Weil dein Herz zu mir spricht
Kapitel 12
Eric blieb mit Jelani noch drei weitere Tage in London. Er genoss diese ruhige Zeit und vermisste den Trubel von Stilton House nicht im Mindesten. Hier gab es nur ihn und Bennett und natürlich Barnes, der es ebenfalls sichtlich genoss, mehr Freizeit zu haben.
Eric nahm Jelani mit zu Vertragsabschlüssen und anderen geschäftlichen Angelegenheiten. Er zeigte ihm alles und ließ ihn selbst die Dinge erledigen, damit er die Arbeit eines Pferdezüchters lernte, denn er wollte, dass Jelani baldmöglichst alleine arbeiten und sein eigenes Geld verdienen konnte.
Abends und Nachts hatten sie das Haus für sich, niemand sonst war da. Die Köchin und das Hausmädchen kamen nur einmal am Tag und Barnes zog sich immer früh in seine Räumlichkeiten zurück oder ging außer Haus. Eric und Jelani nutzten diesen Umstand natürlich aus und wussten ihre Freiheit zu schätzen.
Am letzten Abend in London regnete es Bindfäden und Eric kam erst spät und völlig durchnässt nach Hause. Jelani half ihm aus den nassen Sachen, rubbelte ihn mit einem Handtuch trocken und steckte ihn ins Bett. »Wo hast du dich nur die ganze Zeit herumgetrieben, und das bei diesem Wetter? Du wirst dir noch den Tod holen.«
Eric schmunzelte über Jelanis Fürsorglichkeit. »Ich hatte etwas Dringendes zu erledigen und nein, ich werde mir nicht den Tod holen. Ein heißer Tee und dein warmer Körper neben mir werden mich schnell wieder aufwärmen.« Er zwinkerte schelmisch und hob die Bettdecke an, damit Jelani sich zu ihm legte.
»O du verruchter Schelm«, raunte der und stand auf. »Ich werde dir erst einmal den Tee zubereiten, dann sehen wir weiter.«
Eric schmollte als Jelani das Zimmer verließ, zog sich dann die Decke bis zum Kinn hoch und ein Lächeln kräuselte sich langsam auf seinen Lippen. Er hatte heute gute Neuigkeiten erfahren, und musste sich zusammenreißen, um sie Jelani nicht mitzuteilen. Er wollte ihn damit überraschen und durfte sich deshalb nicht verraten.
Am nächsten Nachmittag waren sie zurück auf dem Gestüt. In Stilton House herrschte reges Treiben und Vincent begrüßte seinen Vater stürmisch. »Ich habe dich soooo vermisst Paps«, rief er und fiel Eric um den Hals.
Der hob seinen Sohn hoch und hielt ihn ebenfalls fest in den Armen. »Du hast mir auch gefehlt, mein Großer«, erwiderte er lachend und küsste seinen Sohn auf die Stirn.
Judy kam lächelnd auf ihn zu und gab ihm einen Kuss auf die Wange. »Schön, dass du endlich wieder hier bist. Stilton House war einsam ohne dich. Jasper macht einen Besuch bei euren Eltern und kommt erst am Sonntag wieder.«
Eric nickte, doch ihm war diese intime Begrüßung Jelani gegenüber unangenehm. Der stand in der Tür und beobachtete alles. Eric drehte sich zu ihm um und sagte: »Schaut, wen ich in London wiedergefunden habe.«
Vincent zappelte und Eric ließ ihn hinunter. »O Jelani«, rief er. »Du bist wieder hier! Du bist wieder hier!« Freudig rannte er zu ihm und warf sich ihm in die Arme. Jelani blickte skeptisch zu Eric, dem siedendheiß einfiel, dass er ja noch gar nichts von der Verlobung mit Judy wusste.
»Ach Mr. Bennett«, fing er deswegen an und griff nach Judys Hand. »Miss Lancaster und ich haben uns verlobt.«
Jelani hob Vincent hoch und blickte von Judy zu Eric und wieder zurück. Ein gezwungenes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. »Meinen Glückwunsch.« Er räusperte sich und verschwand mit Vincent nach draußen.
