Kreuz und Quer: Dritter Band

Friedrich Gerstäcker · Kapitel 3 von 24

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Kreuz und Quer: Dritter Band

Zweites Kapitel. Der Korb.

»Beim Alten soll's bleiben,« erwiderte der alte Mann mürrisch. »Wir brauchen keine Zwischenträger, die uns hier sagen wollen, was wir zu thun oder zu lassen haben. Ich stimme dagegen.«

»Ich auch – ich ebenfalls,« tönte es von den meisten Seiten, und nur einige der jüngeren Leute versuchten eine kleine Opposition, wurden aber so vollkommen überstimmt, daß sie gar nicht in Betracht kommen konnten. Major Rollok hatte mit finster zusammengezogenen Brauen daneben gestanden und das Resultat beobachtet, aber er war auch klug genug einzusehen, daß hier und in d i e s e r Versammlung, in der überhaupt ein dem Süden nichts weniger als freundlicher Geist zu herrschen schien, kaum etwas würde auszurichten sein. Er mußte deshalb seine Zeit abpassen, und – war auch gerade der richtige Mann dazu.

»Gentlemen,« sagte er, als er flüchtig den Blick umhergeworfen und sich die von den jungen Leuten, die auf seiner Seite standen, rasch gemerkt hatte, »die Frage hier kommt mir nicht mehr zweifelhaft vor. Wie ich sehe, sind Sie fest entschlossen, ihre eigene Heimath zu vertheidigen, und das Land in Betracht gezogen, in dem Sie nun einmal leben, kann ich Sie kaum deshalb tadeln. Lassen wir das also. – Mr. Bockenheim, Ihr Whisky ist ausgezeichnet, ich bitte um eine andere Flasche, denn wir haben vom vielen Reden Durst bekommen.«

»Meiner ist gelöscht,« erwiederte Klingelhöffer, indem er seine Büchse über die Schulter warf und hinüber zu seinem Poney ging – »ich denke Boys, wir sind hier fertig und um eine » [1] Spree « zu halten, ist die Zeit zu ernst. I c h gehe heim.«

[1]: Spree (sprie gespr.) ein lustiges Trinkgelag – ein vergnügter Abend.

»Ich auch – wir Alle,« rief es von verschiedenen Seiten und wenn auch manche der jungen Leute noch gern den Nachmittag dort geblieben wären, folgten doch die Meisten den älteren. Nur zehn oder zwölf etwa, von denen die Meisten in Perryville selber wohnten, blieben noch zurück, um, wie sie sagten, von dem Major Näheres über den Krieg zu hören, und da diese jetzt eine verhältnißmäßig kleine Gruppe bildeten, war die kleine Stadt bald wieder so still und öde als vorher.

 

Z w e i t e s K a p i t e l .

Der Korb.

Für den Augenblick war die Gefahr, die dem stillen Frieden dieser Gegend drohte, abgewehrt; denn wenn auch der Major noch sein Bestes versuchte, die Zurückgebliebenen wenigstens, von denen noch dazu die Meisten auf seiner Seite standen, zu einem directen Vorgehen in diesem Sinne zu bewegen, so hatte sich doch die Meinung des Fourche-la-Fave kurz vorher zu entschieden ausgesprochen, um auf einen Erfolg hoffen zu können. Der Samen war aber einmal ausgestreut und von diesem Tag an begann eine Art von Unruhe in der ganzen Range, die man bis jetzt und so lange der Krieg währte, noch nicht gekannt hatte.

Allerdings verließ Major Rollock mit den übrigen Sesesch-Soldaten die Ansiedlung, um drüben am Petite Jeanne sein Glück und wie sich später zeigte mit besserem Erfolg zu probiren; Hendricks aber, der eine Menge Bekannte am Fourche-la-Fave hatte, blieb zurück und schien dabei auch nicht besonders durch den Wortstreit eingeschüchtert zu sein, den er mit einigen der jungen Leute gehabt. Er war ihm ungelegen gekommen, ja – noch dazu mit e i n e m der jungen Backwoodsmen, aber er wußte auch recht gut, daß deren Blut rasch aufbrauste, jedoch auch eben so rasch wieder durch ein freundliches Wort beruhigt werden konnte.

