Weil dein Herz zu mir spricht

Aileana Blair · Kapitel 10 von 15

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Weil dein Herz zu mir spricht

Kapitel 10

 

Black Thunders Energie war für Eric schwer in Schach zu halten, doch der Hengst musste ordentlich bewegt werden. Da Jelani nicht mehr hier war, übernahm Eric dies nun und er fand, dass er das Pferd ganz gut im Griff hatte. Nicht zuletzt dank seines Bruders, der mit ihm zusammen ausritt und auch in gestrecktem Galopp über Wiesen und Felder an seiner Seite blieb.

Es war ein grauer, nebliger Tag und dunkle Wolken kündigten Regen an. Gemächlich ritten Eric und sein Bruder durch ein Waldstück, als Jasper anfing, ihn aufzuziehen. »Ich bin gestern aus allen Wolken gefallen, als du auf dem Ball die Verlobung mit Miss Judy bekannt gegeben hast. Ich dachte, du wolltest dir Zeit lassen?«

»Jasper, ich habe noch jede Menge Zeit. Glaube mir, ich werde das Verlobungsjahr auf den Tag genau einhalten und wahrscheinlich noch darüber hinaus mit der Hochzeit warten.«

Jasper seufzte und rollte mit den Augen. »Immer eine Ausrede parat, was Brüderlein?«

Eric lachte laut. »Hauptsache du und Mutter seid zufrieden.« Er zwinkerte ihm zu und wollte wissen: »Wie steht es denn mit dir und Mary? Immer noch so begeistert, sie zu ehelichen?«

Jasper bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick. »Willst du mich etwa fertig machen?«

Eric lachte schallend und scheuchte damit einige Vögel auf, die zwitschernd davon flogen. »Ich dachte, deine Liebe für Mary wäre so groß, dass sie sogar dem Stress der Hochzeitsvorbereitungen standhält. Es scheint mir, diese Liebe schwindet von Tag zu Tag.«

Jasper brummte missmutig. »Mach dich nur lustig über mich. Mary und ihre Mutter werden immer nerviger. Ich halte es bald nicht mehr aus und könnte deine Hilfe brauchen. Aber was machst du?« Vorwurfsvoll sah er seinen Bruder dabei an. »Du lachst über mich, anstatt mir zu helfen.«

Eric versuchte sein Grinsen zu unterdrücken, ohne Erfolg. »Ich habe dich damals gewarnt, aber wer nicht hören will«, meinte er noch leise und ließ es damit gut sein.

Jasper stöhnte auf. »Was ist nur mit den Frauen, dass sie so versessen auf die Heirat sind? Auf diesen Ring am Finger … Ich verstehe es nicht.« Er nickte gedankenverloren. »Du hattest wirklich recht, mein lieber Bruder, Männer sind für die Ehe nicht geschaffen. Auch nicht für den Stress, der schon vor der Hochzeit beginnt.« Mit hängenden Schultern saß er im Sattel und blickte traurig vor sich hin.

Eric zügelte Black, ergriff die Zügel von Jaspers Pferd und zwang auch ihn zum Halt. »Du liebst Mary. Das ist ein Vorteil Jasper und ein feiner Unterschied.« Eindringlich sah er ihm in die Augen. »Ich liebe Judy nicht, sondern habe ihr nur einen Antrag gemacht, weil das alle von mir erwarten. Ich werde in dieser Ehe genauso wenig glücklich werden, wie sie.«

Jasper sah ihn ernst an. »Warum suchst du dir dann nicht eine Frau, die du lieben kannst?«

»Du weißt genau, dass ich das niemals kann«, konterte Eric. »Ich werde Judy respektieren und loyal ihr gegenüber sein, schließlich wird sie meine Frau und die Herrin von Stilton House sei, doch ich werde sie niemals lieben können. Mein Herz ist schon vergeben.« Schnell blickte er weg, drehte den Kopf zur Seite und holte tief Luft. »Du weißt ja –«

»Willst du etwa behaupten, du liebst diesen schmierigen Kerl, den du auf dem Ball der Arlingtons verdroschen hast?«, erwiderte Jasper fassungslos.