Judy runzelte die Stirn und sah Eric verständnislos an. »Was ist denn mit ihm? Er sieht nicht sehr begeistert aus. O Eric, du musst mir erzählen wie es in London war und wie du Mr. Bennett wiedergefunden hast.«
Besorgt sah Eric zur Tür und schluckte. Er hoffte nur, dass Jelani nicht zu böse mit ihm war. »Weißt du«, entgegnete er und zwang sich dann, Judy ins Gesicht zu sehen. »Bennett war die ganze Zeit in meiner Villa in der Stadt. Er wusste einfach nicht, wo er sonst hingehen sollte. Ich bin froh, dass er wieder zu uns zurück kommt. Ich habe ihm Starthilfe versprochen. Jelani … er … nun, er hatte es nicht leicht gehabt und möchte in England ein neues und besseres Leben beginnen.«
Judy sah in Erics Augen und lächelte. »Das ist schön. Ich freue mich, dass du ihm helfen willst und ich freue mich auch, dass Mr. Bennett nun wieder hier ist. Wird er wieder sein Zimmer bei den Dienstboten haben?«
Eric schüttelte den Kopf. »Nein, er wird eine Weile im Gästezimmer wohnen, bis … nun ja«, ein Grinsen zeigte sich nun auf Erics Gesicht und er gab Judy einen Kuss auf die Stirn. »Ich werde nach oben gehen und mich ein wenig ausruhen. Schick Vincent nachher zu mir, ich möchte Zeit mit meinem Sohn verbringen. Er hat mir sehr gefehlt.«
Mitten in der Nacht schlich er sich zu Jelanis Zimmer im Westflügel. Vincent war tief und fest eingeschlafen, nachdem er ihm vorgelesen hatte und so ließ er ihn einfach in seinem Bett schlafen. Aber der Gedanke an Jelani ließ ihn nicht los. Er musste ihn sehen, musste seine Lippen auf seinem Mund spüren und seinen Körper neben ihm. Eric klopfte kurz an, öffnete dann die Tür und trat ins Zimmer. Jelani saß in einem Sessel, neben sich eine Öllampe, die genügend Licht spendete, um in dem Buch zu lesen, welches er in den Händen hielt. Er sah auf als Eric hereinkam, klappte das Buch zu und legte es auf seinen Schoß. Mit trotzig angehobenem Kinn sah er ihn an. »Scheinst es ja sehr eilig zu haben, Miss Lancaster zu ehelichen. Nun ich wünsche dir alles Glück –«
Eric war schnell bei ihm und zog ihn auf die Beine. »Sei still du Narr«, wisperte er und küsste ihn. »Es wird noch sehr lange dauern, bis ich sie heirate, verlass dich drauf …«
Jelanis Finger gruben sich in sein blondes Haar und er küsste ihn zurück. Seine Zunge schob sich zwischen Erics Lippen und er öffnete sie bereitwillig.
Während sie sich wild küssten, zog er sein Hemd aus und nestelte danach an Jelanis herum. »Zieh dich aus«, verlangte er atemlos. »Ich will dich nackt auf mir spüren und deinen Schwanz in mir. Ich halte es nicht aus, ohne dich.«
»Ach ja?«, entgegnete Jelani und zog sich hastig das Hemd über den Kopf. Sofort waren seine Hände wieder auf Erics Haut und streichelten ihn überall. »Du und Judy, ihr wart ja sehr vertraut miteinander. Ich muss zugeben, dass ich eifersüchtig bin.«
»Du weißt genauso gut wie ich, dass dies so sein muss«, raunte Eric, öffnete Jelanis Hose und zog sie ihm nach unten. Sein hartes Geschlecht war bereit und prangte ihm in voller Pracht entgegen. Eric berührte es sanft und küsste dabei Jelanis Hals. »Wir werden nie eine Beziehung führen können, das geht nicht.«
»Ich weiß«, stöhnte Jelani, der Erics Berührungen genoss. »Vielleicht sollten wir für mich dann auch eine geeignete Frau finden, damit die Scharade perfekt ist.« Er nahm Erics Gesicht in die Hände und sah ihm in die Augen. »Aber lass uns über all das reden, wenn wir hiermit fertig sind.« Er zwang ihn auf die Knie und hielt ihm seinen pochenden Schwanz entgegen. »Los Eric, zeig mir wie sehr du mich liebst …«
* * *
Ein paar Wochen später ritten sie aus, Jelani auf Black Thunder und Eric auf seiner Stute. Es war ein wunderschöner Frühsommertag, die Sonne schien und das Wetter war einfach zu schön, um im Haus oder bei der Arbeit zu versauern. So ritten sie über die Wiesen von Erics Grundstück, immer am Waldrand entlang und genossen diesen Tag.
