Weil dein Herz zu mir spricht

Aileana Blair · Kapitel 9 von 15

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Weil dein Herz zu mir spricht

Kapitel 9

 

 

Jasper betrat mit festen Schritten Erics Zimmer und sah ihn streng an. »Wirst du dich wenigstens heute zusammenreißen und ein fröhlicher Gastgeber sein?« Er setzte sich in einen Ohrenbackensessel und schlug die Beine übereinander. »Ich weiß nicht, was für eine Laus dir über die Leber gelaufen ist, dass du seit Tagen so eine miese Laune hast, aber ich rate dir wirklich, dich endlich wieder in den Griff zu kriegen. Vincent fragt auch schon ständig nach dir. Er hat dich in letzter Zeit kaum zu Gesicht bekommen.«

Eric bedachte seinen Bruder mit einem vernichtenden Blick und erwiderte nichts. Er ging zum Fenster und sah hinaus in den Garten, der festlich geschmückt war. Überall standen Tische, Stühle und Blumentöpfe. Weiße und rote Girlanden waren von Baum zu Baum gespannt, es herrschte geschäftiges Treiben, während das Personal die letzten Vorbereitungen zum Frühlingsball traf und Barnes überwachte alles mit Argusaugen.

»Eric, ich bitte dich –«

»Keine Sorge«, brummte Eric und blickte weiter in den Garten. »Ich kenne meine Aufgabe. Ich werde tun, was nötig ist. Aber ich werde mich zu gegebener Zeit zurückziehen, du wirst dann der Gastgeber sein.«

»Was? Ich bin aber nicht der Herr dieses Hauses, ich –«

»Ich diskutiere darüber nicht, Jasper«, donnerte Erics Stimme durch den Raum. »Ich werde mich dir nicht erklären und muss mich auch nicht rechtfertigen.« Er atmete einmal tief durch und versuchte, sich zu beruhigen. Jasper konnte schließlich nichts dafür, dass Jelani fort war und er jetzt irgendwie mit dem Schmerz in seinem Herzen fertig werden musste. »Du bist mein Bruder, ich bitte dich inständig, für mich heute zu übernehmen. Ich werde die Gäste begrüßen wie es sich gehört, doch dann ziehe ich mich zurück. Wirst du mir diesen Gefallen tun?« Seine Kiefer waren angespannt und fragend blickte er Jasper an.

Der seufzte und nickte. »Nun gut. Ich werde es tun.«

»Danke«, presste Eric hervor und verließ fast schon fluchtartig den Raum.

Eine Stunde später war er geschniegelt und herausgeputzt, trug seinen besten Anzug, die Haare waren mit duftender Pomade ordentlich zurückgekämmt und er war frisch rasiert. Die ersten Gäste würden bald eintreffen und er wollte noch nach Vincent sehen, bevor der Trubel losging. Als er durch die große Eingangshalle lief um in den Westflügel des Hauses zu gelangen, da fiel ihm die Tür zum Dienstbotentrakt ins Auge. Eric blieb stehen und sah wie gebannt auf die weiße Tür, die nur angelehnt war. Er sah sich kurz um und lauschte, aber es war alles still. Keiner war hier, alle waren draußen im Garten, im Speisesaal oder in der Küche beschäftigt.

Kurzerhand ging er dorthin, schlüpfte durch die Tür und schloss sie hinter sich. Leise schlich er die Treppe hinunter und huschte zu Jelanis Zimmer, öffnete die Tür und blieb im Rahmen stehen. Der Raum wirkte unbewohnt. Nirgendwo lag Kleidung herum, der Stuhl war ordentlich vor den Tisch gestellt und das Bett anständig gemacht, als ob nie jemand darin geschlafen hätte. Eric schluckte und betrat das Zimmer. Er sah sich um und seufzte, dann ging er zum Bett und setzte sich darauf, stützte die Arme auf den Schenkeln ab und ließ den Kopf hängen. Die Erinnerung an damals kam zurück, als er sich Nachts hierher geschlichen hatte und Jelani ihn niedergeknüppelt hatte, weil er nicht wusste, wer ihn da zu dieser späten Stunde aufsuchte. Wieder sah er ihn vor sich, wie er sich um ihn gekümmert und seine Wunde versorgt hatte. Das war der Moment gewesen, in dem seine Gefühle für ihn richtig aufgeflammt waren. Jetzt liebte er Jelani Bennett über alles, doch er war weg. Einfach gegangen, und er wusste nicht einmal warum.