Acht Tage waren nach der, im vorigen Kapitel beschriebenen Versammlung etwa verflossen. Der alte Jenkins stand vor seinem Haus und hieb mit seinem kleinen Beil einen Axtstiel zurecht, sein Sohn James oder Jim, wie er kurzweg genannt wurde, war nicht weit davon beschäftigt, eine neue Corncrib oder einen Verschlag, in dem der Mais eingelegt werden sollte, aufzurichten, und Betsy, seine Schwester, ein blühendes junges Mädchen von etwa achtzehn Jahren, mit frischer Gesichtsfarbe – etwas nicht sehr gewöhnliches am Fourche, und gar so lieben, kastanienbraunen Augen, quälte sich eben in einer benachbarten Umzäunung mit einer etwas störrischen Kuh ab, die sich nicht wollte melken lassen, aber doch zuletzt der ruhigen Entschlossenheit des Mädchens nachgeben mußte. Bill, ihr jüngster Bruder, kam eben mit einem Eimer Wasser vom Fluß herauf.

»Hallo the house!« rief da eine Stimme von außerhalb der Fenz die Männer an und ein Reiter hielt dort, den Niemand der mit ihrer Arbeit Beschäftigten hatte herankommen sehen.

Die Hunde schlugen jetzt an und rannten heulend und bellend gegen die Fenz, an der sie hinaufsprangen, die Gänse schnatterten, die Hühner durch die zwischen ihnen hinfahrenden Hunde erschreckt, gakerten und es war für den Augenblick ein Skandal, in dem man nicht einmal sein eigenes Wort hören konnte.

»Ruhe, Ihr Bestien,« schrie der alte Jenkins, indem er ein Stück Holz aufgriff und zwischen die Köter hin schleuderte; »wollt Ihr Frieden geben! Hallo Hendricks, I h r seid's? Ich glaube, Ihr wäret schon lange wieder bei der Armee, rücktet mit ihr gegen New-York vor. Kommt herein, Mann, und bleibt nicht da draußen auf Euerem Pferd halten.«

»Dank Euch, Mr. Jenkins,« sagte der junge Mann, indem er von der Einladung ohne Weiteres Gebrauch machte. Die Hunde hatten ja auch gesehen, daß ihr Herr mit dem Fremden sprach, sie also Nichts mehr drein zu reden hatten, und als dieser jetzt sein Thier draußen angebunden hatte und die kleine Pforte öffnete, zogen sie sich, wohl immer noch knurrend, aber doch keine offene Feindseligkeit mehr zeigend, unter das Haus zurück.

Jim Jenkins hatte Hendricks eigentlich erstaunt und mit nicht besonders freundlichen Blicken betrachtet. Nach dem, was neulich zwischen ihnen vorgefallen, mochte er seinen Besuch nicht erwartet haben. Aber was ging er i h n an. Sein Vater hatte ihn aufgefordert, in's Haus zu kommen, er nicht, und ohne sich deshalb weiter um ihn zu kümmern, fuhr er auch ruhig in seiner Arbeit fort. Hendricks schien aber anders zu denken, denn nachdem er dem alten Jenkins die Hand geschüttelt, ging er ohne Weiteres auf Jim zu, so daß sich der junge Mann verlegen aufrichtete, und sagte mit freundlicher, ja fast herzlicher Stimme:

»Komm Jim. Die Politik hat schon manche Freunde entzweit, sie soll es aber hier nicht im Walde thun. Wir waren Beide damals aufgeregt und heftig. Jetzt haben wir kaltes Blut und ich wenigstens habe die Sache vergessen.« Er streckte ihm dabei die Hand entgegen und wenn Jim auch wohl selber schwerlich ein erstes freundliches Wort zu ihm gesagt hätte, war er doch auch wieder viel zu offener, ehrlicher Natur, eine gebotene Hand zurückzuweisen. Er schlug ein und nickte.