»Um Gottes Willen«, entfuhr es Eric. »Nein … nein.« Er wandte sich wieder seinem Bruder zu und sah ihn bekümmert an. »Er ist nur … nur eine Art …«

Jasper hob die Hand und bedeutete ihm still zu sein. »Schon gut, ich verstehe. Ich will das alles gar nicht wissen. Ich bitte dich nur, steh mir bei, was Mary betrifft, schließlich bist du mein Bruder.« Damit ritt er los.

Grinsend sah Eric ihm einen Moment nach, bevor er ihm dann mit Black folgte.

* * *

 

Zwei Wochen später reiste Eric für ein paar Tage nach London, um dort dringliche Geschäfte zu regeln. Nur Barnes begleitete ihn, Judy und Jasper blieben auf dem Land, um sich während seiner Abwesenheit um Vincent und die Pferde zu kümmern. Eric wollte an einer großen Pferdeauktion teilzunehmen und sich ein wenig Zerstreuung suchen, denn ihm fiel sprichwörtlich die Decke auf den Kopf und Stilton House engte ihn mehr und mehr ein. Dies lag wohl auch an der Tatsache, dass er Jelani Bennett immer noch sehr vermisste. Mit jedem Tag den er fort war, wurde seine Sehnsucht nach ihm größer und er fand keinen Schlaf mehr. Manchmal erwachte er aus Träumen, an die er sich zwar nicht mehr genau erinnerte, die in ihm aber ein zutiefst trauriges Gefühl hinterließen, einen Schmerz im Herzen, der ihm die Tränen in die Augen trieb. Und er vermisste Jelani nur noch mehr.

Eric holte das Bild aus seiner Westentasche hervor und betrachtete es. Wie seinen Augapfel hütete er diese Fotografie, auf der Jelani zu sehen war – sein Jelani, der ihm entgegenlachte und ihm zuzuflüstern schien. Bevor er es wieder zurück in die Tasche tat, küsste er es, danach sah er mit Tränen in den Augen aus dem Kutschfenster. Das Rumpeln der Räder und die leichte Schaukelbewegung lullten ihn nach einer Weile ein und im Halbschlaf träumte er von Jelani.

Bei seiner Stadtvilla angekommen, stieg er aus, streckte sich und meinte dann zu Barnes: »Bitte kümmern Sie sich doch um das Gepäck und richten Sie alles her. Ich werde einen kleinen Spaziergang unternehmen. Die Köchin, die ich eingestellt habe, müsste auch bald erscheinen. Weisen Sie sie bitte gut ein.« Damit übergab er seinem Butler die Schlüssel für das Haus und schlenderte davon.

»Jawohl My Lord«, erwiderte Barnes und schnappte sich eine Tasche und einen Koffer, um sie ins Haus zu tragen.

Eric lief ziellos in den Straßen Londons umher. Das Wetter war heute angenehm und frühlingshaft warm, auch wenn die Sonne oft von Wolken verdeckt wurde. Lange konnte es jetzt nicht mehr dauern, bis die Sommerhitze losging.

Nach einer Weile blieb Eric stehen, sah sich um und stellte fest, dass er im Hafenviertel angelangt war. Er hielt inne und überlegte, ob er nicht besser von hier verschwinden sollte, das war nicht gerade die geeignete Gegend für einen feinen Herren wie ihn. Es stank nach altem Fisch und abgestandenem Flusswasser. Durch die Maschinen und die Arbeiter, die sich ständig etwas zuriefen, war es extrem laut. Aus den Schornsteinen des nahegelegenen Industriegebietes stieg Rauch und Russ auf, der den Himmel grau färbte und die Luft verpestete.

Dann fiel Eric ein, dass hier in der Gegend die Wohnung von Anthony Forrester lag. Er fragte einen der Hafenarbeiter nach dem Weg zur Bigham Street und als er die Wegbeschreibung hatte, machte er sich dorthin auf.

