Einige Gedichte

Friedrich Schiller · Kapitel 5 von 17

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Einige Gedichte

Das Geheimnis

So wärm auch deine Sänger.

 

Die Wäsche klatscht vor meiner Tür,

Es scharrt die Küchenzofe.

Und mich—mich ruft das Flügeltier

Nach König Philipps Hofe.

 

Ich steige mutig auf das Roß;

In wenigen Sekunden

Seh ich Madrid—Am Königsschloß

Hab ich es angebunden.

 

Ich eile durch die Galerie

Und—siehe da!—belausche

Die junge Fürstin Eboli

In süßem Liebesrausche.

 

Jetzt sinkt sie an des Prinzen Brust

Mit wonnevollem Schauer,

In i h r e n Augen Götterlust,

Doch in den s e i n e n Trauer.

 

Schon ruft das schöne Weib Triumph,

Schon hör ich—Tod und Hölle!

Was hör ich?—einen nassen Strumpf

Geworfen in die Welle.

 

Und weg ist Traum und Feerei—

Prinzessin, Gott befohlen!

Der Teufel soll die Dichterei

Beim Hemdenwaschen holen.

 

Das Geheimnis

 

Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,

Zu viele Lauscher waren wach;

Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,

Und wohl verstand ich, was er sprach.

Leis komm ich her in deine Stille,

Du schön belaubtes Buchenzelt,

Verbirg in deiner grünen Hülle

Die Liebenden dem Aug der Welt.

 

Von ferne mit verworrnem Sausen

Arbeitet der geschäft'ge Tag,

Und durch der Stimmen hohles Brausen

Erkenn ich schwerer Hämmer Schlag.

So sauer ringt die kargen Lose

Der Mensch dem harten Himmel ab,

Doch leicht erworben, aus dem Schoße

Der Götter fällt das Glück herab.

 

Daß ja die Menschen nie es hören,

Wie treue Lieb uns still beglückt!

Sie können nur die Freude stören,

Weil Freude nie sie selbst entzückt.

Die Welt wird nie das Glück erlauben,

Als Beute wird es nur gehascht,

Entwenden mußt du's oder rauben,

Eh dich die Mißgunst überrascht.

 

Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,

Die Stille liebt es und die Nacht,

Mit schnellen Füßen ist's entwichen,

Wo des Verräters Auge wacht.

O schlinge dich, du sanfte Quelle,

Ein breiter Strom um uns herum,

Und drohend mit empörter Welle

Verteidige dies Heiligtum!