
Briefe aus der Schweiz
Münster, den 3. Oktober, Sonntag abends, schreibt Goethe: Von Basel aus ist ein Paket mit der Geschichte der bisherigen Reise unterwegs, während der Zug durch die Schweiz nun ernstlich fortgesetzt wird. Auf dem Weg nach Biel ritten sie das Birsch-Tal hinauf bis zu dem engen Pass, den sich der mäßige Fluss durch eine hohe, breite Gebirgskette gesucht hat und den schon die Römer erweitert haben, sodass Wasser und Weg heute nebeneinander die ganze Breite des von Felsen eingeschlossenen Passes einnehmen. Bald steigen Wände senkrecht auf, bald streichen gewaltige Gesteinslagen schief zum Fluss hin, einzelne Felsstücke sind bereits herabgestürzt, andere hängen noch drohend über dem Weg. Der Zug durch diese Enge erweckt in Goethe eine große, ruhige Empfindung, denn das Erhabene gebe der Seele eine Ruhe, die sie ganz ausfülle, verglichen mit dem armseligen Behelf, sich mühselig im Kleinen aufzureiben.