Er ließ sich auf das Bett fallen und vergrub den Kopf im Kissen. Vielleicht haftete daran ja noch sein Duft, dieses Aroma nach Pferd, Leder und Zitrone, welches ihn immer umgab. Tief sog er die Luft ein, doch das Kissen roch nach Nichts. Da war keine Spur mehr von Jelanis Geruch, trotzdem presste Eric das Kissen an seine Wange, denn es war das Kissen, auf welchem er immer geschlafen hatte. Gott, Jelani fehlte ihm so sehr, dass sein Herz schmerzte und ihm die Tränen in die Augen schossen. Er blieb einfach dort liegen, so lange, bis er gehen musste, weil die Gäste langsam eintrudelten.

Als er aufstand und das Kissen wieder ordentlich hinlegen wollte, fiel plötzlich ein kleines Stück Papier auf den Boden. Eric hob es auf und stellte fest, dass es eine Fotografie war. Er betrachtete sie und schluckte. Er erkannte darauf einen jüngeren Jelani, der fröhlich lächelnd Arm in Arm mit einem dunkelhäutigen Mädchen auf einer Bank unter einem Baum saß. Im Hintergrund war eines dieser feudalen Plantagenhäuser zu erkennen, mit Säulen und Balkonen ringsherum, gesäumt von großen Eichen, an deren Ästen spanisches Moos herabhing. Jelani sah darauf so glücklich aus, kein bitterer Zug lag um seinen Mund und die Melancholie, die immer in seinen Augen lag, war auf diesem Foto nicht zu erkennen. Und wer war wohl dieses Mädchen dort bei ihm? Die beiden wirkten sehr vertraut miteinander, doch ihre Haut war deutlich dunkler als die von Jelani, der ja ein Mischling war.

Eric seufzte, steckte die Fotografie in seine Westentasche und verließ eilig den Dienstbotentrakt, um widerwillig den Hausherren und Gastgeber zu spielen.

Mit Vincent auf dem Arm begrüßte er die eintreffenden Gäste. Sein Sohn war im besten Sonntagsstaat gekleidet, lächelte und tat es ihm nach. Die Leute – vor allem die Damen – waren ganz angetan von ihm. Barnes hatte alle Hände voll zu tun mit den ganzen Hüten, Mänteln und Stolas, die abgegeben wurden. Jasper begrüßte die Gäste ebenfalls und führte sie in den Garten, wo der Champagner schon für sie bereit stand.

Als alle geladenen Gäste angekommen waren, eröffnete Eric mit Vincent und Jasper an seiner Seite offiziell den Ball mit einer kleinen Ansprache. Danach übergab er seinen Sohn in Judy Lancasters Obhut, nickte Jasper zu und verschwand in seine privaten Räumlichkeiten.

Dort angekommen atmete er erleichtert durch, zog sein Jackett und die Krawatte aus, schenkte sich einen Brandy ein und setzte sich in seinen bequemen Ohrenbackensessel beim Kamin. Nur gedämpft waren die Stimmen der Gäste und die Musik zu hören und Eric war heilfroh, seine Ruhe zu haben. In seiner momentanen Verfassung konnte er den Trubel nicht ertragen und war für eine fröhliche Feierei nicht aufgelegt, zu sehr belastete es ihn, das Jelani Bennett nicht mehr hier war. Sein Kopf konnte an nichts anderes denken, als an ihr letztes Beisammensein und wie Jelani am Ende reagiert hatte, und an die Frage Warum? Warum war er einfach gegangen, ohne ein Wort des Abschieds, ja sogar, ohne seinen Lohn bei Barnes abzuholen? Wo war er hin, was tat er gerade, ging es ihm gut?