»Es kommt mir so vor, als ob du genau wüsstest, wohin du reitest.« Jelani grinste und umkreiste Eric immer wieder mit seinem Pferd.
»Willst du mich etwa ärgern, Darling?«, Eric grinste zurück und zog dann eine Augenbraue hoch. »Vielleicht habe ich tatsächlich ein Ziel und es soll eine Überraschung für dich sein.«
Da zügelte Jelani das Pferd und ritt dann neben ihm her. »Ach wirklich?« Erstaunt blickte er ihn an. Heute sah Eric wieder einmal verdammt gut aus. Für ihn ganz untypisch, ritt er heute nur in Reithose, Weste und Seidenhemd aus. Jelani schob seinen Cowboyhut in den Nacken und lächelte breit. »Was für eine Überraschung könnte das denn sein? Verrat's mir doch.«
»Dann wäre es ja keine Überraschung mehr, nicht wahr?« Eric grinste zurück.
»Och komm schon, Lord Brown. Ich will es wissen«, bettelte er.
»Wir sind ja gleich da, so lange musst du dich noch gedulden.«
»O was bin ich jetzt aber gespannt«, entgegnete er und trabte dann los, bis er in Galopp verfiel und davon preschte, bis er nach einer Weile wieder zu Eric zurück ritt. Black Thunder schnaubte und Jelani wirkte einfach nur glücklich.
Dann ritten sie einen Weg entlang, bis sie zu einem Haus kamen. Es war ein einfaches, zweigeschossiges Haus mit rotem Dach und weißem Putz und stand direkt am Waldrand. Eric hielt an und stieg von seiner Stute. »Wir sind da.«
Jelani blickte ihn nur verständnislos an. »Wer wohnt hier?«
Eric zuckte mit den Schultern. »Im Moment niemand. Komm«, meinte er und bedeutete ihm, abzusteigen. Während Jelani von Black Thunder stieg, erzählte Eric. »Das Haus hat mal einem unehelichen Sohn meines Großvaters gehört. Der ist aber schon vor langer Zeit an einer Krankheit verstorben und hat keine Erben hinterlassen. So fiel das Grundstück wieder an meine Familie zurück.«
Jelani stand neben ihm und blickte zum Haus. Nickend antwortete er: »Es scheint noch gut in Schuss zu sein.«
»Ich habe es in den letzten Wochen grundsanieren lassen. Es war in schlechtem Zustand.« Er sah Jelani in die dunklen Augen.
Der lächelte. »Ah … und wieso? Soll es so etwas wie unser Liebesnest werden?« Verschmitzt zwinkerte er ihm zu und stupste ihn mit dem Ellenbogen an. »Du bist ein ganz Schlimmer Eric, weißt du das?«
Der lachte laut los. »Nun, ich gebe zu, dass ich so etwas im Sinn hatte, aber dann kam mir eine bessere Idee.« Er schmunzelte und legte einen Arm um Jelanis Schultern. »Was hältst du von dem Haus. Gefällt es dir?«
»Ja. Es ist klein und kompakt, ruhig gelegen und …« Da blickte er Eric plötzlich skeptisch an. »Moment mal, was wird das hier überhaupt?«
Eric platzierte einen Kuss auf Jelanis Schläfe, dann ging er zu seinem Pferd und holte einige Dokumente aus der Satteltasche hervor. Wieder bei Jelani, gab er sie ihm. »Lies.«
Misstrauisch blickte der ihn an, nahm die Papiere und überflog sie. Dann holte er überrascht Luft und keuchte auf. »Nein, das kann nicht …« Er schüttelte ungläubig mit dem Kopf und hielt Eric die Papiere wieder hin. »Das geht nicht, das nehme ich nicht an«, presste er zwischen zusammengekniffenen Lippen hervor. »Nein.«
Eric machte eine ablehnende Geste. »O doch Jelani Bennett, das kannst du und das wirst du auch. Es ist alles unter Dach und Fach, notariell beglaubigt und offiziell. Dir gehört jetzt dieses Grundstück mit dem Haus. Du kannst hier tun und lassen, was du willst.«
