Jandria D'Monica, Schatten der elementaren Magie

Magie oder Fluch

 

Jandria nahm auch noch vorsichtig ein paar weitere Reagenzien mit herunter in den Wohnbereich.

Also sie wieder am Sofa angekommen war, setzte sie sich wieder im Schneidersitz darauf und nahm das Buch zur Hand. Sie schlug erneut die Seite mit dem In Lor Zauber auf und glitt mit dem Finger über die Runen.

„In Lor, so sagte Mutter es mir. In Lor.“ - und holte aus ihrem Beutel die beiden erwünschten und auch benötigten Zutaten hervor. Jandria passte sehr gut auf, denn die Spinnenseide war leichter als Luft und so würde ein einziger Windhauch oder Atemstoß alles zu Nichte machen.

Die Schwefelasche in ihrer anderen Hand wurde sehr porös und sie zerrieb sie mit ihren kleinen Fingern zu Staub. Dann füllte sie die Asche in die andere Hand um und die Spinnenseide wurde von der Asche eingeschlossen und konnte nicht mehr entweichen.

„In Lor.“ - sprach Jandria leise.

Doch passierte nicht und Jandria verzog die Brauen ein wenig. „Mache ich was falsch?“ - fragte sie sich immer wieder. Jandria war ein Mädchen, was auch bekannt war für ihre unruhige Art etwas erlernen zu wollen und wollte sofort immer Ergebnisse sehen.

So auch dieses Mal.

Lange sah sie sich die Worte der Macht an und hielt die Reagenzien immer noch in ihrer Hand.

Jandria versuchte sich so gut es geht zu konzentrieren und schloss dann die Augen.

Man merkte sichtlich die Anspannung in ihrem kleinen Körper und auch das sie all ihre mentale Kraft aufbrachte für diesen einen Zauber.

„In Lor.“ - sprach Jandria wieder und eine Wärme, wie sie es noch nie vorher spürte ging durch ihren Körper hindurch.

Hindurch bis zu den Fingerspitzen, wo die Kraft sich entlud und mit Hilfe der Reagenzien die gesamte Kraft des Zaubers entfaltete. Ein leichter Schimmer von Licht legte sich über Jandria und sie konnte es kaum glauben, das es funktioniert hatte. Ihre roten Augen glänzten vor kindlicher Freude und sie merkte, das der Zauber seine Wirkung tat, denn sie konnte im dunklen Wohnbereich nun etwas besser sehen.

Sie schaute herum und alles war so hell, als würde die Sonne ihr Freund sein und ihr alles erleuchten.

Doch hielt der Zauber auch nicht lange und so murrte Jandria auf als das Licht wieder von ihr genommen wurde. Jandria beschloss weiter zu lernen und mehr Dinge aus dem Buch heraus zu erfahren und so setzte sie sich wieder auf das Sofa und blätterte in dem Buch herum.

Dieses Buch hatte sie so in ihrem Bann genommen, das sie es gar nicht mehr loslassen wollte.

Immer wieder gingen die Seiten hin und her und sie las einen Zauber nach dem anderen durch.

Ihre Hand, wo die Reagenzien waren, wischte sie leicht an dem Oberteil ab und nur etwas Asche blieb über. Ihre Gedanken kreisten immer noch um den Zauber, welcher ihr gelungen war, doch gab sie auch nicht so schnell auf. Jandria wollte immer weiter lernen und noch mehr anwenden. So kam es, das sie nach ein paar Seiten, welche sie aufgeschlagen hatte auf einen neuen Zauber stieß, welcher eine sehr interessante Formel der Wörter der Macht aufwies.

Sie vertiefte sich in die Beschreibung des Zaubers und besonders in die Kräuter und so sog sie alles auf, was das Buch ihr unterbreitete. „Ah. Ein Feuerzauber. Ein Element, welches sehr viel Schmerzen macht.“ - kicherte sie als sie die Gedanken in ihren Kopf bekam. Galathea hatte ihr bereits in den jüngeren Jahren immer wieder bei gebracht, dass das Feuer eine Macht besitzt, welche oftmals sehr unterschätzt wurde.

