Nach dem Winter, Entscheide dich
Kapitel 8 ~ Ein Geheimnis ist nur solange eines, bis es einen zweiten Träger findet
Kapitel 8 ~ Ein Geheimnis ist nur solange eines,
bis es einen zweiten Träger findet
Wir fuhren ungefähr 30 Minuten, was eine unfassbare Verschwendung der Limousine war, ehe wir ankamen. Ich hatte die ganze Fahrt über nicht aufgesehen, sondern nur meine Hand angestarrt, die immer noch verdächtig kribbelte und war in Gedanken versunken. Daher bemerkte ich auch nicht, dass Connor mich wieder hoch hob und auch nicht wo genau wir waren.
Im Brautstyle gingen wir einen schmalen Weg entlang und wären wir nicht in einer Limousine gefahren und hätte er mich davor nicht geküsst, hätte ich gedacht, er würde mich wirklich entführen. „Lässt du mich bitte runter?", fragte ich ihn mit einem zuckersüßem Lächeln.
Er gewährte mir den Wunsch und ich konnte auf meinen eigenen Beinen weiter laufen, was sich allerdings als schwierig herausstelle, da mein ganzer Körper unter seiner Berührung litt und wie verrückt kribbelte.
Ich sah einige Caravans und weiter hinten große Familienzelte. Ich runzelte die Stirn und versuchte heraus zu finden, wo genau wir waren, bis mir ein großes mit dicken Buchstaben bedrucktes Schlid vor die Augen kam.
FARMHOUSE - CARAVANS and CAMPING.
Small Dole!
Das hätte mir irgendwie klar sein müssen.
„Wieso sind wir jetzt in einer Limousine nach Small Dole gefahren?", fragte ich ihn, da mir die Stille unangenehm geworden war und hakte mich bei ihm ein.
Eine Geste um sein Vertrauen zu gewinnen! „Immer schön schleimen, Alexis. Dann bekommst du auch was du willst!", sagte ich in Gedanken zu mir selbst. Er blieb verwundert stehen und ich konnte das Fragezeichen in seinem Gesicht förmlich anfassen, so erstaunt war er.
„Ähm", fing er sich wieder und ging weiter. „Du hast Geburtstag, da kann man so etwas doch mal machen", brachte er seinen Satz zu ende.
Ich lief um ihn herum, da er so schnell ging und ich probleme hatte mit ihm mitzuhalten und brachte ihn somit zum stehen. Dabei ließ ich auch seinen Arm los, was er ganz und gar nicht toll fand.
„Also quasi ein Geschenk?", fragte ich ganz freundlich, vielleicht auch eine Spur zu freundlich, denn wieder schlich sich ein Fragezeichen auf sein Gesicht.
Er nickte nur und wollte weiter gehen, aber ich reichte ihm meine Hand, die er nur zu gern nahm.
Ich kannte diesen Jungen, da war ich mir sicher und so sicher wie ich war, würde ich meine Einsen darauf verwetten! Allein wenn ich seinen Zweitnamen in Gedanken aussprach, merkte ich, dass da etwas war.
Das Gefühl, was meinen Körper durchfuhr, bestätigte das ganze nur noch.
„Ich muss dir jetzt die Augen verbinden", sagte Connor monoton und zog dabei eine Schlafmaske aus seiner Hosentasche. Er starrte mir wieder wie besessen in die Augen und dieses Verlangen in meiner Brust kehrte zurück.
Ich wusste das etwas nicht stimmte.
Es lag nicht an mir!
Er machte etwas mit mir, dass nicht normal war. Dieses Mal achtete ich auf alles was er tat und regte mich nicht darüber auf, dass ich mich nicht bewegen konnte. Seine Pupillen wurden klein und seine Augen wechselten die Farbe. Sie waren dunkelgelb wie im Auto, aber diesmal mit ein wenig dunkelgrün gemischt!
Ich hatte mir das also alles doch nicht eingebildet. Er machte etwas mit seinen Augen, dass mich diese verrückten Dinge machen ließ.