Jelani wurde ungehalten. »Nein, ich werde das nicht annehmen, das geht auf keinen Fall!«
Eric legte seine Hände auf Jelanis Schultern und sah ihn eindringlich an. »Doch das geht. Es ist ja auch kein Geschenk, sondern eher ein Darlehen. Du wirst viel und hart arbeiten müssen, um mir das Geld dafür zurückzuzahlen.«
»Aber Black … nein, ich kann das nicht annehmen.« Plötzlich erschienen Tränen in seinen Augen. »Er ist zu wertvoll … ich …«
»Jelani«, entgegnete Eric in bittendem Ton. »Black und die beiden Pferde von der Auktion gehören jetzt dir.« Ein kleines Lächeln kräuselte sich auf seinen Lippen. »Du liebst Black über alles, ich weiß es. Mach was aus ihm. Mach was hier draus«, dabei machte er eine ausladende Handbewegung. »Du kannst das, und dann wirst du mir jeden Penny zurückzahlen. Hast du verstanden?«
Jelani senkte den Blick und nickte. Er presste die Papiere gegen seine Brust und flüsterte: »Danke. Ich danke dir so sehr.«
Eric nickte und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. »Es sind keine Almosen, Jelani Bennett, es ist die Starthilfe, die ich dir versprochen habe. Und ab Montag wirst du jeden Morgen pünktlich um neun in meinem Büro erscheinen, denn es gibt viel zu tun und du hast eine Menge Schulden bei mir.« Mit einem Zwinkern in den Augen hob er Jelanis Kinn an.
Der blickte ihm nur in die Augen, dann legte er die Arme um ihn und hielt ihn fest. So fest wie er nur konnte. »Du bist ein verdammter Idiot, Eric Brown«, murmelte er. »Aber ich liebe dich, ich liebe dich so sehr.«
Als sie sich wieder voneinander lösten, meinte Eric: »Komm, sieh dir dein Haus von Innen an. Es ist eingerichtet, aber du kannst natürlich auch neue Möbel kaufen wenn du willst. Außerdem dachte ich«, jetzt zwinkerte er ihm zu. »Ich dachte, du wolltest es vielleicht gebührend einweihen. Ich habe eine gute Flasche Brandy dabei und wir könnten es uns ein wenig gemütlich machen.«
Jelani grinste und boxte ihm gegen die Schulter. »Sag ich doch, du bist ein ganz schlimmer Finger.« Er zog ihn mit sich und küsste ihn stürmisch, danach betraten sie das Haus.
Sein Haus, Jelanis Haus. Und er war so stolz darauf und auch dankbar. Dankbar für diese Möglichkeit, für dieses neue Leben hier in England.
* * *
Am nächsten Abend war Jasper wieder zurück auf Stilton House. Vincent war ganz aus dem Häuschen und wich seinem Lieblingsonkel nicht von der Seite. »Wie geht es Oma und Opa?«. Fragte er ihn neugierig. »Kommen sie denn bald mal hierher zu Besuch? Sag schon Onkel Jasper …«
Jasper lachte und hob Vincent auf seinen Arm. »Deinen Großeltern geht es sehr gut und ja, sie werden bald zu Besuch kommen.« Darauf ließ er ihn wieder hinunter. »Und jetzt sei ein guter Junge und geh zu Miss Lancaster. Ich muss mit deinem Vater sprechen.« Er gab Vincent noch einen Kuss und fand Eric wenig später in seinem Zimmer vor. Der hatte es sich auf seinem Sofa bequem gemacht, trank einen Brandy und rauchte Chandu. Jasper schloss schnell die Tür hinter sich und schüttelte missbilligend den Kopf. »Mensch Eric, wie kannst du nur dieses Zeug rauchen? Das ganze Zimmer stinkt danach … Was, wenn Vincent einfach hereinkommt?« Er setzte sich ihm gegenüber auf einen Sessel und goss sich ebenfalls ein Glas ein.
