Weil dein Herz zu mir spricht

Aileana Blair · Kapitel 13 von 15

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Weil dein Herz zu mir spricht

Kapitel 13

 

»Wie macht sich der neue Stallmeister?«, wollte Eric von Bennett wissen, während sie zusammen mit Vincent und Judy in der Kutsche saßen. Es war ein heißer Junitag und sie befanden sich auf dem Weg zum Royal Turf, einer großen Rennbahn, auf der heute ein wichtiges Pferderennen stattfand und er konnte sich kaum an Jelani satt sehen, der in einem neuen Anzug neben ihm saß und richtig adrett aussah.

Jelani schmunzelte. »Collins macht sich recht gut. Er versteht etwas von seinem Job und er kommandiert die Burschen wie ein Feldwebel herum. Er ist eindeutig strenger, als ich es war.«

»Behalten Sie ihn im Auge, ich muss wissen, ob er was taugt.«

»Jawohl My Lord.«

»Jelani, zeigst du mir morgen wieder, wie man Geige spielt?«, fragte Vincent und sah Bennett dabei bittend an. »Ich glaube, ich hab fast alles vergessen, was du mir schon beigebracht hast.«

Eric lachte amüsiert und Jelani antwortete: »Na klar, kleiner Lord Vincent. Ich bin sicher, dass ich zwei Stunden morgen erübrigen kann, um mit dir zu üben.«

»Gefällt Ihnen denn die neue Arbeit?«, wollte jetzt Judy wissen. »Und wie lebt es sich in Ihrem neuen Haus?«

»Die neue Arbeit gefällt mir sehr gut, vor allem weil ich deutlich mehr verdiene. Aber in meinem neuen Zuhause fühle ich mich doch etwas einsam.«

»Dann sollten wir Sie oft besuchen kommen«, entgegnete Judy und lächelte Eric an. »Nicht wahr?«

Der nickte. »Genau. Aber Mr. Bennett ist auch jederzeit in Stilton House willkommen.« Mit einem bedeutvollen Blick schaute er ihn an.

Jelani betrachtete Eric einen Moment. »Das ist gut zu wissen«, meinte er dann leise.

»Und wenn Jelani dann bei uns ist«, rief Vincent fröhlich, »dann kann er mit mir spielen!«

Eric zog seinen Sohn zu sich auf den Schoß, gab ihm einen Kuss auf die Wange und strich ihm das Haar aus der Stirn. »Genau. Dann wird er mit dir spielen.« Wieder lächelte er Jelani an.

Judy räusperte sich. Irgendwie war die Atmosphäre in der Kutsche seltsam. Sie spürte, dass irgendetwas nicht so war, wie es sein sollte. »Welche deiner Pferde starten denn heute?«, fragte sie Eric, nur um eine Unterhaltung in Gang zu setzen, bei der sie mitreden konnte.

»Heute gehen die zwei neuen an den Start. Sie wurden in den letzten Wochen gut trainiert.«

»Das sind aber Mr. Bennetts Pferde.«

»Nun, dann geht wohl keins von meinen an den Start. Black Thunder startet erst nächstes Jahr.«

»Black geht nächste Saison unter meinem Namen, Eric«, erinnerte Bennett ihn daran, dass das Pferd jetzt ihm gehörte.

»Ach ja, richtig. Er gehört ja jetzt dir.«

Die beiden fachsimpelten noch eine Weile, redeten über Pferde, Verträge und die nächsten Auktionen, zu denen sie gehen wollten und Judy wunderte sich über die Vertrautheit der beiden miteinander. Sie kniff die Lippen zusammen und schaute aus dem Fenster in die vorbeiziehende Landschaft. Sie kam sich gerade so überflüssig vor, wie ein fünftes Rad am Wagen.