Zehn Minuten später stand er in einer engen Gasse vor einem einfachen, mehrstöckigen Wohngebäude und sah hinauf. Er fragte sich, welche der Wohnungen denn nun die von Anthony war.

»Hey«, hörte er plötzlich eine männliche Stimme und schon ertönte das metallische Klacken eines Springmessers, welches sich öffnete. »Was macht'n so'n feiner Pinkel wie du in so einer beschissenen Gegend? Hast du dich etwa verlaufen?«

Eric drehte sich langsam um und sah einen glatzköpfigen, untersetzten und ungepflegten Mann, der ihn mit einem Messer bedrohte. »Dann gib mal deine Wertsachen her, Zaster, Uhr, Schmuck.«

Eric schüttelte nur seinen Kopf und blickte dem Mann in die rotunterlaufenen Augen. Panik machte sich in ihm breit, doch auch der Wille, sich nicht von diesem Individuum ausrauben zu lassen.

»Wie, du weigerst dich? Dann werde ich dir wohl die Kehle aufschlitzen müssen und glaub mir, das interessiert hier wirklich niemanden.« Der Mann kam auf ihn zu und hielt ihm das Messer vor die Nase.

»Na los doch«, entgegnete Eric provozierend und wusste selbst nicht, woher er den Mut dazu nahm. »Stech zu, meinst du ich habe Angst vor dir?«

Der Mann pfiff anerkennend. »Aha, so einer bist du also.« Dann packte er Eric am Kragen und hielt ihm das Messer an die Kehle. »Und jetzt her mit deinen Wertsach –«, weiter kam er nicht, denn plötzlich bekam er einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf und ging zu Boden.

Gleich darauf traf ihn noch ein Tritt direkt ins Gesicht. »Du sollst meine Kunden nicht immer belästigen, Jimmy«, fauchte Anthony. »Und jetzt mach dich vom Acker.«

Stöhnend und ächzend rappelte Jimmy sich auf und trollte sich. »Scheiße Anthony, musst du immer so fest zuschlagen. Ich glaub du hast mir die Nase gebrochen.«

»Du lernst es anscheinend nie!«, rief der ihm noch nach, dann sah er Eric an und klopfte sein Jackett sauber. »Dir ist doch nichts passiert, oder?« Er sah sich kurz um, zog Eric dann mit sich ins Haus und schob ihn die Treppe hinauf. »Was willst du eigentlich hier? Du hast in diesem Viertel wahrlich nichts verloren.«

Eric räusperte sich, versuchte sein rasendes Herz zu beruhigen und lief die Stufen hinauf. »Was glaubst du wohl? Zu dir wollte ich, was denn sonst?«

Anthony hielt inne und zog erstaunt die Brauen in die Höhe. »Du wolltest tatsächlich zu mir?« Er schüttelte ungläubig den Kopf. »Es geschehen noch Zeichen und Wunder«, murmelte er und lief weiter. »Aber das nächste Mal kündige dich lieber an. Du hast Glück, dass ich gerade nach Hause kam.«

Sie liefen bis ins letzte Stockwerk und Anthony öffnete die Tür. Mit einer Geste bedeutete er Eric, einzutreten. »Komm herein in meine bescheidene Hütte, ich glaube, du warst noch nie hier. Also, erwarte nicht zuviel. Du bist Besseres gewohnt.«

»Es ist mir egal, wie deine Wohnung aussieht, du musst hier leben, nicht ich.« Eric trat ein und sah sich um. Die Wohnung war nicht sonderlich groß, aber wenigstens gab es zwei Räume und sie war ordentlich und sauber. Das hintere Zimmer war offenbar das Schlafzimmer, während das vordere als Wohn- und Küchenraum fungierte. Die Wände waren grau und die Farbe abgeblättert. Es gab zwei Fenster. Eines, welches zur Straße zeigte und eines, das zum Hinterhof hinausging, neben diesem Stand ein Herd und daneben ein Holztisch mit Stühlen. Eine Vase mit Blumen befand sich darauf und Eric dachte, dass die wohl seine Mutter dort hingestellt haben musste.

