
Der Schatten
Der Schatten erzählt in Balladenform von einem Grafen, der vor dem Aufbruch zu einer Pilgerfahrt an das Grab des Erlösers seine junge Frau schwören lässt, ihm treu zu bleiben und sein Haus in Ehren zu halten. Als sie zögernd die Hand zum Schwur hebt, sieht er bei Lampenschein ihren Schatten an der Wand und einen Schauer befällt ihn, ohne dass er den Grund benennen könnte. Elf Tage später erkrankt der Graf auf der Fahrt und stirbt in einer Herberge im Mutintal, vergiftet, wie sich zeigt, durch einen Becher Wein, den ihm seine Frau Hilde mitgegeben hatte. In derselben Nacht, da Frau Hilde nach ihrem heimlichen Geliebten Ausschau hält, kehrt der tote Graf als Geist in die Burg zurück und steigt zur Kammer seiner Frau empor. Mörikes knappe, unheimliche Ballade steht in der Tradition der romantischen Rache- und Gespensterballade.