Kaum hatten sie einen der guten Plätze auf den Rängen erwischt und saßen, da erschien Anthony Forrester auf der Bildfläche. »Dachte ich es mir doch, dass ich dich heute hier antreffe«, begrüßte er Eric und lächelte in die Runde. »Ah, Miss Lancaster«, rief er freudig aus, nahm ihre behandschuhte Hand und hauchte einen Kuss darauf. »Sie sehen heute wirklich bezaubernd aus.«

Judy überlegte einen Moment, dann fiel ihr wieder sein Name ein. »Mr. Forrester. Wie schön, Sie wiederzusehen.«

Eric blickte finster drein und wünschte ihn zum Teufel. »Was zur Hölle tust du hier?«, fragte er schroff.

»Na was wohl«, erwiderte Anthony betont fröhlich. »Ich versuche beim Pferderennen ein paar Pfund zu gewinnen.« Daraufhin sah er zu Jelani und lächelte ihn kalt an. »Sind Sie nicht der Stallbursche des Lords?«

Jelani räusperte sich, warf einen kurzen Blick zu Eric und sah dann Anthony fest in die Augen. »Ja, ich war bei Lord Brown Stallmeister gewesen. Doch ich habe mich vor kurzem beruflich umorientiert. Und wer sind Sie noch mal? Ich glaube, wir kennen uns noch nicht.«

Schnell ging Eric dazwischen. »Das ist auch gar nicht nötig. Mr. Forrester wird uns wieder verlassen, sein Platz ist nämlich weiter dort unten.« Dabei zeigte er auf die Stehplätze.

Ärgerlich funkelten Anthonys grüne Augen und er ging langsam zu Eric, beugte sich hinunter und raunte ihm ins Ohr: »Mach nur weiter so, dann wirst du sehen, was du davon hast.«

Lächelnd erhob er sich wieder. »Ich lasse Sie dann jetzt das Rennen genießen. Wir treffen uns bestimmt irgendwann zu einem gemütlichen Plausch.« Er bedachte Jelani mit einem eiskalten Blick, bevor er ging.

Jelani sah zu Eric. »Was hat der Mann nur für ein Problem? Ist das nicht der Herr, der letztens in London vehement darauf bestanden hatte, mit dir zu sprechen?«

»O Paps schau«, rief da plötzlich Vincent. »Die Pferde kommen auf die Bahn.«

Eric schluckte das aufkeimende Unbehagen hinunter, beugte sich zu Jelani und antwortete: »Nicht jetzt. Ich erkläre dir das später.« Sein Herz klopfte in der Brust und Angst wollte sich seiner bemächtigten. Anthony war nicht nur zu einem kleinen gemütlichen Plausch vorbeigekommen, Eric hatte die Wut in seinen Augen gesehen und er war sich sicher, dass er diesmal gewaltigen Ärger machen würde.

Nach dem Rennen hatte er den Zwischenfall mit Anthony schon fast vergessen, denn eines der neuen Pferde von Bennett hatte haushoch gewonnen. Anscheinend besaß dieser wirklich einen guten Riecher, was Pferde anging, und hatte sich ein Spitzentier in den Stall geholt. Ausgelassen stießen sie mit Champagner an, feierten dieses Ereignis und Jelanis beachtlichen Gewinn gebührend. Danach fuhren Miss Lancaster und Vincent zurück aufs Land, während Eric und Jelani noch in London blieben.

Sie machten sich auf den Weg zu seinem Club, in dem er schon eine ganze Weile nicht mehr gewesen war. Dort stellte er Jelani einigen seiner Freunde als neuen Geschäftspartner vor und als ernsten Konkurrenten im Rennpferdebusiness.

Bennett wurde mit gutem Whisky empfangen. Man fragte ihn aus, über seine Herkunft und über den Krieg im fernen Amerika. Er antwortete ausweichend, gab nur das Nötigste preis und erklärte, dass er vom Krieg da drüben keine Ahnung hatte, da er das Land verlassen hatte, kurz bevor der Norden in den Süden einfiel. Dafür fing er an, von Pferden zu erzählen und gab einige Anekdoten aus der Zeit auf der Farm seines Vaters zum Besten. Er verstand es vortrefflich, die Gesellschaft zu unterhalten und das Gespräch geschickt in andere Bahnen zu lenken, wenn es für ihn zu heikel wurde.