Eric lächelte nur versonnen und hielt ihm die Pfeife entgegen. »Willst du auch mal?«
Jasper hob abwehrend die Hand. »Nein danke«, sagte er mit Bestimmtheit und trank sein Glas auf einmal leer. »Mutter und Vater wollen wissen, warum du nicht mit zu Besuch warst. Sie sind wütend auf dich, weil du dich verlobt hast, ohne ihnen vorher etwas davon zu sagen, geschweige denn, sie zur Verlobung einzuladen.« Er goss sich nach und sah seinen Bruder scharf an. »Sie haben recht Eric. Dein Benehmen lässt in letzter Zeit sehr zu wünschen übrig.«
Eric kicherte nur. »Ja ja«, entgegnete er, setzte sich auf und legte die Pfeife auf einem Tellerchen ab. »Weißt du Jasper, da kommst du eben erst wieder nach Hause und hast so eine miese Laune. Wer hat sich denn letztens ständig darüber beschwert, wie langweilig es hier auf dem Lande ist?« Mit einem bedeutungsvollen Blick sah er ihn an. »Aber ja, damit alle zufrieden sind, werde ich demnächst zu unseren Eltern reisen und ihnen Judy vorstellen. Und jetzt lieber Jasper, wenn du nur gekommen bist, um mir die Laune zu verderben, dann geh wieder.«
Jasper seufzte tief. »Du hast recht. Das war unhöflich von mir, verzeih.« Da griff er einfach nach der Pfeife und den Streichhölzern und fing an, ebenfalls zu rauchen.
Eric grinste nur. »So ist es fein, Bruderherz. Wir sollten nicht miteinander streiten, sonder Spaß haben und zusammenhalten.« Er prostete ihm zu und trank von dem Brandy.
Jasper nickte. »Wenn wir schon dabei sind, wie läuft es mit Judy?« Er zwinkerte ihm zu und Eric wusste, worauf er hinaus wollte.
Mit den Schultern zuckend lehnte er sich zurück in die Polster. »Keine Ahnung. Gut.«
»Na du weißt doch, was ich meine. Küsst ihr euch, versuchst du sie zu verführen? Erzähl schon.«
»Du bist aber sehr neugierig. Ich wüsste nicht, was dich das angeht, diese Dinge sind doch sehr privat.«
Jasper gluckste und hustete dann, als er sich am Rauch verschluckte. »Wenn ich selbst schon nicht zum Schuss komme, möchte ich doch gerne von anderen hören, wie gut sie es in der Beziehung haben.«
Erstaunt riss Eric die Augen auf. So hatte er seinen Bruder noch nie reden hören. »Nun, für solche Nöte gibt es gewisse Etablissements, in die ein Mann gehen kann. Oder er kann mit gewissen Damen ein Arrangement diesbezüglich –«
»Ach«, fuhr Jasper ihm einfach über den Mund. »Arrangements … Etablissements … Das ist nichts für mich.«
»Nun«, entgegnete Eric, beugte sich vor und nahm ihm die Pfeife aus der Hand, um selbst zu rauchen. »Dann bleibt dir nichts anderes übrig, als dir eine Geliebte zu suchen oder mit Mary –«
Schon wieder ließ ihn sein Bruder nicht ausreden. »Bist du des Wahnsinns? Mit Mary? Nie im Leben vor der Ehe!«
Eric prustete los. »Dann ist dir nicht zu helfen, Bruder.«
»Wie machst du es denn? Wie hältst du es nur aus, ohne?«
»Wer sagt denn, dass ich ohne dieses Vergnügen lebe? Ich sage nur, dass ich nicht in diesen Nöten stecke, in denen du dich anscheinend gerade befindest.«
Jasper zog die Brauen nach oben. »Dieses Zeug hier«, dabei zeigte er auf die Pfeife. »Ist in diesem Falle nicht hilfreich, ganz im Gegenteil. Das Gerede über diese Sache auch nicht.« Dabei rutschte er unruhig auf dem Sessel hin und her und presste die Hand gegen seinen Schritt. »Du hast Recht Bruder, ich muss etwas gegen diesen Notstand unternehmen. Kannst du mir helfen?«
Eric lachte leise. »Nur bedingt.«