»Gut Bob, so soll's sein. Du hast Recht, die Zeit ist danach angethan, daß wir hier Alle zusammenhalten, und ich werd' es wahrhaftig nicht sein, der den ersten Streit in die »Range« würfe. Sei willkommen.«

»So recht Jungens,« nickte der Alte, der schweigend der kleinen Versöhnungsscene zugeschaut. »Wir können hier in der That keine Uneinigkeit gebrauchen, denn wer weiß wie bald wir Einer den Andern nöthig haben, wenn das Unglück auch über uns hereinbrechen sollte. Und nun kommt herein Hendricks; das Frühstück wird gleich fertig sein, die Betsy bettelt sich nur noch da drüben die Milch von der Kuh, die ebenfalls halsstarrig zu sein scheint. Kommt Mann und drin könnt Ihr uns sagen, was Euch zu diesem Winkel von Arkansas hergeführt, denn Besuch bekomme ich verwünscht selten, wenn nicht einmal ab oder zu ein einzelnes Canoe bei mir anlegt.«

Hendricks dankte freundlich, schien aber doch noch keine rechte Lust zu haben der Einladung ohne Weiteres zu folgen, denn Betsy trat eben mit ihrem kleinen Melkkübel aus der Umzäunung und kam auf sie zu.

»Wie geht's Miß Betsy,« sagte Hendricks, ihr ein Paar Schritt entgegengehend und ihr die Hand reichend – »Sie sehen wohl und munter aus, und die Arkansas-Niederung scheint Ihnen vortrefflich zu bekommen.«

»Danke Sir,« sagte das junge Mädchen, leicht erröthend, »ich habe ja auch, Gott sei Dank, noch kein Fieber hier gehabt; Pa und Ma aber desto mehr.«

»Bah, das richtet sich Alles ein,« brummte der Alte, »wenn man sich nur erst einmal ein Bischen an die warme feuchte Luft gewöhnt hat. Das Land hier ist aber desto besser. Seht einmal die Maiskolben an, Hendricks, ob Ihr je in Euerem Leben größere getroffen habt. So lange ich und mein Junge leben bleiben, hält auch der Boden aus; in dem ist kein Vergang.«

Das Gespräch kam jetzt auf die Fruchtbarkeit der verschiedenen Distrikte, in dem die Farmer unerschöpflich sind, und Betsy war indessen in das Haus gegangen, um den Frühstückstisch zu bestellen, denn die Mutter hatte wieder einen »Anfall« des ewigen kalten Fiebers und saß, sich schüttelnd, am Camin in der Ecke, die offenen zitternden Hände gegen die Flamme ausgebreitet.

Bei dem Frühstück, das übrigens frugal genug aus etwas gebratenem Speck, warmem Weisbrod und einem Becher Kaffee oder Milch bestand, erzählte nun auch der Gast seinen Wirthen, daß er gesonnen sei, den Petite Jeanne zu verlassen, denn man wohne dorten gewissermaßen aus der Welt. Er wollte deshalb herüber an den Fourche ziehen, wo er sich schon, ein Stück weiter oben einen Platz ausgesucht habe, um eine Dampfsägemühle aufzustellen. Er hatte, wie er bemerkte, eine Masse Vieh im Walde herumlaufen, das jetzt einen nie dagewesenen hohen Preis in Little Rock brachte. Dorthin wollte er es nun, ehe er wieder zur Armee ging, treiben und verkaufen und dafür eine auf Speculation nach der Stadt gebrachte Sägemühle erstehen, die in der jetzigen Zeit natürlich kein Mensch haben wollte noch auch gebrauchen konnte, und die er unter solchen Umständen – wie er sich auch schon erkundigt – zu einem Spottpreis bekam.