Eric schmunzelte, da sich wieder eine von Jelanis Qualitäten zeigte, von der er bis jetzt keine Ahnung gehabt hatte. Er genoss den Abend, sie tranken und rauchten, unterhielten sich, spielten Karten oder Billiard und hatten viel Spaß. Ungeheuer viel Spaß.

Eric beschloss, dass sie die Nacht in der Villa hier in London verbrachten und nicht den langen Weg zurück nach Stilton House machten. Jelani war einverstanden, da beide ziemlich angeheitert waren, ständig die Blase erleichtern mussten und dies außerdem die Aussicht auf ein weiteres, ungestörtes Schäferstündchen bot. So verabschiedeten sie sich spät am Abend und liefen die paar Meter zum Trafalgar Square, um sich eine Droschke zu besorgen.

Beim Haus angekommen, holte Eric den Ersatzschlüssel aus seinem Versteck im Blumenkübel und wollte aufschließen. Plötzlich schnaubte er und schaute zu Jelani. »Ich glaube Barnes wird langsam alt, die Tür ist nicht abgeschlossen. Er muss es vergessen haben, als wir das letzte Mal hier waren. Ich kann von Glück sagen, wenn niemand das Haus ausgeraubt hat.«

Jelani fing an zu kichern. »Ich stelle mir gerade sein entsetztes Gesicht vor, wenn du ihn deswegen tadelst. Erst wird sein Hals rot, dann sein Kinn, seine Wangen und dann ist das ganze Gesicht puterrot bis zu den Ohren.« Er prustete laut los als sie durch die Tür ins Haus schlüpften, den Schlüssel ins Schloss steckten und absperrten. Es war dunkel. Nur etwas Licht von den schwachen Gaslaternen der Straße drang durch die schmalen Fenster neben der Eingangstür. Kaum war die verschlossen, schnappte Eric sich Jelani und küsste ihn, drängte ihn gegen die Tür und schob seine Arme über den Kopf. Eric hielt sie dort fest, während er weiter diese seidigen, weichen Lippen bearbeitete. »Endlich alleine mit dir, Darling. Ich habe es kaum noch ausgehalten.« Dabei rieb er seinen Unterleib aufreizend an ihm und seine Erregung wuchs mit jeder Sekunde.

»Und was ist mit den Einbrechern?«, japste Jelani, der kaum Luft bekam durch Erics Ungestümheit.

»Ach, das kann warten«, gab der atemlos zur Antwort und rieb mit der Hand Jelanis Schritt. »Aber meine Lust nach dir nicht.«

»Du bist aber stürmisch, mein Schatz«, erwiderte der darauf. »Nicht einmal meinen Gehrock konnte ich auszieh –«

Mit einem kräftigen Ruck hatte Eric den Gehrock aufgerissen und die Knöpfe sprangen meterweit nach allen Seiten durch die Eingangshalle. Er zerrte das Kleidungsstück von Jelanis Schultern und schleuderte es einfach in eine Ecke. Dann entledigte er sich seines eigenen Mantels, der ebenfalls in einer dunklen Ecke landete.

»O Lord Brown«, raunte Jelani. »Du kannst es wirklich kaum erwarten.« Dabei räkelte er sich aufreizend, um ihn noch heißer zu machen.

»Da siehst du, was du mit mir anstellst«, knurrte Eric atemlos. »Immer muss ich mich zusammenreißen. Darf dich nicht auf diese gewisse Weise ansehen, dich nicht einfach berühren, wenn mir danach ist, muss auf meinen Tonfall achten und auch darauf, wie ich mit dir spreche.« Er öffnete Jelanis Weste und das Hemd, seine Hand fuhr darunter und er streichelte die glatte Haut. »Da darf ich doch wohl auch mal ein wenig Ungeduld an den Tag legen, wenn wir endlich alleine und ungestört sind.«

»Ich liebe es, wenn du so herrlich ungezügelt bist«, meinte Jelani mit vor Erregung heiserer Stimme. Sein Atem ging mittlerweile stoßweise und sein Unterleib drängte sich Erics entgegen. Er packte dessen Hintern und krallte seine Finger hinein.