An der Wand gegenüber stand ein gemütliches, großes Sofa mit vielen Kissen, daneben eine Kommode und auf der anderen Seite ein kleiner Tisch auf dem sich eine Öllampe befand und ein paar Bücher lagen. »Setz dich doch, Lord Brown«, sagte Anthony, der seinen Gehrock und seine Handschuhe auszog und an die Garderobe neben der Eingangstür hängte. »Nur keine Scheu. Du bist hier herzlich willkommen.« Mit einem Lächeln nahm er Erics Zylinder vom Kopf und zeigte zur Couch. »Bitte, setz dich.« Er hängte den Zylinder ebenfalls an den Garderobenständer und während Eric sich setzte, ging Anthony zu einem kleinen Schrank neben dem Herd und holte zwei Gläser sowie eine Flasche Scotch daraus hervor. Er setzte sich neben Eric und reichte ihm ein Glas. »Also, was führt dich zu mir? Anthony goss ein wenig von dem goldenen Getränk in das Glas und schenkte sich dann selbst ein.

Eric zuckte mit den Schultern. »Ein dummer Zufall«, erwiderte er. »Ich ging spazieren und war in Gedanken verloren, dann fand ich mich im Hafenviertel wieder.«

Anthony stellte die Flasche auf dem Tisch ab und stieß mit Eric an. Beide tranken einen Schluck, bevor er antwortete. »Und da dachtest du, du könntest mir mal einen Besuch abstatten, einfach so?« Er schüttelte den Kopf und schnalzte mit der Zunge. »Das glaube ich dir nicht.«

Eric räusperte sich, ehe er entgegnete: »Nun gut, du hast mich erwischt. Vielleicht … vielleicht wollte ich einfach nur …«, hilflos und flehend sah er in Anthonys grüne Augen.

»Du fühlst dich einsam, nicht wahr? Du möchtest ein wenig Zuwendung.«

Eric nickte und stürzte den Scotch seine Kehle hinunter. »Da ich dir ja vor Kurzem erst einen Scheck über eine gute Summe ausgestellt habe, dachte ich –«

»Dachtest du, du forderst jetzt den Dienst dafür ein?«

Eric nickte und hielt Anthony sein leeres Glas hin. »Schenk mir bitte nach und mach es voll diesmal.«

Anthony lächelte geheimnisvoll und seine Lider standen auf Halbmast. Er nahm ihm das Glas aus der Hand und stellte es auf den Tisch. »Ich hab da eine bessere Idee«, meinte er leise, stand auf, ging zur Kommode und holte eine längliche Pfeife, Streichhölzer und ein mit Intarsien verziertes Kästchen hervor. Daraufhin setzte er sich wieder und reichte ihm die Pfeife und die Streichhölzer.

Eric schluckte und schüttelte den Kopf. »Ich habe das schon lange nicht mehr gemacht.«

»Ach komm schon«, bettelte Anthony und holte eine kleine, schwarze Kugel aus dem Kästchen hervor. »Es ist doch nur Chandu. Lass uns zusammen rauchen und die Sache wird für uns beide richtig gut.«

Eric seufzte und dachte an damals, als er mit Anthony regelmäßig Opium geraucht hatte um in Stimmung zu kommen. Und er musste zugeben, dass es die Sache erst richtig aufregend gemacht hatte. Seine Gefühle waren sehr intensiv gewesen, was aber nur am Rausch gelegen hatte, den er sich jetzt insgeheim wieder herbeisehnte. Er war nach London gekommen, um Zerstreuung zu suchen und hier fand er sie. Alles was er wollte, war für ein paar Stunden die Sorgen, den Herzschmerz und die Traurigkeit vergessen, weiter nichts. Einfach nur fühlen, dass er noch am Leben war. Er beobachtete Anthony dabei, der an der Pfeife zog und den Rauch in seinen Lungen behielt. Danach reichte er ihm die Pfeife und nach einem Moment des Zögerns ergriff Eric sie und rauchte ebenfalls.

