeugt. Er erzählt, was ihn gestern ein Baum am Bache gelehrt habe: Der Baum trage nur noch wenige Äpfel, weil ihn der Efeu gewaltig umgebe, und als Amyntas mit dem krummgebogenen Messer die Ranken abzuschneiden begann, hörte er aus den Wipfeln eine kläglich lispelnde Klage, die ihn bat, sie nicht zu verletzen, den treuen Gartengenossen, dem er als Knabe so früh manche Genüsse verdanke. Habe er sie nicht selbst genährt und sanft herangezogen, fragt die Klage weiter, sei ihr Laub nicht seinem eigenen verwandt, und dürfe er nicht die Pflanze lieben, die sich einzig seiner bedürftig mit begieriger Kraft um seine Seite schlinge, auch wenn sie ihm dabei Mark und Seele aussauge und die Krone des Baumes verdorren lasse.






