Nach dem Winter, Entscheide dich
Kapitel 3 ~ Und dann hilft nur noch Joghurt
Ich hörte noch wie einer der Drei meinen Namen rief und irgendwas von "Nimm dir das nicht zu Herzen" faselte, aber das interessierte mich im Moment herzlich wenig.
Ich musste den kompletten Weg nach Hause laufen, da der Bus nur morgens und mittags fuhr, aber auch das interessierte mich kaum.
Ich hätte zwar meine Eltern anrufen können oder mit Anthony und seinem Bruder mitfahren können, aber ich bevorzugte es zu laufen.
Was fällt dem eigentlich ein! Und obwohl es eigentlich wirklich wichtigere Dinge gab, an die ich hätte denken können, ging mir dieser dumme, arrogante, wunderschöne, musulöse, atemberaubende..
Halt, oh Gott! Das kann doch jetzt wohl nicht wahr sein! Hör auf sowas zu denken, ermante ich mich selbst, doch diese Gedanken wollten einfach nicht weichen, keine Sekunde. Allein der Gedanke daran, wie seine Muskeln zuckten, wenn er lachte, ließ mich beben.
Jetzt war ich an dem Punkt angekommen, wo ich mich wirklich für meine Gedanken verabscheute und auch ein kleines bisschen schämte, zumal es absolut gegen meine Regeln sprach, was das mit den Typen angeht. Um genau zu sein, sind es fünf Regeln, die ich zusammen mit Evelyn vor zwei Jahren aufgestellt und bis jetzt auch nie gebrochen hatte.
Denn im Gegensatz zu ihr, hielt ich mich an meine Regeln und machte nicht drei Tage später mit dem nächstbesten Kerl, der mir unter die Augen kam, rum.
Klar waren da ab und zu verlockende Angebote, aber Regeln waren ebend Regeln.
Und gegen die Erste hab ich gerade verstoßen: Keinen Gedanken an einen Jungen verschwenden, der nicht in meiner Liga spielt, vergeben ist, der reinste Playboy ist, verdammt scheiße und unfreundlich und achja, egal was es ist, einfach an keinen Typen denken.
Schnellen Schrittes überwand ich die letzten Meter bis zu meiner Haustür.
Ich schloss sie wütend auf und knallte meine Schlüssel in die Schale auf der Komode, die in unserem Hausflur stand. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass niemand da war und ich schliff meine Schultasche die Treppen hinauf, bis in mein Zimmer und ließ sie, dann einfach mitten im Raum liegen.
Entschlossen heute nichts mehr zu tun, setzte ich mich auf den Bettrand und ließ mich nach hinten fallen. Mit geschlossenen Augen ließ ich meinen Tag Revue passieren. Der Tag fing schon mal schlecht an, indem Eve mir Wasser auf das Bett schüttete, damit ich aufstand.
Dann kam es im Bus zu einem Missverständnis mit Anthony und zu guter Letzt der Zusammenstoß mit "Mr. IchschubsegerneLeuteaufdenBoden" mit ausartendem Konflikt und schließlich meine Flucht, zu Fuß, nach Hause. Nun kam mir aber in den Sinn, weswegen der ganze Tag so schlecht verlaufen war: der morgige Tag und der damit verbundene Untergang.
Und damit das nich genug war, fiel mir ein, dass ich meine Koffer noch packen musste.
Voller Vorfreude, die ich leider nicht besaß und mir das Packen um einiges schwerer machte, fing ich an Tops, Hosen, Schuhe, Bikinis und alles andere was ich benötigte, in meinen riesen großen blasslilanen Koffer zu schmeißen und zu stopfen, um den ganzen Krämpel erneut aus dem Koffer zu ziehen und ihn fein säuberlich wieder einzupacken.
Draußen dämmerte es bereits, als ich fertig war, den Koffer zu beladen.
Ein schimmerndes orange strahlte in mein Zimmer und ließ alles ein wenig freundlicher wirken, ganz im Gegenteil zu meiner jetzigen Stimmung, die eher einem Wintersturm glich.
Den Koffer, der fast so groß war wie ich, stellte ich neben meinen Kleiderschrank und sammelte, auf dem Weg zu meinem Schreibtisch, meine Schultasche auf.
Ich schaute auf mein Smartphone und bemerkte zwei Sms auf meinem Display.
Anthonys Name stach mir in die Augen und ich hatte absolut keine Lust diese Sms zu öffnen, dennoch tat ich es. Ich möchte mich für das Verhalten vorhin entschuldigen, Prinzessin. Weder mein noch sein Verhalten war angebracht und ich hoffe du bist nicht mehr sauer.
Wie kam er darauf, dass ich ihm böse war? "Mr. IchschubsegerneLeuteaufdenBoden" war der Grund für meine Wut, aber nicht er.
Das er sich auch noch für ihn entschuldigt, verstehe ich nicht.Ich ignorierte diese erstmal und widmete mich der zweiten Sms zu.
Eine unbekannte Nummer zierte mein Display und obwohl ich solche Nachrichten sofort löschte, war meine Neugier zu groß.
Hey Miss IchlehnemichgernegegeneineEingangstür! Ich wollte mich nur entschuldigen, war echt nicht besonders klasse von mir, mich gleich von einer meiner schlechtesten Seite zu zeigen. Hoffe du nimmst mir das nicht all zu übel.
Mr. IchschubsegerneLeuteaufdenBoden.
Er konnte ja doch nett sein, sieh an, sieh an! Ich frage mich, wie er wirklich heißt..
„Sollte ich Anthony fragen, wenn ich ihm zurück schreibe oder sollte ich ihn selbst fragen?", fragte ich mich laut. Ich frage am besten gar nicht, dachte ich mir meine Antwort.
Ich nahm mein Smartphone wieder zur Hand und öffnete Anthonys Nachricht erneut.
Wieso sollte ich denn sauer sein, Chummy? Du hast doch gar nichts getan. Mach dir keinen Kopf, wir sehen uns heute Nacht um fünf vor meinem Haus, tippte ich und versendete die Sms.
Als ich Mr. IchschubsegerneLeuteaufdenBodens Sms öffnete, wusste ich nicht so Recht, was ich schreiben sollte, also schrieb ein einfaches "Schon vergessen" und schickte sie ab.
Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass es Zeit ist, schlafen zu gehen. Ich stellte mir meinen Wecker auf vier Uhr, schnappte mir einen Zettel und schrieb: Hey Mommy! Da du erst um vier nach Hause kommst, wäre es sehr nett, wenn du mich vielleicht wecken würdest, sollte ich meinen Wecker nicht hören.
Love.
Ich lief aus meinem Zimmer, die Treppen runter, hinein in die Küche und legte den Zettel, extra offensichtlich, auf die Herdplatte. Anschließend nahm ich mir noch einen Joghurt, aß diesen auf und machte mich auf den Weg zurück in mein Zimmer.
Ich zog mir ein altes, viel zu großes, T-Shirt mit dem Aufdruck "Daddy loves his Princess" von meinem Vater an und legte mich ins Bett.
Es dauerte zwar etwas, aber irgendwann musste ich wohl eingeschlafen sein.