
Abhandlungen über die Fabel
Jede Erdichtung, mit der ein Dichter eine bestimmte Absicht verbindet, nennt Lessing seine Fabel, doch hier geht es ihm um die sogenannte äsopische Fabel im engeren Sinn. Äsop, erklärt er, machte die meisten seiner Fabeln bei wirklichen Vorfällen, während seine Nachfolger sich solche Vorfälle meist nur erdichteten oder überhaupt nur an eine allgemeine Wahrheit dachten; daraus entspringt die Einteilung in einfache und zusammengesetzte Fabeln. Einfach ist die Fabel, wenn aus der erdichteten Begebenheit bloß irgendeine allgemeine Wahrheit gefolgert wird, wie in dem Beispiel: Man machte der Löwin den Vorwurf, dass sie nur ein Junges zur Welt brächte. Ja, sprach sie, nur eines, aber einen Löwen. Von dieser Grundunterscheidung ausgehend widmet sich die Abhandlung dem Wesen, dem Gebrauch der Tiere, der Einteilung, dem Vortrag und dem besonderen Nutzen der Fabeln in den Schulen.