Eric stöhnte auf und widmete sich Jelanis Hals. Mit den Fingern fummelte er an seiner Hose herum, öffnete die Knöpfe und zog sie samt der Unterhose über die Hüften. Jelanis voll erigiertes Glied sprang ihm entgegen und bei diesem Anblick entkam ihm erneut ein tiefes Stöhnen. Eric ging vor ihm auf die Knie und sah zu ihm auf. Schon nahm er die Spitze zwischen seine Lippen und fing an, dieses Prachtstück von einem Phallus mit Zunge und dem Mund zu bearbeiten.

Ein Seufzen kam aus Jelanis Kehle und er legte die Hände um Erics Kopf. Sanft fuhr er mit den Fingern durch sein dunkelblondes Haar und schob sich immer wieder in seinen feuchten, warmen Mund. »Kann auch am Alkohol liegen«, brachte er keuchend hervor. »Wir haben ziemlich viel getrunk– « Plötzlich zog er zischend die Luft ein, stieß einen erstickten Schrei aus, als Eric etwas mit seiner Zunge und den Zähnen dort machte. »O Gott Eric, willst du mich um den Verstand bringen?«

Der entließ ihn aus seinem Mund und antwortete lächelnd: »Genau das hatte ich vor, Darling.« Da ergriff er Jelanis Hüften und drehte ihn um, so dass er nun mit dem Gesicht zur Tür stand.

»Was hast du vor?« Jelanis Stimme klang irgendwie gequält, belegt vor Wolllust.

»Welch grandiose Vorstellung«, hörten sie plötzlich Anthony Forresters Stimme, der am Treppengeländer stand und einen Kandelaber in der Hand hielt, um den Eingangsbereich zu erhellen. »Besser als jedes Theaterstück, das ich jemals gesehen habe. Und weitaus prickelnder. Es hat schon einiges an Selbstdisziplin gekostet, um mich nicht einfach zu euch zu gesellen und mitzumachen.«

Eric schnellte herum, während Jelani sich hastig die Hose hochzog. Völlig überrascht sahen sie zu Anthony, der den Kandelaber auf einer Treppenstufe absetzte und dann ein paar Mal in die Hände klatschte und applaudierte. »Das wäre dann jetzt das zweite Mal, dass ich euch beide in Aktion gesehen habe, und ich muss sagen, seit dem letzten Mal seid ihr viel besser geworden. Lockerer, scheut euch vor nichts. Wunderschön obszön seid ihr zwei.« Dabei veränderte sich sein Blick, wurde lüstern und die grünen Augen funkelten gefährlich.

In Eric stieg blanke Wut hoch. Er ballte die Hände zu Fäusten und zischte: »Was zur Hölle suchst du hier? Das ist Hausfriedensbruch. Ich werde die Polizei holen, die wird sich deiner annehmen. Langsam habe ich wirklich die Schnauze voll von dir.«

Anthony schnalzte mit der Zunge und schüttelte den Kopf. »Das ist kein Hausfriedensbruch, mein lieber Eric. Ich bin mit dem Ersatzschlüssel hereingekommen. Wer außer dir könnte mir wohl verraten haben, wo der liegt?«

»Du verfluchter Saukerl«, rief Eric da und war mit einem Satz bei ihm. »Wie oft muss ich dir eigentlich noch sagen, dass du mich endlich in Ruhe lassen sollst.« Er packte Anthony am Kragen und schüttelte ihn.

Doch der lachte nur und riss sich mit einem Ruck von ihm los. »Es ist noch gar nicht so lange her, da hast du mich angebettelt, dir deinen Schwanz zu lutschen. Und du konntest nicht genug davon bekommen.«

»Halt den Mund«, rief Eric, hob die Faust und wollte ihm eine verpassen.