Der alte Jenkins nickte dazu beistimmend vor sich hin, denn was der junge Mann da vorrechnete, hatte Hand und Fuß, während sie Nichts nothwendiger in der range brauchten, wie gerade eine schon lang ersehnte Sägemühle, die auch wahrscheinlich vortreffliche Geschäfte machen würde. Das nur war ihm dabei etwas Neues, daß Hendricks so viel Vieh haben sollte, denn der alte Hendricks, der eine kleine Farm am Petite Jeanne angelegt hatte und fast gar Nichts selber arbeitete, denn er saß den ganzen geschlagenen Tag im Hause und las in der Bibel, war blutarm – so wenigstens erzählte man sich am Fourche-la-fave. Uebrigens bestand nicht viel Verbindung zwischen den beiden kleinen Flüssen. Nicht einmal ein Weg führte vom unteren Theil der Fourche-la-fave hinüber, und irrige Nachrichten konnten deshalb wohl recht gut verbreitet sein.

Der alte Jenkins dachte auch gar nicht daran, über die Verhältnisse eines Nachbars nachzugrübeln. Das war dessen Sache, und wenn sich der Sohn Geld erworben oder Vieh gezogen hatte, desto besser. Jenkins war wahrlich nicht neidischer Natur, um es ihm zu mißgönnen. Seine eigene Arbeit durfte er aber dabei nicht versäumen, und wie sie nun das Frühstück beendet, ging er wieder hinaus, um seinen Axtstiel fertig zu schnitzen und dann dem eigenen Sohn mit der corncrib zu helfen.

Jim Jenkins und sein Bruder Bill standen ebenfalls auf, aber es war in den Backwoods auch Gebrauch, daß ihnen der Gast nicht zu folgen brauchte, sondern noch eine Zeitlang zurück und bei den Frauen blieb, um sich mit diesen ein wenig zu unterhalten. Besuch kam ja so selten, und hatte dann jedesmal einen so weiten Weg zurückzulegen, daß man ihn doch nicht gut auf eine halbe Stunde beschränken konnte.

Die Mutter war aber kränker geworden und hatte sich auf das Bett in die entfernteste Ecke des Hauses gelegt, wo sie sich im Fieberfrost die Steppdecke über den Kopf zog. Betsy stand am Kamin und wusch das Geschirr auf. Hendricks, den Ellnbogen gegen den Simms gestützt, stand daneben. Die Unterhaltung war aber in's Stocken gerathen und selbst ein paar Fragen, die das junge Mädchen an ihn richtete, wurden so kurz und zerstreut beantwortet, daß sie endlich von ihrer Arbeit auf und ihn ansah.

Hendricks mochte in diesem Augenblick fühlen, daß er sich ungeschickt benommen, denn das Blut schoß ihm in die Schläfe – aber es war auch wirklich nur ein Augenblick, denn schon im nächsten sagte er, wenn auch mit nur halblauter und fast unterdrückter Stimme:

»Miß Betsy, entschuldigen Sie mich – meine Gedanken waren mit mir durchgegangen, und ich glaube ich habe mich etwas albern benommen.«

»Sie haben gewiß nicht verstanden, was ich Sie frug,« lächelte das Mädchen.

»Nein – in der That nicht, aber erlauben auch Sie mir eine Frage –«

»Gern, wenn ich sie beantworten kann.«

»Nun gut,« sagte Hendricks, und wie sich vorher sein Antlitz rasch und wie mit einem Schlag röthete, eben so schnell erbleichte es auch jetzt, so daß ihn Betsy, die sich sein wunderliches Betragen nicht erklären konnte, erstaunt und fast erschreckt ansah. Hendricks ließ ihr aber nicht lange Zeit, und nach einem halb scheuen Blick auf das Bett hinüber, wo er aber keinen Horcher zu fürchten brauchte, fuhr er leidenschaftlich, aber nicht laut fort: »Sie haben vorhin gehört, Betsy, daß ich mir in allernächster Zeit eine Heimath zu gründen gedenke – der Krieg kann kaum sechs Monat mehr dauern, dann kehre ich zurück und baue mir meine Cabin – wollen Sie mein Weib sein? Wollen Sie Ihr künftiges Loos in meine Hände legen? Ich gebe Ihnen die feste Versicherung, daß ich –«