So viele Fragen, auf die Eric einfach keine Antwort fand. Er raufte sich die Haare und trank seinen Brandy leer, stand auf und holte die Karaffe, setzte sich wieder und goss sich nach. Eric lehnte sich zurück, schloss die Augen und dachte an Jelani, stellte ihn sich vor, so wie er ihn in Erinnerung hatte: Sein sanftes Lächeln, welches zwei Grübchen in seinen Wangen hervorzauberte und das seine dunklen Augen zum Leuchten brachte. Die vollen Lippen, die ihn so zart küssen konnten, dass er alles um sich herum vergaß. Seine warme, tiefe Stimme, die ihm immer liebevolle Dinge ins Ohr raunte und ihm eine wohlige Gänsehaut verursachte.

Eric seufzte schwer. »Komm zurück zu mir, Darling«, flüsterte er in den Raum. »Du fehlst mir so.« Er hob sein Glas an die Lippen und trank mit kräftigen Schlucken, bis das Glas erneut leer war.

Plötzlich klopfte es an der Tür und er hörte Judys Stimme. »Lord Brown, wollen Sie nicht nach unten kommen und mit uns feiern? Das Wetter ist wundervoll und dem Ball fehlt etwas ohne Sie … Sie fehlen, My Lord.« Die letzten Worte sprach Miss Lancaster sehr leise.

Eric seufzte und stellte die Karaffe auf dem Boden neben dem Sessel ab. »Bitte kommen Sie doch einmal herein, Judy«, meinte er daraufhin.

Langsam öffnete Miss Lancaster die Tür und trat ein. Eric winkte sie zu sich. Judy hatte sich heute extra hübsch gemacht, ihr braunes Haar war kunstvoll frisiert und Locken umspielten ihr ovales Gesicht. Das pfirsichfarbene Kleid mit der weißen Spitze stand ihr hervorragend und ihr blumiges Parfüm war nur dezent aufgetragen. Als sie dann vor Eric stand, sah er auf zu ihr und ein Funkeln erschien in seinen blauen Augen. »Ich fehle Ihnen also, Judy?«

Ihre Wangen wurden feuerrot und sie senkte verschämt den Blick, doch sie nickte.

Eric stand auf, hob sanft ihr Kinn an und sah in ihre braunen Augen. »Sie mögen mich also? Mehr, als Sie es in Ihrer Position eigentlich dürften?«

Erneut nickte Judy, doch diesmal sah sie Eric fest in die Augen. »Ich habe Sie in mein Herz geschlossen, Lord Brown. Sie und ihren Sohn.«

Eric nickte. »Ich verstehe.« Er setzte sich wieder und blickte nachdenklich zum Fenster. »Nun gut, geben Sie mir noch ein paar Minuten, dann werde ich da sein.«

Judys Gesicht erhellte sich und sie machte einen Knicks. »Das freut mich sehr, My Lord. Ich werde es Vincent sagen, er wird sich auch sehr freuen.« Damit verließ sie schnell das Zimmer.

Als Eric wieder alleine war, seufzte er laut und konnte nicht glauben, was er Judy soeben versprochen hatte, aber die Idee, die ihm gerade gekommen war, setzte sich hartnäckig in ihm fest. Mit Widerstand rechnete er nicht, eher mit freudiger Überraschung und es gab keinen besseren Moment dafür als heute, warum also nicht?

Eric stand auf und brachte die Karaffe und sein Glas zurück zur Anrichte, dann zögerte er einen Moment, bevor er sein Jackett anzog. Er griff in seine Westentasche und zog Jelanis Bild hervor. Lange und eingehend betrachtete er es und eine kleine Träne stahl sich aus seinem Auge. »Ich liebe dich«, flüsterte er und steckte die Fotografie wieder zurück in seine Tasche, schnappte sich seine Krawatte und sein Jackett und machte sich auf den Weg nach unten, zu seinen Gästen und seinem Ball.

Gerade als Eric bei der Treppe ankam, stand unten Anthony Forrester und blickte zu ihm hinauf. Er trug einen schwarzen Frack und einen Zylinder und seine grünen Augen bedachten ihn mit einem unergründlichen Blick. »Guten Tag Lord Brown. Welch Glück Sie hier alleine anzutreffen«, säuselte er.