Doch Anthony hatte damit gerechnet und machte einen Satz zur Seite, wich so Erics Hieb aus, der darauf ins Leere ging. »Das werde ich nicht tun. Soll dein Loverboy hier doch ruhig wissen, mit wem du es sonst noch so treibst. Und es wäre sehr nett, wenn du endlich aufhören würdest, mich zu schlagen. Sonst sehe ich mich gezwungen, zurückzuschlagen und glaube mir, dieses Echo wirst du nicht gut vertragen.« Anthonys Stimme nahm einen gefährlichen Unterton an und das Lachen verschwand von seinem Gesicht. »Aber eigentlich bin ich gar nicht hier, um mich mit dir zu streiten. Ich will nur meinen Rivalen loswerden.« Dabei blickte er zu Jelani, der immer noch an der Tür stand und die ganze Szene still beobachtete.

»Deinen Rivalen?«, rief Eric völlig empört. »Bei dir müssen wirklich sämtliche Schrauben locker sein. Zum letzten Mal Anthony, verlass auf der Stelle mein Haus. Noch einmal werde ich dich nicht so höflich darum bitten.«

»Erst, wenn ich mit dem da fertig bin.« Er zeigte auf Jelani, stürmte unvermittelt los und stürzte sich mit einem Schrei auf ihn. Er packte ihn am Kragen, doch Jelanie wehrte sich nach Kräften gegen den Zugriff. Anthony bekam ihn nicht richtig zu fassen. Schon war Eric hinter ihm, legte den Arm um seinen Hals, drückte zu und zog ihn von Jelani fort. »Verdammt Tony, reiß dich zusammen«, rief er aufgebracht.

Anthony jedoch strampelte und wand sich in Erics Griff. »Du drückst mir die Kehle zu«, krächzte er.

Völlig entsetzt starrte Jelani Eric an. »Was zum Teufel bedeutet das alles?« Damit nickte er in Richtung Anthony. »Wieso ist er so wütend auf mich, ich habe ihm nie etwas getan, ich kenne ihn ja nicht einmal.«

Eric ging nicht auf seine Fragen ein. »Öffne die Tür und geh zur Seite, Jelani«, presste er hervor und hatte seine Mühe mit Anthony, der sich vehement zur Wehr setzte. Er drückte mit seinem Arm fester zu und schob Anthony vorwärts. Der bekam kaum Luft, krächzte unartikuliert und versuchte, den Arm um seinen Hals zu lockern.

Jelani tat, wie geheißen und drehte den Schlüssel im Schloss, doch bevor er die Tür öffnen konnte, schrie Eric auf. Ein brennender Schmerz flammte plötzlich in seinem Unterarm auf und der Ärmel seines Seidenhemdes färbte sich langsam rot. Vor Schmerz und Überraschung zog er reflexartig den Arm weg und Anthony war wieder frei. Er hielt ein Klappmesser in der Hand und richtete es auf Eric.

»Mein Arm«, rief der und schaute ungläubig in Anthonys Augen. »Du hast mich geschnitten, du verdammter Bastard.«

»Ja genau«, schrie er zurück. »Und ich hoffe, es tut ordentlich weh. Leider wird die Wunde nicht halb soviel schmerzen, wie mein Herz.« Ein verzweifelter Ausdruck stand in Anthonys Augen und verbissen hielt er das Messer fest. Er sah zu Jelani, der an der Tür stand und sich nicht regte, um ihn nicht noch mehr zu provozieren. Sein Blick glitt zurück zu Eric. »Warum kannst du mich nicht lieben?« Wieder sah er zwischen Eric und Jelani hin und her. »Bedeute ich dir nach all der Zeit wirklich gar nichts? Ich habe dich doch immer zufriedengestellt – in allem, es gab keine Tabus für uns. Und wir hatten doch auch Spaß zusammen. Im Club, beim Spiel oder wenn wir zusammen beim Pferderennen waren, hatten wir da nicht unseren Spaß? Zwei Jahre lang habe ich mich dir hingegeben und schlussendlich in dich verliebt. Ich kann es nicht ändern. Wenn du mich nur ansiehst wird mir heiß und kalt zugleich, wenn du mich berührst, dann schmelze ich dahin und dein Kuss ist wie der Himmel für mich. Ich liebe dich. Eric ich liebe dich.« Dabei liefen Tränen über sein Gesicht.