Jandria dachte aber nicht daran, diesen Zauber zu übergehen. Gefesselt von dem Bild, den Worten und allem was darüber in dem Buch stand, legte sie ihre Hand wieder auf das Buch nieder, so als würde sie es in einer Blindenschrift lesen wollen.

Ihr kleiner Finger geleitete über das Bild und da war es wieder. Das Gefühl, welches sie schon überkam, als sie das erste mal ihre Hand auf das Buch legte.

Diese Wärme, die ihren Körper umhüllte und verschlang. Ihr kleines Herz pochte wie wild, als das Gefühl immer weiter in ihr hervor kam.

Jandria setzte sich aufrecht hin und kramte aus ihrem Gürtel, an dem ein Beutel befestigt war, ein paar Reagenzien hervor und nahm sie in die Hand.

„Also wie war das. Schwefelasche und schwarze Perlen. So So.“ -grinste sie und nahm diese zur Hand.

„Dann werde ich mal sehen, ob es mir nicht gelingt, diesen Zauber zu sprechen. Man kann ja nichts falsch machen.“ - meinte sie dann und nahm mit der anderen Hand das Buch auf ihren Schoß. Doch es sollte anders kommen.

So wusste zwar Jandria, das die Magie sehr schön sein kann, wenn ihre Mutter oder ihr Vater immer wieder mal zauberten, doch wusste sie nicht, das auch die Magie oftmals Tod und Verderben hervor bringen kann.

Jandria wollte es dennoch wissen und sprach die Worte erst leise zu sich selbst und dann wollte sie einen Versuch wagen. Feuer, das ist ein schönes Ding, wenn ein Kind die Flammen sieht und sich erfreut.

„Vas Flam.“ - murmelte sie leise zu sich selber und die Wärme in ihrem Körper wurde immer mehr und mehr zu einer Art Hitze, die nun aufstiegt.

Immer wieder wiederholte sie dir Worte und ihre kleinen roten Augen funkelten die Freude heraus, welche aber noch sehr weit entfernt sein sollte.

Dann begann sie ihre Gedanken in Zaum zu halten und hob die Hand empor, so das sie sie vor Augen hatte. Ihr Mund öffnete sich und die Worte Vas Flam strömten nur so heraus.

Die Hitze die in ihrem Körper zu spüren war wurde mit einem großen Schwall entladen und entflammte in ihrer Hand. Eine Flamme, welche hell leuchtend über der Handfläche schwebte, trat ihr nun vor ihre Augen,

welche sie bisweilen geschlossen hatte.

Jandria lachte auf und freute sich sehr, was sie dort geschaffen hatte, doch was sollte sie nun machen damit. Sie wusste es nicht, denn es war ihr alles neu. Doch merkte sie, wie die Flamme immer heißer wurde und gar zu brennen anfing in ihrer Hand.

Jandria versuchte die Flamme weg zu schütteln, doch gelang es ihr nicht.

Ihre kleine Hand brannte auf und die Flamme verschlang sie ganz für sich.

Jandria schrie laut auf, so laut, das ihre Eltern aus dem Schlaf gerissen wurden und wie entsetzt

die Treppe herunter rannten.

Sie sahen Jandria auf dem Sofa sitzen und vernahmen, das die Hand des kleinen Mädchen brannte.

Goradon und Galathea eilten schnell herbei und versuchten Jandria zu helfen.

Doch das Mädchen konnte die Kraft nicht länger kontrollieren und ihre Augen wurden starr vor Angst.

Ihre Mutter umschlug die Hand mit ihrem Morgenmantel um die Flamme zum löschen zu bewegen, doch auch dieser wurde durch die enorme Kraft des Feuers angesenkt. Jandria schrie immer weiter und weiter und Goradon kam näher und nahm ihre Hand. Er sah das Buch und sah auf den Zauber, welchen Jandria gesprochen hatte. Sogleich bat er Galathea das Fenster zu öffnen und aus dem Weg zu treten.