Der Rausch war betörend, er hatte ganz vergessen, wie gut sich das anfühlen konnte. Eric trieb dahin, auf einer Wolke aus Lust und Freude und er hoffte, dass dies so schnell nicht endete.

Anthony küsste ihn und seine Lippen waren so weich wie Seide. »Wie soll ich dir's besorgen, My Lord? Wie hättest du es denn gerne?«, raunte er in den Kuss hinein und leckte verführerisch mit der Zungenspitze über seine Lippen.

Erics Finger krallten sich in Anthonys braunes Haar und er wisperte: »Mach es mir mit dem Mund. Tust du das für mich, ja?«

»O ja, ja, das will ich tun …«

Schon öffnete Eric die Knöpfe seiner Hose und zog sie ein Stück nach unten. Sein steifes Glied sprang hervor, er umfasste es und strich ein paar mal daran auf und ab. »Dann komm, ich bin bereit für dich«, keuchte er atemlos und zog Anthony zwischen seine Beine, die er nur zu bereitwillig für ihn spreizte. »Komm Tony, lutsch ihn mir, bis ich meinen eigenen Namen vergesse. Ich weiß doch, wie gut du das kannst …«

 

* * *

 

Eric erwachte früh morgens mit einem ausgewachsenen Kater. Stöhnend setzte er sich auf und hielt sich den schmerzenden Kopf. Als er sah, wo er sich befand, stieß er einen kläglichen Laut aus und sah zu Anthony, der neben ihm lag und noch tief und fest schlief. »O Gott, wie konnte ich nur …«, fragte er sich selbst, stand dann auf, suchte seine Kleidung zusammen und ging nach nebenan. Er fand einen sauberen Lappen und eine Schüssel mit Wasser, welches zwar kalt war, aber Eric wusch sich trotzdem damit. Danach zog er sich an, schnappte sich seinen Zylinder und wollte gerade die Wohnung verlassen, als sein Blick auf das bunte Kästchen auf dem Tisch neben dem Sofa viel. Er ging hin, entnahm ein paar der dunklen Kügelchen, wickelte sie in sein Taschentuch und steckte es in die Hosentasche. Dann verließ er die Wohnung.

Draußen war es noch dunkel und alles war still und friedlich. Es war diese eine Stunde am frühen Morgen, in der die Nachteulen endlich schliefen und diejenigen, die zum Arbeiten aufstehen mussten, noch ein wenig Zeit zum Schlafen hatten. Der Nebel kroch durch die verlassenen Straßen und hüllte alles ein, nur die Gaslaternen spendeten ein wenig Licht. Eric lief eilig durch das Hafenviertel, bis er endlich eine Droschke fand, die ihn zu seiner Villa zurückbrachte.

Dort angekommen musste er klopfen und warten, bis Barnes ihm öffnete, da er seinen eigenen Schlüssel vergessen hatte und der Ersatzschlüssel, welcher sonst immer unter dem Blumenkübel des Benjaminis neben der Tür lag, nicht da war. Endlich, nach einer langen Weile, wurde die Tür von einem verschlafenen Butler geöffnet. Eric trat ein und entschuldigte sich. »Es tut mir leid, dass ich Sie wecken muss Barnes, aber der Ersatzschlüssel ist weg.«

Barnes nickte und unterdrückte ein Gähnen. »Ich weiß My Lord.«

Fragend hob Eric die Augenbrauen und sah seinen Butler an.

»Sie sollten nach oben gehen, ins große Gästezimmer. Dort …« Barnes zögerte einen Moment, bevor er weitersprach. »Das müssen Sie mit eigenen Augen sehen.« Damit übergab er Eric die Kerze in seiner Hand, entfernte sich und verschwand durch die Tür, die zu den Dienstbotenquartieren führte.