Eric presste eine Hand über die blutende Wunde an seinem Arm und blitzte ihn wütend an. »Und weil du mich so sehr liebst, rammst du mir ein Messer ins Fleisch? Du hast eine seltsame Art, mir das zu zeigen.« Sein Blick huschte kurz zu dem Messer in Anthonys Hand. »Gib mir das Messer.« Darauf streckte er seine blutverschmierte Hand aus und hoffte, dass Anthony wieder zur Vernunft kam.

»Ich will doch nur, dass du mich auch liebst. So wie ihn.« Dabei zeigte er mit dem Messer auf Jelani. »Ich will nur einmal so von dir angesehen werden, wie du ihn immer ansiehst.« Schmerzlich verzog Anthony das Gesicht.

Eric presste seine Hand wieder über die Wunde, um den Blutfluss aufzuhalten, und erwiderte: »Ich liebe dich aber nicht. Ich kann dich nicht lieben, warum verstehst du das denn nicht?« Seine Stimme war leise, vernunftgebietend. »Wie könnte ich das auch, für mich warst du nie mehr, als ein geschäftliches Arrangement. Herrgott, ich habe dich dafür bezahlt, dass du mir zu Willen bist. Ich dachte du bist professionell genug dazu.« Erneut hielt er ihm die Hand hin. »Und jetzt gib endlich das Messer her, bevor du dich unglücklich machst.«

Anthony lachte bitter auf. »Unglücklich! Das bin ich doch schon längst, Eric. Ich spüre schon lange, dass du dich von mir abgewandt hast, aber ich dachte immer, es bestünde noch Hoffnung. Solange ich der Einzige für dich gewesen war – ob bezahlt oder nicht –, solange hatte ich noch Hoffnung.« Sein Blick ging zu Jelani, der still bei der Tür stand und alles mitanhörte. Wieder zeigte sich das gefährliche Glitzern in Anthonys Augen. »Aber dann taucht er hier auf, dieser dunkle junge Kerl aus dem fernen Amerika, und du bist Hin und Weg von ihm.« Langsam bewegte er sich auf Jelani zu und sah ihm direkt ins Gesicht. »Warum verschwindest du nicht einfach wieder dahin, wo du hergekommen bist?«, fauchte er ihn herausfordernd an. Er baute sich vor Jelani auf und bedrohte ihn mit dem Messer. Der wich zurück, soweit er konnte und presste sich angstvoll an die Tür. Er konnte nicht entkommen. »Nur wegen dir«, zischte Anthony. »Alles nur wegen dir, du verdammter –«

»Lass ihn in Ruhe«, rief Eric und sah rot. Er stürzte sich auf Eric, packte ihn am Schopf und riss ihn zurück. Anthony schrie auf vor Schmerz und wirbelte herum. Dabei traf er Eric mit dem Messer am Oberarm. Der Stoff wurde durchschnitten und die Klinge zog sich tief durch Erics Haut. Blut quoll sofort aus der Wunde, Eric schrie vor Schmerz und sprang zurück. »Anthony, du bist ja wahnsinnig«, stieß er hervor. »Los, gib mir das Messer und ich vergesse das alles. Ich blute, tropfe die ganze Eingangshalle voll, falls du es noch nicht bemerkt hast. Ich muss zu einem Arzt und genäht werden.« Angst und Panik schwangen jetzt in Erics Stimme mit, denn es stimmte ja, er verlor immer mehr Blut.

Wie gebannt sah Anthony auf das rote Nass, welches an Erics Armen hinablief und auf den Boden tropfte. »Rot«, raunte er gedankenverloren. »So rot, wie deine Lippen nach einem Kuss.« Langsam bewegte er sich auf ihn zu. »Jetzt weiß ich es Eric, wenn ich dich nicht haben kann, dann soll dich auch kein anderer haben.« Seine grünen Augen funkelten, er hob die Hand mit dem Messer und mit einem Satz stürzte er sich auf Eric.