Er hob die Hand des Kindes hoch und machte eine Wurfbewegung gen des Fensters, worauf hin die Flamme ihren Weg heraus fand und von Jandria abließ.

Es dauerte nicht lange und die Flamme krachte in den Baum, welcher vor dem Fenster stand

und brannte sich in die Rinde ein.

Jandria, die vom Schreien bereits sehr geschwächt war, brach in den Armen ihres Vaters zusammen und schloss die Augen. Galathea setzte sich neben sie nieder und sah die Hand von ihr genauer an.

Die Flamme hatte ihre Spuren hinterlassen. Sie verbrannte sie und die Haut war schon lange

nicht mehr an ihrem Platz wo sie sein sollte. Schmerzen musste das Kind haben, so unsagbare Schmerzen. Beide Eltern waren in Sorge und schauten immer wieder zwischen dem Buch und Jandria hin und her.

Wieso gerade dieses Buch und wieso konnte sie das Feuer so lange in der Hand halten und kontrollieren, ehe Goradon die Flamme wie ein Geschoss hinaus warf.

Sie sahen sich an und grübelten eine Weile und ließen dem Heilmagier eine Taube zukommen, das

er doch bitte schnell kommen soll.

Eine Weile saßen sie bei Jandria und Galathea versuchte mittels einige Zauber die Schmerzen der kleinen Dame zu lindern, während ihr Vater versuchte mit seiner Kraft, die Verbrennungen zu lindern. Doch auch ihnen gelang es nicht sonderlich gut und sobald klopfte auch der Heilmagier an die Türe

des Hauses.

Lange saß er bei Jandria und versorgte die Wunde, welche selbst er noch nie vorher so gesehen hatte, mit Salben und Kräuter. Er verband die Hand mit ein paar Binden, welche er aus einem sauber gekochten Laken schnitt und ging dann zu den Eltern in die Küche.

Auch er spürte die Kraft von Jandria und das es nicht sonderlich schwer zu erkennen war, das die Flamme länger schon in der Hand gewesen sein musste.

Sie unterhielten sich immer ausführlicher und kamen auf die seltsamsten Dinge was es sein kann,

als plötzlich Jandria in der Türe der Küche stand und die Worte vernahm.

Die Eltern und der Magier drehten sich zu ihr und baten sie herein. Sie sollte genau beschreiben, was geschehen war und wie sie dazu kam, diesen Zauber zu sprechen.

Denn ein Mädchen in ihrem Alter könne so etwas noch nicht. Jandria erzählte den drein die Geschichte und die Eltern wollten nicht wahr haben, was sie da hörten.

Sie holten das Buch heraus und legten es dann auf den Tisch. Jandria erschrak und wollte das Buch nicht mehr sehen, aber Goradon und Galathea nahmen sie bei der Hand und sprachen beruhigende Worte zu ihr.

Ihr würde nichts geschehen, denn sie würden Jandria zur Seite stehen.

Immer wieder gingen die Augen der Personen zwischen Jandria und dem Buch hin und her und keiner wollte etwas sagen. Als sie das Buch in die Hand nahm, begannen die Edelsteine, welche in das Buch eingearbeitet waren zu leuchten und das Symbol in der Mitte trat weit hervor.

Galathea blieb nah bei ihr stehen um zu sehen was noch weiter passiert als Goradon mit dem Magus ein Wort wechselte. Jandrias Augen wurden größer und starrten die Steine nun an und die Hand des kleinen Mädchen ging immer weiter heran und schlug das Buch dann auf und blätterte zu der Seite, an dem der Zauber beschrieben war.

Jandria war fest bei der Sache und doch war ihre verletzte Hand nun ein mahnendes Beispiel dafür, das Feuer doch sehr schlimm sein kann, wenn man es nicht richtig beherrscht. Doch sie wollte es lernen, den Umgang mit dem Element was doch Leben schenken kann und es wieder vernichtet und Schaden zufügt, bändigen.

Ihre Gedanken lagen auf dem Zauber und sie blickte hinab, starr und voller Ehrfurcht davor.