Plötzlich verdunkelte sich Jaspers Blick. »Ach ja«, murmelte er und blickte Eric nachdenklich an. »Was ist das eigentlich mit dir und Bennett?«, wollte er dann wissen. »Erst verschwindet er auf Nimmerwiedersehen, jetzt ist er wieder hier und arbeitet für dich. Dann schenkst du ihm auch noch das alte Anwesen am Waldesrand. Was soll das?«
Eric seufzte, legte die Pfeife beiseite und nahm einen Schluck von dem Brandy. »Er arbeitet nicht für mich, er ist mein Geschäftspartner. Ich bringe ihm alles Nötige bei, damit er bald alleine sein Geld verdienen kann. Und geschenkt habe ich ihm gar nichts, er wird mir das Geld nach und nach zurückzahlen.«
»Das wird er bis zu seinem Lebensende nicht schaffen, Eric«, brummte Jasper missmutig. »Es sei denn, du hast die Konditionen zu seinen Gunsten geändert.«
Eric grinste. »Ehrlich gesagt, geht auch dies dich nicht das Mindeste an, mein Bruder. Es ist meine und Bennetts Sache. Es schadet weder dem Ansehen der Familie Brown noch sonst irgendjemandem. Ich will ihm einfach nur helfen, hier ein neues Leben aufzubauen.«
»Du bist ein knallharter Geschäftsmann, Eric. Mir machst du doch nichts vor.« Argwöhnisch schaute er zu seinem Bruder und kaute auf der Unterlippe herum. »Ich weiß, dass dir der Mann mehr bedeutet, als du zugibst. Du liebst ihn, sonst würdest du all das nicht für ihn tun. Ist es nicht so?«
Eric schaute forschend in Jaspers blaue Augen. »Ja, du hast recht. Ich liebe ihn sehr.« Seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. »Es ist das reinste und mächtigste aller Gefühle. Ist das denn wirklich so schändlich?«
»Schändlich?« Jasper schüttelte verständnislos den Kopf. »Männer liebt man nicht auf solche Weise, das ist das Problem. Ich wünschte du, mein eigener Bruder, wäre nicht so –«
Da beugte Eric sich hastig vor und blitzte Jasper ärgerlich an. »Dann lass es dabei bewenden und rede nicht mehr darüber. Schweig es tot, wie einige andere Dinge, welche du zum Beispiel schon angerichtet hast und die wahrlich schlimmer waren, als meine Liebe zu diesem Mann.«
Eine Weile starrten sie sich herausfordernd an, bis Jasper den Blick senkte und nickte. »Und wieder einmal hast du recht, was mische ich mich überhaupt ein. Alles ist gut. Du tust, was getan werden muss und du bist sehr diskret in all diesen Belangen.«
»Vielen Dank Jasper.« Eric lehnte sich zufrieden zurück und legte die Arme auf der Sofalehne ab. »Wir sind Brüder. Wir müssen zusammenhalten in allem. Ich muss dir vertrauen können, so wie du mir. Lass uns das nicht aufs Spiel setzen. Wem können wir denn sonst voll und ganz vertrauen, wenn nich uns?«
»Das stimmt. Du bist der einzige Mensch, dem ich wirklich alles anvertrauen würde. Niemandem sonst.«
Plötzlich fühlte sich Eric niedergeschlagen und eine gewisse Traurigkeit überkam ihn. »Wir haben schon immer eine sehr enge Beziehung zueinander gehabt Jasper. Ich will, dass das weiterhin so bleibt. Also hör bitte auf damit, mir immer wieder misstrauisch gegenüber zu stehen.« Er griff nach dem Brandy und goss ihre Gläser voll. Danach nahm er sein Glas, hob es und prostete ihm zu. »Auf uns und unser Vertrauen, Bruderherz.«
Jasper hob sein eigenes Glas und stieß mit Eric an. »Auf uns und unser Vertrauen.«
Als er den Brandy seine Kehle hinabgleiten ließ, dachte er nach. Vertrauen. Es gab da noch jemanden, den er ins Vertrauen schließen sollte. Jemanden, den er sogar ins Vertrauen ziehen musste. Mit Judy Lancaster würde er garantiert nicht denselben Fehler machen, wie damals mit Henrietta.