Eric blieb am oberen Treppenabsatz stehen, fluchte verhalten und blitzte Anthony ärgerlich an. »Was zur Hölle suchst du hier? Eine Einladung hast du nicht bekommen. Wie bist du überhaupt ins Haus gekommen?«

»Ach, das war nicht weiter schwer. Ich bediente mich einer simplen Ausrede und schon ließ dein Butler mich durch. Der Gute wirkt irgendwie gestresst.«

»Verschwinde. Ich habe dir schon einmal klar gemacht, dass du hier nichts zu suchen hast. Schon gar nicht, nach unserem letzten Zusammentreffen.«

Langsam, Stufe für Stufe, kam Anthony auf Eric zu und lächelte. »Ja weißt du, genau deswegen bin ich ja hier.« Anthony lief weiter die Stufen hinauf, bis er dann vor Eric stand und ihm eine Hand auf die Schulter legte. »Ich wollte mich bei dir für mein Benehmen entschuldigen, ich weiß nicht, was da in mich gefahren war, vielleicht lag es am Alkohol oder am Opium, welches ich vorher geraucht hatte, jedenfalls tut es mir aufrichtig leid. Nimm nicht ernst, was ich da zu dir gesagt habe. Ich habe es nicht so gemeint. Wie könnte ich dir so etwas gemeines antun? Dafür bedeutest du mir zu viel.« Mit einem unschuldigen Blick sah er Eric dabei in die Augen. »Akzeptierst du meine Entschuldigung und vergisst die Sache? Ich schäme mich zutiefst dafür.«

Eric seufzte resigniert und schüttelte Anthonys Hand ab. »Wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst die Finger von dem Zeug lassen? Es ist nicht gut für dich.«

»Das ist nicht so einfach, und das weißt du auch«, raunte Anthony und sah ihn von unten heraus an.

Eric sah kurz nach unten, um sich zu vergewissern, dass niemand sie gesehen hatte, dann zog er Anthony am Arm mit sich in sein Arbeitszimmer und schloss die Tür hinter ihnen. »Was willst du von mir?«, fragte er dann mit Nachdruck und bedachte ihn mit einem verächtlichen Blick. Anthony Forrester war nichts als ein feiges Würstchen und er tat ihm leid.

Anthony druckste herum. »Ich … naja weißt du … ich … ich brauche Geld.«

»Aha.« Eric rollte genervt mit den Augen, das war ja klar gewesen. »Nach dem, was du dir in London geleistet hast, bist du tatsächlich der Meinung, ich würde dir Geld geben?« Er schnaubte amüsiert und schüttelte ungläubig den Kopf. »Deine Dreistigkeit ist nicht zu überbieten. Ich fasse es einfach nicht.«

Anthony griff nach Erics Arm und seine Finger krallten sich in den Anzugstoff. »Du bist der Einzige den ich fragen kann. Eric, du bist der Einzige, der immer für mich da war.«

»Vielleicht war das ein Fehler«, murmelte Eric ungehalten und riss sich von Anthony los. »Verdammt, lass mich doch endlich in Ruhe. Wie du siehst, habe ich heute überhaupt keine Zeit.«

»Bitte«, flehte Anthony ihn an an und wieder krallte er die Finger in seinen Arm. »Nur ein paar Pfund. Denk doch an meine Mutter, sie ist nicht mehr die Gesündeste, weißt du … Ein Arzt kostet viel Geld.«

»Dann such dir Arbeit, das täte dir zur Abwechslung ganz gut«, raunte Eric unwirsch und lief zu seinem Schreibtisch, öffnete eine Schublade und holte einen Scheck hervor. Er griff nach Tinte und Feder und füllte den Scheck aus, den er Anthony dann vor die Füße warf. »Jetzt nimm das und verschwinde von hier, und komm mir nicht noch einmal unter die Augen. Du wirst kein Geld mehr von mir bekommen, hast du das verstanden?« Dabei sah er ihm eindringlich an. Als Anthony eifrig nickte, sich bedankte und sich dann nach dem Scheck bückte, verließ Eric sein Arbeitszimmer und versuchte seinen Ärger über Anthony Forrester hinunterzuschlucken. Ihn beschlich das dumpfe Gefühl, dass der ihm so schnell keine Ruhe lassen würde, auch wenn er dies inständig hoffte.