»Halten Sie ein, Mr. Hendricks,« unterbrach ihn aber Betsy, und es war jetzt an ihr, zu erbleichen. Das Mädchen war in den wenigen Secunden so weiß geworden wie Schnee. »Ihr Antrag hat mich allerdings überrascht – ich war nach unserer flüchtigen Bekanntschaft nicht darauf vorbereitet – konnte es nicht sein, aber ich – muß Ihnen auch erklären, daß jedes weitere Wort unnöthig sein würde, denn – ich bin schon Braut.«

»Betsy?« rief Hendricks, und krampfhaft faßte er das Simms, an dem er bis jetzt gestanden, »das ist nicht möglich. – Vor kaum vierzehn Tagen war ich hier und ich weiß, daß Sie da noch frei waren. Sie wollen nur Zeit gewinnen, aber ich dränge Sie ja nicht – nur die Möglichkeit will ich von Ihren Lippen –«

»Und selbst die Möglichkeit kann ich Ihnen nicht geben,« sagte Betsy leise, aber auch fest und entschlossen. »Ob ich glaube mit Ihnen glücklich leben zu können oder nicht, kommt hier nicht mehr in Betracht. Ich habe dem jungen Wells mein Wort gegeben, und sobald John sein neues Haus fertig hat, wird die Hochzeit sein. Die Zeiten sind so unruhig, daß ich meine Zustimmung zu einer so raschen Verbindung gab.«

Hendricks hatte seine Unterlippe fest mit den oberen Zähnen gefaßt, und sein Blick bohrte sich dabei so scharf in Betsy's Augen, daß diese ihn nicht ertragen konnte. Aber in diesem Blick lag keine Liebe, kein Schmerz, sondern nur Haß, und während sich ein höhnisches Lächeln über seine Züge legte, sagte er ruhig:

»Wenn die Sachen so stehen, Miß, dann möchte ich einer so glänzenden Verbindung allerdings nicht im Wege sein – der Sohn eines Halb-Indianers –«

»Mister Hendricks,« blitzte ihn aber jetzt das wieder voll auf ihn gerichtete Auge des Mädchens an – »Sie würden nicht den Muth haben, das meinem Bräutigam in's Gesicht zu sagen. Entfernen Sie sich jetzt augenblicklich oder ich rufe meinen Vater.«

»Ich werde Sie nicht länger belästigen, Miß,« sagte Hendricks kalt; »vielleicht habe ich einmal später die Freude, dem jungen glücklichen Paar meine Glückwünsche zu bringen. Mr. Wells zieht ja wohl nicht mit aus, um sein Vaterland zu vertheidigen – was ich ihm auch unter solchen Umständen nicht verdenken kann.«

Betsy's Blut kochte – ihre Lippen öffneten sich halb, ihre kleine Faust ballte sich. Hendricks aber dachte nicht daran, sie noch mehr zu reizen, die Nähe der Männer vor dem Haus war ihm auch vielleicht unbequem, und sich nur mit spöttischer Ehrfurcht vor ihr tief verneigend, drehte er sich ab, ging zu seinem Pferd, band es los, schwang sich in den Sattel, und den bei ihrer Arbeit beschäftigten Männern einen kurzen Gruß zurufend, sprengte er gleich darauf den schmalen Pfad entlang, der nach dem Fourche-la-fave hinüberführte.