Eric blickte die Treppe hinauf, zog seinen Gehrock aus, hängte ihn einfach über das Geländer und ging dann nach oben. Die Neugierde trieb ihn voran, er bog nach links in den Gang ein und blieb dann gleich vor der ersten Tür stehen. Er klopfte nicht, sondern öffnete sie einfach und trat ein. Jemand lag im Bett und schlief. Eric näherte sich vorsichtig. Der flackernde Schein der Kerze fiel auf einen schwarzen Lockenkopf und Eric schnappte überrascht nach Luft. Dort im Gästebett lag Jelani Bennett.

Ihn wiederzusehen trieb Eric die Tränen in die Augen. Er stellte die Kerze auf dem Nachtschränkchen ab und setzte sich vorsichtig neben ihn aufs Bett. Sein Herz klopfte laut in der Brust, Freude durchflutete ihn und er konnte es einfach nicht glauben. Zwei Wochen hatte er ihn vermisst, sich verzweifelt nach ihm gesehnt und jetzt lag er einfach hier und schlief. Erics Finger zitterten, als er die Hand ausstreckte und Jelani ganz sachte über die Wange streichelte, vorsichtig über seine schwarzen Locken strich und sein schlafendes Gesicht betrachtete. Jelanis Atem ging ruhig, seine Lippen waren halb geöffnet und er wirkte völlig entspannt. »Jelani … Darling«, wisperte Eric und Freudentränen liefen jetzt über seine Wangen.

Da rührte Jelani sich, öffnete die Augen und blickte Eric an. Ängstlich wich er vor ihm zurück, presste sich mit dem Rücken gegen das Kopfende des Bettes und schlang die Arme um seine Beine. Er trug nur eine lange Unterhose, sein Oberkörper war nackt und die Haut schimmerte im Kerzenschein wie Samt.

Eric lächelte ihn an. »Du bist wieder da. Jelani ich bin so froh darüber.« Er wollte nach seiner Hand greifen, doch Jelani wich ihm aus und sprang aus dem Bett. Er schnappte sich sein Hemd und die Hose und zog sich hastig an. »Ich bin sofort weg, Lord Brown. Ich suche nur schnell meine Sachen zusammen und –«

Eric lief zu ihm und hielt ihn an den Schultern fest. »Nein, du läufst mir nicht mehr davon. Das lasse ich nicht zu«, entgegnete er mit fester Stimme. »Hast du überhaupt eine Ahnung, was du mir angetan hast?«

Jelani blitzte ihn wütend an. »Das ist mir egal. Ein bisschen Herzschmerz hat noch niemanden umge –« Plötzlich brannte seine Wange, denn Eric hatte ihm eine saftige Ohrfeige gegeben. Fassungslos blickte er ihm in die Augen.

»Wage es ja nicht, noch einmal so mit mir zu reden.« Eric zog Jelanis Kopf zu sich und flüsterte: »Ich liebe dich Jelani Bennett, ob dir das nun gefällt oder nicht.«

Klatsch! Nun war es Erics Wange, die brannte und gleich darauf auch die andere, als Jelani ihm noch eine Backpfeife gab. »Leg noch einmal Hand an mich und es wird nicht bei ein paar Schellen bleiben.« Wütend blitzten seine dunklen Augen Eric an. »Nicht mal mein eigener Vater hat mich je geschlagen.«

Eric rieb sich die schmerzenden Wangen und blickte Jelani verzweifelt an. »Du hast recht, es tut mir leid. Das wird nicht noch einmal vorkommen.«

Eine Weile blickten sie sich einfach nur an, ohne etwas zu sagen. Worte waren auch gar keine nötig, ihre Gefühle füreinander spiegelten sich in ihren Gesichtern wider.

»O Gott, du glaubst nicht, wie froh ich bin, dich wiederzusehen«, wisperte Jelani plötzlich und warf sich an Erics Brust, hielt ihn fest und vergrub das Gesicht an seinem Hals. »Ich lieb dich doch auch. Mehr als ich mir selbst eingestehen will.«