
Der Heilige
Langsam fallend deckte der Schnee das blache Feld und die Dächer vereinzelter Höfe rechts und links von der Heerstraße, die aus den warmen Heilbädern an der Limmat nach der Reichsstadt Zürich führt, beginnt Meyers historische Novelle: Auf der bedachten Brücke über den Sihlstrom erscholl der dumpfe Hufschlag eines Pferdes, und ein einsamer Reiter erschien, warm in einen grobwollenen Mantel gewickelt, gefolgt von einem großen Pudel mit beschneitem Rücken. Es war der drittletzte Tag des Jahres der Gnade 1191, denn der Reisende hatte die Gewohnheit, Zürich zwischen Weihnachten und Jahresende heimzusuchen, und wurde bei seinem Einzug in die Stadt, wie jederzeit, mit schallendem Zuruf als Hans der Armbruster begrüßt. Unter dem niedrigen Torbogen warf der Reiter seine Kapuze zurück, schüttelte die Flocken vom Mantel und ritt in guter, trotz der Last seiner Jahre kriegerischer Haltung durch den Rennweg, die erste am Fuße der kaiserlichen Pfalz sich hinziehende Straße.