»Na?« sagte Jim, der ihm erstaunt nachgesehen hatte, »der hat's ja auf einmal verdammt eilig. Was ist denn dem in die Krone gefahren, daß er davonschießt, als ob die Regulatoren hinter ihm her wären.«

Der Alte hatte sich ebenfalls aufgerichtet, und wie von einem plötzlichen Gedanken ergriffen, fuhr sein Blick nach der eigenen Hausthür hinüber, ob er dort vielleicht eine Erklärung fände. Die Thür blieb aber leer; Betsy ließ sich nicht blicken und Jenkins, sich den einen Balken zurecht rückend, den er eben behauen wollte, sagte kopfschüttelnd:

»Laß ihn laufen. Es ist mir recht, daß Ihr Euch nicht in den Haaren liegt, denn Nachbarn sollen in Frieden beieinander wohnen. Sonst liegt mir aber an dem Umgang auch nicht gerade besonders viel; denn der alte Hendricks ist ein alter Heuchler, so viel ist sicher, und von dem jungen weiß ich eben Nichts. Komm Jim, faß einmal hier mit an, daß wir den Block da ein wenig mehr bei Seite schieben; komm Du auch her, Bill. Ich weiß nicht, mir ist es in's Kreuz hinein gefahren und die alten Knochen wollen nicht mehr so recht mit! Betsy mag auch eine Hand reichen; das Stück Holz ist mordmäßig schwer und wir wollen uns gerade keinen Schaden damit thun. He Betsy – oh Betsy – komm einmal einen Augenblick her, Schatz, und nimm die Stange hier. – Wenn sie die nur immer unterstemmt, daß er nicht wieder zurückfällt, können wir es schon machen.«

Betsy kam aus dem Haus, dem Ruf Folge leistend, aber das Mädchen sah so merkwürdig blaß aus, daß Jim erschreckt rief:

»Hallo Betsy, was fehlt Dir? Du bist krank, Schatz – siehst ja käseweiß im Gesicht aus. Geh nur wieder hinein, Dich können wir hier nicht gebrauchen.«

»Sagt mir nur, wo ich anfassen soll,« erwiederte das Mädchen ruhig, »mir fehlt Nichts, wenn ich auch vielleicht ein Bischen blaß aussehe.«

»Dir fehlt Nichts?« rief aber auch jetzt der Alte, der sie aufmerksam betrachtete, und dann unwillkürlich nach dem Weg hinübersah, auf dem Hendricks vor wenig Minuten davon geritten. – »Hat Dir der – gentleman etwa was gesagt?«

»Welcher gentleman, Pa?«

»Nun, der Mister Hendricks.«

»Das ist kein Gentleman,« sagte das junge Mädchen finster und fuhr nach einer kurzen Zögerung fort: »Ja – er hat mir seine Hand angeboten.«

»Hm,« brummte der Alte, »merkwürdig geschwind muß es gegangen sein, das ist wahr, aber als eine Beleidigung kann man das doch nicht eigentlich nehmen.«

»Ich hab's aber so genommen Vater, doch – laßt den – Burschen. Sagt mir wo ich mit anfassen kann, denn ich muß wieder zur Mutter hinein. Das Schütteln ist vorüber und sie bekommt jetzt ihr Fieber.«

Die beiden Männer wußten recht gut, daß aus der Betsy – wenn sie nicht reden wollte, Nichts herauszubringen sei. Der Alte betrachtete sie allerdings wohl noch eine Minute lang scharf und forschend, aber sie erwiederte den Blick nicht, und da war es denn das Beste, daß man sie eben ruhig zufrieden ließ. Er zeigte ihr deshalb jetzt, wie sie die Stange einsetzen und halten solle, und Betsy, nicht zum ersten Mal bei der Arbeit verwandt, brauchte auch keine lange Erklärung. In kurzer Zeit war der Stamm auf seinem Platz, und sie schritt dann wieder, ohne weiter ein Wort zu sagen, nach dem Haus zurück.