 

* * *

 

Unten angekommen, ließ er nach Judy Lancaster schicken und bestellte eine Flasche Champagner und zwei Gläser ins Studierzimmer. Er betrat den großen, in dunklem Holz gehaltenen Raum, lief zu einem großen Gemälde, welches eine Jagdszene mit Pferden und Hunden zeigte, und schob dieses vorsichtig beiseite. Dahinter befand sich ein kleiner Wandtresor. Eric gab die Kombination des Zahlenschlosses ein und öffnete ihn, holte ein kleines Kästchen daraus hervor, klappte es auf und betrachtete den Diamantring darin. Seufzend entnahm er ihn und steckte den Ring in die Tasche seines Jacketts. Er ging zum Fenster und blickte nachdenklich hinaus in den Garten, wo die Gesellschaft lachte, tanzte und sich prächtig amüsierte. Vincent spielte mit einigen anderen Kindern, die mit ihren Eltern zu Gast waren und wirkte glücklich und froh. Ein kleines Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht.

Die Tür wurde geöffnet und ein Bediensteter in Livree schob einen kleinen Wagen mit einem Sektkübel und Gläsern darauf herein. »Miss Lancaster wird gleich hier sein, My Lord«, richtete er Eric aus, verbeugte sich und ging dann wieder.

Eric lief zu dem Wägelchen, öffnete die gut gekühlte Champagnerflasche und goss die beiden Gläser voll. In dem Moment klopfte es, die Tür wurde erneut geöffnet und Judy betrat den Raum. Eric straffte den Rücken und betrachtete sie eingehend. Ja, sie war wirklich eine außerordentlich hübsche Frau. Einfach perfekt.

Ihre großen braunen Augen blickten ihn fragend an. »Sie wollten mich sprechen, Lord Brown?«

Eric nickte und schluckte dann nervös. Wollte er das wirklich tun, oder war diese Kurzschlusshandlung doch keine so gute Idee? Wenn er jetzt weitermachte, gab es kein Zurück mehr. Einen Moment lang schloss er die Augen und dachte nach, doch dann räusperte er sich und sah Judy lächelnd an. »Nun, Judy Lancaster, vielleicht haben Sie mit so etwas gerechnet, vielleicht aber auch nicht. Ihnen dürfte jedoch nicht entgangen sein, dass ich Ihnen sehr zugetan bin.« Er biss sich nervös auf die Lippen und holte den Ring hervor. »Ich … ich möchte Sie hiermit um Ihre Hand bitten.« Damit hielt er ihr den Ring hin, ging vor ihr auf die Knie und lächelte kläglich.

Judy schnappte überrascht nach Luft und wedelte sich mit der Hand Luft zu. »O Lord Brown, Sie … ich … Das …«, stammelte sie und suchte verzweifelt nach irgendeinem Halt.

Mit einem Satz sprang Eric auf und war bei ihr, um sie zu stützen. Er ärgerte sich über sich selbst und seine rüde Art, einfach mit der Tür ins Haus zu fallen. Jetzt hatte er Judy dermaßen aus der Fassung gebracht, dass sie in Ohnmacht zu fallen drohte. »Kommen Sie, setzen Sie sich«, raunte er und führte Judy zu einem Stuhl bei dem großen Tisch, an dem Vincent immer saß und lernte. Als Judy Platz genommen hatte, sah er sie besorgt an. »Geht es wieder?«

Judy nickte. »Etwas zu trinken, bitte.«

Sofort lief Eric zu dem Servierwagen, holte die Gläser mit dem Champagner und reichte ihr eines davon. »Entschuldigung, aber ich habe nur den Champagner hier.«

»Der geht schon«, presste sie hervor und kippte das Glas auf einmal hinunter.

Eric staunte nicht schlecht, als er das sah und schmunzelte. »Passen Sie auf, dass Sie sich nicht verschlucken«, zog er sie auf.

Judy stellte das Glas auf dem Tisch ab und blickte Eric mit einem verschmitzten Lächeln an. »Sie sind ein ganz Schlimmer, Lord Eric Brown«, gab sie nur leise zurück und hielt ihm dann die linke Hand hin, damit er ihr den Ring aufstecken konnte. »Aber ich nehme Ihren Antrag natürlich mit Freuden an.«