Danke an Ms. Morrison, die mich an einem Samstagabend, die Farbpsychologie hat pauken lassen.
Dunkles gelb stand für geistige Anstrengung und noch etwas. Mentale Kontrolle!
Das war es!
Dunkles grün stand für Unbeweglichkeit, was mein momentaner Zustand auch bestätigt.
Demnach müsste ich jetzt dunkelgrüne Augen haben. Hätte ich jetzt Stift und Zettel dabei, würde ich das alles aufschreiben.
Die Farbpsychologie würde mir sicherlich nochmal nützlich sein.
„Wie lange willst du mir eigentlich noch wie besessen in die Augen starren?", verwundert riss ich meine Augen auf, blickte ich ihn an und auch in seinen Augen konnte ich Verwunderung erkennen. Wie zur Hölle konnte ich mich aus der Starre befreien? Er hatte doch immer noch diesen Psychoblick drauf, also hatte er auch noch die Kontrolle über mich.
Wieso konnte ich das nicht, als er mich geküsst hat, verdammt!? Vielleicht hatte er ja recht und innerlich wollte ich es wirklich. Mein Körper war ja auch mehr als begeistert davon.
Ich musste meine Gedanken sortieren und dafür musste ich weg von ihm.
Da er immer noch völlig überrumpel war, nutzte ich diese Chance und rannte den Weg zurück.
Ich lief an der Limousine, die dort komischerweise immer noch stand, vorbei und sah ein Stück weiter ein altes weißes Haus mit der Aufschrift Timbers Bed and Breakfast.
Dort rannte ich rein und lief Emma, der Besitzerin, auch direkt in die Arme.
„Kind, du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen, ist alles in Ordnung mit dir?", zog sie mich in eine Umarmung und musterte mich besorgter wie eh und je.
Emma war meine Tante und sie entsprach so ziemlich das Ideal einer etwas zu vollbusigen Besitzerin eines Dinners. Sie färbte sich mit ihren 40 Jahren immer noch die Haare rot. Fragt mich nicht wieso sie das tat, es war einfach so. Sie war eigentlich ganz hübsch, ach was, sie war wunderschön, so wie jeder aus meiner Familie, bis auf mir.
Ich war... normal.
Ich war nicht mager, aber auch nicht dicklich. Mein Gesicht war mit dunkelblauen Augen und schön geschwungenen, vollen Lippen gesegnet. Ich hatte dunkelblonde Haare, die mir knapp unter die Brüste gingen und für meine Verhältnise echt tolle Augenbrauen. Trotzdem war ich ziemlich zufrieden mit mir, bis zu den Momenten, in denen ich meine Familie sah.
„Kindchen, wie siehst du eigentlich aus? Hattest du eine Rund-um-Erneuerung und ein Paar OP's hinter dir?", fragte mein Tant'chen mich völlig schockiert und hielt sich ihre Hand vor den Mund. Ja so war sie, direkt und unverblühmt.
Das sie dabei manchmal beleidigend wurde, merkte sie nicht oder sie wollte es auch gar nicht merken.
Was das Gute an der ganzen Sache war? Ich konnte genau so direkt sein, denn bei ihr konnte ich meine Teufelsader ausleben ohne schockiert angeschaut zu werden und Ärger zu kassieren.
„Nimmst du wieder diese Pillen und leidest an Halluzinazonen?", fragte ich sie deshalb genau so schockiert und mimte eine Ohnmächtige nach, indem ich mir dramatisch eine Hand vor die Stirn klatschte und gespielt das Gleichgewicht verlor. „Oh nein", lachte sie und zog einen Spiegel aus ihrer Kitteltasche. Immer noch lachend hielt sie mir den Spiegel vor mein Gesicht und was ich da sah, ließ meine gespielte Schockiertheit zu echter werden.
Und Unglauben. Und Verwirrung. Und Übelkeit, ja... ganz viel Übelkeit gepaart mit schwarz werdender Umgebung und erneuter Bekanntschaft mit dem diesmal laminierten Boden.