Einige Gedichte

Friedrich Schiller · Kapitel 11 von 17

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Einige Gedichte

Die schönste Erscheinung

Mag der Franke mit den Waffen

Führen nach der Seine Strand,

Und in prangenden Museen

Zeig er seine Siegstrophäen

Dem erstaunten Vaterland!

 

Ewig werden sie ihm schweigen,

Nie von den Gestellen steigen

In des Lebens frischen Reihn.

Der allein besitzt die Musen,

Der sie trägt im warmen Busen,

Dem Vandalen sind sie Stein.

 

Die schönste Erscheinung

 

Sahest du nie die Schönheit im Augenblick des Leidens,

Niemals hast du die Schönheit gesehn.

Sahst du die Freude nie in einem schönen Gesichte,

Niemals hast du die Freude gesehn!

 

Die Weltweisen

 

Der Satz, durch welchen alles Ding

Bestand und Form empfangen,

Der Kloben, woran Zeus den Ring

Der Welt, die sonst in Scherben ging,

Vorsichtig aufgehangen,

Den nenn ich einen großen Geist,

Der mir ergründet, wie er heißt,

Wenn ich ihm nicht drauf helfe—

Er heißt: Zehn ist nicht Zwölfe.

Der Schnee macht kalt, das Feuer brennt,

Der Mensch geht auf zwei Füßen,

Die Sonne scheint am Firmament,

Das kann, wer auch nicht Logik kennt,

Durch seine Sinne wissen.

Doch wer Metaphysik studiert,

Der weiß, daß, wer verbrennt, nicht friert,

Weiß, daß das Nasse feuchtet

Und daß das Helle leuchtet.

 

Homerus singt sein Hochgedicht,

Der Held besteht Gefahren,

Der brave Mann tut seine Pflicht

Und tat sie, ich verhehl es nicht,

Eh noch Weltweise waren;

Doch hat Genie und Herz vollbracht,

Was Lock' und Des Cartes nie gedacht,

Sogleich wird auch von diesen

Die Möglichkeit bewiesen.

 

Im Leben gilt der Stärke Recht,

Dem Schwachen trotzt der Kühne,

Wer nicht gebieten kann, ist Knecht;

Sonst geht es ganz erträglich schlecht

Auf dieser Erdenbühne.

Doch wie es wäre, fing der Plan

Der Welt nur erst von vorne an,

Ist in Moralsystemen

Ausführlich zu vernehmen.

 

"Der Mensch bedarf des Menschen sehr

Zu seinem großen Ziele,

Nur in dem Ganzen wirket er,

Viel Tropfen geben erst das Meer,

Viel Wasser treibt die Mühle.

Drum flieht der wilden Wölfe Stand

Und knüpft des Staates daurend Band."

So lehren vom Katheder

Herr Puffendorf und Feder.